Religionsfreiheit : "Der Islam ist eine deutsche Religion"

Tariq Ramadan über die Kunst, zugleich Muslim und Europäer zu sein
Muslimischer Intellektueller: Tariq Ramadan in Oxford © Jean Sebastien Evrard/AFP/Getty Images

DIE ZEIT: Professor Ramadan, in Europa macht sich eine Stimmung gegen den Islam breit. Minarette, Burkas und Kopftücher werden verboten. Deutschland debattiert über integrationsunwillige Muslime. Warum diese Zuspitzung?

Tariq Ramadan : Unsere westlichen Gesellschaften sind verunsichert durch die Globalisierung. Auch die Einwanderungsströme gehören dazu. Aber entscheidend ist das Sichtbarwerden des Fremden. Darum erregen sich die Leute über Moscheebauten, Minarette, Kopftücher, andere Hautfarben, Sprachen und Gerüche in ihren Vierteln. Wenn gegen die angebliche Islamisierung der Städte protestiert wird, geht es um die Sichtbarkeit einer fremden Religion, die dazugehören will. Das ist neu. Solange das Fremde nicht dazugehört, kann man leichter damit leben.

ZEIT : Seit Jahren leben wir mit der Terrordrohung im Namen des Islams.

Ramadan : Gewalt im Namen der Religion vergiftet die Debatte. Wir Muslime können die Augen nicht davor verschließen, dass dies die Wahrnehmung des Islams beeinflusst. Doch handelt die Islam-Debatte von unserer europäischen Identität. Sie ist hochpolitisch: Auf dem ganzen Kontinent bilden sich Parteien, deren Wahlerfolg davon abhängt, Misstrauen zu schüren. Sie füttern das Gefühl der Verunsicherung, man könne nicht mehr Deutscher oder Niederländer sein wegen dieser Einwanderer.

ZEIT: Der deutsche Präsident hat gesagt, der Islam gehöre zu Deutschland. Er wurde angegriffen, auch aus dem eigenen Lager.

Ramadan : Diese Identitätsfragen übersteigen die Bindungskraft der politischen Lager. Sie können heute Menschen auf der Linken finden, die sehr scharf gegen den Multikulturalismus polemisieren, und auf der Rechten gibt es welche, die einer pluralistischen Gesellschaft offen gegenüberstehen. Ihr Präsident hat etwas Offensichtliches festgestellt: Wenn es Millionen von Muslimen in Deutschland gibt, ist der Islam natürlich auch eine deutsche Religion. Der Islam ist eine europäische Religion, er ist ein Teil von Europas Geschichte und Gegenwart. Er ist nicht das ganz andere, er ist für Europa nichts Äußerliches mehr, bei sieben Millionen Muslimen in Frankreich, drei Millionen in England, vier in Deutschland.

ZEIT : Ebendies macht vielen Angst. Wie kommt man vom Hiersein zum Dazugehören?

Ramadan : Es hilft nicht, wenn sich die Haltung breitmacht: Was auch immer diese Leute tun, sie können nicht zu uns gehören, denn ihre Werte sind nicht die unseren, ihre religiösen Dogmen und Praktiken sind anders. Den Muslimen sage ich: Ein Bürger zu sein bedeutet nicht nur, die Gesetze zu achten und die Sprache zu sprechen. Ich muss loyal zu meinem Land stehen, weil ich das Beste für es will. Nur so wird die Wahrnehmung eines unlösbaren Konflikts zwischen Muslimsein und Europäertum verschwinden.

ZEIT: Zweifeln nicht auch viele Muslime, ob man zugleich Muslim und Europäer sein kann?

Ramadan : Die erste Generation von Muslimen war ungebildet, sie waren Arbeiter und wussten wenig über ihren Glauben. Die heutige dritte Generation stellt endlich Fragen, das ist gut. Unsere Eltern sagten, ein Muslim zu sein heißt so zu sein wie wir. Und die Gesellschaft hat signalisiert: So wirst du nie einer von uns. Das Neue entwickelt sich durch diesen Konflikt. Vor 25 Jahren wurde ernsthaft gefragt, ob es in Ordnung ist, als Muslim auf Dauer unter Ungläubigen zu leben. Das ist vorbei. Ich sage jungen Muslimen: Du bist ein Westler, du gehörst zu diesem Land, engagiere dich dafür.

ZEIT : Zu wenige Muslime vertreten das offen.

