Martenstein: "Die Wärme, welche früher von Glühbirnen ausging, muss jetzt anderweitig beschafft werden"
Harald Martenstein über Energiesparlampen und Heizkugeln
Die dunkle Jahreszeit hat begonnen. In meiner Jugend pflegte man zu sagen: »Alles ist politisch.« Diesen Satz würde ich immer noch unterschreiben. Seit einiger Zeit werden von den Politikern zum Beispiel die Glühlampen aus dem Verkehr gezogen. Man soll Energiesparlampen nehmen. Der Glühlampe alten Typs wird unter anderem die folgende Eigenschaft zum Vorwurf gemacht: Sie gibt nicht nur Licht. Sie heizt auch. Die Glühlampenverordnung der Europäischen Union ist 17 Seiten lang, ihr wichtigster Satz lautet: »Das Wort ›Lampe‹ bezeichnet eine Einrichtung zur Erzeugung von Licht.«
Inzwischen liegen erste Erfahrungen mit den neuen Energiesparlampen vor. Es hat sich herausgestellt, dass die neuen Lampen tatsächlich, wie von der EU angeordnet, fast nur Licht abgeben, eine unerwünschte Heizwirkung geht nicht von ihnen aus. Diese Tatsache hat zur Folge, dass die Wohnungen stärker beheizt werden müssen als früher. Denn so schädlich eine Aufheizung des Weltklimas für unseren Planeten auch sein mag – die Aufheizung von bewohnten Innenräumen wird nach wie vor von den meisten Menschen befürwortet.
Die Wärme, welche in früheren Jahrzehnten von den Glühbirnen ausging, muss jetzt anderweitig beschafft werden. Mit anderen Worten: Auf der einen Seite sinkt der Energieaufwand für Beleuchtung, auf der anderen Seite steigt der Energieaufwand für Heizung. Übrigens auch die Kosten. Ob der Glühbirnentausch sich klimapolitisch lohnt oder nur eine bürokratische Verirrung in einer an Verirrungen nur allzu reichen Epoche darstellt, ist eine Frage, über die man sorgfältig nachdenken müsste. Mir selber fehlt leider die Zeit dazu.
Nun betritt der Ingenieur und Aktionskünstler Siegfried Rotthäuser die Szene. Rotthäuser bietet im Internet ein sogenanntes »Kleinheizelement in Glühbirnenform« an. Das Produkt heißt »Heatball«, wird in China hergestellt und ist äußerlich von einer traditionellen Glühbirne nicht zu unterscheiden. Man kann es in eine normale Lampenfassung hineinschrauben, dann leuchtet das Produkt. Rotthäuser sagt, die Leuchtwirkung seines Kleinheizelementes sei »ein technisch bedingter Nebeneffekt« und stelle »keinen Reklamationsgrund« dar. Zwar sei zu beobachten, dass zahlreiche Kunden das Produkt als Lampe zweckentfremdeten, dies missbillige er, könne es allerdings nicht verhindern. Kinder benutzen Konservendosen als Fußbälle, Erwachsene benutzen Bücher als Bettpfosten, ein Produzent hat so etwas nicht in der Hand.
Juristisch scheint der Fall klar zu sein. Nach EU-Definition ist der Heatball keine Lampe. Eine Lampe ist ja, wie in der 17-seitigen Verordnung nach sorgfältiger Prüfung klar festgestellt wird, »eine Einrichtung zur Erzeugung von Licht«. Der Heatball dagegen ist eine Einrichtung zur Erzeugung von Wärme. Heizen mit Strom ist erlaubt, solange man es nicht mit einer Glühbirne tut.
Das Produkt ist ein großer Erfolg, es ist häufig vergriffen, die Chinesen können gar nicht schnell genug produzieren. Die alte Glühbirne hat eben immer noch viele Freunde, manche Menschen empfinden ihr Licht als »warm«, das ist ja auch der Fall.
In einem Interview denkt Rotthäuser darüber nach, ob sich der Heatball als birnenförmige Kochplatte nutzen ließe, zum Beispiel könnte man Salamischeiben darauf rösten. Falls der Heatball als Heatball von der EU-Kommission doch noch verboten wird, würde er ihn unter der Bezeichnung »Cookball« sofort wieder auf den Markt werfen. Das Wort »Kochplatte« bezeichnet eine Einrichtung zum Erhitzen von Speisen.







Die Glühbirne verbraucht sehr viel Energie um die gewünschte Ausleuchten zu erreichen. Die neuesten Sparlampen verbrauchen dagegen wesentlich weniger Energie, und erreichen dabei beinahe die gleichen Werte. Die Meisten heizen ohnehin zu viel. Ich setze die Sparlampen schon länger, und habe dadurch eine Jährliche Ersparnis von mindestens 150€ inkl. Anschaffungskosten.
Lieber Harald Martenstein,
In letzter Zeit Axel Hackes Kolummne im SZ-Magazin gelesen? Da ging es nämlich auch grade um die Heatballs. Kann ja mal vorkommen, aber ganz schöne Doublette irgendwie.
