Alfred Platow nennt sich selbst einen »Sozialarbeiter des Geldes«. Der Vorstand des Finanzdienstleisters versiko hat Sozialarbeit studiert, damals, in den Siebzigern, als er auch gegen Gorleben auf die Straße ging. Um sein Studium zu finanzieren, vermittelte er mit seinem Geschäftspartner Klaus Odenthal Versicherungen – »Versicherungskollektiv« nannte er das. Und stellte sich irgendwann die Frage: »Wie kann man durch das Kapital Einfluss nehmen auf Unternehmen?« Das war vor über 35 Jahren der erste Schritt auf dem Weg zu seinem Ökoversorgungswerk für betriebliche Altersvorsorge.

Mitte der Achtziger gehörten ihm bereits 3000 Betriebe an, »denen wir die Zusage gemacht hatten, das Kapital nach ethisch-ökologischen Prinzipien anzulegen«. 1996 war er schließlich so weit, seinen ersten Fonds nach diesen Prinzipien aufzulegen: Ökovision.

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»Ich bin damals bei den 21 Kapitalanlagegesellschaften in Deutschland aufgelaufen«, erzählt er. »Überall bekam ich zu hören, Platow, machen Sie ruhig, aber für uns hat das keine Perspektive.« Die Vorstände hätten sich schlicht nicht vorstellen können, dass die Finanzwelt Wirtschaftlichkeit einmal auch nach anderen Kriterien beurteilen würde. Also gründete er selbst eine Kapitalanlagegesellschaft, in Luxemburg, die versiko-Tochter Ökoworld. »Die erste europäische Kapitalanlagegesellschaft, die sich ausschließlich um humanistisch geprägtes, soziales, ethisches und ökologisches Anlagegeschäft kümmert«, sagt Platow. Ökoworld verwaltet heute in der eigenen Fondsfamilie über 500 Millionen Euro.

Seitdem der Mann begonnen hat, in den Versicherungsportfolios der Deutschen aufzuräumen, hat sich einiges getan. Äußerlich mag er immer noch ein Exot sein, aber seine Idee ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Nachhaltiges Anlegen liegt im Trend. Die Verschwendung von Ressourcen, die Ausbeutung von Menschen, die Zerstörung der Umwelt beunruhigen heute nicht mehr nur Ökos, Müslis oder Studenten der Sozialpädagogik.

Das ist es nicht verwunderlich, dass Nachhaltigkeitskriterien auch für die Geldanlage relevant sein können. Sie ergänzen die klassischen Kriterien Rentabilität, Liquidität und Sicherheit um ökologische, soziale und ethische Bewertungspunkte. Zahlreiche Studien belegen inzwischen, dass man das gute Gewissen bei der Geldanlage nicht mit einem Abschlag bei der Rendite bezahlen muss.