ReiseversicherungBei Absturz Millionär

Eine neue Versicherung macht sich die Angst vor Flugzeugunglücken und Terror zunutze von 

An Angst lässt sich gut Geld verdienen. Und kaum etwas weckt bei Reisenden so viele Ängste wie die Fliegerei . Sind nicht erst neulich die Passagiere des Qantas-Airbus A380 über Indonesien nur durch Zufall dem Tod entgangen, als Teile des Triebwerks Löcher in die Tragfläche schlugen?

Da müssen wir was tun, mögen sich die Gründer von Flightsurance Flugreiseschutz gedacht haben. Seit Kurzem bietet das Frankfurter Unternehmen eine ganz spezielle Versicherung für ängstliche Naturen an. Eine Million Euro bekommen die Hinterbliebenen, sollte man während einer Flugreise oder beim Boarding ums Leben kommen. Ein »neuartiges Versicherungsprodukt für Privat- und Geschäftsreisende«, das auch »mit Blick auf die gestiegene Terrorgefahr auf Flughäfen« konzipiert wurde, wie Flightsurance mitteilt.

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Das Geschäftsmodell firmiert zwar als Unfallversicherung, setzt aber offensichtlich nicht auf die Angst vor einer Beule durch herabfallendes Handgepäck, sondern auf die vor einem Absturz oder Anschlag. Sieben Euro kostet die Versicherung für einen einfachen Flug, für drei Euro mehr ist die Rückreise eingeschlossen. Wer den Tod vor Augen hat, denkt über so eine Summe nicht lange nach. Wie will man wissen, ob der bärtige Typ da vorne in der Schlange nicht der kleine Bruder von Mohammed Atta ist?

Angst ist irrational und Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht jedermanns Sache. Man dürfte zwar eher beim Weihnachtseinkauf vom entnervten Fahrer eines Familienkombis niedergemäht werden, als vom Himmel zu fallen. Aber gut, Angebot und Nachfrage machen eben einen Markt. Neu und bequem ist das Konzept von Flightsurance allemal: Eines Tages könnte man die Police schnell und einfach noch am Versicherungsautomaten im Terminal abschließen. Versicherung to go sozusagen, wie ein Kaffee oder ein Käsebrötchen zum Mitnehmen.

Dennoch lohnt es sich, über Flightsurance etwas länger nachzudenken. Hinter der Firma stecken einige bekannte Köpfe aus der Luftfahrtbranche. Rudolf Wöhrl etwa, der früher die Geschicke der Fluglinie dba lenkte, hat mit seiner Beteiligungsfirma in Flightsurance investiert. Das allein heißt freilich noch nicht viel. Es mag ja nach einer tollen Idee klingen, während der Urlaubsreise seine Familie absichern zu wollen. Allerdings ist das nur sinnvoll, wenn die Lieben daheim bleiben. Explodiert der Charterflieger samt Papa, Mama, Kind und Hund beim gemeinsamen Anflug auf Palma de Mallorca, bleibt für gewöhnlich niemand mehr übrig, dem der Millionenschatz nützen könnte. Am besten wäre mithin, völlig auf gemeinsame Flugreisen zu verzichten und die Sommerferien am Ostseestrand zu verbringen. Aber Vorsicht! Nicht mit dem Auto an den Timmendorfer Strand fahren, denn auch das ist ja bekanntlich nicht gerade ungefährlich.

Es hat seinen Grund, dass Flightsurance sein Produkt als Unfallversicherung aufgebaut hat. Es steht im Kleingedruckten. »Wir können nicht alle denkbaren Fälle versichern«, schreibt das Unternehmen. Bei Unfällen durch Krieg, Bürgerkrieg, Trunkenheit und Kernenergie gibt es beispielsweise kein Geld. Besser also, künftig nur mit nüchternen Piloten zu fliegen. Aufhorchen sollten außerdem jene, die mit einem Terroranschlag rechnen. Als 2001 die Flugzeuge ins World Trade Center stürzten, hat der damalige US-Präsident George Bush sehr schnell von einem »kriegerischen Akt« gesprochen. Das mag politische Rhetorik gewesen sein, aber ganz sicher kann man sich bei solchen juristischen Feinheiten nie sein. Gut möglich, dass die Hinterbliebenen bei Terrorangriffen erst einmal vor Gericht ziehen müssen.

Verkauft wird die Flightsurance-Police zunächst vor allem über das Internet, zusätzlich sollen Reisebüros eingebunden werden. »Künftig sind aber auch Kooperationen mit Fluggesellschaften angedacht«, verkündet die Firma. So ähnlich wie bei der Reiserücktrittsversicherung also, die man ja auch mit einem Mausklick während des Ticketkaufs abschließt. Aber so hoch kann die Provision wohl kaum sein, dass Fluggesellschaften ihre Kunden dafür in nervöse Unruhe versetzen. Schwer vorstellbar, dass der Kapitän eines Tages vor dem Abflug nicht nur für den zollfreien Einkauf an Bord wirbt, sondern auch dezent darauf hinweist, was in der Luft so alles schiefgehen kann: »Aber keine Sorge, für nur sieben Euro ...«

Angst ist ein nützlicher Instinkt, der Menschen vor Schaden bewahrt. Manchmal ist Nachdenken aber auch ganz hilfreich. Dann erinnert sich manch ein Reisender vielleicht an die Lebensversicherung, für die er schon seit Jahren brav Beiträge entrichtet. Die zahlt in jedem Fall – ob man nun im Flugzeug stirbt, im Auto oder in der Badewanne.

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Leserkommentare
    • joG
    • 27. Dezember 2010 14:43 Uhr

    ....als Kind in Newark Airport eine solche Versicherung abgeschlossen zu haben. Das war daher so spannend, weil man einen Automaten an der Wand betätigte. Meine Großmutter gab mir Münzen, die ich einwerfen konnte. Dann tippte ich meinen Namen und meine Adresse, die auf zwei Zettel erschienen. Einen gab ich in einen Umschlag, den ich an meine Eltern schickte und den anderen behielt ich in der Tasche. Es kommt einem vor, wie vor Hundert Jahren. Und nun erfinden ein Deutscher das Ei.

  1. ...sind armselige Unternehmen, die davon leben, dass sie anderen Leuten Angst einreden. Aber nach der Finanzkrise muss die nächste Blase ja gefüllt werden...

    • evsen
    • 03. Januar 2011 15:23 Uhr

    Wer wie ich viel fliegen muß und Familie hat, weiss diese neue Versicherung zu schätzen. Eine Lebensversicherung habe ich zwar auch, aber die ist (wie wohl bei den meisten) gerade einmal sechsstellig - für eine Million wäre die dauerhaft unbezahlbar. Daher eine nützliche Sache.

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