Ich war schon immer sehr verträumt, bin es noch. Aber heute gehe ich anders mit meinen Träumen um. In meiner Kindheit und Jugend war es mir meist genug, vor mich hin zu träumen, mir alles Mögliche vorzustellen und vorzunehmen, und das Leben ist an mir vorbeigerauscht. Heute versuche ich, meine Träume umzusetzen. Ich weiß, es klingt irgendwie abgedroschen und hochtrabend, aber ich befinde mich jetzt an einem Punkt in meinem Leben, an dem mir die Endlichkeit des Daseins deutlich wird. Ich will nicht mehr nur davon träumen, dass etwas geschieht.

Ich habe nie von Besitz oder Statussymbolen geträumt. Möglich, dass das mit meiner Kindheit in der DDR zu tun hat. Obwohl ich Luxus und die schönen Dinge des Lebens durchaus genießen kann.

Den großen Lebenstraum gibt es für mich nicht. Eine Zeit lang habe ich davon geträumt, in einer Hütte in den kanadischen Wäldern zu leben, abgeschieden von der Welt, ab und an bekomme ich Besuch von einem Grizzly. Jetzt, wo ich darüber rede, erscheint mir die Vorstellung noch immer reizvoll. Aber der große Traum ist es nicht mehr.

Ein altes DDR-Kinderhörspiel, das ich heute noch gern höre, heißt Der Traumzauberbaum. Darin geht es um einen Baum, dessen Blätter Träume zu den Kindern bringen. Die Moral der Geschichte: Auch Regenträume sind wichtig, weil es ein Gleichgewicht geben muss. Eine schöne Herangehensweise an das Leben. Es wäre wunderbar, wenn ich so eine Balance finden könnte: losziehen, neue Erfahrungen machen, etwas Gutes in die Welt bringen, die ja leider im Ungleichgewicht ist – ich glaube, ich bin eine ziemliche Idealistin –, und dann zurückkehren an einen Ort, an dem ich zu Hause bin, wo ich zur Ruhe komme. Wie in dem Song Haus am See von Peter Fox. Eine schöne Zukunftsvision! Ich mag Deutschland, vor allem Brandenburg, und kann mir gut vorstellen, hier irgendwann zu leben, mit meiner Familie, und alle meine Freunde kommen zu Besuch.

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Andererseits – vielleicht denke und fühle ich in zehn Jahren ganz anders. Vielleicht erscheint mir das Haus am See dann total öde. Träume dürfen und müssen sich verändern, ich halte nichts davon, mich auf einen konkreten Lebenstraum festzulegen. Ein Traum weist ja in die Zukunft, wenn er in die Vergangenheit rutscht, wenn ich ihm zu lange nachhänge, kann daraus etwas Negatives, Frustrierendes werden. Da ist es besser, ihn loszulassen.

Manchmal kann das Träumen selbst schon Erfüllung sein. Ich liebe es, in Träumen zu schwelgen, die ich nicht umsetzen möchte. Einmal habe ich mir ausgemalt, ich wäre eine professionelle Skateboarderin. Die Vorstellung war relativ chefig! Zu Musik auf dem Board stehen, akrobatische Figuren fahren. In der Realität habe ich Angst davor, aber in meiner Vorstellung habe ich es so intensiv ausgelebt, dass der Traum sich im Traum erfüllt hat. Häufig stelle ich mir vor, fliegen zu können. Während ich darüber rede, habe ich tatsächlich das Gefühl, dass ich es kann. Vielleicht wache ich ja gleich auf.

Aufgezeichnet von Jörg Böckem