Ramadan : Wir haben zwei Problemgruppen: die kleine Minderheit von Ultrakonservativen, die so genannten Salafiten, und schließlich diejenigen, die Gewalt religiös rechtfertigen. Ich kämpfe gegen beide. Diese Gruppen profitieren allerdings davon, wenn gesagt wird, der Islam könne nicht integriert werden. Ihre Führer können dann den jungen Leuten sagen: Wir haben es doch immer gesagt, die wollen euch nicht, die werden euch nie akzeptieren, weil ihr Muslime seid! Die radikalen Islamisten benutzen so den Diskurs der Islamophoben, um junge Leute zu rekrutieren. Es gibt also eine objektive Allianz zwischen Islamhassern und extremistischen Muslimen. Und dann haben Letztere immer irgendwelche Verse aus dem Koran zur Hand, in denen negativ über Christen oder Juden gesprochen wird. Und schon scheint die Ablehnung des Westens eine unabänderliche historische Tradition zu sein, seit den Tagen des Propheten. Das ist Geschichtsklitterei. Die Muslime müssen aufhören, die westlichen Gesellschaften für alle Übel verantwortlich zu machen. Kompromittieren wir unsere Religion, wenn wir uns verwestlichen? Ich sage, dass es keinen Glauben ohne Entwicklung gibt.

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Kommentare

367 Kommentare Seite 1 von 45 Kommentieren

Verzeihen Sie bitte,

aber ihr Youtube-link ist wirklich das dümmste, das ich seit langem gesehen habe.

Völlig absurde Behauptungen, wie dass die späteren Verse stets gewalttätig sind, Verwechselungen der medinensischen und mekkanischen Versen und Verwechselungen über das Ersetzen der früheren Verse durch die Späteren, Fehlinterpretation von Taqiyya und zum Schluss noch die Aussage „die Scharia weitet sich aus“. Nichts mehr als Angstmacherei.

Ich vermute mal, dass sie für Angst sehr empfänglich sind.

@schwejk22

"Sie sind ein ganz gewitztes Kerlchen. Kommen mit dem AT und dem GG. Wollen Sie ernsthaft dem AT für den Deutschen den gleichen Stellenwert wie dem Koran für den Mohammedaner als Handlungsgrundlage im täglichen Leben zuweisen?"

Nö, ich vergleiche nicht das AT mit dem Koran in Bezug auf ihr Stellenwert gegenüber dem GG für den Deutschen, sondern für den praktizierenden, frommen Christen.

Hallo Tengri

Zeig mir doch mal den Christen, fuer den das AT eine ueberragende Bedeutung hat, die liegt beim NT, wie mir im protestantischen Religionsuntericht klargemacht wurde. Klar, da warst Du nie, also sage ich es Dir.

Ihr Moslems muesst noch viel von uns Deutschen lerne, und klar, wir auch einiges von Euch.

Bibel und GG sind fuer uns kein Gegensatz, noch ergaenzen sie sich. Klar, gewisse Grundprinzipien sind zumindest aehnlich, doch das trifft auch auf die Grundprinzipien der aufgeklaerten Atheisten zu: also Menschenrechte im Wesentlichen.

Dazu kommt, dass die deutsche Gesellschaft anders aufgestellt ist um einen so wie von den gegenwaertigen islamischen Gesellschaften praktizierten Islam zu akzeptieren. Sowenig diese islamischen Gesellschaften unsere Gesellschaftbefindlichkeit akzeptieren koennen. Beide Gesellschaften sind im Grunde nicht kompatibel. Da hilft kein Drumherumreden. Ob da nun fehlende 500 Jahre Entwicklung oder einfach ein anderes Grundverstaendnis dran Schuld sind, ist voellig egal. Aber es ist so.

Und nun und wie weiter ? Ich habe die Befuerchtung, dass wenn keine sinnvolle Loesung fuer alle seiten gefunden wird, siich so langsam eher eine Bedrohung fuer die Moslems in diesem Lande aufbaut. Das gilt es zu vermeiden und zu bekaempfen. Und da muessen halt beide Seiten schlucken und loesungen finden.

lieber rho,

"Bibel und GG sind fuer uns kein Gegensatz, noch ergaenzen sie sich. Klar, gewisse Grundprinzipien sind zumindest aehnlich, doch das trifft auch auf die Grundprinzipien der aufgeklaerten Atheisten zu: also Menschenrechte im Wesentlichen."
Ist zwar richtig, dennoch bezweifle ich, dass der Ratzinger das GG über die Bibel stellt. Aber gut, ist vielleicht auch nur die Spekulation eines türkischstämmigen Atheisten.

