Feminismus : Alice im Feindesland

Der Krieg der Geschlechter ist beendet – sagen viele. Alice Schwarzer führt ihn weiter und gerät unter Feuer. Eine Begegnung.

Momentaufnahme Alice Schwarzer. Ziemlich nah dran. Wir sitzen schon ein paar Stunden in einem vietnamesischen Restaurant mitten in Köln, ein paar Straßen vom Rhein entfernt. Jetzt will sie ein Thema wegräumen, das sie schon den halben Abend nervt, vielleicht auch schon ihr halbes Leben. »Die Mutter des deutschen Feminismus, ich?« Sie erhöht die Lautstärke. Mutter würde ja heißen, man ist lieb und nett, vor allem zu den Töchtern, das würde heißen, man will nur das Beste für die Mädchen, unterstützt sie, fast egal, was sie tun. »Nein«, sagt Alice Schwarzer, »für diese Projektion stehe ich nicht zur Verfügung. Ich und Mutter des Feminismus? Völliger Quatsch.« Geboren 1942 in Wuppertal, aufgewachsen bei einer strengen Großmutter und einem reizenden Großvater, ihre Mutter, sagt sie, war für sie eher wie eine ältere Schwester. Sie hat keine Kinder. »Es ist sehr einfach. Ich kann die Mutterrolle nicht. Ich kenne vieles, aber das nicht.«

Es ist ein Augenblick, in dem sie sich Luft verschafft. Alice Schwarzer steht unter Druck. Nicht dass dies etwas Neues für sie wäre. Aber diesmal kamen die Aggressionen überraschend. Es gab diesen Streit mit der jungen Familienministerin Kristina Schröder, die in einem Spiegel- Interview sinngemäß gesagt hatte, sie schätze Frau Schwarzer, aber mit ihrer Auffassung von Feminismus habe sie doch zuweilen Schwierigkeiten. Und dann nannte die Ministerin das wenig glückliche Beispiel, Frau Schwarzer vertrete ja die Ansicht, heterosexueller Sex bedeute für die Frau nahezu immer Unterwerfung – wenig glücklich deshalb, weil Schwarzer dies nie behauptet hat. Nun reagierte Alice Schwarzer nicht gerade souverän auf diese Attacke und polterte los: völlig ungeeignet für ihr Amt, diese Ministerin, keine Ahnung von den Grundzügen des Feminismus. Und überhaupt: Was diese Politikerin für eine rückschrittliche Person sei, könne man schon daran erkennen, dass Frau Schröder nach ihrer Heirat den Namen ihres Mannes angenommen habe.

Es gibt Alice Schwarzers neues Buch gegen den politischen Islam, in dem sie als Herausgeberin verschiedene Autorinnen versammelt, die alle ein Verbot des Kopftuchs in Deutschland fordern. Es gibt ihre umstrittene Rolle im Kachelmann-Prozess, wo sie als Berichterstatterin der Bild- Zeitung immer wieder um Verständnis bittet für das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer – ausgerechnet in Bild , nicht gerade bekannt als Organ des aufgeklärten Feminismus. Es ist also eine Menge los im Leben der rastlosen 68-Jährigen. In diesen Tagen wird auch noch die neueste Ausgabe ihrer Emma fertiggestellt, und es soll keiner glauben, dass sich Alice Schwarzer nicht immer noch um jede Bildunterschrift persönlich kümmert.

Helge Malchow, Chef des Kölner Verlages Kiepenheuer & Witsch und Verleger ihrer Bücher, sagt, er beobachte nun seit 15 Jahren das schwankende öffentliche Bild der Alice Schwarzer und registriere dabei ein Arsenal ewig wiederkehrender Vorwürfe, »die in irgendwelchen Giftschränken lagern und ab und zu, je nach aktuellem Bedarf, wieder hervorgeholt werden«. Diesmal wurde das Feuer an drei Fronten eröffnet.

Erstens: die Stutenbissigkeit. Sie lässt keine Frau neben sich gelten, sie schafft es nicht, den Stab weiterzureichen, eine Nachfolgerin aufzubauen. Sie empört sich dauernd gegenüber irgendwelchen Frauen, zerstreitet sich mit ihnen und will anderen Frauen ständig etwas vorschreiben.

