Finanzkrise Europa braucht mehr Deutschland

Angela Merkel muss sich in der Euro-Krise entscheiden: Die Geschichte klopft nur einmal an die Tür.

Wenn die Euro-Zone auseinanderfällt, dann deshalb, weil Deutschland sich zu wenig für ihre Rettung engagiert hat. Umgekehrt gilt aber auch: Wird sie gerettet, dann ist das Deutschland zu verdanken. Die deutsche Staatskunst befindet sich vor der größten Herausforderung seit den friedlichen Revolutionen und der Wiedervereinigung vor 20 Jahren. Bisher hat die politische Führung von Europas Zentralmacht diese Herausforderung nicht angenommen, aber den Deutschen bleiben ja noch ein paar Wochen, um ihr Können unter Beweis zu stellen. Danach könnte es zu spät sein.

Wir befinden uns schon im zweiten Akt der Euro-Zonen-Krise. Der erste Akt der griechischen Tragödie wurde dramatisch, weil sich die Bundeskanzlerin wie Hamlet verhielt: Sie zögerte im Frühjahr zu lange, als deutsche Medien und die Öffentlichkeit sich vehement gegen die Rettung der verschwenderischen Griechen aussprachen und die Besorgnis laut wurde, das Bundesverfassungsgericht könne den Milliardenkredit für verfassungswidrig erklären. In dramatischen Verhandlungen wurde im Mai dieses Jahres dann doch ein großer europäischer Rettungsschirm aufgespannt. Im Herbst entschloss sich die deutsche Regierung zu einem noch nachdrücklicheren Vorgehen. Sie schnappte sich Nicolas Sarkozys Frankreich und verkündete im Oktober, man müsse die mit der Umschuldung überforderten Staaten der Euro-Zone mit langfristig wirksamen Bestimmungen unterstützen und gleichzeitig disziplinieren.

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Als Teil dieser deutschen Therapie müssten Investoren sich bei schwachen Staatsanleihen auf Verluste einstellen. Langfristig gedacht, ist das durchaus richtig. In den letzten Jahren sind mehrere Länder vom Rand der Euro-Zone unter anderem deshalb in einen solchen Schlamassel geraten, weil die Kredite zu billig waren – es überstieg die Vorstellungskraft der Märkte, dass ein Staat der Euro-Zone zahlungsunfähig werden könnte.

Zunächst einmal schreckte die Ankündigung Investoren davon ab, weitere riskante Staatsanleihen zu kaufen. Forderungsverzicht? Nein danke. Das deutsche Vorgehen beschleunigte also den in Irland begonnenen zweiten Akt des Dramas. Nouriel Roubinis Wirtschaftsberatung prognostizierte für Portugal: »In den kommenden Tagen und Wochen werden die Märkte einem ähnlichen Muster folgen wie im Fall von Griechenland und Irland: Abstreiten, noch mehr Abstreiten, Verwirrung in der EU, Panik auf den Märkten, Rettungspaket.« Doch noch immer findet sich genügend Geld für die Rettung Portugals.

Richtig heiß wird es mit Spanien werden. Laut Anleihemarkt-Insidern hofft die spanische Regierung, sich bis Ende Dezember fast neun Milliarden Euro leihen zu können, nächstes Jahr vielleicht 90 Milliarden. Falls der Markt das Verleihen zu sehr verteuert, wird der nächste Notfall Spanien heißen. Dann wären wir beim dritten Akt angelangt. Der deutsche Hamlet müsste sich entscheiden. Sein oder Nichtsein, das wäre dann die Frage.

Da Wähler, Medien und Verfassungsgericht in Deutschland es nicht zulassen werden, dass die Mai-Bescherung sich in größerem Maßstab wiederholt, gibt es nur zwei Wege. Die Euro-Zone könnte auseinanderfallen, eine Art Club Med an der Peripherie und ein um Deutschland konzentrierter nordeuropäischer Kern würden sich in unterschiedlichen Währungsgebieten wiederfinden. Die meisten Deutschen halten einen solchen Kollaps der Euro-Zone für undenkbar. Das erinnert an Morgensterns berühmtes Gedicht von Palmström, der an einer für Kraftfahrzeuge gesperrten Straße überfahren wird und zu dem Schluss kommt, dass er gar nicht überfahren wurde, »weil nicht sein kann, was nicht sein darf«. Aber Palmström wurde wirklich überfahren – und die Euro-Zone kann wirklich auseinanderbrechen.

Leser-Kommentare
  1. "Die meisten Deutschen halten einen solchen Kollaps der Euro-Zone für undenkbar"

    Und wo ist die Statistik dafür ? Und bitte keine auskramen die nur 1000 befragte Leute beinhaltet

    "Viel besser wäre es also, die Europäische Währungsunion durch eine Mindestform von Fiskalunion zu unterfüttern und so zu retten. Deutschland würde sich mit seinem Gewicht für ein Cross-Guarantee-System bei den Staatsschulden anderer Länder in der Euro-Zone einsetzen, dafür aber mehr Disziplin von den Peripherieländern verlangen"

    Das wird nicht funktionieren, das ist wie eine Kriegserklärung nur auf wirtschaftlicher Basis. Das werden sich die Leute in den anderen Ländern wo eine andere Mentalität herrscht nicht gefallen lassen.