"Dazu kommt, dass die deutsche Gesellschaft anders aufgestellt ist um einen so wie von den gegenwaertigen islamischen Gesellschaften praktizierten Islam zu akzeptieren. Sowenig diese islamischen Gesellschaften unsere Gesellschaftbefindlichkeit akzeptieren koennen. Beide Gesellschaften sind im Grunde nicht kompatibel. Da hilft kein Drumherumreden. Ob da nun fehlende 500 Jahre Entwicklung oder einfach ein anderes Grundverstaendnis dran Schuld sind, ist voellig egal. Aber es ist so."
Zwar gab es auch im Islam immer wieder mal sehr weltliche und liberale Strömungen, aber es ist sicherlich richtig, das dem Islam eine Reformation wie sie die christliche Religion erlebt hat, fehlt.
Allerdings sollte man, wenn man von islamischen Gesellschaften spricht, sehr wohl auch zwischen Saudi-Arabien, Iran, Türkei, Bosnien, Albanien, Indonesien etc... unterscheiden. Ein christlicher Pole, US-Amerikaner vom christioan-belt und ein Armenier haben ja auch eine unterschiedliche Auffassung ihrer Religion.

Ihr YouTube-link: Das klügste, das ich seit langem gesehen habe

Ich hatte mir den Koran vor einigen Jahren gekauft, um ihn, wie in ihrem Link (#29) empfohlen, zu lesen. Ich habe es nicht ganz geschafft, aber die Suren, die ich gelesen habe, haben mir gereicht. Wer da glaubt, es handle sich bei dem Koran um ein der Bibel vergleichbares „heiliges“ Buch, der hat weder Ahnung davon, was in der Bibel steht, noch was im Koran steht. Die Bibel ist eine Sammlung von Schriften mit teilweise hohem literarischen Wert (Mythen, Gesetze, Weisheitssprüche, Prophezeiungen, Gedichte etc.), zusammengetragen im Laufe mehrerer Jahrhunderte. Für uns ist die Bibel weitestgehend eine religiöse Mythologie, die zur Interpretation einlädt und damit die Epoche der Aufklärung möglich gemacht hat.
Der Koran hingegen ist das Werk eines Mannes und stellt im Wesentlichen Befehle zum Handeln dar, die nicht hinterfragt werden dürfen. Teilweise sind die Anweisungen harmlos, zu einem großen Teil aber auch nicht. Vorschriften zur Reinheit oder zu Bewegungen beim Gebet sind ja zu begrüßen, hat doch auch ein Atheist gegen Sauberkeit und Bewegung (auch ohne Gebet) nichts einzuwenden. Andere Anweisungen haben es dann aber in sich: So soll gemäß der Scharia Dieben die Hand abgeschlagen, Ehebrecher sollen gesteinigt werden, um nur einige Scheußlichkeiten zu nennen. Für jeden, der Mohammed, die Scharia oder den Koran kritisiert wird der Tod gefordert. Und wenn einer den „Gläubigen“ entkommt? Na dann wird es im Notfall Allah richten. Der Islam eine deutsche Religion? Nein Danke.

Man darf mir jederzeit den Rechten Weg ...

in religiösen Fragen zeigen, so lange es sich dabei um eine unverbindliche Empfehlung handelt. Geht der Anspruch über eine Empfehlung hinaus, dann werde ich hellhörig, denn dies markiert den Punkt, an dem die religiöse Freiheit ihr Ende finden muss. Toleranz ist schließlich keine Einbahnstraße, deren Fahrtrichtung derjenige mit der höheren Dreistigkeit bestimmt.
Sie widerlegen mich mit einem Gegenbeispiel genau dann, wenn ich behaupte, dass alle Aussagen im Koran gegen unsere Grundordnung gerichtet sind. Es ist aber trivialerweise davon auszugehen, dass eine große Zahl von friedlichen Zitaten im Koran zu finden sind (schon aus statistischen Gründen, steht ja ne Menge drin). Bedenkt man den totalitären Anspruch, den die Schrift als Ganzes erhebt, reicht aber schon ein Zitat aus, welches gegen die freiheitlich demokratische Grundordnung gerichtet ist (3 habe ich ja schon genannt), um die Religion als ein in sich geschlossenes System zurückzuweisen. Bei der Bibel hat man sich ja auch dazu durchgerungen. Die hier verwendete Logik wird im Übrigen nicht an Koranschulen gelehrt, ist aber die Grundlage unserer wirtschaftlichen Prosperität.

