Migrationshintergrund«, das sperrige Wort, ist eine Erfindung der neunziger Jahre. Doch Menschen, die auf der Suche nach Arbeit kamen und dauerhaft blieben, die gibt es auch in Deutschland schon seit Langem. Die Integration von Zuwanderern ist ein Thema nahezu aller modernen Gesellschaften. Viele Probleme sind trotz schnellen Wandels ähnlich geblieben, auch wenn sich die Konstellationen nie völlig gleichen.

Ein historisches Lehrbuchbeispiel bietet das Ruhrgebiet. Im 19. Jahrhundert verwandelte es sich geradezu in eine Einwanderungsregion. Und schon damals gab es der mahnenden und warnenden Worte viele. »Die Anhäufung großer Arbeitermassen slawischer Abkunft im rheinisch-westfälischen Industriegebiete«, stellte 1896 der Oberpräsident der Provinz Westfalen, Heinrich Konradt von Studt, in einer Denkschrift fest, berge bedeutende Gefahren. Denn es handele sich um »Elemente, welche dem Deutschthume feindlich gegenüberstehen, sich auf einer niedrigen Stufe der Bildung und Gesittung befinden und zu Ausschreitungen geneigt sind«.

Und noch 1920 warnte die rheinisch-westfälische Landesgruppe der »Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier« davor, dass »Westfalen, dieses kerndeutsche Land, das stolz ist auf die Taten eines Arminius und Wittekind«, nicht zu einem gemischtsprachigen Gebiet werden dürfe. »Westfalen ist deutsch und soll es unverfälscht bleiben [...]. Polnische Schulen im Industriegebiet sind eine nationale Gefahr, wir werden sie mit deutscher Zähigkeit bekämpfen und ihre Einrichtung nicht dulden.«

Dabei hatte die Region zwischen Duisburg und Dortmund schon früh von internationaler Zuwanderung profitiert. Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts waren Engländer, Iren und Franzosen hierhergekommen. Sie spielten als Unternehmer und Spezialisten in der Anfangsphase der montanindustriellen Expansion eine wichtige Rolle, zudem kamen Italiener als Gesteinshauer, aber auch als Arbeiter beim Kanalbau. Die erste differenzierte Belegschaftsstatistik des Ruhrbergbaus von 1893 gibt unter 23410 Fremdsprachigen an: 20494 aus dem Deutschen Reich (das waren vor allem Menschen aus den Ostprovinzen), 1443 aus Österreich-Ungarn, 699 aus Holland, 610 aus Italien, 82 aus Russland und weitere 82 aus anderen Staaten. Die Zahl der Ausländer stieg an, die »preußischen Polen« aber blieben in der überwiegenden Mehrheit. Arbeiter aus dem russischen Teil Polens oder dem österreichischen Galizien durften zwar saisonal im Westen in der Landwirtschaft sowie in der oberschlesischen Montanindustrie beschäftigt werden, aber nur in wenigen Ausnahmefällen im Ruhrbergbau.

Die »preußischen Polen« kamen vor allem aus jenen Gebieten, die seit den polnischen Teilungen und dem Untergang des polnischen Staates Ende des 18. Jahrhunderts zu Preußen gehörten, wie zum Beipiel die Provinz Posen. Sie besaßen durchweg die deutsche, das heißt preußische Staatsbürgerschaft. Damit befanden sie sich rechtlich in einer weit besseren Ausgangslage als Ausländer, sie waren jedoch in ähnlicher Weise ethnischer und sozialer Diskriminierung ausgesetzt: zum einen in ihrer alten Heimat, die in der Kaiserzeit einer rigiden »Germanisierungspolitik« ausgesetzt war, welche die polnische Sprache und Kultur à la longue zum Verschwinden bringen sollte. Zum anderen aber auch in der neuen Heimat im Westen.

