Güterverkehr Falsche Ansage

Der Verkehrsminister knickt vor der Lkw-Lobby ein.

Wenn die Wirtschaft wächst, dann freuen sich Politiker. Auch der Bundesverkehrsminister. Nur bedeutet Wachstum für Peter Ramsauer , dass ein Riesenproblem noch schneller als erwartet auf ihn zurollt. Bis zum Jahr 2025 sollen im Güterverkehr 70 Prozent mehr Waren durchs Land transportiert werden. Die Frage ist nur: Auf welchem Wege? Schon heute sind die Straßen dicht, die Schienen belegt und die Mittel für den Ausbau knapp.

Verkehrspolitik ist deshalb eine Frage von Prioritäten. Und Ramsauer machte kurz nach Amtsantritt eine klare Ansage: Den Zuwachs im Güterverkehr könne »unser Straßennetz nicht verkraften«, sagte er im Dezember vergangenen Jahres. Er müsste deshalb »möglichst vollständig auf die Schiene« verlagert werden. Das wäre gut für die Umwelt. Denn Güterzüge stoßen pro transportierte Tonne auf einen Kilometer rund zwei Drittel weniger des Klimagases CO₂ aus als schwere Lastwagen. Wachsen kann der Verkehr auf der Schiene aber nur, wenn die Engpässe im deutschen Schienennetz beseitigt werden.

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Heute, knapp ein Jahr später, hat Ramsauer seinen Vorsatz offenbar aufgegeben. In seinem Aktionsplan, der den ganz großen Verkehrsinfarkt der Zukunft vermeiden soll, ist von einer Verlagerung auf die Güterbahn kaum noch die Rede . Stattdessen darf sich vor allem die Straßenlobby über die geplanten 30 Einzelmaßnahmen freuen. Zum Beispiel lässt Ramsauer in mehreren Bundesländern Gigaliner testen, riesige Laster, die »von den Alpen bis zur Nordsee« fahren sollen . Gleichzeitig hat Ramsauer die bereits beschlossene Mauterhöhung für technisch veraltete und deswegen besonders umweltschädliche Laster zurückgenommen. Und er lässt an den Autobahnen zusätzliche Parkplätze für Lastwagen bauen. Mit Güterverkehr scheint Ramsauer vor allem Lkw-Verkehr zu meinen. Die Autoindustrie klatscht Beifall.

Zwar erklärte der Verkehrsminister am Montag erneut, er wolle nach wie vor »einen möglichst großen Anteil« des zusätzlichen Verkehrs auf die Schiene bringen. Aber er handelt nicht so. Gerade erst hat sein Ministerium neun Bahnprojekte von der Liste der Bauvorhaben gestrichen , weil sie sich nicht rechneten. Gleichzeitig hält er an Prestigestrecken wie den ICE-Trassen von Nürnberg nach Erfurt und von Wendlingen nach Ulm fest, obwohl sie für den Güterverkehr nahezu nutzlos sind. Auf diese Weise wird viel Geld vergraben, das an anderer Stelle sinnvoller investiert wäre. Elf Milliarden Euro würden laut einer Studie für das Umweltbundesamt reichen, um das deutsche Schienennetz für den Güterverkehr etwa doppelt so leistungsfähig zu machen wie heute. Ein Vorhaben, das sich lohnen würde.

Dagegen die Realität: Mehr als 70 Prozent der Waren werden hierzulande auf der Straße bewegt, nur 17 Prozent auf der Schiene. Und Ramsauer scheint daran wenig ändern zu wollen.

 
Leser-Kommentare
    • output
    • 25.11.2010 um 18:56 Uhr

    Wenn Stuttgart schon eine neuen Bahnhof braucht, warum dann gleich einen sündhaft teuren? Die Alternative K21 wäre leistungsstärker und risikoärmer. Mit K21 wären die Kosten um 2/3 niedriger als bei S21. Und die frei werden Mittel gehören schleunigst in den Ausbau der Bahngüterverkehrs!

    Eine Leser-Empfehlung
  1. eine weitere Güterschienenanbindung von Rotterdam ins Ruhrgebiet wurde für die Trasse Nürnberg-Erfurt geopfert.
    Stattdessen soll auf den alten Trassen die Taktung verkürzt werden.
    Folge: die Anwohner im Ballungsraum Ruhrgebiet haben noch mehr Belastung.

    Nürnberg genießt als Teil des CSU-Hoheitsgebietes natürlich Vorrang. Eine Anbindung nach Erfurt verbindet auch so viele Menschen.

  2. Sollte natürlich richtig lauten:

    Jump into the abyss.

    Wie die Lemminge laufen alle mit offenen Augen in den Abgrund.

