Wall StreetJagd auf den dunklen Lord

Insiderhandel an der Wall Street: Der Verdacht konzentriert sich auf den Hedgefonds-Manager Steve Cohen. von 

Um das kriminelle Nest auszuheben, zog das FBI alle Register: Die Fahnder hörten Telefone ab, schleusten Informanten ein, durchsuchten Geschäftsräume und schüchterten Verdächtige ein, um an den großen Boss heranzukommen. Wie man das eben so macht, wenn man einen Mafioso überführen will. Im Visier schienen diesmal jedoch keine Paten des organisierten Verbrechens zu stehen, sondern Fondsmanager, Banker und Analysten. Hoch respektable Persönlichkeiten, die teils für renommierte Wall-Street-Adressen arbeiteten. Aber wen suchten die Fahnder wirklich?

"Methoden wie im Drogenkrieg", schlagzeilte die New York Times. "Der bisher größte Insiderhandelsskandal", erklärte das Wall Street Journal, das als Erstes über die Ermittlungen berichtet hatte. Doch in der New Yorker Finanzszene redet man immer lauter über eine Person, die wegen angeblicher Insidergeschäfte das wahre Ziel der Fahnder gewesen sein dürfte: den 54-jährigen Hedgefondsmilliardär Steve A. Cohen.

Die Behörden wollen sich offiziell nicht äußern, und Cohen war nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Gleichwohl verdichten sich die Hinweise, dass es die FBI-Agenten auf ihn abgesehen haben. So erhielt sein Hedgefonds SAC eine Vorladung. Der Behördenbescheid sei "außerordentlich breit" erklärte SAC in einem Brief an die Investoren des Hedge Funds, der der Presse zugespielt wurde. Am Montag bereits durchsuchten Ermittler die Geschäftsräume von drei Hedgefonds – zwei davon werden von ehemaligen Mitarbeitern Cohens geleitet. Einem Berater von Cohens Fonds SAC soll angetragen worden sein, bei Kundengesprächen künftig ein verstecktes Mikrofon zu tragen, berichtet das Wall Street Journal. "Ist das FBI hinter Big Dog Stevie Cohen her, oder ist das bloß Zufall?", fragte der angesehene Finanzanalyst Barry Ritholtz in seinem beliebten Internetforum.

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Gerüchte über Cohen und seinen Fonds SAC kennt die Wall Street schon länger. Wahr ist: SAC ist einer der besten Kunden der Banken. Über die Jahre zahlte er ihnen Hunderte von Millionen Dollar an Gebühren für Dienstleistungen und Kreditlinien. Durchaus denkbar, dass sich mancher dafür mit einer exklusiven Vorabinformation revanchierte. Bisher wurde jedoch kein Fall von Missbrauch oder verbotenen Insidergeschäften bei SAC nachgewiesen.

Cohens bizarrster Feind ist wohl Patrick Byrne, der Vorstandschef von Overstock.com . Die Firma ist eine Art Online-Resterampe und verkauft von Bettlaken bis zu Digitalkameras so ziemlich alles. Schon seit Jahren beschuldigt Byrne Wall-Street-Spekulanten, gezielt negative Fehlinformationen über Unternehmen an die Presse zu lancieren, um deren Aktienkurse unter Druck zu setzen. Beim Kurssturz würde mittels Leerverkäufen dann richtig Kasse gemacht, und auch Overstock habe schon darunter gelitten. In denkwürdigen TV-Auftritten und gegenüber Finanzanalysten warnte Byrne – ein erklärter Fan der Weltraumsaga Star Wars – vor dem geheimnisvollen Sith Lord, gewissermaßen dem Herrn des Bösen. Im Krieg der Sterne verkörpern die Sith die dunkle Macht. Zu Jahresbeginn beschuldigte Byrne in einem Interview mit dem New York Observer den Hedgefondsmanager Cohen indirekt, besagter Sith Lord zu sein.

Leserkommentare
  1. dann macht das jeder an der Wall Street"

    Wenn das so ist gehören ja auch alle ins Gefängnis - traurig aber wahr. Das wird ja auch ständig von vielen gefordert aber darauf hören tut kaum jemand - jedenfalls von denen auf die es ankäme. Überleg - wenn jemand zu einem Unternehmen geht und sich die Buchhaltung ansehen darf (was meines Wissens nach sonst niemand dahergelaufens machen dürfte) weis ich nicht was sonst noch Insiderinformationen sein könnten. Am Ende muss man Polizisten und Kameras vor die Unternehmen stellen, weil es anders nicht möglich ist dafür zu sorgen, dass man sich benimmt. Das müsste mir mal passieren, dass ein Banker bei mir hausieren kommt. Den würde ich hochkant wieder rausschmeissen.

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    • zaphord
    • 30. November 2010 13:33 Uhr

    Liest sich wie die Wahrheit gewordene Prophezeihung des Oliver Stone Filmes und seinem Gordon Gekko aus dem Jahr 1987! Einzige Möglichkeit gegen diesen Insiderhandel ist ihn mit Insiderwissen zu bekämpfen, Whistleblower an die Front!

    Aber genausowenig wie aus der Vergangenheit werden wir wohl aus der Gegenwart lernen. Selbst halbwegs moderate Reformen wie die von Obama werden "so lange nach der Finanzkrise" (oder doch vor ihrem nächsten Höhepunk?) schon wieder fleissig demontiert ...

    2 Leserempfehlungen
    • wislawa
    • 30. November 2010 16:42 Uhr

    "Wenn es tatsächlich Prozessbetrug wäre, gegenüber Gerichten schriftsätzlich falsche Tatsachen zu behaupten, dann wäre dies ja praktisch in jedem Verfahren der Fall."

    In der Tat wäre dies die herrschende Rechtssprechung. Vor deutschen Gerichten spielt sie praktisch keine Rolle.

    Warum wundern wir uns also, wenn auch wo anders betrogen wird.

    Zynismus aus: Gut, dass das FBI hier so intensiv ermittelt. Die deutschen Strafverfolgungsbehörden könnten sich daran wahrlich mehr als eine Scheibe abschneiden.

    • keox
    • 30. November 2010 17:13 Uhr

    "Im Visier schienen diesmal jedoch keine Paten des organisierten Verbrechens zu stehen, sondern Fondsmanager, Banker und Analysten."

  2. Ich informiere mich ganz klar über ein Unternehmen in das ich investiere. Wenn die anderen zu dumm sind um die Zeichen zu deuten, hat der kluge einen Vorteil, gute Informationen, worin man investiert können nicht illegal sein.

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