Marokko: Ein Hauch von Koriander
Die Altstadtbewohner von Fès betten ihre Gäste auf Brokat und verwöhnen sie mit Leckereien vom Markt.
© Xurxo Lobato /Getty images

In der Altstadt gehen Frauen an dem Stand eines Orangenhändlers vorbei
Die Schneckensuppe hat Monsieur am Ende zum Glück vergessen. Gleich am ersten Tag hatte ich auf dem Markt die Körbe mit den lebenden Kriechtieren bemerkt und den Fehler gemacht, danach zu fragen. »Morgen müssen Sie probieren«, sagte Monsieur Lazrak, und er sagte es noch zwei weitere Tage, doch nie war genügend Zeit. So ist mir der dickliche Sud aus Schleimgetier erspart geblieben. Er hätte auch nicht mehr in meinen Magen gepasst.
Allah nehme deine Eltern ins Paradies auf, sagt Monsieur, sei ein islamischer Segen. Man spricht ihn aus, wenn jemand sich wohlerzogen benimmt. Allah also nehme Monsieur Lazraks Eltern ins Paradies auf, denn er hat mich mit so vielen Wohltaten bedacht, wie sie mir lange nicht widerfahren sind. Zunächst nahm er mich in sein Haus auf. Ein Riad. Das heißt: marokkanische Architektur und Kunstfertigkeit auf höchstem Niveau. Stuck und italienischer Marmor, Mosaike und geschnitzte Holzdecken. Schmiedeeiserne Fensterläden. Das alles mit muslimischer Wohnkultur. Ein verschlungener Eingang zum Schutz der Privatsphäre. Zum Innenhof gerichtete Fenster und Balustraden. Das Dach in 25 Meter Höhe.
- Anreise
Zum Beispiel mit der neuen Verbindung von Air Arabia (www.airarabia.com) ab Köln/Bonn. Ein Visum ist nicht erforderlich. Am Flughafen stehen mehrsprachige Taxifahrer, der aktuelle Preis für eine Fahrt in die Stadt ist auf einem Schild vermerkt. Vor dem Flughafen fährt außerdem ein Linienbus in die City ab.
- Unterkunft
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Riad Ibn Khaldoun, 7 Derb Sefli Mokhfia Rcif, Tel. 00212-661/174151 (die Handynummer von Herrn Lazrak) oder 00212-535/621155, www.riad- ibnkhaldoun.com. Übernachtung mit marokkanischem Frühstück ab 70 Euro pro Person.
Homestay und Aufenthalt in einem Riad sind am einfachsten beim Marokkanischen Fremdenverkehrsamt zu buchen. Es gibt, je nach Preis, verschiedene Kategorien. Manche der Häuser sind sehr einfach, und die Gäste teilen auch das Bad mit den Bewohnern. Riads im oberen Preissegment haben Spa und Hamam. Wer nicht in der Medina wohnen möchte, findet auch in der Neustadt palastähnliche Unterkünfte mit Familienanschluss, zum Beispiel die Villa Dar Ziryab mit antiken Textilien. Nouvelle Ville, 2 Rue Ibn Badis, Tel. 00212-535/621561, www.darziryab.com
- Literatur
Driss Chriabi: »Ermittlungen im Landesinneren«; Lenos Verlag, Basel 2007; 284 S., 9,95 €
- Auskunft
Marokkanisches Fremdenverkehrsamt, Tel. 0211/370551, www.visitmorocco.com
Dann bettete Monsieur mich auf Brokat, aus diesem nämlich war die Decke über meinem Bett. Er servierte mir so viele Köstlichkeiten, dass ich ungelogen in drei Tagen drei Kilo zunahm. Ich aß Pasteten, die waren mit Täubchen gefüllt, und oben auf dem knusprigen Teig waren Zimt und Puderzucker gestreut.
Einmal entreißt Monsieur einem Arbeiter seine Suppe, damit ich sie probiere
»Aber bitte, essen Sie doch«, sagt Monsieur wieder und wieder, also greifen meine Hände, auch ohne hungrigen Magen, in den dampfenden Couscous mit Arganöl, dem angeblich besten Öl der Welt. Ich esse, nein, ich speise – denn Monsieur Lazraks Haus ist von wirklich königlicher Eleganz – gesalzene Krapfen zum Frühstück, dazu Honigpfannkuchen und Maisbrot. Zum Mittag Linsen mit Koriander und Auberginen mit Kreuzkümmel und Nüssen. Wenn wir gemeinsam die Stadt erkunden, drückt mir Monsieur Datteln und Feigen, Aprikosen, Mandeln und Nougat in die Hand, kauft mir Gebäck, das liebliche Namen wie »Gazellenhorn« oder »Liebesbriefchen« trägt. Einmal entreißt er gar einem Arbeiter seine Suppe, damit ich sie probiere. Wenn ich nicht esse, trinke ich süßen Pfefferminztee, der in meinem Bauch warmes Glück verbreitet.
Weil ich gar so jammere, ich könne mich vor lauter Essen nicht mehr rühren, und Herrn Lazrak das deutsche Wort »Fresskoma« beibringe, lässt er mir mitleidig einen Salat aus Malvenblättern bereiten, das soll die Verdauung erleichtern. Die honigsüße Klebrigkeit in meinem Mund verhindert sogar, dass ich Monsieurs Thesen von der Rolle der Frau im Islam widersprechen kann, und vielleicht ist das auch gut so, denn ich bin schließlich in einem Land, in dem die Regeln der Gastfreundschaft heilig sind. Aus dieser Gastfreundschaft heraus schenkt mir Monsieur Öle aus Amber und Sandelholz, lederne spitze Schuhe, die er Babuschen nennt, überreicht mir Tütchen mit Safran und das marokkanische Gewürz Ras El Hanout, ja, sogar den wilden Majoran, dessen Geruch ich so schön fand, packt er in eine bewässerte Tüte, damit ich ihn zu Hause in meinen Garten einpflanzen kann.






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In der Medina gehen Frauen gehen an dem Stand eines Orangehändlers vorbei
Ist das arabische Grammatik? Ich meine da ist ja offensichtlich gar keine Grammatik drin, also entweder ist das chinesisch oder arabisch?
Aber finde es super das ihr die Leute dazu animiert dort Urlaub zu machen. Ist fuer den Steuerzahler wohl guenstiger als eine Direktimpfung!
Auf Marokko und seine Kultur!
Wie hiessen denn die Germanenstaemme die sich da mal angesiedelt haben? Will man denen eventuell finanziell unter die Arme greifen?
MEGAmind
...sollte diese auch beherrschen, wenn er schon den Flüchtigkeitsfehler der Autorin kritisiert. Oder war dieser nur der Aufhänger, um die eigene pessimistische Weltsicht herauszuposaunen?
...sollte diese auch beherrschen, wenn er schon den Flüchtigkeitsfehler der Autorin kritisiert. Oder war dieser nur der Aufhänger, um die eigene pessimistische Weltsicht herauszuposaunen?
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Sachliche Kritik an Artikelinhalten ist jederzeit willkommen. Wir bitten jedoch auf Unterstellungen und persönliche Anfeindungen zu verzichten. Danke, die Redaktion/fk.
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Wohlan.
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