Wer lesen kann, ist klar im Vorteil:
Artikel 1 der EU-Verordnung 244 ("Glühlampenausstieg")
Gegenstand und Geltungsbereich
In dieser Verordnung werden Ökodesign-Anforderungen an
Haushaltslampen mit ungebündeltem Licht festgelegt, die auch
dann gelten, wenn diese Lampen für andere Zwecke in Verkehr
gebracht werden (...)
Das bedeutet: Eine Glühlampe ist eine Glühlampe und keine Miniheizung.
@3
Hallo Lampion,
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Sie behaupten, so ein Heatball hat hier keine Zukunft, denn es seien von der EU "Anforderungen an Haushaltslampen mit ungebündeltem Licht festgelegt, die auch dann gelten, wenn diese Lampen für andere Zwecke in Verkehr gebracht werden"
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Stimmt ja nicht! Ein Heatball ist ja gar keine Lampe, die für andere Zwecke in Verkehr gebracht wird. Sie ist ein Heizkörper, der zum Leuchten zweckentfremdet werden kann (aber nicht soll!)
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Das chinesische Sprichwort "画蛇添足 huàshétiānzú" bedeutet: Wenn man einer gemalten Schlange noch Füße dazumalt, ist sie keine Schlange mehr.
@3
Hallo Lampion,
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Sie behaupten, so ein Heatball hat hier keine Zukunft, denn es seien von der EU "Anforderungen an Haushaltslampen mit ungebündeltem Licht festgelegt, die auch dann gelten, wenn diese Lampen für andere Zwecke in Verkehr gebracht werden"
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Stimmt ja nicht! Ein Heatball ist ja gar keine Lampe, die für andere Zwecke in Verkehr gebracht wird. Sie ist ein Heizkörper, der zum Leuchten zweckentfremdet werden kann (aber nicht soll!)
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Das chinesische Sprichwort "画蛇添足 huàshétiānzú" bedeutet: Wenn man einer gemalten Schlange noch Füße dazumalt, ist sie keine Schlange mehr.
Ein wunderbarer Satz, resp, zwei wunderbare Sätze:
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Ob der Glühbirnentausch sich klimapolitisch lohnt oder nur eine bürokratische Verirrung in einer an Verirrungen nur allzu reichen Epoche darstellt, ist eine Frage, über die man sorgfältig nachdenken müsste. Mir selber fehlt leider die Zeit dazu.
Da haste recht ;-)))
Da haste recht ;-)))
Da haste recht ;-)))
Danke für den Tipp, lieber Harald. Juristen-deutsch hin oder her - ich habe festgestellt, dass mir Licht dieser Eco-Birnen nicht so gut tut. Auf http://www.lichtbiologie.de/gluehlampe.pdf habe ich es dann auch technisch begriffen.
Schöne Grüße aus der Schweiz - und ich muss mich mal schlau machen, ob dieser Verordnung hierzulande überhaupt gefolgt wird. Ich hoffe nicht.
Axel
@Axel: Wieso sollte die Schweiz einer Verordnung der EU Folge leisten? Dort habt ihr ja begriffen, wo die Zentralisierung hinführen kann.
@saurau: Sorry für die verwirrende Wortwahl. Natürlich muss die Schweiz einer EU Verordnung nicht folgen. Andererseits werden Ideen der Nachbarn nicht von vornherein abgelehnt. So wurde z.B. bei der Senkung der Promillegrenze nachgezogen.
Bezüglich Glühlampe frage ich mich echt - warum haben erstklassige Menschen kein erstklassiges Licht verdient? Die Glühlampe hat ein ähnliches Lichtspektrum wie das Sonnenlicht, d.h. bessere Sehschärfe, besserer Kontrast, hormonell verträglich, frei von Giftstoffen, flackerfrei.
Axel
@saurau: Sorry für die verwirrende Wortwahl. Natürlich muss die Schweiz einer EU Verordnung nicht folgen. Andererseits werden Ideen der Nachbarn nicht von vornherein abgelehnt. So wurde z.B. bei der Senkung der Promillegrenze nachgezogen.
Bezüglich Glühlampe frage ich mich echt - warum haben erstklassige Menschen kein erstklassiges Licht verdient? Die Glühlampe hat ein ähnliches Lichtspektrum wie das Sonnenlicht, d.h. bessere Sehschärfe, besserer Kontrast, hormonell verträglich, frei von Giftstoffen, flackerfrei.
Axel
Ich mag Sushi. Da braucht man japanische Algen. Früher stand in den Asia-Läden immer "Badezusatz" auf den Päckchen, wo die Algen drin waren. Sie waren lebensmittelrechtlich noch nicht zugelassen, obwohl in Japan täglich 300 Millionen Blätter verzehrt werden.
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Ich stell mir die Schweinerei in den Badewannen vor, bei den Leuten, die die Algen da reingetan haben!
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