Zweitens: Sie gefährdet ihr verdienstvolles Lebenswerk durch all das, was sie in den letzten Wochen getrieben hat. Der Satz mit dem Lebenswerk macht derzeit Karriere, im Spiegel steht er, Heribert Prantl von der Süddeutschen Zeitung äußert ihn, der Gleichklang dieses Satzes quer durch die Republik lässt die Medien beinahe gleichgeschaltet wirken. In diesem Vorwurf steckt der Wunsch, Frau Schwarzer solle doch einfach mal still sein, sie solle sich am liebsten zu aktuellen Fragen gar nicht mehr äußern, denn ihr Lebenswerk liege ja bereits hinter ihr.

Wie vergiftet die Debatte um ihre Person ist, zeigt die dritte Angriffslinie: Die bisexuelle Seite der Alice Schwarzer wird zum Thema gemacht, sie habe sich ja nie wirklich öffentlich geoutet. Besonders perfide war ein Artikel in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vor zwei Wochen, mit der Überschrift Alice und der wunde Punkt, in dem ein 30 Jahre altes Buch einer erklärten Schwarzer-Feindin dazu benutzt wurde, sich zu der These zu versteigen, der Feminismus der Alice Schwarzer sei immer nur etwas für Lesben gewesen, mit dem Leben aller anderen Frauen habe er nie etwas zu tun gehabt. 

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Kommentare

243 Kommentare Seite 1 von 20 Kommentieren

Von dem zuviel, von dem anderen zu wenig

Wir haben zu viel sinnlose Kritik in unserer Gesellschaft, zu wenig Mitgefühl und vor allem extrem selten Frauen, die sich etwas trauen. Warum? Weil gerade Männer sich nicht mit geradem Rücken in den Wind der Zeit stellen, also fehlen Vorbilder. Frau Schwarzer lebt uns nun schon so viele Jahre vor was Courage ist.

Direkt erste Seite, zweiter Absatz...

"Nun reagierte Alice Schwarzer nicht gerade souverän auf diese Attacke und polterte los: völlig ungeeignet für ihr Amt, diese Ministerin, keine Ahnung von den Grundzügen des Feminismus. Und überhaupt: Was diese Politikerin für eine rückschrittliche Person sei, könne man schon daran erkennen, dass Frau Schröder nach ihrer Heirat den Namen ihres Mannes angenommen habe."

Aber so etwas überliest man dann ja gerne...

Haben Sie nicht letztens noch geschrieben, dass Sie ausserhalb der Universität mit niemandem mehr diskutieren wollten, da es ausserhalb eh keine intelligenetn Diskussionsteilnehmer gibt? War es doch so langweilig? Oder suchen Sie sich nur Orte aus, wo sie sicher sein können, dass Ihnen keiner widerspricht?

Ach ja, schön dass meine Frau eine rückschrittliche Person ist...muss ich sie gleich mal fragen wie sie das sieht...

Und von wegen Männer hätten Probleme mit starken Frauen: Meine Frau verdient mehr als ich je verdienen werde, wenn wir Kinder haben werde ich daheim bleiben und mich um diese kümmern, ach ja, und meine Frau ist intelligent...NUR: Warum fühle ich mich jetzt nur nicht in meiner "Ehre" als Mann gekränkt? So was aber auch...

Anm: Bitte achten Sie auf einen sachlichen und artikelbezogenen Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/lv

Also entschuldigung

Aber das Sie da von sich geben ist pure Spekulation und in teilen frech und schlicht unwahr. Sie hat keinen Kampf der Geschlechter angezettelt, sondern Gleichberechtigung mit vielen anderen Feministinnen und Feministen erkämpft. Ohne Frauen und Männer wie sie, wäre ich als Frau wohl nicht so frei wie ich es bin.

Lieder ist es wahr, dass vergessen wird, wie Frauen noch vor wenigen Jahrzehnten behandelt wurden und sich auch gegenseitig behandelt haben. Dadurch dass es vielen Frauen persönlich gut geht und die persönliche Freiheit und Gleichberechtigung gewährleistet ist, wird vergessen welche systematische Ungerechtigkeiten noch existent sind.

Warum Alice Schwarzer männliche Vorbilder ausgeschaltet haben soll ist mir auch unklar.Soviel macht hat wohl kein Mensch, finden Sie nicht auch? zumal wenn man bedenkt, dass die Welt immer noch von Männern gelenkt und geleitet wird in der absoluten Mehrzahl, ist diese Einschätzung wirklich einfach nur frech.