Scharia steht über unseren Gesetzen!!!!!!

http://de.wikipedia.org/w...

Abschnitt Positionen
"""Tariq Ramadan setzt sich für die da'wa ein, die islamische Mission in Europa. Ihr Ziel sei, dass die Europäer den Islam freiwillig annähmen, ohne jedoch ihre Sprache oder Sitten ablegen zu sollen, solange diese mit der Scharia vereinbar seien. Ramadan wendet sich dagegen, die Europäer arabisieren oder turkisieren zu wollen. Auch wendet er sich gegen die Auffassung, dass Europäer als Harbis keinerlei Rechte hätten."""
_____________________________________________________________

Tariq Ramadan toleriert also uns Europäer, solange unsere Gesetze mit der Scharia vereinbar sind.

Das bedeutet: Sind unsere Gesetze nicht mit der Scharia vereinbar, so sind diese Gesetze ungültig.

Und ich Thor dachte bisher genau umgekehrt.

Kommt jetzt Multi-Kulti intensiv auf uns zu?

Welchen Weg schlägt die ZEIT ein?

Gruß
hthswa

Auch die Bibel ist frauenfeindlich

Doch wird der Mensch immer aufgeklärter.

Hier ein paar Bibelverse:

Zur Strafe für die Erbsünde beauftragt Gott, den Mann, über die Frau zu Herrschen! (Gen.3,1-24)

Frauen sollen in der Versammlung schweigen, es ist ihnen nicht gestattet zu reden. Sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz es fordert. Wenn sie etwas wissen wollen, dann sollen sie zu Hause ihre Männer fragen; denn es gehört sich nicht für eine Frau, vor der Gemeinde zu reden. (1 Kor 14:34)

Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, sollen sich die Frauen in allem den Männern unterordnen. (Eph. 5,24)

Deswegen denke ich aber noch lange nicht, dass Christen von vornherein chauvinistisch und frauenfeindlich wären...

Und wissen sie auch warum

Es ist doch ganz einfach. In der christlichen Welt gilt (ob offen zugegben oder manchmal auch nur indirket) die Bibel NICHT als Gottes Wort. Sie ist selbstvderständlich von Menschen geschrieben und erdacht. Vieles basiert auf tiefen spirituellen Erfahrungen, vieles nicht.

Von diesen Dingen, die nicht spirituell erscheinen kann man sich distanzieren. Auch Muslime tun dies in Bezug auf den Koran und die eine oder andere Angewohnheit ihres Propheten.

Es sind nur zu wenige

Wandelbarkeit von Religionen

Mag sein. Aber auch Religionen sind Wandel ausgesetzt, denn sie sind nicht starre Kopfgebilde, sondern Interpretationen, die sich generationsmäßig abwandeln. Warum trauen wir den Muslimen nicht zu, das fertig zu bringen? Die Bibel ist nicht minder frauenfeindlich, herrisch, homophob, brutal und verachtend, und trotz allem hat sich eine liberale, aufgeklärte europäische Gesellschaft herausgebildet.

Ich denke, das ist auch im Islam möglich.

Islam und Moderne

Der Islam ist nun 1400 Jahre alt. Das Christentum ist 2000 Jahre alt.

Vor etwa 1000 Jahren ( Kampf zwischen Kaiser und Papst; siehe "Canossa") und 300 Jahren (Aufklärung) begann die europäische Emanzipation in Bezug auf Religion, Staat und Gesellschaft mit Ergebnis der heutigen Form von Säkularisation. Wann begann diese im Islam? Und wo?

Fazit: der Islam hat einen Rückstand von etwa 1000 bis 300 Jahren aufzuholen. Dies mag er schaffen, alleine, ich befürchte, dass ihm das nicht gelingen wird. Es gibt nicht ein einziges Anzeichen, dass sich die Idee des Pluralismus innerhalb des Islams herausbilden kann oder könnte.

Manche glauben, es liege an dem jew. Bekenntnis. Die Christen bekennen sich zu Jesus, der Frieden gepredigt hat (Friedensfürst) und die Moslems bekennen sich zu Mohamed, der Krieg gepredigt hat. Ich glaube, dass dies nicht ausreicht.

@119. atencion

Ich wünschte mir auch, es wäre so, wie Sie schreiben, aber Sie irren sich. Leider. Der Islam gründet sich auf dem Koran, eines "Kopfgebildes" wie Sie es ausdrücken, das auf die unveränderbare Offenbarung Allahs gegenüber Mohammed zurückgeht. So die Sage. Da bleibt kein Raum für "Interpretationen" an "Gottes Wort".
Die Bibel dagegen ist eine Sammlung und Fortschreibung von Geschichten und Sagen, die es auch noch vertragen hätte bis zu den Gebrüdern Grimm fortgeschrieben zu werden. Diese Gleichsetzung von Bibel mit Koran bedeutet nichts anderes, als würde man Feuer und Wasser gleichsetzen, nur weil man beides braucht, um Kartoffeln zu kochen.

@Wolfgang R

Daumen hoch für: Die Renaissance des Islams ist ausgeblieben und noch lange nicht in Sicht. Ist aber zwingend für die Befreiung durch die Ängste die durch irgendwelche Vorbeter oder allen die irgendetwas vorschreiben was Religion betrifft um eigene Ziele zu erreichen notwendig (langer Satz). Und einen Amerika hat der Orient auch nicht wohin bereits emanzipierte Menschen hin flüchten könnten.

Nur wo steht das Mohammed krieg befohlen hat ? Das ist extrem falsch!

Das Verhältnis von Islam und Gewalt

Sure 2, Vers 191
Sure 2, Vers 193
Sure 2, Vers 216
Sure 4, Vers 74
Sure 4, Vers 76

die anderen 200 Suren kann ich hier nicht auflisten und spare mir die Mühe.

Der Koran ruft zu Krieg auf. Da Mohamed vernatwortlich für den Koran ist ist er auch verantwortlich für den Krieg, der im Namen des Korans geführt wird. Außerdem ist Mohamed nicht landläufig als Bringer des Friedens bekannt. Frieden ist nur mit besiegten Gegnern.

Zivilisationen an der Messskala?

Verehrter Wolfgang,

ich sehe in Ihrer Argumentation folgendes Problem: Die Vorstellung, Zivilisationen entwickelten sich in ein und dieselbe Richtung und erlaubten eine zeitliche Eingrenzung in "rückständiger" und "fortschrittlicher" ist eine zweifelhafte Vorstellung, die auf das 19. Jahrhundert zurückgeht (aber leider bis heute noch von einigen für Ernst genommen wird). Dieser Zivilisationsglauben rechtfertigte die Besiedlung der beiden Amerikas, wie auch die Phase der imperialistischen Kolonisierungen.

Nehmen Sie die Geschichte verschiedener Kulturen als Gegenprobe, sei es auf technischem, wissenschaftlichem, oder spirituellem Gebiet, die der universellen Linearität von Errungenschaften widersprechen. Das alter einer Religion sagt also nichts über ihren Entwicklungsstand aus. Sonst wären Judentum, römischer und griechischer Polytheismus sowie sämtliche heidnische Religionen die friedlichsten der Welt.

Auch dürfte es Ihnen als offenbar über den Islam wohlinformierten Menschen nicht entgangen sein, dass der Islam in den ersten fünf Jahrhunderten relativ tolerant anderen Religionen gegenüber gewesen ist (vgl. die Mauren in Spanien).

Es ist wichtig hervorzuheben, dass Friedfertigkeit oder Kriegsdrescherei nicht unbedingt Resultate sakraler Texte sind, sondern nach wie vor die eines Geflechts aus kultureller Selbstbewertung, politischer Interessen und sozial-ökonomischer Realitäten sind.

MfG,
atencion.

PS: Ich empfehle Ihnen "Was ist Kultur?" von Terry Eagleton, 12,95€.

Wunschdenken

Die Ansichten in diesem Interview sind leider wunschdenken und entbehren der Realitaet. Tatsache ist wohl, dass sich die Grenzen oder Ablehnungen verstaerken. Grund dafuer ist in erster Linie der radikale Islamismus mit dem verbundenen Terrorismus. Leider, leider wird von Muselmanen in DL zuwenig Stellung gegen den Terrorismus genommen. Die Bedrohungen sind real und verursachen Unbehagen. Wem will man das verdenken. In einer ""vorterroristischen Zeit"" hat sich niemand um andere Religionen gekuemmert. Deutsche sind zu ueberwiegender Mehrheit tolerant und nicht auslaenderfeindlich. Eher schon "gleichgueltig" so nach dem Motto, "glaub was du willst". Muselmane mit deutscher Staatsanghoerigkeit sind ja auch keine Auslaender.

