Grüne Gentechnik "Hast Du schon gegessen?"

Jahrelang hat die chinesische Regierung die Pflanzengenetik vehement gefördert. Jetzt wächst der Widerstand gegen gentechnisch veränderte Nahrungsmittel

Reisterrassen in der Provinz Yunnan im Südwesten Chinas.

Reisterrassen in der Provinz Yunnan im Südwesten Chinas.

Es sollte durchaus einen Dialog über die Grüne Gentechnik geben auf dem Symposium an der Huazhong Agricultural University in Wuhan, aber ganz so viel Dialog war doch nicht geplant: Während die Wissenschaftler diskutierten, wie sie ihre Forschung kommunizieren könnten, stürmten Gentechnikgegner das Forum. Eilig wurde eine Sondersitzung organisiert, auf der Bürger ihre Fragen stellen konnten. »Wenn ich Genreis esse, wachsen mir Flügel, oder?«, wollte ein Schulkind von den Forschern wissen. Und ein Mann fragte besorgt, ob der gentechnisch veränderte Reis den Spermien schade.

Anders als man im Westen vermuten mag, ist einer wachsenden Zahl von Chinesen keineswegs egal, ob sie Pflanzen mit verändertem Erbgut verspeisen – und sie sagen das überraschend deutlich. Seit die Regierung im vergangenen Herbst Biosicherheitslizenzen für zwei transgene Reissorten vergeben hat, die an der Huazhong-Universität entwickelt worden waren, ist in China eine Debatte über die Grüne Gentechnik entbrannt.

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Neben der Sicherheit ist immer wieder auch die ablehnende Haltung vieler europäischer Länder ein Argument: Gentechnik könnte dem Image Chinas schaden, fürchten einige Kritiker. 50 Forscher, vor allem aus den Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, veröffentlichten eine Petition gegen die Kommerzialisierung von gentechnisch veränderten Pflanzen. Und sogar das staatliche Magazin Liaowang stellte die Technologie infrage.

»Es gibt eine starke Opposition«, sagt der Wissenschaftsjournalist Jia Hepeng, der das Symposium in Wuhan organisiert hat. »Viele Ängste beruhen aber auf Gerüchten.« So wollten Bauern beobachtet haben, dass in der Nähe eines Genmais-Feldes Ratten weniger Junge bekommen hätten. Das weckt eine in China tief sitzende und weit verbreitete Furcht: Ist womöglich die Zeugungsfähigkeit in Gefahr? »Die Forscher müssen besser kommunizieren, was Grüne Gentechnik ist. Sie müssen die Bedenken der Leute ernst nehmen«, fordert Jia. »Und auch die Gegner müssen ihre Behauptungen wissenschaftlich belegen.« Der Chefredakteur der Science News, des Magazins der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS), sprach in einem Artikel das heikle Thema an: »Let’s talk about biotech.«

Die chinesische Regierung hat die Grüne Gentechnik mit Macht vorangetrieben. »Um das Ernährungsproblem zu lösen, müssen wir auf große Wissenschafts- und Technologieprojekte setzen, auf Biotechnologie und auf Gentechnik«, sagte Premierminister Wen Jiabao im Jahr 2008. China ist inzwischen nach den USA die zweitwichtigste Nation auf diesem Forschungsfeld und das Land mit der sechstgrößten Anbaufläche für transgene Pflanzen. Vor zwei Jahren startete die Regierung ein neues Forschungsprojekt für 3,5 Milliarden Dollar. Dabei geht es wieder einmal auch um zizhu chuangxin – »eigenständige Innovation«, nach dem Motto: Wenn Grüne Gentechnik in China, dann Grüne Gentechnik aus China.

Tatsächlich war China das erste Land überhaupt, das eine gentechnisch veränderte Pflanze kommerziell nutzte: 1992 begann es, Tabak anzubauen, der gegen das Tabakmosaik-Virus resistent war. Seit 1997 pflanzen chinesische Bauern Baumwolle, die mit eingeschleusten Genen Insektengifte produziert; inzwischen wächst sie auf 60 Prozent der Baumwollfelder. In Feldversuchen werden gegenwärtig transgene Varianten von Reis, Weizen, Mais, Sojabohnen, Kartoffeln, Raps, Erdnüssen, Kohl, Melonen und Chili getestet. Auf dem Markt sind bisher Tomaten, Paprika und Papayas sowie Sojaöl, das aus importierten Bohnen hergestellt wird.