Warum müssen wir immer so plump und aggressiv argumentieren? Ich finde es wirklich beängstigend wieviel Hass Schwarzer teilweise erfahren muss, wieviele Vorurteile und wie wenig Interesse diese Kritiker daran haben, Ihre Überzeugungen tatsächlich zu verstehen.

Mir scheint die Diskussion ÜBER Schwarzer ist wesentlich primitiver, als die Diskussionen die Schwarzer derzeit anspricht.

Ja lasst uns mal überlegen

"... welche systematische Ungerechtigkeiten (sind) noch existent ..."

Da gibt es ataatlicherseits und seitens von Institutionen vorgeschriebene Quoten auf deren Grundlage Menschen ausschließlich aufgrund ihres Geschlechtes diskriminiert werden. Eindeutig systemisch und bestimmt von bösen Patriarchen eingeführt.
Da gibt es universitäre Veranstaltungen da hängt ein Schild an der Tür "Zutritt nur für Weiße!", pordon muß Frauen heißen.
Dann gibt es Frauenparkplätze, Fraueneingänge und demnächst gibt es warscheinlich Frauenbahnhöfe.

Es stimmt also wenn @Buh von systematischen Ungerechtigkeiten spricht! Es ist hohe Zeit um die Gleichberechtigung zu kämpfen!

Fürsorglich an Observer3

Das Kommentar von Observer3 ist beispielhaft für ein Phänomen, dass ich seid langem auf Zeit.de beobachte.
Kurz und knapp könnte man meinen, ein Mensch der nicht mal verstanden hat welche Werte eine Zeitung vertritt, in diesem Fall die Zeit, entberht auch jedweder kredibilität in seinen Aussagen.
Für mehr als kurz und knapp ist wohl keine Zeit der Welt genug, Oberserver3 erscheint lern resistent was seine geschlechter Dogmatik angeht aber Alt genug um offen Feind zu sein.
Man könnte pädagogisch anmerken, dass er da ja wohl völlig abwegige Dinge mit Schwarzer in verbindung bringt für die sie wohl kaum belastbar erscheint, man könnte scherzend hinzufügen, dass sie wohl auch hinter Al Qaida stecke oder man könnte polemisch zynisch einen Religions und Landeswechsel gen Iran empfehlen.
Was aber die eigentlich beste und fürsorglichste Methode für solche Kommentare wie von Observer3 scheint ist darauf zu verweisen, dass der Kommentator doch vielleicht lieber zum Fokus oder gleich zu Fox News wechseln möge, es wäre gleich allen Parteien geholfen.
In fürsorge an alle Orientierungslosen, ihr VincentPeter

Anm: Bitte bemühen Sie sich um einen sachlichen und artikelbezogenen Diskussionsbeitrag. Danke. Die Redaktion/lv

Kirche im Dorf lassen

Also mal ehrlich: Die "massiven Fehlentwicklungen in unserer Gesellschafft" hätten selbst drei Alice Schwarzers nicht geschafft!
Man kann über diese Frau geteilter Meinung sein! Aber ihr das Fehlen einer (intellektuellen) Auseinandersetzung in Politik und Gesellschaft zuzuschreiben und sie dafür verantwortlich zu machen, dass Intrige, üble Nachrede oder Verleumdung an die Stelle getreten sind (gab es das nicht auch schon vor A.S.?), wäre - denke ich - zu viel der Ehre! Man argumentiert besser, wenn man die Kirche im Dorf lässt!

@ Observer3

Frau Schwarzer ist also sowas wie der Antichrist. Sie verantwortet also die von Ihnen geschilderten Fehlentwicklungen. Sie haben übrigens vergessen, auf die demographische Entwicklung hinzuweisen. Frau Schwarzer hat ja auch für die Änderung des § 218 gekämpft. Und damit unsere Rente ruiniert.Und weil sie keine Kinder hat, verweigert sie die Verantwortung für die Zukunft. Ich habe Frau Schwarzer immer für eine intelligente Frau mit Rückgrat gehalten, unabhängig davon ob ihre Meinung meiner entspricht. Aber Ihr Kommentar hat mir die Augen geöffnet, danke. Ich verweise mal auf einen älteren Kommentar von mir. http://www.zeit.de/gesell...

retadiertes Verständnis

"Da gibt es ataatlicherseits und seitens von Institutionen vorgeschriebene Quoten auf deren Grundlage Menschen ausschließlich aufgrund ihres Geschlechtes diskriminiert werden. Eindeutig systemisch und bestimmt von bösen Patriarchen eingeführt."