    "Hinsicht ein besseres Europa. Andere europäische Länder täten gut daran, viele Aspekte des deutschen Wirtschaftsmodells zu übernehmen: seine Produktivität, seine Tarifpartnerschaft, seinen Fokus auf Produktqualität, sein erfolgreiches Engagement in Wachstumsmärkten. "

    Also liebe Griechen, Iren, Portugiesen, Spanier etc bitte führt 1 Euro Jobs ein, senkt die Ausgaben für Sozial Schwache und bitte bitte hört nicht mehr auf euer Volk und zieht euer Ding durch.

    "Die deutsche Staatskunst ist nun herausgefordert, in intensivsten Verhandlungen mit allen europäischen Partnern diesen schwierigen Kompromiss zu finden – und ihn dann dem eigenen widerstrebenden Volk zu verkaufen."

    Ja warum nur wiederstrebend ? Ach ja ich vergaß, da waren ja noch so einige Sachen ;)

    10 Leser-Empfehlungen
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    • BSiR
    • 06.12.2010 um 1:54 Uhr

    Es gibt eine ganze Reihe Künstler, deren Werke man nicht versteht.
    Wenn das, was die Regierung Merkel bisher als Kunst (Staatskunst) abgeliefert hat überhaupt Kunst ist, gehört dieses Werk auch zu den unverständlichen.
    Im Gegensatz zu wirklichen Künstlern müssen Merkel und Co. dank ausreichender Versorgung durch den Steuerzahler nicht einmal von ihrer Kunst leben, was einen Künstler eher dazu veranlasst, immer besser zu werden, damit seine Kunst auch Früchte bringt.

    • BSiR
    • 06.12.2010 um 1:54 Uhr

    Es gibt eine ganze Reihe Künstler, deren Werke man nicht versteht.
    Wenn das, was die Regierung Merkel bisher als Kunst (Staatskunst) abgeliefert hat überhaupt Kunst ist, gehört dieses Werk auch zu den unverständlichen.
    Im Gegensatz zu wirklichen Künstlern müssen Merkel und Co. dank ausreichender Versorgung durch den Steuerzahler nicht einmal von ihrer Kunst leben, was einen Künstler eher dazu veranlasst, immer besser zu werden, damit seine Kunst auch Früchte bringt.

  2. ob Europa mit der einseitigen Fixierung der deutschen Wirtschaft auf den Export,überhaupt noch zukunftsfähig ist.

    • c0rn1
    • 05.12.2010 um 20:05 Uhr

    aber sicherlich nicht mehr Deutschland.
    Erstmal sollte die Vernunft einkehren in den politischen Etagen, damit das Volk auch mitgenommen werden kann und es sich auch mitnehmen möchte auf die abenteuerliche Reise eines gemeinsamen Europas.

  3. dass mehr Deutschland auch mehr Merkel in Europa bedeuten würde?

    Wollen Sie das wirklich?

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    aber mit Mister ASH moechte ich sie dann doch nicht vergleichen.

    aber mit Mister ASH moechte ich sie dann doch nicht vergleichen.

  4. Europa braucht mehr deutsches Geld!
    Hier wird unmögliches verlangt. Einerseits wollen sich die europäischen Länder bloß nicht von Deutschland dominieren lassen, und ich füge hinzu, Deutschland will auch gar nicht dominieren, andererseits soll Deuschland nun Europa retten. Ja was denn nun?

  5. nicht mehr "Deutschland", sondern mehr deutsches Geld!

    Dieses elende Schuldeingerede ist nur noch skandalös. Für all jene, die Geld von Deutschland haben wollen sei auf Art. 125 AEUV hingewiesen. Da steht drin, dass kein Land für die Verbindlichkeiten eines anderen haften muss!

    Wenn hier dauerhaft Deutsches Geld fließt, dann ist es so, als hätte Deutschland einen Krieg verloren und müsste Reparationszahlungen leisten. Sollte die Transferunion kommen, dann sollten alle Deutschen ihre Sparreserven in Gold anlegen und nur noch Schulden machen. Die Inflation wird dann früher oder später wieder für Gerechtigkeit sorgen. Allerdings erst dann, wenn viele Menschen ordentlich Schulden aufbauen!

    17 Leser-Empfehlungen
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    wenn es gilt, Unterlassungen, Fehleinschätzungen und politisch begründetes Handeln, was zu Katastrophen führt mit "alternativlosen Zwängen" aus dem
    Hause Merkel zu ersetzen.

    Darin ist die Frau wahrlich meisterhaft, den alternativlosen Zwang selbst herbei
    zu führen, eine gelehrige Kohlschülerin.

