Religionsfreiheit"Der Islam ist eine deutsche Religion"

Tariq Ramadan über die Kunst, zugleich Muslim und Europäer zu sein

Muslimischer Intellektueller: Tariq Ramadan in Oxford

Muslimischer Intellektueller: Tariq Ramadan in Oxford

DIE ZEIT: Professor Ramadan, in Europa macht sich eine Stimmung gegen den Islam breit. Minarette, Burkas und Kopftücher werden verboten. Deutschland debattiert über integrationsunwillige Muslime. Warum diese Zuspitzung?

Tariq Ramadan : Unsere westlichen Gesellschaften sind verunsichert durch die Globalisierung. Auch die Einwanderungsströme gehören dazu. Aber entscheidend ist das Sichtbarwerden des Fremden. Darum erregen sich die Leute über Moscheebauten, Minarette, Kopftücher, andere Hautfarben, Sprachen und Gerüche in ihren Vierteln. Wenn gegen die angebliche Islamisierung der Städte protestiert wird, geht es um die Sichtbarkeit einer fremden Religion, die dazugehören will. Das ist neu. Solange das Fremde nicht dazugehört, kann man leichter damit leben.

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ZEIT : Seit Jahren leben wir mit der Terrordrohung im Namen des Islams.

Ramadan : Gewalt im Namen der Religion vergiftet die Debatte. Wir Muslime können die Augen nicht davor verschließen, dass dies die Wahrnehmung des Islams beeinflusst. Doch handelt die Islam-Debatte von unserer europäischen Identität. Sie ist hochpolitisch: Auf dem ganzen Kontinent bilden sich Parteien, deren Wahlerfolg davon abhängt, Misstrauen zu schüren. Sie füttern das Gefühl der Verunsicherung, man könne nicht mehr Deutscher oder Niederländer sein wegen dieser Einwanderer.

ZEIT: Der deutsche Präsident hat gesagt, der Islam gehöre zu Deutschland. Er wurde angegriffen, auch aus dem eigenen Lager.

Ramadan : Diese Identitätsfragen übersteigen die Bindungskraft der politischen Lager. Sie können heute Menschen auf der Linken finden, die sehr scharf gegen den Multikulturalismus polemisieren, und auf der Rechten gibt es welche, die einer pluralistischen Gesellschaft offen gegenüberstehen. Ihr Präsident hat etwas Offensichtliches festgestellt: Wenn es Millionen von Muslimen in Deutschland gibt, ist der Islam natürlich auch eine deutsche Religion. Der Islam ist eine europäische Religion, er ist ein Teil von Europas Geschichte und Gegenwart. Er ist nicht das ganz andere, er ist für Europa nichts Äußerliches mehr, bei sieben Millionen Muslimen in Frankreich, drei Millionen in England, vier in Deutschland.

ZEIT : Ebendies macht vielen Angst. Wie kommt man vom Hiersein zum Dazugehören?

Ramadan : Es hilft nicht, wenn sich die Haltung breitmacht: Was auch immer diese Leute tun, sie können nicht zu uns gehören, denn ihre Werte sind nicht die unseren, ihre religiösen Dogmen und Praktiken sind anders. Den Muslimen sage ich: Ein Bürger zu sein bedeutet nicht nur, die Gesetze zu achten und die Sprache zu sprechen. Ich muss loyal zu meinem Land stehen, weil ich das Beste für es will. Nur so wird die Wahrnehmung eines unlösbaren Konflikts zwischen Muslimsein und Europäertum verschwinden.

ZEIT: Zweifeln nicht auch viele Muslime, ob man zugleich Muslim und Europäer sein kann?

Ramadan : Die erste Generation von Muslimen war ungebildet, sie waren Arbeiter und wussten wenig über ihren Glauben. Die heutige dritte Generation stellt endlich Fragen, das ist gut. Unsere Eltern sagten, ein Muslim zu sein heißt so zu sein wie wir. Und die Gesellschaft hat signalisiert: So wirst du nie einer von uns. Das Neue entwickelt sich durch diesen Konflikt. Vor 25 Jahren wurde ernsthaft gefragt, ob es in Ordnung ist, als Muslim auf Dauer unter Ungläubigen zu leben. Das ist vorbei. Ich sage jungen Muslimen: Du bist ein Westler, du gehörst zu diesem Land, engagiere dich dafür.

ZEIT : Zu wenige Muslime vertreten das offen.

Ramadan : Wir haben zwei Problemgruppen: die kleine Minderheit von Ultrakonservativen, die so genannten Salafiten, und schließlich diejenigen, die Gewalt religiös rechtfertigen. Ich kämpfe gegen beide. Diese Gruppen profitieren allerdings davon, wenn gesagt wird, der Islam könne nicht integriert werden. Ihre Führer können dann den jungen Leuten sagen: Wir haben es doch immer gesagt, die wollen euch nicht, die werden euch nie akzeptieren, weil ihr Muslime seid! Die radikalen Islamisten benutzen so den Diskurs der Islamophoben, um junge Leute zu rekrutieren. Es gibt also eine objektive Allianz zwischen Islamhassern und extremistischen Muslimen. Und dann haben Letztere immer irgendwelche Verse aus dem Koran zur Hand, in denen negativ über Christen oder Juden gesprochen wird. Und schon scheint die Ablehnung des Westens eine unabänderliche historische Tradition zu sein, seit den Tagen des Propheten. Das ist Geschichtsklitterei. Die Muslime müssen aufhören, die westlichen Gesellschaften für alle Übel verantwortlich zu machen. Kompromittieren wir unsere Religion, wenn wir uns verwestlichen? Ich sage, dass es keinen Glauben ohne Entwicklung gibt.