@23.u.t.

Muselman oder Mohammedaner ist eine veraltete Bezeichnung für den Anhänger einer Religion, die früher auch Mohammedanismus und heute Islam genannt wird. Duden, Das Fremdwörterbuch, 9. akt.Auflage
Nicht jeder, der alte Begriffe gebraucht, will provozieren. Es fällt nur manchmal schwer, sofort Begriffsumdeutungen oder Neuschöpfungen anzuwenden und die alten Begriffe zu vergessen.
Ich beispielsweise kann mit Hingabe/Unterwerfung (unter Gott) als Übersetzung für Islam mehr anfangen als die in neuerer Zeit in Umlauf gebrachte Begriffserklärung für Islam = Frieden.

Wer oder was?

"Tatsache ist wohl, dass sich die Grenzen oder Ablehnungen verstaerken. Grund dafuer ist in erster Linie der radikale Islamismus mit dem verbundenen Terrorismus. Leider, leider wird von Muselmanen in DL zuwenig Stellung gegen den Terrorismus genommen."

Eine Ablehnende Haltung gegenüber den Terrorismus sollte man als gegeben voraussetzen können. Entsprechende Stellungnahmen gab es jedoch von vielen Seiten. Sogar in einigen fundamentalistischen Milieus.

Stellen Sie es sich einmal spiegelbildlich vor. Müsste nicht die Tatsache, dass Sie Deutscher sind, dazu führen, dass Sie täglich mit Nazis gleichgesetzt werden und sich demzufolge sehr häufig vom deutschen Nationalismus distanzieren? Vermutlich kann man an Ihren alltäglichen Aussagen erkennen, dass Sie nicht zu den Mordlüsternen "Volksgenossen" gehören, demzufolge werden Sie auch nicht täglich mit einem Nazivorwurf belästigt.

Ein großes Problem bezüglich des gewaltbefürwortenden Islamismus ist jenes, dass die Mehrheit überhaupt nicht weiß, welchen Partikularströmungen(idR Salafismus) des Islam der Terrorismus denn tatsächlich zuzuordnen ist. Der Mensch denkt in Kategorien und Vorurteilen. Dies hat zur Folge, dass, wenn man nicht besser informiert ist, zunächst einmal alle Moslems Terroristen sind - und alle Deutschen Nazis. Dem kann man *nur* mit Information begegnen.

@NDM: Äpfel und Birnen

Eine ablehnende Haltung gegenüber dem Terrorismus seitens der Muslime in D kann als gegeben vorausgesetzt werden? Schauen Sie mal hier:
http://www.faz.net/s/Rub5...
Da sind gemäß der Studie des Bundesinnenministeriums 2007 25% der 3,5 Millionen Muslime in D bereit, gegen Ungläubige anzutreten, wenn es der islamischen Sache dient. Einer Community, aus der sich knapp eine Millionen "Einzelfälle" problemlos für offene Gewalt gegen Andersdenkende mobilisieren lassen, kann eine ablehnende Haltung gegenüber dem Terrorismus bescheinigt werden?

Seit 2004 existiert eine Website unter dem Titel "Muslime gegen Terror" http://www.muslime-gegen-... wo Muslime aufgerufen werden, ihre Stimme gegen den Terror zu erheben. Innerhalb von 6 Jahren haben dort nicht mehr als 1525 Muslime unterschrieben, das sind weniger als 1 Promille.

Und um sicherzustellen, daß mit den abwegigen Nazi-Vergleichen nicht Äpfel und Birnen verglichen werden: Kennen Sie eine adäquat seriöse Studie, aus der hervorgeht, daß 25% der Deutschen Nazis sind und sich ebenso für offene Gewat gegen Andersdenkende mobilisieren lassen? Oder eine Studie, die entsprechende Aussagen tätigt für irgendeine nichtmuslimische Minderheit in D?

Warum ich Muslime in D in der Bringschuld sehe, habe ich hier ausführlicher dargelegt:
http://community.zeit.de/...