    Immer dann, wenn Menschen nicht gefragt werden (sollen) ist es (nicht) erstaunlich festzustellen, dass es "triftige Gründe gab, die Menschen nicht zu fragen" - und das waren und sind meist nicht jene Gründe, die Politiker öffentlich anführen.

    Der Frust wird sich Bahn brechen, so oder so und einen weiteren alternativlosen Zwang erzeugen, das EU Geschachere und eine nationale Interessen verneinende und vernachlässigende Politik abzulösen, sehr bald sogar.

    Nur als kurze Ergänzung:
    Deutschland hat einen Krieg verloren! Und gleich einen der verherendsten in der Weltgeschichte..
    Die Reparationszahlungen fielen vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Kalten Krieges recht tragbar aus und boten den Rahmen für einen schnellen Wiederaufbau des Landes. Bedingung dafür waren die Mobilisierung der international geschätzten Arbeitskraft und das Engagement des Landes in den frühen europäischen Einigungsprozess der dann unter anderem dank des deutschen Engagements über EWGKS,EWG und EG in das derzeitige Konstrukt der EU mündete. De Facto wurde "den Deutschen" neben recht Moderaten Wiedergutmachungs-Bedingungen auch noch ein Exportmarkt in der Nachbarschaft fast frei Haus geliefert und dazu noch geschickt gegen den internationalen Markt abgeschirmt. Nun muss sich Deutschland entscheiden, wie viel diesem recht kleinen Land mit schier unglaublicher Wirtschaftskraft in Abetracht von geologischer Ausstattung, Bevölkerung und realer Landesgröße, dieser "sichere" Exportmarkt vor der Tür Wert ist.

    Einfach oder?

    Herzlichst

    p.j.

    wenn es gilt, Unterlassungen, Fehleinschätzungen und politisch begründetes Handeln, was zu Katastrophen führt mit "alternativlosen Zwängen" aus dem
    Hause Merkel zu ersetzen.

    Darin ist die Frau wahrlich meisterhaft, den alternativlosen Zwang selbst herbei
    zu führen, eine gelehrige Kohlschülerin.

    Immer dann, wenn Menschen nicht gefragt werden (sollen) ist es (nicht) erstaunlich festzustellen, dass es "triftige Gründe gab, die Menschen nicht zu fragen" - und das waren und sind meist nicht jene Gründe, die Politiker öffentlich anführen.

    Der Frust wird sich Bahn brechen, so oder so und einen weiteren alternativlosen Zwang erzeugen, das EU Geschachere und eine nationale Interessen verneinende und vernachlässigende Politik abzulösen, sehr bald sogar.

    Nur als kurze Ergänzung:
    Deutschland hat einen Krieg verloren! Und gleich einen der verherendsten in der Weltgeschichte..
    Die Reparationszahlungen fielen vor dem Hintergrund des sich abzeichnenden Kalten Krieges recht tragbar aus und boten den Rahmen für einen schnellen Wiederaufbau des Landes. Bedingung dafür waren die Mobilisierung der international geschätzten Arbeitskraft und das Engagement des Landes in den frühen europäischen Einigungsprozess der dann unter anderem dank des deutschen Engagements über EWGKS,EWG und EG in das derzeitige Konstrukt der EU mündete. De Facto wurde "den Deutschen" neben recht Moderaten Wiedergutmachungs-Bedingungen auch noch ein Exportmarkt in der Nachbarschaft fast frei Haus geliefert und dazu noch geschickt gegen den internationalen Markt abgeschirmt. Nun muss sich Deutschland entscheiden, wie viel diesem recht kleinen Land mit schier unglaublicher Wirtschaftskraft in Abetracht von geologischer Ausstattung, Bevölkerung und realer Landesgröße, dieser "sichere" Exportmarkt vor der Tür Wert ist.

    Einfach oder?

    Herzlichst

    p.j.

  6. Wer ist Deutschland? Die dt. Steuerzahler wollten in ihrer Mehrheit den Euro aus guten Gründen nicht. Jetzt wollen sie nicht für die Zockereien der Banken in ihren Land und den EU-Staaten blechen.Das hilft aber nicht.
    Die Politiker wollen den Euro auf "Empfehlung" der Finanz"wirtschaft",
    die das Wirtstier bluten lässt, bis es tot umkippt,retten. Mit Engagement der Deutschen für Europa hat dieses dreiste Spektakel rein gar nichts zu tun.
    Was mich betrifft, kann die Euro-Zone gar nicht schnell genug auseinanderfallen.

    16 Leser-Empfehlungen
  7. keine totalitären Ideologien wie Nationalsozialismus, Faschismus, Kommunismus, Islam(ismus).

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    ...als ob es außer EU und diversen extremistischen -ismen sonst nichts mehr gäbe.

    Sei versichert, dem ist nicht so. Egal was die EU freundliche Presse behauptet.

    ...als ob es außer EU und diversen extremistischen -ismen sonst nichts mehr gäbe.

    Sei versichert, dem ist nicht so. Egal was die EU freundliche Presse behauptet.

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