Bernd das Brot , Grimme-Preis-gekrönter Star des Kinderfernsehens, ist für seine klugen Sprüche bekannt, aber selten passten sie so gut wie in diesen Tagen. Mit seinen Klassikern »Mist!« und »Holt mich hier raus!« dürften sich in Erfurt derzeit einige Mitarbeiter bei MDR und Kinderkanal identifizieren können.

Insgesamt etwa vier Millionen Euro soll der zweite Mann des Kika in den vergangenen fünf Jahren mit fingierten Rechnungen auf die Seite gebracht haben. Das ist eine erste vorsichtige Schätzung, es könnte weniger, allerdings auch deutlich mehr sein. Einigermaßen sicher ist, dass es sich um einen der größten Betrugsfälle in der Geschichte des öffentlich-rechtlichen Fernsehens handelt.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt, Marco K. sitzt in Untersuchungshaft, und nicht nur in Erfurt müssen sich Verantwortliche fragen lassen: Wie ist so etwas möglich? Wieso haben die Kontrollsysteme wieder versagt?

Der Mitteldeutsche Rundfunk, der beim Kika federführend ist, hat erst vor einem Jahr die Ermittlungen zu einem größeren Korruptionsfall abgeschlossen – der damalige Sportchef Wilfried Mohren hatte Sendezeiten verschachert. Danach sollten die Vorkehrungen gegen Betrug verschärft werden, und das Vieraugenprinzip sollte für alle größeren finanziellen Belange gelten. Dumm nur, dass beim Kika für die Umsetzung der strengeren Richtlinien ausgerechnet Marco K. zuständig war. Er konnte das System so mitgestalten, wie es ihm passte.

Allerdings wurde er über die Jahre vorsichtiger. K. konnte als Vertreter des Kika-Chefs Aufträge in Höhe von bis zu 500.000 Euro ohne Erlaubnis eines Vorgesetzten vergeben, machte davon aber kaum Gebrauch, wie es aus dem Haus heißt. Er stückelte die Summen lieber in unauffällige Beträge im 10.000er-Bereich, zuletzt sollen sie immer kleiner geworden sein. Sein Komplize, Geschäftsführer einer Berliner Produktionsfirma, die mittlerweile insolvent ist, musste sich offenbar nach den Spielregeln des Kika-Mannes richten. Anfangs wurde hälftig geteilt, später soll der Zulieferer nur noch 40 Prozent bekommen haben. Einmal gab es sogar einen anonymen Hinweis auf den Betrug, allerdings traf es die falsche Firma, die Sache wurde fallen gelassen. Aber dem Gehilfen von K. wurde es trotzdem zu heiß: Durch seine Selbstanzeige flog nun alles auf.

Marco K. war seit 1996, den Gründungstagen des Kika, im Sender gewesen, er hatte zuvor Film- und Fernsehwirtschaft studiert und beim Fernsehen der DDR sowie beim MDR gearbeitet. Die Leser der Thüringer Allgemeinen wählten ihn vergangenes Jahr in den Kreis der hundert wichtigsten Persönlichkeiten ihres Bundeslandes. Der 43-Jährige galt als guter Herstellungsleiter, wenn man ehemaligen Mitarbeitern glauben darf. Er könne nur das Beste über ihn berichten, sagt einer, der Jahre für den Sender gearbeitet hat. Er sei ein fairer und gerechter Manager gewesen, sagt ein anderer, er habe durchaus mal durchgegriffen, wenn es nötig gewesen sei, und sehr auf den Pfennig geachtet.

Unauffällig war Marco K. nicht. Mit dem Leiter der redaktionellen Abteilung hat es offenbar so oft gekracht, dass der damalige Chef einen Vermittler einschaltete. Es soll zudem schon vor Jahren ein schriftlich festgehaltenes Personalgespräch gegeben haben, in dem der damalige Leiter des Kika, Frank Beckmann, K. auf seine Spielleidenschaft ansprach. K. soll versichert haben, dass er alles im Griff habe. Beckmann, der mittlerweile als Fernsehdirektor beim NDR arbeitet, will sich mit Blick auf das laufende Verfahren nicht äußern.