Tatsächlich drückt sich in der Bejahung der Homöopathie auch die Ablehnung einer technisch und kühl wirkenden Rationalität aus. Manche scheinen sich ganz bewusst einer höchst unplausiblen Lehre anzuvertrauen, um sich einen letzten Rest an Zauber in den profanen Alltag retten zu wollen. (Man kann nur hoffen, dass sie sich bei wirklich lebensbedrohlichen Erkrankungen eines Besseren besinnen. Indem sie eine wirksame Behandlung verhindert, kann die Homöopathie nämlich durchaus lebensgefährlich werden.)

Aber viele Patienten wissen gar nicht genau, was es mit Hahnemanns Lehre auf sich hat. Von Meinungsforschern befragt, konnten nur 17 Prozent der Homöopathienutzer mit den Ähnlichkeits- und Verdünnungsprinzipien etwas anfangen (dabei sind diese der Kern der Lehre). Die Übrigen haben folglich nicht einmal die Chance, deren Absurdität zu erkennen – Medizin und Paramedizin stehen für sie gleichwertig nebeneinander.

Verschlimmert wird dies noch durch die Universitätsmedizin. Ein Drittel der medizinischen Hochschulen bietet mittlerweile Homöopathie in der Ärzteausbildung an ( Zeit Nr. 37/10 ) – statt sie zuerst gründlich zu erforschen.

Bei allem, was wir noch über den Placebo-Effekt lernen können: Die Homöopathie basiert auf Dogmen, die einer rationalen Prüfung nicht stand halten. Sie ist ein Glaubenssystem.

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