Ok, Liebe Kinder.
Da ist also ein Haus. Das hat gaaanz viele blaue Steinchen. nämlich fast 90 stück! Das finden die vielen Roten Steinchen drum herum aber nicht nett. Die wollen auch mitmachen! Also sagen die: "Wir wollen auch mitmachen!" Die blauen Steinchen wollen erst nicht, und auch ein paar Rote finden das blöd. Trotzdem einigt man sich darauf, dass ab jetzt nur noch rote Steinchen zum bauen genommen werden. Un zwar so lange bis mindestens 30 Steinchen vom Haus rot sind.

Das finden die Roten Steinchen fast alle gut, denn dann ist es zwar noch nicht gerecht, aber hey, immerhin gerechter.

Nun kommen aber einige Rote und blaue Steinchen und sagen: "Das ist doch ungerecht wenn man jetzt nur Rote nimmt!"

ist es das?
NEIN! Denn die blauen Steinchen sind ja dennoch in gleichen Teilen oder sogar um 20 Steine mehr teil des Hauses, währen die Roten nur für eine gewisse Zeit, also bis man 30 hat, bevorzugt werden.

Kurz: wenn ein benachteiligter bevorzugt wird, dann ist das solange nicht ungerecht bis man dann aufhört, wenn er nicht mehr benachteiligt wird. einfache Logik.

PS: Bei der Steinchenquote wird natürlich darauf geachtet, dass die Steine gut genug sind um das Haus stabil zu halten.

;)

Quote und so

Ihre Ausführungen in Ehren, aber uns ist doch wohl allen klar, dass es bei der ganzen Diskussion vor allem um Ihr "P.S." geht: Was ist, wenn sich für einen Job keine qualifizierten Frauen finden? Wird die Quote dann zwangsweise durchgesetzt?

Das betrifft v.a. die Jobs im höheren Management, wo der Anteil an Frauen besonders niedrig ist. Und hier wiederum stößt eben die These "A) Das sind Männer-Klüngeleien" auf die These "B) Das liegt an der Karrierebremse Kinder/Familie"

Wahrscheinlich ist die Wahrheit irgendwo zwischen A und B. Ich tendiere aber eher zu B. Als junger Mann merke ich jeden Tag, wie viel unbezahlte Überstunden, 24/7-Verfügbarkeit im Arbeitsleben erwartet wird, wenn man sich hocharbeiten will. Ich kann jeden verstehen, ob Frau oder Mann, der irgendwann sagt "ihr könnt mich mal, ich steige aus und such mir einen relaxteren Job." Auch ich als Mann hab mir das schon oft überlegt.

Und um das Problem zu beheben, sind eben keine Quoten das richtige Mittel, sondern Maßnahmen,

1. die die Arbeitnehmerrechte wieder stärken, d.h. unbezahlte Überstunden eben NICHT mehr als Regel

2. die eine zunehmende flächendeckende Ganztagesbetreuung erlauben. Kind und Karriere soll möglich sein - und das für Frauen und für Männer. Und vor allem auch nach Trennungen. Erst dann herrscht Gleichberechtigung.

Eine Quote hilft hier - meiner Meinung nach - allerhöchstens als zweiter Schritt weiter.

@observer3

Den bisherigen Antworten auf den Kommentar von "observer3" kann ich nur beiflichten.

Frau Schwarzer oder den Feminismus im Alggemeinen als Sündenbock für die genannten gesellschaftlichen Fehlentwicklungen verantwortlich zu machen ist wirklich absoluter Schwachsinn.
Der Geschlechterkampf oder überhaupt der Kampf jeder gegen jeden, den wir in unserer heutigen Gesellschaft überall erleben, ist unserem System, das sich Kapitalismus nennt geschuldet.
Das ist die einfache Wahrheit. Nicht die böse 68er Bewegung oder der Feminismus sind dessen Ursache.

