Zum 30. Todestag : Wer war John Lennon?

Vor 30 Jahren wurde er umgebracht, der oberste Beatle, Agitator, Privatier und Klassiker – eine Würdigung.
John Lennon im Jahr 1966, als er sich für seine Aussage entschuldigte, die Beatles seien populärer als Jesus © Harry Benson/Express/Getty Images

Versuchen kann man es, sich John Lennon als 70-Jährigen vorzustellen, mit Hängebäckchen, Tränensäcken und ergrautem Indianerhaar. Vielleicht hätten er und Yoko eine Love and Peace University gegründet oder wären in Sachen Klimaschutz aktiv. Vielleicht würde er heute dem Dalai Lama Konkurrenz machen, als Dauergast auf den Podien dieser Welt. Aber nein, es geht nicht, die Fantasie streikt bereits im Ansatz. Der heilige John ist einer jener Helden der Popkultur, die ewig jung bleiben werden. Sein Tod vor 30 Jahren hat den Prozess der Ikonisierung abrupt zum Stillstand und damit zur Vollendung gebracht.

© Robert Whitaker

Paul McCartney, dem alten Kumpel und Dauerkonkurrenten, ist das zweifelhafte Glück vorbehalten, bis ins hohe Alter über die Lande zu ziehen und Beatles-Messen zu zelebrieren, John Lennon hingegen bleibt dieser seltsam jugendliche Typ mit der Nickelbrille, ein Posterboy, großer Bruder und Ersatzguru. Mit den Schüssen des geistig verwirrten Fans Mark Chapman, am 8. Dezember 1980 auf den Stufen des New Yorker Dakota Building abgefeuert, ging nicht einfach eine Ära zu Ende, sie öffneten der Mystifizierung eines gewöhnlichen Sterblichen Tür und Tor. Denn so will es das Gesetz: Wer früher stirbt, ist länger tot. Entsprechend schwer ist es, ihn nachträglich wieder zum Leben zu erwecken.

Wer war John Lennon? Der Mann, der Imagine schrieb, aber was ist da sonst noch? Give Peace a Chance wurde zur Lagerfeuerhymne, doch erinnert sich jemand an die Details der Lennonschen Weltmission? Es sind die Schmuckschubereditionen und Prachtausgaben, die das Bild bestimmen, Gedenkfetische in Form neuer Coffeetable-Erzeugnisse, die mit dem Versprechen, den wahren John zu zeigen, Fotostrecken voller lachender Beatles und kreischender Teenager aufwärmen. Noch einmal sollen wir das Poesiealbum der Sechziger aufblättern, die Klassikermaschine läuft, kommende Woche landet punktgenau ein Film über Lennon in den Kinos, und die Witwe hat auch noch mal zugeschlagen.

Wer nun aber die größte Lennon-Wiederveröffentlichungsoffensive aller Zeiten dazu nutzt, sich beispielsweise sein digital restauriertes Spätwerk in geballter Form zu Gemüte zu führen, macht eine überraschende Entdeckung. Fremd ist er uns geworden, dieser Lennon. Die Musik: mit Ausnahme der Handvoll Hits zerfasert, ausufernd und ohne Pointe. Die forcierten Hippieglaubensbekenntnisse bei gleichzeitiger Defätistenattitüde: schwer erträglich. Yokos tremolierender Weltverbesserungssopran: zum Davonlaufen. Das Album mit Coverversionen früher Rock-’n’-Roll-Titel, das Lennon nach den Torturen der Beatles-Jahre eine verlorene Unschuld zurückgeben sollte: auf geradezu groteske Weise misslungen. Man könnte auf die ketzerische Idee kommen, das Werk selbst habe die Zeiten nicht annähernd so gut überstanden wie das Bild, das wir uns von ihm gemacht haben.

Der Befund ist auch deshalb erstaunlich, weil es Lennon selbst war, der an der Schwelle zu den Siebzigern ein Leben nach dem Ruhm ins Auge fasste. Während Ringo und George trotz einiger Achtungserfolge die Scheidungskinder der Beatles-Familie blieben und Paul sich bald auf die Rolle des Nachlassverwalters besann, gab John, furios vorauseilend wie immer, den Bilderstürmer. »I don’t believe in Kennedy, I don’t believe in Buddha, I don’t believe in Mantra, I don’t believe in Gita, I don’t believe in Yoga, I don’t believe in kings« – gnadenloser als im Song God ist den Götzen der Sechziger nie abgeschworen worden. Auch an Elvis, Bob Dylan und die Beatles wollte John Lennon nicht mehr glauben, genützt hat es ihm nichts. Der Lennon-Kult, ein tragischer Fall nachgetragener Liebe: Je verbissener er seinen Fans davonlief, desto hartnäckiger blieben sie ihm auf den Fersen.

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Kommentare

21 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

na ja...

"Lennon mag ein bedeutender Künstler gewesen sein, ein glücklicher Mensch war er nicht."

seit wann hat das eine mit dem anderen was zu tun, bzw. ist es nicht geradezu eine Voraussetzung guter Kunst, unglücklich zu sein? Irgendwie blöder Artikel, strotzt von Unstimmigkeiten-nur weil man sich von Lennon emanzipieren will, muss man nicht gleich seine Musik diskreditieren.

Ein emanzipierter Beatles- und John-Fan

"blöder Artikel"

dem kann ich mich nur anschliessen. Wie alt war dieser Schreiber? Er ist journalistisch stümperhaft geschrieben und zusätzlich falsch recherchiert. Lennon war ein Künstler und hat so gelebt. Wenn man sich in Musik und Leben der Beatles/Lennon nicht auskennt, sollte man es bleiben lassen jegliche Handlung von John Lennon ins Negative ziehen zu wollen.

furchtbarer artikel!!!

den vorherigen kommentare möchte ich uneingeschränkt zustimmen. unfähig, schlecht geschrieben, diffamierend und wahrscheinlich haben sie gar keine ahnung von der zeit in der das passierte. selbst ohne diese erlebt zu haben muss nicht einen sooooooo grotten schlechten artikel schreiben, die fakten durcheinander bringen und unwahrheiten von sich geben. üben sie weiter in einer schülerzeitung, da schenkt man ihnen vielleicht gehört. hier ist das unangebracht abschreckend. summa einfach widerlich