StaatspleitenWer ist der Nächste?

Gestern Griechenland, heute Irland, morgen vielleicht Portugal. Der Euro ist noch lange nicht gerettet.

Wieder fließen Milliarden, wieder muss ein Staat seine Souveränität aufgeben, wieder gehen die Deutschen als Zahlmeister ins Risiko. Und wieder heißt es, Europa sei jetzt gerettet. Die Hilfen für Irland würden einen »Ansteckungseffekt« verhindern, sagt Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Schäuble muss das sagen, schon um die angespannten Händler auf den Kapitalmärkten zu beruhigen. Niemand aber weiß, ob es gelingt, die Kettenreaktion einzudämmen. Ob die Krise jetzt zu Ende ist oder nach Griechenland nur der zweite Dominostein gefallen ist. Zu gewichtig sind die Unbekannten in dieser Gleichung: die Nerven der Investoren, die Leidensfähigkeit der Schuldenländer – und die Zahlungsbereitschaft der Geber.

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Der nächste Dominostein wankt bereits. Für Portugal wird es schwierig, sich frisches Geld zu borgen. Kaum jemand glaubt mehr daran, dass das Land sein Staatsdefizit wie geplant senken kann. Vor allem die schwache Konjunktur macht Portugal zu schaffen. Laut der Industrieländerorganisation OECD wird das Land im kommenden Jahr in die Rezession rutschen – was neue Löcher in die Staatskassen reißen dürfte. Regierungschef José Sócrates versichert zwar, er benötige »keinerlei Hilfe«. Doch sein Problem ist: Genau das hatte man auch in Dublin lange behauptet. Und davor in Athen. Es bestehe ein »beträchtliches Risiko«, dass Portugal bald Stütze beantragen müsse, sagt Ralph Solveen, Volkswirt bei der Commerzbank. In Brüssel hätten einige das Land am liebsten schon gleich mit unter den Schirm geholt.

Schlimmer: Auch den übernächsten Stein haben die Finanzhändler bereits identifiziert – Spanien musste diese Woche fast doppelt so hohe Zinsen wie noch im Oktober bezahlen, um seine Anleihen platzieren zu können. Das änderte sich auch nicht, als Finanzministerin Elena Salgado »mit absoluter Sicherheit« ausschloss, dass ihr Land Hilfe benötige, und erklärte, die spanische Wirtschaft zeige erste Anzeichen der Besserung. Salgados Ministerium hortet nach spanischen Medienberichten bereits Cash, um das Land über Wasser halten zu können, falls die Zinsen noch weiter steigen.

Spätestens eine Krise Spaniens könnte den Rettungsfonds überfordern

Fällt Spanien, dann steht Europa vor einer Zerreißprobe. Das Land muss allein im kommenden Jahr 190 Milliarden Euro am Kapitalmarkt aufnehmen. Ein drei Jahre laufendes Hilfsprogramm wie in Griechenland oder Irland könnte den Rettungsfonds der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) überfordern, der insgesamt 750 Milliarden Euro mobilisieren kann. Jetzt verleiht er erst einmal knapp 100 Milliarden Euro an Irland. Eine Aufstockung der Hilfen gilt in Deutschland als politisch nicht vermittelbar. »Warum sollen deutsche Steuerzahler für Irlands Krise zahlen?«, fragt Bild und trifft damit die Stimmung in Berlin und anderswo.

Tatsächlich zahlen sie bis jetzt noch nicht einmal. Auch nicht für Griechenland. Der Fonds leiht sich das Geld für die Nothilfe am Markt. Dank der Garantien von starken Ländern wie Deutschland oder Frankreich sind die Zinsen niedrig. Das Geld wird dann mit einem Aufschlag von drei Prozentpunkten an die Schuldenstaaten weitergereicht. Wenn alles gut geht, verdienen die Geber am Zinsunterschied. Unter dem Strich flösse dann Geld aus Griechenland und Irland nach Deutschland – und nicht umgekehrt.

Das optimistische Szenario sieht also so aus: Die Krisenstaaten bekommen ihre Haushalte in den Griff und zahlen ihre Schulden mit Zinsen zurück. Das kann funktionieren. Und es gibt in diesen Tagen der Krise auch positive Nachrichten aus Europa. Der deutsche Konsum springt an, davon profitieren die Nachbarn, die mehr Waren nach Deutschland verkaufen können. Das Wachstumstempo der europäischen Industrie hat sich im November noch einmal beschleunigt. »Die fiskalische Anpassung ist schwierig, aber machbar«, schreibt der IWF in einer aktuellen Studie.

