Zeitmanagement Das Zitat ... und Ihr Gewinn
»Alles auf einmal tun zu wollen zerstört alles auf einmal« Georg Christoph Lichtenberg
© Andreas Rentz/Getty Images

Moderne Kommunikationsmittel machen die permanente Erreichbarkeit möglich
Wer mehrere Dinge zur selben Zeit anfing, galt früher als Chaot. Heute werden solche Menschen als »Multitasking-Talente« gepriesen. Immer schneller geht es zu in der Arbeitswelt: Dutzende von E-Mails und SMS prasseln herein , das Telefon klingelt, ein Kunde quengelt, zwei Meetings rufen. Und auf dem Schreibtisch wächst der Papierberg zum Achttausender-Gipfel heran.
Ist es da nicht normal, dass ein Chef im Gespräch mit seinem Mitarbeiter ein Telefonat annimmt, seine Mails checkt und in Gedanken das Abendmeeting durchspielt? Ist es da nicht normal, dass eine Fachkraft mehrere Projekte zur selben Zeit anstößt, am Computer von Dokument zu Dokument hüpft und auf alle Mails in der Geschwindigkeit eines Wirbelwinds antwortet?
Jede Woche gibt der Coach Martin Wehrle Tipps für den Erfolg im Job in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn"
Vielleicht ist es normal geworden – aber es zeigt vor allem eines: das mangelnde Organisationstalent dieser Menschen. Was ihnen fehlt, sind Prioritäten.
Wein und Wasser, Aufgaben von höchster und geringster Wichtigkeit, werden bis zur Unkenntlichkeit vermengt. Ein Beispiel ist der Manager, der für seinen Bereich eine Strategie entwickeln müsste, sich aber stattdessen am Nasenring des Tagesgeschäftes durch die Arena führen lässt.

Der Coach Martin Wehrle ist Autor mehrerer Karrierebücher und gibt jede Woche Karrieretipps in der Kolumne "Das Zitat und Ihr Gewinn". Gerade ist sein neuestes Buch "Ich arbeite in einem Irrenhaus" erschienen
Statt selbst zu bestimmen, wie er seine Zeit investiert, retourniert er die zufällig übers Netz fliegenden Bälle: Anrufe, Mails, Nichtigkeiten des Tages. Er reagiert, statt zu agieren . Das wirklich Wichtige, die Strategie, bleibt auf der Strecke.
Unser Kopf kann zur selben Zeit nur einen Gedanken denken. Wer sich mit zwei Sachen beschäftigt, beschäftigt sich mit keiner richtig. Und das merkt man den Ergebnissen an! Wenn ich für jedes unvollendete Konzept, für jedes vergessene Mitarbeitergespräch, für jedes schlecht vorbereitete Meeting meiner Klienten zehn Cent bekommen hätte, wäre mittlerweile ein dickes Sparschwein voll. Die Standard-Ursache für Versäumnisse: Multitasking.
Fragen Sie sich: An welchen Ergebnissen werde ich gemessen? Welche Kleinigkeit, täglich getan, würde mich auf lange Sicht vorwärtsbringen? Und angenommen, Sie dürften täglich nur eine Stunde arbeiten: Was würden Sie in dieser Zeit anpacken?
Wer weiß, was in seinem Job wirklich zählt, gibt das Multitasking auf. Er tut eines nach dem anderen: die wichtigen Dinge zuerst; und die weniger wichtigen – gar nicht!
- Datum 16.12.2010 - 12:29 Uhr
- Serie Das Zitat und Ihr Gewinn
- Quelle DIE ZEIT, 16.12.2010 Nr. 51
- Kommentare 22
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...die mehr Aufgaben verteilen, als zu erledigen sind, die "dafür habe ich keine Zeit" als Antwort nicht akzeptieren -- aber dafür mit minderer Qualität zufrieden sind, weil sie sowieso nichts blicken.
Dann macht man eben von allem ein bißchen...
Wer solchen Unsinn verbreitet, dem kann ich nur wünschen, dass er bald in ein Altersheim kommt. Dann kann sich die zuständige Pflegekraft bei ihm um die wichtigen Dinge wie Medikamente und Essen kümmern, während er sich in die Hosen macht (ist ja nicht so wichtig...).
Aber wer "Coach" ist, der wirds schon wissen!
und alle führen sie zum gleichen Ergebnis: Multitasking ist nachweislich ineffizient und möglicherweise auch ungesund.
Eine weitere Quelle zu diesem Thema finden Sie zum Beispiel hier, wenn Sie's denn partout nicht glauben wollen:
http://www.spiegel.de/wis...
und alle führen sie zum gleichen Ergebnis: Multitasking ist nachweislich ineffizient und möglicherweise auch ungesund.
Eine weitere Quelle zu diesem Thema finden Sie zum Beispiel hier, wenn Sie's denn partout nicht glauben wollen:
http://www.spiegel.de/wis...
Verschonen Sie mich bitte in Zukunft mit derartigen Artikeln. Dogmatiker finden immer ihre Gemeinde, tragen aber in aller Regel sehr wenig zur inhaltlichen Weiterentwicklung oder Klärung von Sachverhalten bei. Das Problem ist doch nicht die binäre Frage, ob Multi- oder Single-Taksing der allein selig machende Ansatz ist, sondern das Maß d.h. die Anzahl und Art von nebenläufigen Aufgaben. Auch die überzeugtesten Multitasker werden einräumen, dass die Effektivität mit steigender Anzahl nebenläufiger Aufgaben überproportional sinkt. Aber neben der der Tatsache, dass es unterschiedliche Menschen und Selbstmanagementstile gibt, ignoriert der Autor ganz nebenbei die Realität wohl der meisten, im Arbeitsprozess befindlichen Menschen. Es reicht oft schlicht nicht aus, eine sehr abzählbare Anzahl von Aufgaben sehr gut erledigt zu haben, sondern es ist eine direkte Anforderung eine genaue definierte Menge von Aufgaben "irgendwie" zu erledigen.
