Superbatterie Dubioser Rekord
Die gefeierte neue Superbatterie bedarf eines unabhängigen Tests
© John MacDougall/AFP/Getty Images

Mirko Hannemann steigt aus dem Elektroauto mit neuartiger Lithium-Metall-Polymer-Batterie aus. Er soll damit von München nach Berlin gefahren sein, 600 Kilometer
Der Jubel war groß, als das gelb-violette Elektroauto »lekker mobil« Ende Oktober in Berlin eintraf. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle feierte die mehr als 600 Kilometer lange Fahrt von München in die Hauptstadt als »Durchbruch für die Elektromobilität« und forderte eine schnelle Serienfertigung des neuen Batterietyps.
Auch die Fachpresse hatte die Rekordfahrt teilnehmend begleitet und berichtete stolz über das technische Herzstück des bravourösen Gefährts: die Kolibri-Batterie , die von der kleinen deutschen Firma DBM Energy stammt. Der oft beklagte Rückstand hiesiger Automobilbauer gegenüber der asiatischen Konkurrenz in Sachen Elektromobilität schien passé: dreimal weiter fahren als alle bisherigen Elektroautos – Gold für Deutschland!
Inzwischen jedoch kippt die Jubelstimmung. Weder in der Industrie noch in der Fachpresse will man noch glauben, was DBM Energy behauptet : Seine Batterietechnik sei serienreif und im Nischeneinsatz, etwa bei Gabelstaplern, bereits bezahlbar. Sie ermögliche 2000 Ladezyklen und im Auto rund 500.000 Kilometer Gesamtfahrleistung. Und das bei bislang unerreichter Sicherheit. Selbst ein Durchschuss mit scharfer Munition habe weder Feuer noch Freisetzung von Giften verursacht, der Wunderakku habe »eine konstante Leistungsabgabe aufrechterhalten«.
Wenn alles zuträfe, wären weltweit Milliardenentwicklungspläne für Hochleistungsakkus Makulatur. Der Automobilbau stünde vor einer Revolution, das Militär müsste seine Fahrzeuge umrüsten auf die schusssichere Energiequelle. DBM-Chef Mirko Hannemann will bereits ein Topangebot für seine Technik von Samsung mehr als 600 Millionen US-Dollar erhalten – und ausgeschlagen – haben. Warum eigentlich?
Wer so hoch pokert, muss die Forderung nach transparenten Tests erfüllen. Zumal die Rekordfahrt wesentlich mit Steuermitteln finanziert wurde . Dabei steuerte Hannemann das »lekker mobil« allein, Journalisten durften nur hinterherfahren. Ein geladener Notar hatte abgesagt. Und als der ADAC anbot, das Superauto samt dessen potenter Batterie zu testen, lehnte die Firma ab. Unserer Nachfrage, ob sie selbst eine unabhängige Prüfung organisiere, wich sie bis zum Redaktionsschluss der ZEIT aus. Kein gutes Omen! Der »Durchbruch« in der Batterietechnik könnte zum PR-Desaster werden. Für die Erfinder und den Minister.
- Datum 10.12.2010 - 10:40 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 9.12.2010 Nr. 50
- Kommentare 19
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







nun, die Zeit war mit der PR ganz vornean dabei.
Recherche und Misstrauen und nochmals Recherche
Gestern in Zeit-Online eine Desinformation mit dem Titel „Autobauer ignorieren den Rekord-Akku“, heute dann die Richtigstellung mit dem Artikel „Dubioser Rekord“. Entschuldigen sie die platte Ausdrucksweise, aber was soll dieser Schwachsinn? Veröffentlichen Sie doch gleich einen faktenbasierten, ausgewogenen Artikel und nicht ein solches „Gehampel“.
"Durchschuss mit scharfer Munition"
mit was soll man denn sonst nen durchschuss machen? mit Platzpatronen?
Der Termin der Patenerteilung war bestimmt der 1. April.
Es ist zum Lachen : Früher kamen diese Wichtigtuer und Selbsttäuscher (im günstigsten Falle) daher und erklärten, "mit dieser Spritze" in der Hand das Krebsproblem beim Menschen gelöst zu haben.