Feminismus

Liebe Buh,
wollte Ihnen einfach einmal sagen, wie gerne ich Ihre Beiträge immer gelesen habe. Und wie oft ich angesetzt habe, Ihnen direkt zu antworten, mit dem Hinweis, wie sehr sie sich an den "üblichen Verdächtigen" abarbeiten und abrackern, von denen dieses Schwarzer-Forum bis jetzt fast frei ist (ja, wo sind sie denn?)
Ich recherchiere zur Zeit in den online-Foren über diese (neue?) Männerbewegung, die wirklich hauptsächlich im Netz tätig ist, und da ist sie sehr laut und eintönig, imho eh fast keinem Argument zugänglich. Ich glaube nicht, dass Sie diese intellektuell erreichen oder überzeugen können, die wollen das gar nicht. Die wollen halt ihre statements rausklotzen.
Mein Dank an alle Männer und Frauen in den Foren, die differenziert, persönlich und offen schreiben.
Mein Dank an Alice Schwarzer, deren Positionen ich nicht immer teile, für ihren Mut. Erfunden und gemacht hat Schwarzer den Geschlechterkrieg sicher nicht, der war wirklich vor ihr da.
MfG
Pen71

@redaktion

Ihre Empfehlung von Kommentar 61 ist m.E. ein Armutszeugnis.

Die Arbeit von angesehenen Männerrechtlern wie Prof. Hollstein, Karin Jäckel, Prof. Amendt, Astrid von Friesen, Dr. Matthias Stiehler, Klaus Hurrelmann, Hans-Joachim Lenz, Monika Dittmer u.v.a. als "laut, eintönig und fast keinem Argument zugänglich" zu verunglimpfen, entbehrt jeder Grundlage.
Derlei Pauschalisierungen sind vielmehr aufschlussreicher Hinweis auf Unkenntnis und Ignoranz und somit auch Argumenten unzugänglich.

#4Ergänzung zu Frau Schwarzer

@observer3, mit Verlaub, ich würde gerne noch einen Punkt hinzugefügt:

Frau Schwarzer übersieht
-den Schaden, den sie bei vielen selber Frauen hinter lassen hat. Statt Orientierung lieferte Alice Schwarzer egoistische Rosinenpickerei. Das musste auf Widerstand stoßen und hinterließ Ratlosigkeit.

Allen, die gesellschaftliche Veränderungen zu ihrem Lebensziel gemacht haben, möchte ich zu rufen: etwas mehr zu hören und selber nicht so laut tönen. Diesen Satz würde ich gerne ins Stammbuch der Alice Schwarzer schreiben.

redaktionsempfehlung?

ich verstehe die redaktionsempfehlung für diesen kommentar nicht.

die fehlentwicklungen, die hier angesprochen werden, die gibt es. zweifellos. (obwohl auch diese deutlich differenzierter gesehen müssen als hier formuliert. und zwar jede einzelne)

aber diese alle frau schwarzer anzulasten, das ist wohl mehr als übertrieben. sooo bedeutend ist frau schwarzer nun wieder auch nicht, daß sie all das verursacht oder bewirkt hätte. da sind, z.b. hinsichtlich orientierungslosigkeit sowohl der jungen männer als auch der jungen frauen in unserer zeit ganz andere faktoren am wirken.

frau schwarzer hat darüberhinaus längst nicht mehr so viel einfluß auf die diskussion um frauen- und männerbilder etc. in diesem land. das mag in den medien noch so erscheinen manchmal. aber die deutungshoheit hat sie jedenfalls nach meiner wahrnehmung schon lange nicht mehr. sie ist eine marke geworden. da sieht sie sich selbst ganz recht. aber junge menschen orientieren sich schon längst nicht mehr an ihr. ja, sie wissen oft nicht einmal mehr, wer die frau eigentlich ist. es war die müttergeneration, die von schwarzer beeinflußt wurde. (eine müttergeneration im übrigen, die wenige kinder bekommen hat, auch darum heute der geringe ECHTE einfluß von frau schwarzer im gegensatz zur tatsächlichen medienpräsenz der frau)

nein, ich verstehe die redaktionsempfehlung in diesem falle nicht. sie macht mich im übrigen traurig. zeit unterstützt also die ggw. frauenfeindlicher werdenden tendenzen? - forts. folgt -

@menschenskind26, mit dieser Redaktionsempfehlung

Anm: Bitte kehren Sie zu einer artikelbezogenen Diskussion zurück. Danke. Die Redaktion/lv

outet sich die Zeit-online-Redaktion in der Tat! Eine Empfehlung für einen derart unsachlichen, pauschalisierenden, persönlich beleidigenden Beitrag abzugeben, widerspricht allen sonst in der Zeit-Netiquette postulierten Grundsätzen. (wie der Beitrag selber). Zeit-online ist leider zu einer bedenklich unkontrollierten Plattform für frauenhasserische Kommentare geworden.

