Schauspielerin Nora Tschirner"Ich stelle mir vor, in Brandenburg zu leben"

Die Schauspielerin Nora Tschirner träumt von einem Ort, an dem sie zu Hause ist. Träume müssen sich jedoch auch verändern können, meint sie. von Jörg Böckem

Ich war schon immer sehr verträumt, bin es noch. Aber heute gehe ich anders mit meinen Träumen um. In meiner Kindheit und Jugend war es mir meist genug, vor mich hin zu träumen, mir alles Mögliche vorzustellen und vorzunehmen, und das Leben ist an mir vorbeigerauscht. Heute versuche ich, meine Träume umzusetzen. Ich weiß, es klingt irgendwie abgedroschen und hochtrabend, aber ich befinde mich jetzt an einem Punkt in meinem Leben, an dem mir die Endlichkeit des Daseins deutlich wird. Ich will nicht mehr nur davon träumen, dass etwas geschieht.

Ich habe nie von Besitz oder Statussymbolen geträumt. Möglich, dass das mit meiner Kindheit in der DDR zu tun hat. Obwohl ich Luxus und die schönen Dinge des Lebens durchaus genießen kann.

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Nora Tschirner

Die 29-jährige Schauspielerin kam in Berlin-Pankow zur Welt. Nach dem Abitur wurde sie MTV-Moderatorin, 2007 spielte sie mit Til Schweiger in Keinohrhasen, einem der erfolgreichsten deutschen Kinofilme. Von dieser Woche an ist sie im Film Bon Appétit zu sehen.

Den großen Lebenstraum gibt es für mich nicht. Eine Zeit lang habe ich davon geträumt, in einer Hütte in den kanadischen Wäldern zu leben, abgeschieden von der Welt, ab und an bekomme ich Besuch von einem Grizzly. Jetzt, wo ich darüber rede, erscheint mir die Vorstellung noch immer reizvoll. Aber der große Traum ist es nicht mehr.

Ein altes DDR-Kinderhörspiel, das ich heute noch gern höre, heißt Der Traumzauberbaum. Darin geht es um einen Baum, dessen Blätter Träume zu den Kindern bringen. Die Moral der Geschichte: Auch Regenträume sind wichtig, weil es ein Gleichgewicht geben muss. Eine schöne Herangehensweise an das Leben. Es wäre wunderbar, wenn ich so eine Balance finden könnte: losziehen, neue Erfahrungen machen, etwas Gutes in die Welt bringen, die ja leider im Ungleichgewicht ist – ich glaube, ich bin eine ziemliche Idealistin –, und dann zurückkehren an einen Ort, an dem ich zu Hause bin, wo ich zur Ruhe komme. Wie in dem Song Haus am See von Peter Fox. Eine schöne Zukunftsvision! Ich mag Deutschland, vor allem Brandenburg, und kann mir gut vorstellen, hier irgendwann zu leben, mit meiner Familie, und alle meine Freunde kommen zu Besuch.

Ich habe einen Traum
Alle bisherigen Träume zum Nachlesen

Alle bisherigen Träume zum Nachlesen  |  © Miss Jones/Photocase

Andererseits – vielleicht denke und fühle ich in zehn Jahren ganz anders. Vielleicht erscheint mir das Haus am See dann total öde. Träume dürfen und müssen sich verändern, ich halte nichts davon, mich auf einen konkreten Lebenstraum festzulegen. Ein Traum weist ja in die Zukunft, wenn er in die Vergangenheit rutscht, wenn ich ihm zu lange nachhänge, kann daraus etwas Negatives, Frustrierendes werden. Da ist es besser, ihn loszulassen.

Manchmal kann das Träumen selbst schon Erfüllung sein. Ich liebe es, in Träumen zu schwelgen, die ich nicht umsetzen möchte. Einmal habe ich mir ausgemalt, ich wäre eine professionelle Skateboarderin. Die Vorstellung war relativ chefig! Zu Musik auf dem Board stehen, akrobatische Figuren fahren. In der Realität habe ich Angst davor, aber in meiner Vorstellung habe ich es so intensiv ausgelebt, dass der Traum sich im Traum erfüllt hat. Häufig stelle ich mir vor, fliegen zu können. Während ich darüber rede, habe ich tatsächlich das Gefühl, dass ich es kann. Vielleicht wache ich ja gleich auf.

Aufgezeichnet von Jörg Böckem

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Leserkommentare
    • tuo
    • 28. November 2010 16:42 Uhr

    ...allerdings fragt man sich, wie es so ein stilistisch doch etwas verloren wirkender Erguss in die Zeit schafft. Wenn da nicht "Nora Tschirner" drauf stünde...

  1. Kompliment von "Grizzly" bis "chefig"! Die Autorin ist für mich nun nicht mehr "nur" eine tolle Schauspielerin, auch dieser kurze Beitrag war wirklich wundervoll, zudem nimmt man ihr diese Gedanken auch wirklich ab, insbesondere den ersten Absatz den ich, eine Generation, gut nachvollziehen kann.
    Vielleicht entsteht ja mal ein Buch über das Leben, die Träume und die Idealistin darin...

  2. was an dem Artikel so wundervoll sein soll weiss ich nicht, unsere Traume veraendern sich, ich traume jetzt ich haette den Beitrag gar nicht erst gelesen.... @studentD Ich bin mir sicher eines Tages wird es auch ein unheimlich inspirierendes Buch ueber das Leben und die Traume von Frau Tschirner geben, natuerlich mit dem Namen ganz fett auf dem Cover, just in case dass drinnen gleiches Palaver steht wie oben...

    Eine Leserempfehlung
    • wfm
    • 01. Dezember 2010 17:10 Uhr

    ... also mich hat's angesprochen, schönes "Palaver"

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  • Serie Ich habe einen Traum
  • Schlagworte Brandenburg | Musik | DDR | Familie | Geschichte | Traum
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