.
Nach 200 plus x Fehlmeldungen glaubt das keiner mehr. Also steigt man auf eine neue Sau um, die man durchs Dorf reitet: Das Elektromobil.
.
Der gute Herr Brüderle ist in der Tat kein grosses Licht. Auch nicht mit neuem Akku.
versetzen Sie sich doch in die Lage eines jungen Menschen, der möglicherweise viele drückende Fragen unserer Gegenwart mit seiner Erfindung gelöst haben könnte - rein hypothetisch. Würden Sie gleich jedem dahergelaufenen Konzern die Möglichkeit bieten, ihr Patent in dessen Schubladen verschwinden zu lassen? Oder Tests machen lassen, die Sie nicht kontrollieren können?
Sein Sie doch nicht so blauäugig.
Er könnte sehr wohl die Sache so organisieren, dass die Tests ohne Gefahr für seine "Innovation" über die Bühne gehen. So könnte er z.B. die Spezialisten der Autohersteller nacheinander zu Tests auf seinem eigenen Gelände einladen, wo sie z.B. alles an den Schnittstellen auslesen und -messen können, ohne die Wunderbatterie als solche durchleuchten oder gar zerlegen zu können.
Blauäugig? Haben Sie seinen Satz zum verm. 600Mio-Angebot von Samsung gehört? Der hätte von Münchhausen kommen können.
Er könnte sehr wohl die Sache so organisieren, dass die Tests ohne Gefahr für seine "Innovation" über die Bühne gehen. So könnte er z.B. die Spezialisten der Autohersteller nacheinander zu Tests auf seinem eigenen Gelände einladen, wo sie z.B. alles an den Schnittstellen auslesen und -messen können, ohne die Wunderbatterie als solche durchleuchten oder gar zerlegen zu können.
Blauäugig? Haben Sie seinen Satz zum verm. 600Mio-Angebot von Samsung gehört? Der hätte von Münchhausen kommen können.
Wenn der Akku hinhaut ist die Mobilität CO2-frei gesichert,
aber nur mit Wind, Sonne und Kerenergie.
Auf vorwärts in eine "Neue Welt des grünen Wachstums".
Wir sind durchs Nadelöhr der Ökologie durch. CO2-frei.
Jeder Schwellenländler und jede Schwellenländlerin darf sich
aufs Ökoauto freuen. Nur die Parkplatzfrage muß noch gelöst
werden. Unter Solarzellendächer wär es öko öko.
Der Stadtwagen abgasfrei mit grüner Plakette wird zum Hit.
Die Automobile Zukunft ist gesichert. Wir brauchen keine
Verzichtsethik. Der evangelischen Kirche kommt ein Thema
abhanden. Neue Handreichungen fürs nächste Jahr.
…da wird auch viel Schindluder getrieben.
Es stimmt natürlich dass gerade deutsche Autofirmen wie BMW, eine Menge Batteriepatente erworben hat und die jetzt in Schubladen vergammeln lassen. Deutschlands Autobauer vernichten Innovationspotential, aber das ist nicht neu.
Stutzig machte mich gar nicht mal die ungeheuere Reichweite der Batterie (wenn es denn so war) - ich glaube die Technik ist viel entwickelter, als es die Industrie zulässt (da gibt es unzählige Bsp. von Einzelpersonen, die mit tollen Erfindungen von der Industrie veraten und verkauft worden sind). Nein, stutzig machte mich das Buch zur Technik, welches für 249,00 Euro!!! auf der Internetseite von DBM angeboten wird.
Keine schlechte Marketingstrategie mit einem gefakten e-Auto 600 KM zu fahren, die Presse überschlägt sich vor Jubel und dann wird das Buch zur Technik amtlich teuer dazu verkauft…
Aber wer weiß was stimmt, die Zeit mit ihrem Turbojournalismus greift ja jedes Thema ratz die Möhre auf und merkt nach dem Veröffentlichen, dass da was nicht gestimmt hat!
Dieser Herr Assange, kann der nicht auch ein paar Dokumente veröffentlichen, die uns hier weiter helfen?
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren