Wer wissen will, welchen Einfluss Pisa mittlerweile auf die weltweite Bildungspolitik hat, muss sich nur die Zahl der Teilnehmerländer anschauen. An der ersten Runde im Jahr 2000 nahmen 43 Staaten teil, mittlerweile sind es 65.

Pisa steht für »Programme for International Student Assessment« und ist ein internationaler Schulvergleich, der alle drei Jahre von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) durchgeführt wird. Veröffentlicht werden die Ergebnisse mit etwa einem Jahr Verzug, so erklärt sich die diesjährige Bezeichnung »Pisa 2009«. Rekrutierten sich die Teilnehmerländer in der 2000er Testrunde noch ganz überwiegend aus der Gruppe der OECD-Mitglieder, stellten 2009 die Nichtmitgliedsstaaten zum ersten Mal die Mehrheit. Neu mit dabei sind unter anderem Trinidad und Tobago, Panama und Kasachstan.

Der Schwerpunkt der Studie lag 2009 zum zweiten Mal nach 2000 auf dem Lesevermögen. Getestet werden jedoch immer drei Gebiete, also auch mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen. Dabei geht es nicht um das Abprüfen erlernten Wissens, sondern um die Ermittlung von Problemverständnis und Lösungsfähigkeit, also um die Voraussetzung für erfolgreiches Lernen im weiteren Leben.

Klicken Sie auf das Bild, um die Grafik zu öffnen

Allein in Deutschland wurden dafür 2009 fast 5000 15-Jährige an mehr als 200 Schulen getestet. Die Aufgaben werden zum Teil im Multiple-Choice-Verfahren gestellt, zum Teil als offene Fragen. Über die bloße Leistungserhebung hinaus gibt es auch einen Fragebogen, in dem die Schüler Auskunft geben über ihren familiären Hintergrund und ihre Lerngewohnheiten. Auf diese Weise können die Bildungsforscher den Zusammenhang zwischen den vorhandenen Fähigkeiten der Schüler und ihrer sozialen Herkunft messen.

Dabei legen die beteiligten Wissenschaftler Wert darauf, dass Pisa kein reines internationales Leistungsranking in Form einer Art Bundesligatabelle sein soll. Stattdessen soll der Vergleich Aufschluss geben über die Stärken und Schwächen von Bildungssystemen – und so der Politik den nötigen Handlungsbedarf aufzeigen. Wer die grundlegende Reform der deutschen Schulen in den vergangenen Jahren bedenkt, weiß: Zumindest dieses Ziel haben die Pisa-Forscher erreicht. Jan-Martin Wiarda