Die Business School IMD in Lausanne

Wenn eine Spezialistin für internationalen Einkauf und eine Marketingleiterin für Weichmacher und höhere Alkohole gemeinsam lernen, dann muss es um grundsätzliche Fragen gehen. Wie schaffe ich es, in meiner Karriere weiterzukommen? Wie setze ich mich in einer nach wie vor männlich geprägten Welt durch? Wie weit bin ich bereit, mich auf die Spiele der Männer einzulassen? Andrea Brand arbeitet bei E-Plus, Simone Barg bei BASF. Für vier Tage haben sie sich mit 23 Kolleginnen in Lausanne getroffen, um dort an der Business School IMD den Kurs »Strategies for Leadership« zu besuchen. »Die Frauen kamen aus der ganzen Welt, hatten alle bereits Managementpositionen und stehen vor ähnlichen Herausforderungen«, sagt Brand.

In der Tat: 25 sorgfältig ausgewählte Teilnehmerinnen 16 verschiedener Nationalitäten, aus zwölf Ländern von Indonesien über Nigeria bis zu den USA und mit mindestens zehn Jahren Berufserfahrung, sitzen gemeinsam in dem Seminar und haben ein gemeinsames Ziel: in jenen Feldern weiterkommen, in denen Frauen schlechter sind als Männer.

»In Frauenseminaren geht es oft um die üblichen Themen wie Strategie und Marketing«, sagt Ginka Toegel, Professorin und Programmleiterin am IMD. »Doch wie ich eine Strategie implementiere, das lernen Frauen besser in gemischten Gruppen.« Vor einem Jahr hat sie darum das Seminar am IMD komplett neu konzipiert. Die Forschung zeigt unter anderem, dass Frauen weniger nachfragen als Männer. »Also diskutieren wir darüber, welche Folgen das hat, zum Beispiel bei der Gehaltsverhandlung.« Laut US-Studien fangen MBA-Absolventinnen mit 10.000 Dollar weniger Gehalt an als ihre männlichen Kollegen . Im Laufe einer 30-jährigen Karriere kumuliert sich das auf horrende Summen. »Und das nur, weil sie nicht oft genug nachhaken«, sagt Toegel.

Auch beim Netzwerken seien Männer einfach besser. Toegels Frauen sollen daher zunächst erkennen, nach welchen Prinzipien sie Netzwerke aufbauen können. »Manche machen sich bei den anderen beliebt, andere positionieren sich als Experten«, erklärt die Professorin. Ein anderes Thema ist der authentische Führungsstil. »Viele Managerinnen verhalten sich wie Männer, aber das hilft ihnen nicht weiter«, sagt Toegel. In Kleingruppen bearbeiten die Frauen Fallstudien, erproben ihr Führungsverhalten – etwa wie sie eine neue Strategie motivierend vermitteln – und werden dabei von Coachs in ihrem Verhalten beobachtet. Das anschließende Feedback dauert fast genauso lang wie die Übung. »Es gab viel Offenheit und Verständnis, ohne Wertung und Wettbewerb«, sagt die 31 Jahre alte Simone Barg. Sie habe von den anderen Managerinnen viele Impulse bekommen, zum Beispiel wie sie mit Rückschlägen umgehen kann. »Das waren alles Frauen, die etwas bewegen und nach oben wollen«, sagt Barg. Das Seminar habe sie darin bestärkt, ihren Karriereweg weiterzugehen .

Mit ihrem Kurs ist die Schweizer Business School eine Ausnahme in Europa. Während derzeit überall über das Thema Frauenquote in Vorstand und Aufsichtsrat diskutiert wird, haben einige europäische Schulen ihre Frauenseminare wieder abgeschafft. So gab es an der Insead Business School in Fontainebleau den Kurs »Women Leading Change in Global Business«, und die Judge Business School an der Cambridge University versprach »Women in Leadership: Strategies for Success«. In den vergangenen zwei Jahren wurden beide eingestellt. Man konzentriere sich nun stärker auf Bedürfnisse einzelner Unternehmen und die Forschung, erklärt man bei Insead. »Wir haben beobachtet, dass viele Frauen gemischte Seminare vorziehen«, sagt Sandra Dawson, Managementprofessorin in Cambridge. Zudem hätten die Teilnehmer in einigen Führungsseminaren inzwischen auch die Möglichkeit zum Einzelcoaching. Und hier wiederum bevorzugten Frauen die Arbeit mit weiblichen Trainern.