redaktionsempfehlung? - fortsetzung -

(bin vorhin nicht ganz fertig geworden. daher hier die ergänzung)

ich empfinde zunehmend bedrohlicher werdend eine frauen immer weniger wohlgesinnter seienden öffentlichkeit. dies meine ich gar nicht im feministischen sinne, sondern ganz pragmatisch.

aber eine frau schwarzer hat sich auf ihre themen festgebissen, die sie schon seit jahrzehnten hat, die ihre themen sind. aber dies sind nicht mehr die themen der gegenwart. zu den ggw. themen hat frau schwarzer nichts beizutragen als nur immer den ewig gleichen salm, den sie eben schon seit jahrzehnten abläßt. das aber ist nicht hilfreich.

ich bin traurig,

1. weil zeit(online) mit der redaktionsempfehlung diesen zunehmend eisiger werdenden wind gegen frauen unterstützt.

2. weil es jetzt tatsächlich eine frauenbewegung bräuchte (die es aber tatsächlich nicht gibt), die auf der höhe der zeit ist und beginnt zu kämpfen, gg. die restaurationsbemühungen, die versuchen, das wenige, was tatsächlich erreicht worden ist an echten freiräumen für frauen durch die frauenbewegung, wieder rückgängig zu machen.
es ist vielleicht noch zu früh, so weitgreifend zu prognostizieren bzw. zu vermuten. aber wenn ich allgemein überschlage, was ich seit einigen wochen und monaten zunehmend lese, dann scheint mir das halali bereits geblasen, in den feuilletons, ganz besonders aber in den kommentarleisten. und mir wird angst und bange, wenn ich mir die konsequenzen daraus überlege. die könnte nämlich die restauration alter verhältnisse bedeuten.

Nicht traurig sein, alles wird gut!

Es weht ein eisiger Wind und dass nicht etwa weil es Winter ist, sondern er weht speziell „den Frauen“ entgegen. Aha!

Wenn „den Frauen“ ein Wind entgegenweht, ist das doch ein sehr gutes Zeichen. Das bedeutet, dass sie sich tatsächlich auf den Weg in die große weite (Berufs)Welt gemacht haben und ihre schützenden, ursprünglich von Männern gebauten, Heime und Höfe verlassen haben.
Wenn der Wind dann „eisig“ wird ist das ein noch besseres Zeichen. Das zeigt dann an, das Frauen sich anschicken die Gipfel der Macht zu erklimmen und da oben weht nun mal ein rauer oder eben auch eisiger Wind.

Ich kann die Verwirrung mancher Frau nachvollziehen. Schließlich hatten Männer Jahrtausende lang Zeit sich an eisige Winde zu gewöhnen. Wir haben schließlich schon vor tausend Jahren mit unseren Drachenboten den stürmischen Atlantik mit seinen eisigen Winden kühn durchpflügt und die Neue Welt entdeckt!

Auch Freiheit und Gleichberechtigung bedarf einer gewissen Gewöhnungszeit und man, pardon Frau, muss lernen Verantwortungen zu übernehmen die früher in ihren schlimmsten Alpträumen nicht mal vorgekommen sind,

rausklotzen

> Ich recherchiere zur Zeit in den online-Foren über diese Frauenbewegung, die inzwischen hauptsächlich im Netz tätig ist, und da ist sie sehr laut und eintönig, imho eh fast keinem Argument zugänglich. Ich glaube nicht, dass diese argumentativ zu erreichen sind, die wollen das gar nicht. Die wollen halt ihre statements rausklotzen. <

So, das ist die "Sachlickeit" vom Schlage Kommentar 61 und Redaktionsgnaden?

Steinchen

Der Vergleich ist ziemlich gut und zeigt auch unmittelbar, wie ungerecht Frauenquoten sind: für jeden ausgebauten blauen Stein muß mein neuer Stein eingebaut werden, und wenn man solange nur rote Steine einbaut, bis das Haus zu gleichen Teilen rot und blau ist, dann ist das eine klare Diskriminierung der "jungen" (d.h. noch nicht eingebauten) blauen Steine. Exakt dieser Mechanismus ist es, der Frauenquoten eigentlich verfassungswidrig macht (es gibt inzwischen genug junge Männer, die in dieser Hinsicht Erfahrung haben).

Respekt, daß eine Frau so klar und deutlich gegen Quoten und Frauenbevorzugung schreibt, ist selten.