Leser-Kommentare
    • joG
    • 21.12.2010 um 14:37 Uhr

    ..... Bauern beobachtet haben, dass in der Nähe eines Genmais-Feldes Ratten weniger Junge bekommen hätten."

    Also letztlich so wie bei uns.

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    Ihr Kommentar bringt die Situation auf den Punkt.

    Frohe Weihnachten

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    Frohe Weihnachten

  1. bei der Sache ist ja, dass man etwaige Auswirkungen auf die langfristige Zukunft nicht feststellen kann. Daher sollte man das Genzeug so lange vom Markt verbannen, bis man sich ihrer Auswirkungen sicher sein kann.

    • Isaidy
    • 21.12.2010 um 15:17 Uhr

    sind auch hierzulande die wenigsten wirklich stichhaltig darüber informiert, wo der Schaden und wo der Nutzen der Gentechnik liegt. Auch hier ist der Glaube weit verbreitet, genbehandelte Pflanzen würden direkten negativen Einfluss auf den menschlichen Organismus haben. Sachliche Aufklärung ist hüben wie drüben von Nöten, um Menschen darüber aufzuklären, welche Chancen und Risiken bestehen. Meinungsbildung sollte immer erst nach umfassender Information entstehen und nicht aufgrund von Panikmache oder blindem Enthusiasmus. Deutschland hat China wahrscheinlich voraus, dass jedermann hier in der Lage ist, sich umfangreich und damit relativ objektiv mit diesem Thema auseinanderzusetzen, bevor er aufgrund von diffusen Ängsten zur Demo geht.

  2. ist ein samenmonopol. der beginn waren hybridsamen, und jetzt geht es weiter. warum wohl, versuchen amerikanische konzerne pflanzenpatente auf pflanzen anzumelden, die sie zuvor aus anderen ländern gestohlen haben?

  3. Na sowas! Jetzt hatten wir die Eroberung des Planeten so schön unter uns aufgeteilt und jetzt wollen die Chinesen mitmischen?? Unerhört!
    Es wäre in der Tat nützlich einmal über das Ziel der grünen Gentechnologie zu informieren. Es geht nicht um die Erzeugung resistenter Nutzpflanzen, die das Hungerproblem der Welt lösen. Es geht um die Patentierbarkeit der Biomasse! Ich kann nur die Lektüre der Publikationen des alternativen Nobelpreisträgers Pat Mooney empfehlen: z. B. au der Webseite der Organisation etcgroup: http://www.etcgroup.org/e...

  4. Ich habe nach dem Genuß von gentechnisch verändertem Reis auch Angst um meine Zeugungsfähigkeit!

  5. Jakob Bauer nur Recht geben. Abgesehen davon, dass es viel zu riskant ist, unterstützte man nur Verbrecher wie Monsanto und co.
    Diejenigen, die den Molekularbiologen glauben die noch nie über den Rand ihrer Zellen hinausgeschaut haben, scheinen mir relativ realitätsfern. Stattdessen sollte man lieber Leute fragen, die tatsächlich Ahnung von Natur haben, z.B. Schamanen. Diese sagen hierzu:

    http://schamanismus.org/t...

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  6. Die Schädlinge werden nach ein paar Jahren resistent gegen die genveränderten Pflanzen. Siehe auch hier über Untersuchungen in Labors.

    Die Chinesen, die nach Auswirkungen auf ihren Körper fragen liegen genau richtig. Niemand kennt die Auswirkungen. Sicher ist nur, dass die menschliche DNA langfristig überleben wird, die die besten genetischen Voraussetzungen mitbringt, um sich an die neuen Chemikalien in den Genpflanzen anzupassen. Das alt bekannte evolutionäre Prinzip. Wirkt bei Chinesen und auch bei allen Nicht-Chinesen.

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