Während der Klimakonferenz: Ein Greenpeace-Ballon an der Kukulkan-Pyramide in Yucatan, Mexico © Luis Perez/ AFP/ Getty Images

Klimakonferenz im mexikanischen Cancún durch eine junge Angestellte des Umweltministeriums vertreten. Naemi Shaninga steht ziemlich einsam am kleinen Infostand ihres kleinen Landes, und wenn man sie nach den Folgen des Klimawandels in ihrer Heimat fragt, das am Ende dieses Jahrhunderts voraussichtlich eine verdorrte Hölle sein wird, dann schlägt sie in einer Broschüre nach und nennt einige Krankheiten, die nun häufiger als früher aufträten.

Wenn Kleine gegen Große antreten, dann, sollte man annehmen, werden sie wenigstens die Aufmerksamkeit und den Beistand der Zuschauer auf ihrer Seite haben. Welch ein Irrtum! Namibia ist bei der

Nicht weit entfernt, im prächtigen Pavillon der USA, tritt ein Magier auf, der nebenbei auch noch Meteorologe ist. David Jones nimmt seinem zahlreichen Publikum mit einer Wissenschaftsschau auf drei Bildschirmen den Atem. Wie ein Discjockey hantiert er mit den Touchscreens, Satellitenfotos verwandeln sich in Grafiken und Detailaufnahmen, Jones fügt mit dem Finger bunte Linien hinzu, worauf im Südpazifik El Niños heranwachsen, sich mit nördlichen Kaltfronten paaren und Stürme über Kalifornien jagen. Und hier der Jakobshavn-Gletscher auf Grönland! Und nun stellen wir das Kapitol davor (schon steht es mitten im Bild). Und wollen wir mal Florida überschwemmen? Schauen Sie, was ein Meter Meeresspiegelanstieg anrichten kann!

Es wäre also ungerecht, den USA vorzuwerfen, der Klimawandel interessiere sie nicht. Die Herangehensweise ist allerdings noch ungewohnt. Mr Jones faszinieren die neuen Schifffahrtsrouten durch die eisfreie Nordwestpassage und die Zukunft der Abwasserkanäle Miamis bei steigendem Meeresspiegel. Nicht die Bekämpfung der Klimaerwärmung interessiert ihn, sondern die Anpassung der Menschen daran.

Nun ist Ersteres das Thema einer Weltklimakonferenz. Und natürlich hat niemand den Kampf gegen die globale Erwärmung von der Tagesordnung gestrichen. Nur scheint sich seit der letzten Konferenz in Kopenhagen der Schwerpunkt verschoben zu haben. Ja, ein niederländischer Wissenschaftler rechnet im Pavillon der EU tapfer vor, wie sich, theoretisch, das Zwei-Grad-Ziel noch erreichen ließe. Platz wäre für Hunderte von Zuhörern, gekommen sind zehn. Und fragt man den Referenten, so stellt sich heraus, dass er selbst nicht mehr daran glaubt, dass die Erderwärmung bei zwei Grad über dem vorindustriellen Niveau gestoppt werden kann.

In Cancún ist vor allem Vorsicht spürbar. Viele Redner loben die Gesprächsbereitschaft der jeweils anderen. Und nach dem spektakulären Scheitern der klimapolitischen Geheimdiplomatie in Kopenhagen, wo eine Allianz mächtiger Staaten versuchte, über die Masse der kleinen UN-Mitglieder hinweg zu einer Einigung zu kommen, betonen die Gastgeber nun die Offenheit aller Vorgespräche. Vielleicht ist es ein gutes Zeichen, dass Frauen hier mehr Verantwortung übernommen haben als in Dänemark. Die erste Pressekonferenz der UN bestritten neben der neuen Klimasekretärin Christiana Figueres die mexikanischen Außenministerin Patricia Espinosa Cantellano und die dänische Energieministerin Lykke Friis. Die wichtigste Arbeitsgruppe wird von einer Diplomatin aus Simbabwe geleitet.

Und gleich zu Beginn verlieh der Sprecher der akut bedrohten Inselstaaten der Konferenz dann doch ein wenig Dringlichkeit. Antonio Pedro Lima, Botschafter aus Kap Verde, erklärte, warum die Inselstaaten kein Konferenzergebnis mittragen würden, das eine Erderwärmung von mehr als 1,5 Grad über vorindustriellem Niveau zulasse. 1,5 Grad – ja, gilt nicht selbst das Zwei-Grad-Ziel als kaum noch erreichbar? Lima beeindruckt der Pessimismus nicht. Er darf ihn nicht beeindrucken. "Wir sehen dem Ende der Geschichte entgegen", sagt er. Man werde den Bewohnern der Inselstaaten nicht zumuten können, dem eigenen Untergang zuzustimmen. Im Hintergrund rauschen die Klimaanlagen, deren Gebläse die Besucher frösteln lässt.