Jemen Kraftmeierei auf dem Vulkan

Jemens Präsident bietet Soldaten und Fußballer auf, um das Land zusammenzuhalten.

Fans aus Saudi Arabien beim Gulf Cup in Aden

Fans aus Saudi Arabien beim Gulf Cup in Aden

Beim arabischen Gulf Cup sind die Waffen der Armee ebenso wichtig wie die Beine der Fußballer. Alles gleichzeitig zu ölen war in den vergangenen Wochen die Hauptsorge von Ali Abdullah Salih. Der jemenitische Präsident sitzt bei der Eröffnungsfeier der Fußballmeisterschaft in Aden hinter dickem Panzerglas auf der Ehrentribüne. Er ist viel grauer als auf den alten Postern in den Straßen der Hafenstadt. Der kräftige, fast halslose Mann regiert nun schon seit 32 Jahren. Eine ziemliche Leistung, seine Vorgänger wurden bald nach Amtsantritt erschossen. Er versteht sich darauf, Gegner auszuspielen und auszuschalten. Salih setzt sich, zieht die Hosen glatt, schaut geradeaus, legt die Hände an die Hosennaht, die Finger trommeln leicht auf den Schenkeln. Endlich kommen die Würdenträger aus den arabischen Ländern, aus Afrika. Salihs Züge entspannen sich, er genießt den Augenblick internationaler Anerkennung und des Erfolgs. Noch kein Anschlag vorm Anpfiff, keine störenden Demonstranten, wer sagt’s denn. Der Gulf Cup ist Ali Salihs großes Spiel.

Fußball und Jemen – wie passt das zusammen? Das Land macht eher mit Sprengstoff als mit Sport von sich reden. Ein jemenitischer Terrorist versuchte vor einem Jahr, einen US-Jet in die Luft zu jagen. Vor wenigen Wochen schickte al-Qaida aus dem Jemen Paketbomben in Richtung Westen . Die USA fürchten nicht zu Unrecht, Jemen könnte den Weg Somalias gehen und ein failed state werden, der die Welt unsicher macht. Am Golf von Aden, den 22.000 Frachtschiffe jährlich durchkreuzen. Die US-Armee macht mit Drohnen Jagd auf Al-Qaida-Terroristen , die bei den jemenitischen Stämmen unterschlüpfen. Der Präsident kontrolliert nur Teile des Landes.

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Der Fußballwettbewerb erzählt viel darüber, wie in Jemen Politik gemacht wird und was dabei schiefgeht. Ali Salih geht es um die Macht im Süden. Mit dem Gulf Cup erobert er Aden, die unbotmäßige Hafenstadt, zum zweiten Mal. Das erste Mal war 1994, als die Truppen des Nordens Südjemen unterwarfen und das Land gewaltsam vereinigten. Nun hat Salih – angeblich nur für den Fußball – mindestens 30.000 Soldaten in den Süden geschickt. Nord gegen Süd, das ist der bedrohlichste Konflikt in diesem Land. Können Sport und Soldaten das Land und die Welt sicherer machen?

Die Armee karrt die Fans zu Hunderten in Lastwagen heran

Anpfiff. Im Eröffnungsmatch des Gulf Cup gegen Saudi-Arabien spielen die Jemeniten furios auf. Bis zur dritten Minute. Dann setzen die Saudis einen Freistoß von der linken Seite per Kopfball ins Tor. Die Jemeniten dominieren die Mitte des Felds, aber schaffen es kaum vors saudische Tor. Die Saudis treffen erneut, am Ende steht es 4:0. Präsident Salih verzieht keine Miene, von Unmut der Fans nichts zu spüren. Für beste Stimmung im schlechtesten Fall ist gesorgt.

Das Stadion von Aden ist von einem Regiment Soldaten eingekesselt. Gegenüber an einer frisch geteerten Kreuzung steht eine weiße Säule, gekrönt von einem Blütenkelch, in dem ein Fußball ruht. Davor Panzerfahrzeuge und Soldaten, Zivilisten sind nicht zu sehen. Die Gegend, ein ehemaliges Industriegebiet, ist weiträumig abgeschirmt. Der Regimentskommandeur sitzt mit Dreitagebart auf einem Plastikstuhl in einer offenen Garage, den Stiefel auf einem Munitionskasten, die entsicherte Kalaschnikow auf den Beinen. »Gucken ist erlaubt«, sagt er. Aber »keine Fotos!«. Aus gutem Grund.

Leser-Kommentare
  1. danke

    gms

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