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Irgendwie traue ich dem Bericht nicht. Hier kann sich jeder selber einen Eindruck machen, inwiefern der Verkehrsminister vor der Lobby einknickt oder keine Verlagerung auf die Schiene stattfindet:

    http://www.bmvbs.de/cae/s...

    • helgam
    • 25.11.2010 um 19:34 Uhr

    und dshalb mißachtete er die Schiene in Deutschland.
    UnsereParlamentarier sind überflüssig, weil sie nur Wirtschaft bedienen.Warum wählen wir noch, wenn wir das wissen?
    Wer weiß, was in Landtagen passiert?
    Erst behaupten sie-mit uns nicht- und das parteiübergreifend wie in Thüringen-April 2010- Dann wird von den Ministerien der Herr Primas kassiert (CDU, der ja die Forstprivatisierung zu Fall bringen konnte) und dann die weißgekleidetet Frau Mühlbauer, die mich überzeugen wollte, daß alles gut verzahnt ist und das Geld in Kontrolle des Parlaments bleibt

  4. Herr Ramsauer weiß offenbar nicht, wovon er redet in Bezug auf den Straßenverkehr überhaupt und in Bezug auf die Größe der Gigaliner (GL).
    In den Ballungsräumen kann man täglich erleben, wie viel Zeit heute schon mit dem Herumstehen in Staus zugebracht wird. Da bringen die monströsen GL dann noch den letzten Kick, um alles zu verstopfen.
    Keine Straße ist auf solche Belastungen ausgelegt. Diese Fahrzeuge können nicht nur auf Autobahnen fahren, sie müssen auch normale Bundesstraßen benutzen und werden - wie schon jetzt die LKW vielerorts - als unüberwindliche Verkehrshindernisse wahrgenommen werden. Wo leben diejenigen eigentlich, die solche für europäische Verhältnisse untauglichen Transportfahrzeuge zulassen wollen? Wo bleibt ihre Verantworung den Menschen gegenüber, die das zu ertragen haben? Da hat die Lobby ja wieder mehr als einen Fuß in der Tür gehabt.

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    Nur ein Kommentar um das ganze etwas objektiver zu bewerten...

    "Keine Straße ist auf solche Belastungen ausgelegt" das Gesamtgewicht der GigaLiner bleibt unverändert bei 40 Tonnen (max. 44T). Durch die höhere Anzahl an Achsen aber, wird die Straßenbelastung im Vergleich eigentlich reduziert, das beantwortet dann auch die Frage zum Thema Brücken usw...

    "Da bringen die monströsen GL dann noch den letzten Kick, um alles zu verstopfen." Natürlich sind diese LKW's nicht primär für unseren Stadtverkehr entwickelt worden, ich bin mir sicher das wir diese "Monster" hauptsächlich auf der Autobahn zu sehen bekommen, dort sollte es ja auch kein Porblem sein. Wer's nicht weiß, die Hamburger Verkehrsbetriebe nutzen bereits seit einigen Jahren "3-Modul-Busse" im öffentlichen Nahverkehr, die Länge der GL ist identisch...

    Am Ende sitzen wir doch alle im selben Boot / oder stehen zusammen im Stau - Solange der Verbraucher in DE eine breite Artikelvielfalt fordert, so lange wird es auch diese Diskussion geben.

    Gute Nacht

    Nur ein Kommentar um das ganze etwas objektiver zu bewerten...

    "Keine Straße ist auf solche Belastungen ausgelegt" das Gesamtgewicht der GigaLiner bleibt unverändert bei 40 Tonnen (max. 44T). Durch die höhere Anzahl an Achsen aber, wird die Straßenbelastung im Vergleich eigentlich reduziert, das beantwortet dann auch die Frage zum Thema Brücken usw...

    "Da bringen die monströsen GL dann noch den letzten Kick, um alles zu verstopfen." Natürlich sind diese LKW's nicht primär für unseren Stadtverkehr entwickelt worden, ich bin mir sicher das wir diese "Monster" hauptsächlich auf der Autobahn zu sehen bekommen, dort sollte es ja auch kein Porblem sein. Wer's nicht weiß, die Hamburger Verkehrsbetriebe nutzen bereits seit einigen Jahren "3-Modul-Busse" im öffentlichen Nahverkehr, die Länge der GL ist identisch...

    Am Ende sitzen wir doch alle im selben Boot / oder stehen zusammen im Stau - Solange der Verbraucher in DE eine breite Artikelvielfalt fordert, so lange wird es auch diese Diskussion geben.

    Gute Nacht

  5. ... Dr. Ramsauer bricht nicht vor der Güterverkehrslobby ein.

  6. An alle Deutschen Autofahrer:

    Viel Spass mit den Elefantenrennen.

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