Sie ist weg. Verschwunden. Aus den Großdebatten, aus der Wahrnehmung der Wähler, aus der Vorstellung, sie tauge im kränkelnden Verhältnis von denen da oben und denen da unten womöglich als Therapie. So weg vom Fenster ist die SPD , dass sogar der nimmersatte Personalhunger der TV-Talkshows mühelos ohne sie gestillt wird. Kommt sie je wieder?

Bald schon, sagt Sigmar Gabriel. Der SPD-Chef weiß, wie und wann die SPD wieder auftauchen wird. Er hat extra einen Plan dafür entwickelt. Er steckt in seinem Laptop. "Das kann ich Ihnen jetzt leider nicht zeigen", sagt er bei einem Treffen Ende vergangener Woche, fährt den Laptop runter und fragt breit lächelnd: "Wo waren wir stehen geblieben?"

Beim Verschwinden der SPD. Gabriel weiß nicht nur, dass die SPD wieder auftauchen wird. Er weiß auch, dass er ihr Verschwinden mitbewirkt hat. Durch die von ihm verordnete Selbstversöhnung seiner Partei mit ihrer jüngeren Vergangenheit. Ein ganzes Jahr gab er der SPD Zeit dafür, zwölf Monate, in denen die Genossen das Profil nach außen nicht schärften, sondern den Blick nach innen richteten. Die interne Aufarbeitung ihrer elf Regierungsjahre, die Neubewertung von Hartz IV oder der Rente mit 67 hält Gabriel trotzdem für "alternativlos". Ohne diese Selbstversöhnung, davon ist er überzeugt, wäre die SPD zerbrochen.

Wozu braucht man die SPD heute noch? "Um eine faire Gesellschaft zu organisieren", antwortet Gabriel, ohne zu zögern. Aha, steht wohl im Laptop. Dumm ist nur, dass die SPD auch dabei war, als Gesellschaften organisiert wurden, die sie heute selbst als unfair empfindet. Gabriel räumt das ein. Sozialdemokraten nicht nur in Deutschland, überall in Europa, seien anfällig gewesen für die "Irrlehren des Neoliberalismus". Dafür müssten sie nun bitter zahlen, mit herben Wahlniederlagen und anhaltendem Vertrauensentzug.

Vertrauen zurückzugewinnen dauert ungleich länger, als es zu verlieren. Gabriel hält 28, 29 Prozent für ein realistisches Ziel bei der Bundestagswahl 2013 – 2009 waren es 23. Verlorene Stimmen will er nicht primär bei den Grünen, dem erwünschten Partner , zurückholen, sondern aus dem Lager der Verdrossenen, unter SPD-Anhängern, die sich in die Enthaltung geflüchtet haben. Nicht ihre Salon-Sozis, ihre Traditionswähler möchte die SPD also wiederhaben.