Leserkommentare
  1. machen Kasse. In jedem Fall.

    http://www.nachdenkseiten...

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    • joG
    • 24.11.2010 um 18:15 Uhr

    ....sich mehr Sorgen machen über die Politiker als über die Banken. Wenn man den Euro geordnet entsorgt, wären viele Probleme, die wir momentan sehen und auf zehn Jahre vor uns haben, vom Tisch. Wie aber der Präsident vom Goethe Institut gerade sagte, das kann nicht geschehen, weil
    der Euro ist ein Symbol der Einheit Europas, das nicht scheitern darf.

    • joG
    • 24.11.2010 um 18:15 Uhr

    ....sich mehr Sorgen machen über die Politiker als über die Banken. Wenn man den Euro geordnet entsorgt, wären viele Probleme, die wir momentan sehen und auf zehn Jahre vor uns haben, vom Tisch. Wie aber der Präsident vom Goethe Institut gerade sagte, das kann nicht geschehen, weil
    der Euro ist ein Symbol der Einheit Europas, das nicht scheitern darf.

  2. haben die EU es nicht zugellassen das jemand ihre haushalt kontrolliert..niemand...kein einsicht...und bis dahin kamm es jedes jahr zu einen betrug vorwurf..

    warum schreibt hier kein journalist was?

    2 Leserempfehlungen
    • hthswa
    • 24.11.2010 um 16:30 Uhr

    erwirtschaften hohe Renditen (Zinssätze)
    und zwingen Euroland zur Bürgschaft. Und die wird irgendwann eingefordert.

    Warum machen Merkel, Sarkozy und Cie. dieses Spiel mit?

    Haben sie persönlich irgendwelche Aktien in diesem Geschäft? Fast sieht das so aus.

    Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende.

    Nach Portugal. dann Spanien, dann Italien und wer noch?

    Gruß
    hthswa

    5 Leserempfehlungen
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    läßt schon mal seine Geburtstagsfeier von Frau Merkel ausrichten, und beide besuchen Bilderberg-Treffen.

    http://www.youtube.com/wa...

    Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven und vor allem artikelbezogenen Beiträgen. Danke, die Redaktion/fk.

    läßt schon mal seine Geburtstagsfeier von Frau Merkel ausrichten, und beide besuchen Bilderberg-Treffen.

    http://www.youtube.com/wa...

    Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven und vor allem artikelbezogenen Beiträgen. Danke, die Redaktion/fk.

  3. Wo soll Wachstum herkommen, wenn die Einkommen der Bevölkerung stagnieren oder sinken und die Abgabenlast zwecks Entlastung der Reichen steigt, die wiederum gar nicht wissen wohin mit dem Geld, das sie nicht brauchen?

    Rendite gibt es bis auf weiteres nur noch durch Gürtelengerschnallen bei denen, die nicht "systemrelevant" sind, da sie keine Lobby finanzieren können, die für sie Politiker einkauft.

    Leider ist das kein Wachstum, sondern eine Schrumpfkur mit Ziel Dritte Welt.

    8 Leserempfehlungen
  4. "Ob Staaten oder Banken – immer galten sie als »systemrelevant«, und bislang ist es nicht gelungen, diejenigen an den Kosten zu beteiligen, die die Exzesse mit ihrem Geld finanziert haben."

    Selbst wenn 900 Mrd. Euro deutsche Ersparnisse im Ausland angelegt sind - bald haben wir für diese Summe gebürgt und dann ist das Geld im Grunde auch weg. Solange sich an der ganzen Finanzwelt nichts ändert und genügend Banken an den akutellen Problemen ohne Risiko verdienen, steuern wir weiter auf den großen Knall zu.

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  5. Die einzig richtige Lösung kann nur die Beteiligung der Banken sein. Der Staat sollte nur bis zu den garantierten Haftungsgrenze von 50.000 Euro je Kunde zahlen - und das nur bei Sparbuch, Festgeld, öffentl. Anleihen.

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  6. Selbst wenn 900 Mrd. Euro deutsche Ersparnisse im Ausland angelegt sind - bald haben wir für diese Summe gebürgt und dann ist das Geld im Grunde auch weg.

    genau so ist es....wir hätten einfach die banken pleite gehen sollen..und von vorne anfangen..

    von vorne rein haben die uns angelogen..die summen waren am anfang klein..und sind immer grosser geworden..

    das hat naturlich system...

  7. (Prof. Hermann von Laer
    "Es ist plötzlich ein Szenario denkbar, bei dem der Euro in seiner jetzigen Form nicht überlebt."

    Stimmt nicht ! Es sind schon verschiedene Szenarien auch hier lebhaft diskutiert worden.

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