Die Menschen wurden gezielt angeworben. Relativ gute Löhne lockten ebenso wie falsche Versprechungen unter einer ländlichen Bevölkerung, die aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung ihre Arbeit verloren hatte und proletarisiert war, sodass die aufstrebende Industrie im Westen vergleichsweise attraktive Lebensperspektiven bot. Der ökonomische Druck zur Abwanderung aus dem Osten wurde durch den sozialen Sog der Industrialisierung im Westen Deutschlands verstärkt und löste nach der Reichsgründung 1871 eine riesige Ost-West-Binnenmigration aus. Vor Beginn des Ersten Weltkriegs lebten im Ruhrgebiet etwa 350.000 (ethnische) Polen, die rund 150.000 Masuren nicht mit eingerechnet.

Nun gab es polnische Einwanderer auch in anderen Teilen Deutschlands, zum Beispiel in den Großstädten Hamburg und Berlin. Aber im Ruhrgebiet waren die Polen am sichtbarsten konzentriert. Noch heute könnte man beim Blick ins Telefonbuch vermuten, hier lebe eine deutsch-polnische Mischbevölkerung. Allerdings verweisen nicht alle slawisch klingenden Namen auf Polen, und mancher deutsche Name wiederum war ursprünglich ein slawischer. Denn etliche Polen ließen ihren Namen eindeutschen: So wurde aus Majczak Mayer, aus Luczak Lutz oder aus Marczynski Markus.

Die Anwerbung arbeitete mit süßen Verlockungungen, wie ein Flugblatt zeigt, das 1908 insbesondere die Masuren ansprach, die als evangelische und betont kaisertreue Bewohner des südlichen Ostpreußens mit starkem Eigenbewusstsein und einem altertümlichen polnischen Dialekt Distanz zu ihren katholischen Landsleuten hielten. »In rheinländischer Gegend«, heißt es dort, »umgeben von Feldern, Wiesen und Wäldern, den Vorbedingungen guter Luft, liegt, ganz wie ein masurisches Dorf, abseits vom großen Getriebe des westfälischen Industriebezirkes, eine reizende, ganz neu erbaute Kolonie der Zeche ›Viktor‹ bei Rauxel.« Lage und Größe der Wohnungen werden ebenso eingehend beschrieben wie die Höhe der Verdienste in unterschiedlichen Lohngruppen und die Möglichkeiten zum Sparen. Schließlich wollten fast alle Arbeiter aus dem Osten möglichst schnell möglichst viel Geld verdienen und dann in die alte Heimat zurückkehren.

Die masurischen Einwanderer blieben lange Zeit eine Gruppe für sich, verhielten sich anders als die polnischen und assimilierten sich schneller, auch wenn es sich der Herkunft und Sprache nach um Polen handelte. In der Wahrnehmung der Deutschen verwischte sich diese Trennung jedoch. So gelten die Schalker Fußballidole Ernst Kuzorra und Fritz Szepan noch heute als »Polen«, tatsächlich waren sie masurischer Herkunft.

Die Sonntagsmesse in polnischer Sprache wird zum Politikum

Polnische Familien zogen Landsleute aus ihrer Heimatregion nach sich. In der Migrationsforschung ist dieses verbreitete Muster als »Kettenwanderung« bekannt. So konzentrierten sich Oberschlesier in Bottrop, Posener in Hamborn und Duisburg, Ostpreußen in Gelsenkirchen und Recklinghausen.

Für die Integration spielten die großen Zechenkolonien eine wichtige Rolle. Hier waren die Mieten niedrig, die Familie konnte ein Gärtchen bestellen und Kleinvieh halten. Hier kamen auch die Nachbarn aus dem Osten, hier sprach man dieselbe Sprache. Doch es gab eine Kehrseite, das war die »Wohlfahrtsfessel«: Man blieb eng an die Zeche gebunden, der Brotherr überwachte die Kolonie. Wer streikte, dem wurde gekündigt, und gerade die Gewerkschaften beklagten, dass die Polen in den Zechensiedlungen für ihre Agitation besonders schwer zu erreichen waren.