Leser-Kommentare
    • bumbum
    • 04.12.2010 um 19:08 Uhr

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen und differenzierten Argumenten an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/ag

    6 Leser-Empfehlungen
  1. Seit wann ist das Wort "Muselmane" ein Schimpfwort? Es ist ein internationales Wort fuer arabische, islamische Menschen. Span. = Musulman, ich rate einmal nachzuschauen.

    7 Leser-Empfehlungen
  2. Antwort: Beides

    Was gilt wenn sich zwei Regeln im Islam wieder sprechen?

    Antwort: Die Ältere

    http://www.youtube.com/wa...

    Eine Leser-Empfehlung
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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf das Posten derartiger Websites. Danke. Die Redaktion/ag

    > Was gilt wenn sich zwei Regeln im Islam wieder sprechen?
    > Antwort: Die Ältere

    Ihre Aussage ist falsch.

    Spätere Aussagen des Korans heben frühere, widersprechende auf.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Abrogation_(Islam)

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf das Posten derartiger Websites. Danke. Die Redaktion/ag

    > Was gilt wenn sich zwei Regeln im Islam wieder sprechen?
    > Antwort: Die Ältere

    Ihre Aussage ist falsch.

    Spätere Aussagen des Korans heben frühere, widersprechende auf.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Abrogation_(Islam)

  3. Muselman oder Mohammedaner ist eine veraltete Bezeichnung für den Anhänger einer Religion, die früher auch Mohammedanismus und heute Islam genannt wird. Duden, Das Fremdwörterbuch, 9. akt.Auflage
    Nicht jeder, der alte Begriffe gebraucht, will provozieren. Es fällt nur manchmal schwer, sofort Begriffsumdeutungen oder Neuschöpfungen anzuwenden und die alten Begriffe zu vergessen.
    Ich beispielsweise kann mit Hingabe/Unterwerfung (unter Gott) als Übersetzung für Islam mehr anfangen als die in neuerer Zeit in Umlauf gebrachte Begriffserklärung für Islam = Frieden.

    3 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Man erkennt"
    • 04.12.2010 um 19:20 Uhr

    Um Ihnen mal den Unterschied klar zu machen:
    http://www.youtube.com/wa...

    4 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "GG vs. heilige Schrift"
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    • Tengri
    • 04.12.2010 um 22:04 Uhr

    aber ihr Youtube-link ist wirklich das dümmste, das ich seit langem gesehen habe.

    Völlig absurde Behauptungen, wie dass die späteren Verse stets gewalttätig sind, Verwechselungen der medinensischen und mekkanischen Versen und Verwechselungen über das Ersetzen der früheren Verse durch die Späteren, Fehlinterpretation von Taqiyya und zum Schluss noch die Aussage „die Scharia weitet sich aus“. Nichts mehr als Angstmacherei.

    Ich vermute mal, dass sie für Angst sehr empfänglich sind.

    Ich hatte mir den Koran vor einigen Jahren gekauft, um ihn, wie in ihrem Link (#29) empfohlen, zu lesen. Ich habe es nicht ganz geschafft, aber die Suren, die ich gelesen habe, haben mir gereicht. Wer da glaubt, es handle sich bei dem Koran um ein der Bibel vergleichbares „heiliges“ Buch, der hat weder Ahnung davon, was in der Bibel steht, noch was im Koran steht. Die Bibel ist eine Sammlung von Schriften mit teilweise hohem literarischen Wert (Mythen, Gesetze, Weisheitssprüche, Prophezeiungen, Gedichte etc.), zusammengetragen im Laufe mehrerer Jahrhunderte. Für uns ist die Bibel weitestgehend eine religiöse Mythologie, die zur Interpretation einlädt und damit die Epoche der Aufklärung möglich gemacht hat.
    Der Koran hingegen ist das Werk eines Mannes und stellt im Wesentlichen Befehle zum Handeln dar, die nicht hinterfragt werden dürfen. Teilweise sind die Anweisungen harmlos, zu einem großen Teil aber auch nicht. Vorschriften zur Reinheit oder zu Bewegungen beim Gebet sind ja zu begrüßen, hat doch auch ein Atheist gegen Sauberkeit und Bewegung (auch ohne Gebet) nichts einzuwenden. Andere Anweisungen haben es dann aber in sich: So soll gemäß der Scharia Dieben die Hand abgeschlagen, Ehebrecher sollen gesteinigt werden, um nur einige Scheußlichkeiten zu nennen. Für jeden, der Mohammed, die Scharia oder den Koran kritisiert wird der Tod gefordert. Und wenn einer den „Gläubigen“ entkommt? Na dann wird es im Notfall Allah richten. Der Islam eine deutsche Religion? Nein Danke.