Wider die Natur

Ich möchte den Kommentar zu der gesellschaftlichen Fehlentwicklung zu deren Beförderern auch Frau Schwarzer gehört noch um eine Komponente erweitern. Wenn wir es schaffen einen Kampf der Geschlechter anzuzetteln, der in seiner Komromisslosigkeit letztendlich nur darin eine Lösung findet, dass kein Raum mehr bleit um sich fortzupflanzen, dann ist das nicht nur in seiner Auswirkung auf die Gesellschaft fatal, sondern es ist zutiefst wider die Natur jedes Lebewesens.
Es ist keine Errungenschaft, wenn sich die species homo sapiens vom einzigen bisher anerkannten Sinn jeden Lebens "emazipiert", nämlich eben dieses Leben der eigenen Art zu erhalten - es ist schlicht dumm.
Frau Schwarzer ist zwar zu danken dafür, dass sie mit Überlautstäke eine notwendige gesellschaftliche Diskussion ins Rollen gebracht hat, in ihrer unkompromisslosen und übers Ziel hinausschiessenden Art, hat sie aber weder der GEsellschaft noch ihrer Sache einen Gefallen getan - andere Länder (wie Schweden) haben gezeigt, dass man deutlich mehr Gleichberechtigung bei Erhalt der Fortpflanzungsfähigkeit erzielt, wenn man pragmatisch statt mit dem Kopf durch die Wand vorgeht.

raumnot

dass es in freier wildbahn mehr als unüblich ist, dass sich etwa ein gnu einen cocktail mixt und sich damit vor den plasma-fernseher setzt, heißt doch hoffentlich nicht, dass sich die "spezies 'homo sapiens'" derlei "widernatürliche" vergnügungen versagen muss.
vorausgesetzt, Sie meinen ernst, was sie da schreiben - besteht nicht menschlicher fortschritt allererst in der emanzipation aus blinder naturverfallenheit? (nicht zu verwechseln mit der verdrängung des naturhaften im menschen.)

Emanzipation nicht wovon, sondern wofür? lautet die Frage

"Im römischen Recht bedeutete "emancipatio", dass man ein Familienmitglied - meist den Sohn - aus der elterlichen Obhut entlässt. Doch während die Frau sich ständig weiterentwickelt, heute alle Wesenszüge und Rollen in sich vereint, männliche und weibliche, und sich in allen Bereichen selbst verwirklichen kann, blieb der Mann auf seiner Entwicklungsstufe stehen. Als halbes Wesen.

Er ist ein ganzer Mann, aber er hat tatsächlich nur die eine Dimension
seiner Persönlichkeit ausgebildet. Er ist weiterhin nur männlich und
verschließt sich den weiblichen Eigenschaften wie Toleranz, Sensibilität, Emotionalität. Das heißt, er ist - streng genommen - unfertig und wurde von der Evolution und dem weiblichen Geschlecht überholt. Mehr noch:

Rein entwicklungstheoretisch brauchen Frauen die Männer heute gar nicht mehr - sie können Familienoberhaupt und Ernährer sein, Mutter und Chefin."

Cornelia Pieper, einst FDP-Vizechefin, im Bunte-Interview (9/2006):

emanzipation

gemeint war die gesellschaftliche emanzipation (im 'neuzeitlichen' sinne von 'befreiung') aus naturzwängen. aus denen scheint sich c.pieper in geschlechterfragen nicht so recht gelöst zu haben. der zitierte text ist ein beispiel für das elend des orthodoxen, biologistischen feminismus, der mit der physischen geschlechterdifferenz angebliche ureigenschaften verknüpft und ontologisch festschreibt (bezeichnenderweise in logischer übereinstimmung mit der hier mehrheitlich verfochtenen generalisierenden feminismus-'kritik'). hinzu kommt bei ihr auch noch die metaphysische konstruktion des programms eines 'zu sich selbst kommenden' evolutionären 'weltgeistes'. das ist keine rationale anschauung mehr, sondern naturglaube.
tatsächlich bilden diese sorte feminismus und der naive, geschlechtsneidische 'maskulinismus' die komplementären gegensätze eines antiquierten kampfideologischen deutungsmusters, das alle aufklärung über die gesellschaftliche vermittlung von geschlechtlichkeit ignoriert und eher ins 19. jahrhundert passt.

"Aufklärung??"

