Ich habe gelesen, dass ARD und ZDF jedes Jahr rund acht Milliarden Euro an Gebühren bekommen. Werbeeinnahmen kommen noch dazu. Daraufhin habe ich nachgeschaut, wie viel die Pleite von Griechenland den deutschen Staat maximal kosten wird. Es sind ebenfalls rund acht Milliarden Euro. Auch das Projekt Stuttgart 21 kostet wahrscheinlich rund acht Milliarden Euro, wobei diese Zahl die Mitte zwischen den Schätzungen der Befürworter und den Schätzungen der Gegner darstellt. Die Ölpest im Golf von Mexiko hat die Firma BP ebenfalls acht Milliarden Euro gekostet.

Für acht Milliarden Euro kann man also ein mittelgroßes Land pleitegehen lassen oder eine Umweltkatastrophe biblischen Ausmaßes veranstalten, oder man kann Filme senden, in denen eine schmucke Försterin mit einem graumelierten Frauenarzt in Südafrika eine Tierpension aufbaut, in der Waisenkinder an die Liebe zur Natur herangeführt werden. Das ist jetzt nur so ein Beispiel für einen typischen öffentlich-rechtlichen Fernsehfilm.

Ich sehe gerne Tagesschau, auch die Sportschau. Ich habe nichts gegen Talkshows und die Sendung mit der Maus. Aber mit den Filmen und den Serien ist es so, dass ich vom Betrachten der meisten dieser Werke gesundheitliche Probleme bekomme. Ich bin zu jung für so etwas. Ich warte, bis ich senil bin. Aber ich werde dazu gezwungen, diesen Ungeist zu finanzieren, jeder deutsche Haushalt muss neuerdings eine Zwangsabgabe für Förster-, Nonnen- und Pfarrerfilme der untersten intellektuellen und ästhetischen Kategorie bezahlen. Wieso gibt es keinen Volksaufstand? Warum schweigt Ralph Giordano, wenn man ihn wirklich einmal braucht? Deutsche Fernsehfilme sind für mich das, was für einen Imam das Schweinefleisch darstellt.

Aus der Kirche kann ich austreten. Ich kann sagen: "Sorry, ich glaube nicht an Jesus. Ich möchte es nicht subventionieren." Aber im Vergleich zu den Fernsehfilmen, da würde auch der hartgesottenste Atheist mir beipflichten, ist die Kirche eine kulturell wertvolle Veranstaltung. Ich will das Geld lieber der Kirche geben. Ich bin sogar eher bereit, dem Konzern BP monatlich etwas zu überweisen, als dass für diese Summe ein weiterer Dreiteiler mit Veronica Ferres produziert wird. Noch lieber gebe ich das Geld den lebenslustigen Griechen, noch das älteste und zäheste Souvlaki stellt eine größere Kulturleistung dar als Kommissar Rex, und hinterher kriegt man nicht einmal einen Ouzo gratis. Sie sagen, das sei Geschmackssache? Gewiss. Wenn Sie es mögen, meinetwegen. Aber ich will nicht vom Staat dazu gezwungen werden, gegen mein Gewissen Kitsch mit Happy-End-Zwang zu bezahlen, anderswo kommt die Kitschindustrie auch ohne Staatsknete über die Runden. Was kommt als Nächstes? Muss ich als Nächstes acht Milliarden Euro für die deutsche Gartenzwergbranche entrichten?

Mein Bruder schenkt mir manchmal DVDs mit Serien aus Amerika und England. Das Fernsehen in den USA unterscheidet sich vom deutschen Staatsfernsehen etwa so, wie sich ein Gemälde von Mark Rothko von einem kopfwackelnden Dackel auf der Hutablage einer Limousine unterscheidet. Und es ist gratis. Angeblich gab es neulich eine gute Serie von Dominik Graf. Sie wurde abgebrochen, weil nur zwei Millionen Leute zugeschaut haben. Die Gebühren von den zwei Millionen Feingeistern meines Zuschnitts nehmen sie natürlich trotzdem. Solange der deutsche Staat acht Milliarden Euro für die Subventionierung schlechter Kunst übrig hat, geht es uns jedenfalls super.