Die Folgen dieser »Ghettoisierung« sorgten schon damals für eine heftige Debatte. Die liberale Frankfurter Zeitung, die generell mit der preußischen Polenpolitik streng ins Gericht ging, schrieb 1902: »Von den polnischen Einwanderern sind mindestens 60 Prozent in den Kolonien dem ständigen Verkehr mit den Eingesessenen entzogen. [...] Nicht nur die Erwachsenen, auch die Kinder auf der Straße sprechen polnisch. Diese ausgedehnten Werkskolonien sind polnische Enklaven auf deutschem Boden.« Dabei wollte auch der Kommentator der Frankfurter kein Sprachenverbot aufstellen, wie es die Nationalisten für »Preußisch-Polen« forderten. »Jeder vernünftige Mensch wird den Polen den Gebrauch ihrer Nationalsprache unbeschränkt zuerkennen. Was ist denn dabei, wenn etliche Hunderttausende neben der offiziellen Landessprache noch ihre besondere Nationalsprache kultivieren? Daran geht niemand zu Grunde.«

Immerhin trug die hohe ethnische Konzentration in bestimmten Vierteln oder Siedlungen dazu bei, dass sich die Menschen, die ja größtenteils vom Land kamen, schneller zurechtfanden und in die neue Umgebung einfügten, trotz oder wegen der Beibehaltung ihrer Sprache und anderer Lebensgewohnheiten. So besteht in »Ausländervierteln« zwar immer die Gefahr, dass sie zur Parallelwelt werden – bezeichnend, dass die Zahl der deutsch-polnischen Mischehen noch 1910 extrem gering war. Andererseits aber bieten sie auch die Chance, im Lande heimisch zu werden.

Zähen Streit gab es um die religiöse Betreuung der Migranten. Die nationalistischen Auseinandersetzungen machten auch vor der Polenseelsorge nicht halt, und eine Sonntagsmesse in polnischer Sprache wurde zum Politikum. Allerdings verlangten die Polen nicht nur Polnisch sprechende Seelsorger, sondern auch polnische Priester. Mancher hegte wohl den abstrusen Verdacht, den der Wiarus Polski, die in Bochum erscheinende polnische Tageszeitung, 1907 offen aussprach: »Jeder Deutsche ist ein versteckter Lutheraner.«

Auch das – mit Blick auf die »Germanisierung« ausgesprochene – Verbot, in der Schule oder privat Polnisch-Unterricht zu erteilen, blieb bis in die Weimarer Republik hinein ein Stein des Anstoßes. Die preußischen Behörden waren bei der Überwachung des Verbots äußerst rigide und heizten damit latente und offene Konflikte immer wieder an. Nach der offiziellen Statistik gab es 1910 beispielsweise im Kreis Recklinghausen-Land etwa 17 Prozent polnische Schulkinder, in Recklinghausen-Stadt sogar 27 Prozent. Auf eine solche Konstellation musste die Schulpolitik reagieren. Sie sorgte dafür, dass gezielt »Polenklassen« eingerichtet wurden – in denen sich dann aber national besonders gefestigte deutsche Präzeptoren weniger um die behutsame Integration ihrer Schüler als um deren prompte »Germanisierung« kümmern sollten.

Die Polen hielten zusammen, hielten dagegen. Es entstand ein vielfältiges und buntes Vereinswesen, das sich im Laufe der Jahre bis zum Ersten Weltkrieg zu einer Art nationaler Subkultur entwickelte. Möglich wurde sie, weil die polnischen Einwanderer damals – anders als viele Migranten heute – deutsche (respektive preußische) Staatsbürger waren, sodass man sie nicht einfach abschieben konnte, wenn sie aufsässig waren oder auffällig wurden.

Natürlich erschien das polnische Vereinswesen verdächtig. Die deutsche Presse und die Polizei witterten nationale Gefahren. Deshalb wurde 1909 beim Polizeipräsidenten in Bochum eine »Zentralstelle für Überwachung der Polenbewegung im rheinisch-westfälischen Industriegebiet« eingerichtet. Und der wilhelminische Überwachungsstaat, der überall seine Gucker und Greifer hatte, behielt die polnischen Arbeiter des Ruhrgebiets im Visier.

