Der Jubel war groß, als das gelb-violette Elektroauto »lekker mobil« Ende Oktober in Berlin eintraf. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle feierte die mehr als 600 Kilometer lange Fahrt von München in die Hauptstadt als »Durchbruch für die Elektromobilität« und forderte eine schnelle Serienfertigung des neuen Batterietyps.

Auch die Fachpresse hatte die Rekordfahrt teilnehmend begleitet und berichtete stolz über das technische Herzstück des bravourösen Gefährts: die Kolibri-Batterie , die von der kleinen deutschen Firma DBM Energy stammt. Der oft beklagte Rückstand hiesiger Automobilbauer gegenüber der asiatischen Konkurrenz in Sachen Elektromobilität schien passé: dreimal weiter fahren als alle bisherigen Elektroautos – Gold für Deutschland!

Inzwischen jedoch kippt die Jubelstimmung. Weder in der Industrie noch in der Fachpresse will man noch glauben, was DBM Energy behauptet : Seine Batterietechnik sei serienreif und im Nischeneinsatz, etwa bei Gabelstaplern, bereits bezahlbar. Sie ermögliche 2000 Ladezyklen und im Auto rund 500.000 Kilometer Gesamtfahrleistung. Und das bei bislang unerreichter Sicherheit. Selbst ein Durchschuss mit scharfer Munition habe weder Feuer noch Freisetzung von Giften verursacht, der Wunderakku habe »eine konstante Leistungsabgabe aufrechterhalten«. 

Wenn alles zuträfe, wären weltweit Milliardenentwicklungspläne für Hochleistungsakkus Makulatur. Der Automobilbau stünde vor einer Revolution, das Militär müsste seine Fahrzeuge umrüsten auf die schusssichere Energiequelle. DBM-Chef Mirko Hannemann will bereits ein Topangebot für seine Technik von Samsung mehr als 600 Millionen US-Dollar erhalten – und ausgeschlagen – haben. Warum eigentlich?

Wer so hoch pokert, muss die Forderung nach transparenten Tests erfüllen. Zumal die Rekordfahrt wesentlich mit Steuermitteln finanziert wurde . Dabei steuerte Hannemann das »lekker mobil« allein, Journalisten durften nur hinterherfahren. Ein geladener Notar hatte abgesagt. Und als der ADAC anbot, das Superauto samt dessen potenter Batterie zu testen, lehnte die Firma ab. Unserer Nachfrage, ob sie selbst eine unabhängige Prüfung organisiere, wich sie bis zum Redaktionsschluss der ZEIT aus. Kein gutes Omen! Der »Durchbruch« in der Batterietechnik könnte zum PR-Desaster werden. Für die Erfinder und den Minister.