Man kommt als Normalbürger nur selten in die Verlegenheit, sich fragen zu müssen: Wohin mit all dem Geld? Da ich weder zu den Großverdienern gehöre noch reich geheiratet habe, hatte ich eigentlich nicht vor, mich mit dieser Frage jemals zu befassen. Das hat sich gerade geändert. Und das kam so:

Vor zwei Wochen bekam ich es mit der Angst zu tun. Auslöser war der rasante Anstieg des Deutschen Aktienindex (Dax). Der war immer steiler auf mehr als 6800 Punkte geklettert, und irgendwie hatte ich das dringende Gefühl, meine Gier bremsen zu müssen. Im Krisenfrühjahr 2009 hatte ich nämlich etwas Geld in klassische deutsche Industriewerte gesteckt, und die hatten sich seither sehr erfreulich entwickelt. Klar, ich hätte das auch noch weiterlaufen lassen können. Dann aber dachte ich mir, dass an Gewinnmitnahmen noch niemand gestorben ist und der Spruch vom Spatz in der Hand irgendwie schon seine Berechtigung hat.

Also: verkauft! Einige Tage später kam die Abrechnung meiner Bank, Kapitalertragsteuer und Solidaritätszuschlag waren abgezogen worden. Übrig blieb ein erfreulicher Spekulationsgewinn, der freilich viel zu niedrig war, um fortan nicht mehr arbeiten zu müssen. Aber nun liegt das Geld auf meinem Konto. Und jetzt? Ausgeben will ich es nicht, doch wie soll ich es anlegen ? Klassische deutsche Industriewerte scheiden aus, das wäre ja auch schön blöd. Wahrscheinlich muss ich noch eine Zeit lang darüber nachdenken, während die Inflation an meinem Geld knabbert.

Gewonnen habe ich die Erkenntnis, dass Spekulationsgewinne nur halb so schön sind, weil sie einem umgehend neue Probleme bescheren. Der Finanzmarkt kennt keine Aussteiger. Nur Umsteiger.