Dabei waren die frühen polnischen Arbeiterversammlungen politisch völlig harmlos. Das zeigt besonders schön das Protokoll eines eigens dafür abgestellten Polizisten. Der Fußgendarm Nowacki hielt in wörtlicher Rede den Ablauf der »Polen-Versammlung zu Castrop bei Schulte-Becker am 2. Februar 1891« fest (»Anfang der Versammlung 4¼ nachmittags, Ende 8 Uhr abends; anwesend ungefähr 250 Personen«). Die Redner begannen ihre Beiträge mit »Gelobt sei Jesus Christus (Antwort)«, konzentrierten sich auf massive Warnungen vor dem Sozialismus und den Sozialdemokraten, warben für die gerade gegründete Zeitung Wiarus Polski und beendeten die Versammlung mit einem Hoch auf den Papst, Kaiser Wilhelm und den Pfarrer Liß, den ersten Polenseelsorger.

Die Nazis lösen alle polnischen Vereine auf

Doch dabei blieb es nicht. Wollten die polnischen Arbeiter ihre Belange wirkungsvoll vertreten, dann mussten sie sich selber organisieren. Nur so konnten sie auch dem Vorwurf, als Lohndrücker zu fungieren, glaubhaft entgegentreten. Die deutschen Gewerkschaften boten oftmals zu wenig Solidarität. Im Gegenteil, auch in der Arbeiterpresse gab es arge antipolnische Entgleisungen. So schrieb das sozialdemokratische Bochumer Volksblatt im April 1907 – was wiederum von polnischer Seite genüsslich zitiert wurde – von »Leuten, die man aus der Pollackei hergeschleppt« habe und die trotz mangelnder Sprachkenntnisse nach wenigen Monaten als Vollhauer beschäftigt worden seien. »Erst als es sich allzu oft wiederholte, daß Leute, die erst vor kurzem die Mistgabel, ihr bisheriges Handwerkszeug, fortgelegt hatten, zu Vollhauern gemacht wurden«, habe die Bergbehörde die Beherrschung der deutschen Sprache für verantwortungsvolle Stellen zur Pflicht gemacht.

1902 wurde in Bochum die im Kern aus Bergarbeitern bestehende Polnische Berufsvereinigung ins Leben gerufen (Zjednoczenie Zawodowe Polskie). Sie reüssierte schnell, und in den großen Bergarbeiterstreiks von 1905 und 1912 war die polnische Gewerkschaft – anders als der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter – zusammen mit den früher geschmähten Sozialdemokraten (Alter Verband) an der vordersten Streikfront zu finden.

Die gewerkschaftliche Organisation der Einwanderer aus ländlichen Gebieten und fremden Herkunftsmilieus war nicht leicht. »Die armen Ankömmlinge sind noch schüchtern und sich ihrer Rechte noch nicht bewußt«, stellte ein Aufruf der Polnischen Berufsvereinigung in naiver Offenheit, aber in der Sache völlig zutreffend fest. Ohne Frage trug auch das gewerkschaftliche Engagement viel zur Integration bei.

Einige wenige Zahlen mögen das Profil und den Umfang der Vereine verdeutlichen. Ihr Ursprung war religiös. Sie trugen anfangs fast ausnahmslos die Namen von Heiligen, besonders häufig den der Schutzpatronin der Bergleute, der heiligen Barbara. Vom Gesang- bis zum Lotterieverein und zur sozialistischen Partei (PPS) reichte die Palette. Insgesamt gab es 1912 nach polizeilichen Angaben 875 polnische Vereine mit – Gewerkschaftsmitgliedschaften außen vor gelassen – über 80.000 Mitgliedern (einschließlich vieler Doppelzählungen). An der Spitze lagen die kirchlichen Arbeitervereine mit circa 30.000 und die vor allem von Frauen besuchten Rosenkranzbruderschaften mit 16.000 Mitgliedern, das Schlusslicht bildeten, kaum zufällig, die Ortsgruppen der PPS mit nur 408 Mitgliedern.

