Bekanntlich kann der Glaube Berge versetzen. Und eine gute Prognose erfüllt sich manchmal selbst. Das klappt aber nicht immer.

Wer derzeit meint, dass der allseits bejubelte Aufschwung von Dauer sein wird, der baut vor allem darauf, dass die Menschen wieder Vertrauen gefasst und genügend Geld in der Tasche haben, um mit ihrem Konsum die Konjunktur zu stützen. Andernfalls bliebe Deutschland vom Export abhängig und damit von der Entwicklung anderer Länder. Das kann, wie 2009 gezeigt hat, zu massiven Einbrüchen führen.

Nach der Schockstarre scheint sich die Stimmung im Lande zu drehen. So sehen es jedenfalls die Marktforscher der GfK. Die Experten erfragen Monat für Monat die Einschätzung der Deutschen zur Konjunktur. Lange gab es in diesem Jahr wenig Positives zu berichten. Finanz- Banken- und Wirtschaftskrise, Kurzarbeit sowie Einkommenseinbußen ließen die Verbraucher nur mit Vorsicht konsumieren – trotz des überraschenden Aufschwungs der Industrie. Irgendwie glaubten sie nicht daran, vom Boom profitieren zu können. Wenn es um die Entwicklung des eigenen Einkommens ging, gaben sie sich skeptisch.

Vergangene Woche aber konnte die GfK eine Wende verkünden. Ihre Umfrage zeigte, dass Meldungen über rückläufige Arbeitslosenzahlen und einen Fachkräftemangel die Deutschen hoffen lassen, dass ihre Gehälter wieder steigen. Und das steigere auch die Kauflust . Folglich korrigierten die Experten ihre Aussage zur Entwicklung des privaten Konsums für das laufende Jahr auf ein Plus von 0,5 Prozent.

Nun ist diese Zahl nicht berauschend. Gleichwohl sorgte sie für Euphorie. Fast im Gleichklang beschwört die ökonomische Zunft zurzeit, dass der private Konsum zur tragenden Säule der Konjunktur werden könnte. Und so freut man sich über jedes noch so kleine Plus. 

Der Export gedeiht derweil schon wieder prächtig – weil Deutschland so konkurrenzlos günstig produziert. So günstig, dass sich das Land immer wieder Forderungen ausländischer Regierungen ausgesetzt sieht, endlich den eigenen Verbrauch anzukurbeln. Doch dazu müssten die Einkommen hierzulande steigen, eine Erkenntnis, die zwar nicht neu ist, aber lange Zeit in den Hintergrund geriet. Doch auch das ändert sich gerade. Es mag der Ärger mit dem Ausland sein, der das politische Spitzenpersonal in Berlin dazu brachte, gegen ein langjähriges Tabu zu verstoßen: Erst forderte FDP-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle höhere Löhne, dann FDP-Außenminister Guido Westerwelle, schließlich auch die Kanzlerin. Vergangene Woche sprach sich sogar Arbeitgeberpräsident Hundt dafür aus, die Arbeitnehmer vom Aufschwung profitieren zu lassen.

Die Mahnung von ungewöhnlicher Seite hat ihren Grund. Obwohl die Wirtschaft in diesem Jahr um die 3,5 Prozent wächst, entwickeln sich die Einkommen nur bescheiden. Zwar ist die Summe der Nettolöhne im Vergleich zum Vorjahr im ersten halben Jahr gestiegen, allerdings brachte das dritte Quartal 2010 – im Vergleich zu den drei Monaten zuvor – bereits wieder ein Minus von 0,1 Prozent.