    • Tengri
    • 04.12.2010 um 22:04 Uhr

    aber ihr Youtube-link ist wirklich das dümmste, das ich seit langem gesehen habe.

    Völlig absurde Behauptungen, wie dass die späteren Verse stets gewalttätig sind, Verwechselungen der medinensischen und mekkanischen Versen und Verwechselungen über das Ersetzen der früheren Verse durch die Späteren, Fehlinterpretation von Taqiyya und zum Schluss noch die Aussage „die Scharia weitet sich aus“. Nichts mehr als Angstmacherei.

    Ich vermute mal, dass sie für Angst sehr empfänglich sind.

    Ich hatte mir den Koran vor einigen Jahren gekauft, um ihn, wie in ihrem Link (#29) empfohlen, zu lesen. Ich habe es nicht ganz geschafft, aber die Suren, die ich gelesen habe, haben mir gereicht. Wer da glaubt, es handle sich bei dem Koran um ein der Bibel vergleichbares „heiliges“ Buch, der hat weder Ahnung davon, was in der Bibel steht, noch was im Koran steht. Die Bibel ist eine Sammlung von Schriften mit teilweise hohem literarischen Wert (Mythen, Gesetze, Weisheitssprüche, Prophezeiungen, Gedichte etc.), zusammengetragen im Laufe mehrerer Jahrhunderte. Für uns ist die Bibel weitestgehend eine religiöse Mythologie, die zur Interpretation einlädt und damit die Epoche der Aufklärung möglich gemacht hat.
    Der Koran hingegen ist das Werk eines Mannes und stellt im Wesentlichen Befehle zum Handeln dar, die nicht hinterfragt werden dürfen. Teilweise sind die Anweisungen harmlos, zu einem großen Teil aber auch nicht. Vorschriften zur Reinheit oder zu Bewegungen beim Gebet sind ja zu begrüßen, hat doch auch ein Atheist gegen Sauberkeit und Bewegung (auch ohne Gebet) nichts einzuwenden. Andere Anweisungen haben es dann aber in sich: So soll gemäß der Scharia Dieben die Hand abgeschlagen, Ehebrecher sollen gesteinigt werden, um nur einige Scheußlichkeiten zu nennen. Für jeden, der Mohammed, die Scharia oder den Koran kritisiert wird der Tod gefordert. Und wenn einer den „Gläubigen“ entkommt? Na dann wird es im Notfall Allah richten. Der Islam eine deutsche Religion? Nein Danke.

    • u.t.
    • 04.12.2010 um 19:22 Uhr

    80% der Kommentare nicht nur die Aussagen Ramadans bestreitend, sondern auch noch ihre Abneigung zollend.

    Außerdem scheinen diese Herren Kommentatoren gaaaanz genau zu wissen, wie es um unsere deutschtürkischen, türkischen, muslimischen Mitbürger bestellt ist.
    Und die deutsche Mehrheitsgesellschaft wird IMMER reingewaschen ("Rassismus? Nööö, bei uns nie...").

    Mir bleibt nur der Eindruck, dass die Herren Geiferer kaum wirklich persönliche Bekanntschaft mit Einwanderern gemacht haben. Es wird halt losgezogen, mit ganz viel Sprachschablonen.
    Mein Eindruck ist halt vielschichtiger. Speziell hierzulande haben wir immer einen starken Anteil gemäßigter bis säkularer Muslime gehabt (ja, die sind trotzdem fromme Muslime, auch wenn sie kemalistisch o.ä. geprägt sind).

    Ich bemerke übrigens immer wieder die Heuchelei der Rechtspopulisten, Wilders-Stiefellecker und Konsorten daran, dass sie gegenüber integrierten Muslimen einen besonderen Hass entwickeln.
    Dann gehen immer die Tiraden los.

    5 Leser-Empfehlungen
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    und das im aggressiven Tonfall.

    Viele friedliche Moslems/innen sehe ich in Geschäften und auf der Straße mit Kopftüchern und langen schwarzen Mänteln...Als Frau fühle ich mich Welten von diesen Menschen entfernt.... Sie können schimpfen so viel Sie wollen, es hilft nicht gegen die Entfremdung...

    und das im aggressiven Tonfall.

    Viele friedliche Moslems/innen sehe ich in Geschäften und auf der Straße mit Kopftüchern und langen schwarzen Mänteln...Als Frau fühle ich mich Welten von diesen Menschen entfernt.... Sie können schimpfen so viel Sie wollen, es hilft nicht gegen die Entfremdung...

  4. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen und differenzierten Argumenten an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/ag

    Eine Leser-Empfehlung
  5. Entfernt. Bitte argumentieren Sie differenziert und verzichten Sie auf pauschale Herabwürdigungen. Danke. Die Redaktion/ag

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