Die internen und die öffentlichen Integrationsdebatten verliefen um 1900 kaum weniger heftig als heute, aber vor einem anderen Horizont: Das Motto, gerade im Osten, hieß »Germanisierung«. Nicht nur die vehementen deutschen Nationalisten wünschten sie, sondern auch die SPD im Kaiserreich hielt sie insgeheim für »normal«. Von der Wiederherstellung eines polnischen Staates wollten die wenigsten etwas wissen. Gerade die ostentative Forderung nach »Germanisierung« und die arrogante Ablehnung eines gewissen ethnischen Eigenlebens stärkten jedoch bei den polnischen Einwanderern die Abwehr und förderten den nationalen Widerstand. Dabei verflochten sich häufig die Erfahrungen aus den Ostprovinzen mit denen im Ruhrgebiet. Dies wiederum forcierte bei der politischen Rechten Projektionen von einem »Polenstaat im Westen« und Ängste vor Überfremdung – ausgerechnet im Ruhrgebiet, wo die meisten Menschen einen »Migrationshintergrund« hatten.

Die Aufregung war lächerlich, weil es die Gefahr eines solchen »Polenstaates im Westen« nie gab. Im Übrigen schrumpfte nach 1918 die polnische Minderheit an Rhein und Ruhr rasch. Das lag zum einen an der Ökonomie, an der Rationalisierungskrise im Bergbau. Zum anderen war der polnische Staat durch den Versailler Vertrag wiederhergestellt, und viele Ruhrpolen, ein Drittel etwa, kehrten in die alte, nun polnische Heimat zurück. Ein weiteres Drittel wanderte im Laufe der zwanziger Jahre in die nordfranzösischen Kohlereviere von Lens und Lille ab, wo sich manche dieser ehemals preußischen Polen nun als boches beschimpfen lassen mussten.

Die Zurückgebliebenen, das letzte Drittel, lebten nunmehr verstreut über viele Orte des Ruhrgebiets, ohne starke organisatorische Subkultur und mit einem nur lockeren Zusammenschluss im Bund der Polen in Deutschland (Zwiazek Polaków w Niemczech). Er war 1894 in Bochum gegründet worden und ist bis heute dort zu finden.

Mit dem zweiten Weltkrieg beginnt das Ende der Ruhrpolen

Nach 1933 dann bekamen auch sie – als Menschen einer »minderwertigen Rasse« – den neuen Ungeist zu spüren. Die Nazis verstärkten den Druck auf die Deutschen polnischer Herkunft im Ruhrgebiet, verhafteten nach Kriegsbeginn 1939 weit über zweihundert ihrer führenden Köpfe und deportierten sie für einige Monate in Konzentrationslager; polnische Vereine wurden verboten. Schließlich: Unter den Zivilarbeitern, die Hermann Göring als Beaufragter für den Vierjahresplan seit 1940 aus dem besetzten Frankreich für die Industrie und den Ruhrbergbau anwerben ließ, befanden sich auch einige Tausend ehemalige Ruhrpolen, die nach Nordfrankreich weitergewandert waren. Sie wurden allerdings wie die übrigen west- und nordeuropäischen Zivilarbeiter behandelt und mussten auch nicht das diskriminierende »P« als Kennzeichen tragen.

Nach 1945 blieb nur noch eine vergleichsweise kleine polnische Gemeinde im Ruhrgebiet übrig. Haftentschädigungen und Restitutionen für enteignetes Vermögen wurden erst nach zähen juristischen Auseinandersetzungen zugestanden.

So ging die Geschichte der Polen im Ruhrgebiet allmählich zu Ende. Ob sie sich wirklich als eine Erfolgsgeschichte erzählen lässt, wie es gelegentlich geschieht, daran mag man zweifeln, und die Urteile darüber gehen durchaus auseinander. Aber die Erfahrungen von damals gehören ohne Frage in die wechselvolle und allzu oft ohne historische Perspektive geführte Debatte um Einwanderung und Ausländerintegration heute.

Der Autor lehrte Geschichte in Bielefeld und Potsdam und leitete von 1996 bis zu seiner Emeritierung 2004 das Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam