Das ist mir heiligGute Furcht Gottes

Den Lesern des "Wandsbecker Bothen" ans Herz gelegt von Matthias Claudius und Zitat

Matthias Claudius: Lithorafie von O.Speckter (1807–1871)

Matthias Claudius: Lithorafie von O.Speckter (1807–1871)  |  © bpk/ wikipedia.org

Fürchte Gott, und halte seine Gebote: Es gibt manche Lehre zwischen Himmel und Erde, die sehr dankenswert ist; aber das eigentliche Ding ist Furcht Gottes, und die ist des Menschen Element, sein Beruf, Natur und Wesen.

Lieben Herren Subskribenten! Ich bin nicht was Salomo war, bin nicht König über Israel, und ich bescheide mich gerne, dass mir seine Weisheit noch mehr als seine Krone fehlet; aber überzeugt bin ich lebendig, dass die Furcht Gottes die Quelle alles Guten sei, dass es da anfangen und sich endigen müsse, und dass alles, was darauf nicht gründet, Täuschung und Trug sei. Aber Furcht Gottes und Furcht Gottes ist zweierlei.

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Wir fürchten alle Gott, sprechen mit Ehrerbietung von ihm, hören mit Ehrerbietung von ihm sprechen, und übrigens bleibt’s beim Alten. Solch eine Furcht Gottes mag als feine äußerliche Zucht gelten, sonst aber ist sie der Bediente hinten auf der Kutsche. Der steht da als ein Schild, dass honette Leute im Wagen sind, macht die Kutschentür auf und zu, doch gehen die Bestien vor dem Wagen ihren wilden Galopp, wohin sie wollen. Wenn die Herrschaft recht gnädig ist, nimmt sie ihn wohl bei Regenwetter zu sich in den Wagen. Was soll solch eine Furcht Gottes?

Bei den Altvätern war die Gottesfurcht nicht Bedienter, sondern Herrschaft und Kutscher zugleich. Ihnen war nichts so innig und heilig als sie; nichts so sauer, das sie ihretwegen nicht getan, nichts so süß, das sie ihretwegen nicht gelassen hätten. Die wahre Furcht Gottes muss Empfindung, muss Wahrheit in uns sein. Dann werden wir das Bild des Allerbarmherzigsten in uns tragen und verwandelt werden in dasselbige Bild. Das Halten der Gebote wird unsre Freude sein; denn was sind seine Gebote anders als eine Hand am Wege, als schwarze und weiße Tonnen, die vor Verderben warnen und dich in das Land des Heils weisen.

Matthias Claudius, 1740 in Reinfeld (Holstein) als Sohn eines Pfarrers geboren, 1815 in Hamburg gestorben, war ein deutscher Dichter, Journalist und von 1771 bis 1775 einziger Redakteur des legendären »Wandsbecker Bothen«. Für dessen Literaturteil gewann er Gastautoren wie Goethe, Klopstock und Lessing. Wir drucken in gekürzter Fassung einen bekenntnishaften Claudius-Artikel aus »Sämtliche Werke des Wandsbecker Bothen«

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Leserkommentare
  1. daß die ZEIT missioiniert - aber dieser Text ist ein Schlag ins Gesicht jedes vernünftig denkenden Menschen.
    Oh, aber der Text stammt ja von Matthias Claudius, dann muß doch etwas dran sein!
    Nur weil er 200 Jahre alt ist und vom Dichter zahlreicher Kirchenlieder stammt, muß er nicht wahr sein.
    Dieser Text lobt die Unterordnng, die Unterwerfng, den blinden Glauben - jeder selbstständig denkende Mensch, jeder Mensch, der Fragen stellt, wird mit diesem Text beleidigt. Jawohl - auch die Atheisten sind mal beleidigt! Aber sie zünden deswegen keine Reifen an oder bringen gar Menschen um.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/lv

  2. daß man ausgerechnet immer von Religionsvertretern dazu aufgerufen wird, sachlich zu bleiben.
    Man kann doch Leute nicht mehr ernst nehmen, die behaupten, Zeus, Baal und Donar seien Erfindungen des Menschen, aber die Jungfräulichkeit Marias dagegen sei wahr und Jesus sei Gottes Sohn.
    Das ist doch inkommensurabel!
    Nur weil es Tradition und alt ist, ist es wahr - und so ist es auch mit diesem Caudiustext, der jeder Aufklärung und jeder Vernunft Hohn spricht. Wieso veröffentlichen Sie solch angestaubten Unsinn?!

    • essilu
    • 06. Dezember 2010 4:27 Uhr

    dass dieser Text von Matthias Claudius hier erscheint.
    Es waren andere Zeiten. Es ist Teil unserer Kulturgeschichte, und man kann erkennen, was sich bis heute gewandelt hat.
    Ich denke immer, wer die Vergangenheit nicht kennt, der versteht die Gegenwart nicht und kann sich daher auch für die Zukunft nichts vorstellen.
    Alles ist ein Prozess der Entwicklung, der dauernden Veränderung.
    Das Schöne ist doch, dass der Menschen naturgegeben die Fähigkeit zur Veränderung besitzt. Wäre dem nicht so, dann gäbe es keine Evolution - in keiner Hinsicht.
    Mir fällt noch ein herrlich humorvoller Spruch ein:
    "Der Kopf ist rund, damit die Gedanken die Richtung ändern können." - Vom wem er ist, dieser Spruch, das weiß ich leider nicht, aber auf mich wirkt er ungemein beruhigend und
    ermutigend.
    Ich wünsche allen eine Zeit voller menschlicher Wärme - und alles Gute zum ausklingenden Jahr.

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  • Serie Das ist mir heilig
  • Schlagworte Alte | Liebe | Matthias Claudius | Natur | Redakteur | Israel
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