„tatsächlich bilden diese sorte feminismus und der naive, geschlechtsneidische 'maskulinismus' die komplementären gegensätze eines antiquierten kampfideologischen deutungsmusters, das alle aufklärung über die gesellschaftliche vermittlung von geschlechtlichkeit ignoriert“

Sie können es noch so oft in Ihrem Schwurbelsprech daherbeten, aber die angebliche „aufklärung über die gesellschaftliche vermittlung von geschlechtlichkeit“ ist nichts weiter als eine interessengeleitete Randgruppenideologie.

-> #200

dann teilen sie also piepers mythisch-naturverwachsenes menschenbild? aus dieser perspektive lassen sich feministische positionen aber nicht wirklich kritisieren, sondern allenfalls bekämpfen - und das auch noch mit vergleichsweise stumpfen waffen, da sich die feministische theorie zumindest strömungsweise von solcher naturgeisterei zwischenzeitig gelöst hat.
mit kritik haben Ihre pauschalen ausfälle gegen bestimmte denkansätze und jargons denn auch weniger zu tun als mit der abfuhr antimoderner und antiintellektueller affekte. oder fallen Ihnen außer der beschwörung eines wurzeltiefen 'weltwissens' um geschlechtliche uridentitäten und begründungsfreien ideologievorwürfen noch andere einwände gegen eine gesellschaftliche perspektivierung des geschlechterverhältnisses ein?

@betty

Mir schon..

....die soziale Welt besteht nicht nur aus "konstruierten" und "vermittelten" "Konzepten" von "Geschlechtlichkeit"...sondern kennt deutlich mehr angebliche "Zuschreibungen", oder anders formuliert, die Yin-und-Yang Lehre des "Feminismus" ist ziemlich platt und die Soziologie sowie die Rechtswissenschaft waren schon mal deutlich weiter...

Aber, nur für Sie, liebe Betty, der liebe angeblich "mystische" Weltgeist, auch wenn er mittlerweile keinen Zweck mehr verfolgt, kommt schon zu seinem Recht und dann unterliegen eben auch die Feministinnen der "List der Vernunft". Stellen Sie sich vor, die bösen Soziobiologen haben den Hegel, den Marx und den Darwin in einen Pott geschmissen, kräftig herumgerührt und die "Memetik" erfunden, welche die "kulturelle Evolution" erklären soll. Üblerweise folgt sie der Biologie und deren Regeln. Wo wenig Hirne sind, können sich wenige Meme in die Hirne drängen und sich weiter reproduzieren.

Alice hat keine Kinder und die U30 mögen ihr Gelaber nicht, so dass wohl wenig bleiben wird. Hegel auf "darwinistisch" und übrigens ziemlich "in" bei den Soziologen, so lange die nicht in D oder F sitzen....

@BettyBloomer #203

“mit kritik haben Ihre pauschalen ausfälle gegen bestimmte denkansätze und jargons denn auch weniger zu tun als mit der abfuhr antimoderner und antiintellektueller affekte.“

Danke, Sie haben genau so reagiert, wie ich es erwartet habe. Das ist schön bequem für mich, und gibt mir Gelegenheit, an Ihrem Beispiel den Punkt zu verdeutlichen, auf den es mir ankommt.

Der besteht nämlich darin, daß die neuen Konstrukteure der Geschlechtlichkeit tatsächlich der Ansicht sind, sie könnten die Vertreter der Jahrtausende lang gelebten Normalität unter eine Art Rechtfertigungsdruck setzen. Ihre Wortwahl ist dabei interessant: „Antiintellektuell“ und „antimodern“. Liebes BettyBloomer, die Entwicklung der Geschlechtsidentität ist vollkommen indifferent gegenüber Intellektualität oder Modernität, sie ist einfach der Fall.

„oder fallen Ihnen außer ...und begründungsfreien ideologievorwürfen noch andere einwände gegen eine gesellschaftliche perspektivierung des geschlechterverhältnisses ein?“

Nein das reicht, denn den Rest erledigt die Zeit (nein, nicht die Redaktion hier, die erledigt nur die guten Beiträge :-) .
Ansonsten gibt es natürlich eine Menge Begründungen, zuvörderst die aberwitzige Empirieresistenz, ferner das mitgeführte politische Interesse, das aus allen Poren tropft und stets zutiefst mit der eigenen Biographie verknüpft ist, als drittes finden Sie im Baukasten der Denk- und Begründungfiguren nichts, was irgendwie einer Wissenschaft ähnlich ist.