Das Ende von Schwarz-Grün in Hamburg bedeutet nicht das Ende von Schwarz-Grün. Das geplatzte Bündnis ist eher die Ouvertüre als der Abgesang auf eine künftige Kooperation. Dass es zwischen den beiden Parteien nicht einfach werden würde, wusste man von Anfang an. Nun ist es amtlich, mehr nicht.

Die Grünen haben in Hamburg zu wenig erreicht, um den Sprung an die Seite der Union auf Dauer vor ihren Anhängern legitimieren zu können. Auch von der ersten rot-grünen Koalition 1985 in Hessen sind heute nur noch das vorzeitige Aus und Joschka Fischers Turnschuhe in Erinnerung. Rot-Grün wurde trotzdem zum Modell.

Was zu Beginn des schwarz-grünen Experiments vor zweieinhalb Jahren diagnostiziert wurde, gilt auch heute noch. Die ideologischen Begründungen für die traditionellen politischen Lager – Schwarz-Gelb versus Rot-Grün – passen nicht mehr in die politische Landschaft.

Die Bürger reagieren zunehmend widerwillig auf eine Politik, die krampfhaft an den traditionellen Konstellationen und Ritualen festhält. Das zwingt die Parteien, die Chancen lagerübergreifender Zusammenarbeit zu erproben. Das gilt umso mehr in einem Fünf-Parteien-System, in dem keine der beiden klassischen Regierungsvarianten noch automatisch mit Mehrheiten rechnen kann.

Zugegeben, in diesen Tagen, in denen die alte Lagerwelt plötzlich wieder auflebt, klingen solche Einsichten nicht mehr ganz so selbstverständlich. Keine drei Wochen vor dem Bruch der Hamburger Koalition hat Angela Merkel die schwarz-grüne Perspektive zum "Hirngespinst" erklärt. Bis dahin durfte man annehmen, dass auch sie einer Kooperation mit der Ökopartei prinzipiell nicht abgeneigt sei. Doch mit Merkels spektakulärer Ansage haben sich die Grünen vom potenziellen Partner zum Hauptkonkurrenten der Union gewandelt.

Das Kalkül dieser taktischen Feinderklärung ist offenkundig: Merkel will ihre Partei hinter sich versammeln, die Koalition stabilisieren und die Chance auf einen Wahlerfolg in Baden-Württemberg wahren. Weil die Union sich ihrer ureigenen bürgerlichen Wählerschaft nicht mehr sicher sein kann, wird die umfragestarke grüne Konkurrenz kurzerhand zum prinzipiellen Gegner erklärt.

Das Taktische dieser neuen Konfrontation ist mit Händen zu greifen. Und am liebsten würde die Kanzlerin das Augenzwinkernde ihrer polemischen Wende gleich miterklären – ohne die Wirkung auf die eigene Anhängerschaft zu gefährden. Doch die Union kann nicht die Grünen zu Fundamentalisten und Wirrköpfen stilisieren und zugleich hoffen, das bliebe folgenlos. Die Grünen jedenfalls haben die Konfrontation angenommen.