Derartige Chefs können nur deshalb zuviel verlangen, weil ihre Leute es mitmachen. Und sie machen es nur deshalb mit, weil sie Kredite laufen haben und zu hohe Ansprüche an das Leben stellen. Wenn ich mit wenig Konsum zufrieden bin, kann ich auch meinem Chef die Stirn bieten. Wenn das mehr Leute tun, gibt es andere Chefs.
Auch in der Pflege ist es ja nur deshalb so, weil die Angestellten das Spiel mitmachen. Dabei gibt es genug Stellen bei dem Fachkräftemangel. Da geht man dorthin, wo es funktioniert. Eine Freundin von uns hat in vier Monaten 5 Stellen durchprobiert, bis sie endlich eine gute gefunden hat. Da reden die Pflegekräfte sogar noch mit den Patienten.
und alle führen sie zum gleichen Ergebnis: Multitasking ist nachweislich ineffizient und möglicherweise auch ungesund.
Eine weitere Quelle zu diesem Thema finden Sie zum Beispiel hier, wenn Sie's denn partout nicht glauben wollen:
http://www.spiegel.de/wis...
Wenn ich meiner Hauptarbeit nachgehe, dann schotte ich mich in der Regel von allem ab. Ich bin dann für 4-6 Stunden für niemanden erreichbar - kein Telefon, keine Email, kein Fax, kein Gespräch -- die Tür ist einfach zu!
In dieser Zeit schaffe ich dann mehr als die meisten Menschen in einem 10Stunden-Tag. Oft ist es so, daß sich die meisten der sooo wichtigen Dinge schon von selbst erledigt haben.
Wer glaubt, daß wir Menschen gut im Multitasking sind, der soll sich einfach einmal überlegen, daß er für jede Tätigkeit, der er macht, erst einmal eine gewisse Anlaufzeit benötigt. So kann es leicht passieren, daß Tätigkeiten, die normalerweise in kurzer Zeit erledigt sind, dann 20 bis 30mal so lange benötigen. Durch das ständige Zerhacken einer Aufgabe zögert sich das Ende dramatisch hinaus. Und dabei tritt ein weiterer Nachteil auf: Oft will der Auftraggeber noch schnell eine Änderung eingebaut haben. So nach der Devise, wenn sie ja sowieso noch nicht fertig sind, dann können sie diese "Kleinigkeit" gleich mitmachen.
Mir kann heute niemand mehr mit Multitasking imponieren - ich halte es für eine Schwäche.
Dazu vielleicht ein bisschen Psychologie.
Multitasking ist offensichtlich ein Konzept aus der Informatik, dass als Metapher für Annahmen über das menschliche Denken herangezogen wird. Mehrere Aufgaben zugleich zu erfüllen erscheint in userer Hektischen Arbeitswelt so verlockend, dass wir uns diese Fähigkeit herbeiwünschen. Leider gibt es keine Hinweise, dass Multitasking wirklich hilfreich ist.
Die selben Aufgaben nacheinander erledigt braucht weniger Zeit und ist weniger anstrengend. Die Personen, denen mehrere Aufgaben gleichzeitig und auch noch schneller und besser gelingen, der/die Multitasker/in, ist ein Mythos.
Der Grund: die menschliche Aufmerksamkeit kann immer nur auf einen Prozess gleichzeitig gerichtet werden. Beim "Multitasking" bearbeiten wir also keine zwei Prozesse parallel, sondern springen (unbewusst) hin und her. Dieses springen selbst verursacht Denkarbeit, die uns für die Inhaltliche Arbeit fehlt. Ebenso vergeht Zeit, bis die jeweils andere Aufgabe wieder aufgenommen werden kann. Ist unsere Aufmerksamkeit geteilt sprechen wir nicht umsonst von zerstreut sein.
Denken sie daran wie langsam und mühevoll sie tippen, wenn sie gleichzeitig (themenfremd) telefonieren. Oder Nummern wählen während der Autofahrt.
Meistens leidet eine der Aufgaben unter der anderen. Im Büro sind die Folgen vielleicht weniger dramatisch als im Straßenverkehr, aber trotzdem gilt: Wann immer möglich: Mono-tasking betreiben.
Ich bin schon einigen "Opfern" des Multitaskings begegnet: permanent gestreßt, unfähig, einen Gedankengang länger zu verfolgen.
Was ist eigentlich Multitasking? Wenn man eine größere Aufgabe hat, und dann kommt etwas kleines rein, läßt man die kleine je nach Dringlichkeit liegen oder zieht sie schnell durch, um zur Hauptaufgabe zurückzukehren. Wenn man mit zwei großen Aufgaben beschäftigt ist, muß man so planen, daß die ineinander verschränkt, aber jede einzeln erledigt wird. In jedem Fall löst man die Aufgaben nacheinander. Gleichzeitig kann man nicht zwei relevante Dinge machen. Man kann sich nur die Illusion geben, daß man es kann, während man in beiden Fällen schludert. Das ist stilvolles Versagen, weiter nichts.
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