Antisemitismus Die Angst sitzt tief

In den Niederlanden haben Juden keine Zukunft.

Mitglieder der progressiven jüdischen Beit Ha Chidush-Gemeinde in Amsterdam

Mitglieder der progressiven jüdischen Beit Ha Chidush-Gemeinde in Amsterdam

Außerhalb der Niederlande ist der Politiker Frits Bolkestein als ehemaliger EU-Kommissar bekannt. Innerhalb der Niederlande kennen wir ihn als einen eigensinnigen Denker, als einen der wenigen seriösen liberalkonservativen Intellektuellen, die wir haben. Nun hat Bolkestein in einem Gespräch mit dem aus den Niederlanden stammenden israelischen Publizisten Manfred Gerstenfeld suggeriert, dass Juden, die »erkennbar« wie Juden aussähen, in den Niederlanden keine Zukunft mehr hätten. Eine derartige Äußerung lässt die Medien und die Juden in unserem Land nicht ungerührt. Die Frage ist: Hat Bolkestein recht, und wenn ja, was muss die niederländische Gesellschaft tun, damit die letzten Juden, die es noch in den Niederlanden gibt, vor Judenhass bewahrt bleiben?

Wie der Zufall es will, schreibe ich diese Zeilen in Westerbork, einem kleinen Ort in der Provinz Drenthe. Vom Frühstücksraum meines Hotels blicke ich auf die in Lichterglanz getauchte Dorfstraße – eine wohlhabende niederländische Gemeinde an einem außergewöhnlich schönen Wintermorgen in Erwartung der ersten Sonnenstrahlen. Nachher werde ich ins Museum des einstigen Durchgangslagers Westerbork gehen, auf der Suche nach Spuren meiner Großeltern, den Geschwistern meiner Eltern und deren Kindern. Ihnen konnte die niederländische Gesellschaft keine Zukunft bieten. Sie wurden deportiert, zunächst nach Westerbork, dann in den Osten, wer weiß, wohin. Dort wurden sie ermordet.

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Leon de Winter

Der 56-Jährige Niederländer ist Schriftsteller, Drehbuchautor und Filmregisseur. Er lebt in Amsterdam. Zuletzt erschien sein Roman »Das Recht auf Rückkehr«

Die Kosten für den Transport hat die niederländische Bahn fein säuberlich dem niederländischen Staat in Rechnung gestellt. Über Westerbork verschwanden rund achtzig Prozent aller niederländischen Juden. Wer also heute von niederländischen Juden spricht, hat Sinn für Ironie. Von jüdischem Leben kann in den Niederlanden kaum noch die Rede sein. Dennoch reagierte ein prominenter niederländischer Jude, mit dem ich mich vor wenigen Tagen über Bolkesteins Ausreiseempfehlung an die Juden unterhielt, sehr aufgebracht, als ich Bolkestein beipflichtete.

Es sei doch gerade ein Wiedererwachen jüdischen Lebens in Amsterdam zu verzeichnen, meinte er, man habe eine neue Synagoge eröffnet, die jüdische Schule zähle mehrere Hundert Schüler, das alles seien doch Zeichen der Hoffnung. Was er allerdings verschwieg, sind die starken Sicherheitsvorkehrungen, die hohen Zäune rund um die Synagoge und die Schule. Unerwähnt ließ er auch, dass antisemitische Übergriffe weit häufiger vorkommen als antiislamische, obwohl die Zahl der Muslime in den Niederlanden 30-mal so groß ist wie die der Juden.

Wer sind die neuen Antisemiten in den Niederlanden? Versprengte Grüppchen vorgestriger Neonazis hat es von jeher gegeben, aber die neuen Antisemiten sind junge niederländische Muslime, Kinder marokkanischer Immigranten. Sie sind Berber, behaupten aber, für die arabischen Brüder einzutreten, die von den Juden ermordet wurden. Die Juden sind in ihren Augen die neuen Nazis – wo doch die Nazis nie Juden umgebracht haben, da ja der Holocaust nie stattgefunden hat, sondern nur von den Zionisten erfunden wurde, um die Welt erpressen und die Muslime ihres wunderschönen Palästinas berauben zu können. Diese islamistischen Jugendlichen sind von dem in Bann gezogen, was arabische Sender via Satellit auf europäische Flachbildschirme projizieren. Auf der Suche nach einer Gruppenidentität, die sie von ihrem niederländischen Umfeld abhebt und eine Erklärung für ihr Scheitern in der Gesellschaft und für die rückständige Bildung und Kultur ihrer Eltern bietet, haben sie Zuflucht zur funkelnagelneuen Mythologie vom mutigen palästinensischen Aufstand gegen die teuflischen Juden genommen, die sogar die Haie im Roten Meer so zu manipulieren verstehen, dass es dem Tourismus in Ägypten schadet. Die Rhetorik des Nahen Ostens ist zu einem festen Bestandteil der Pöbeleien auf niederländischen Straßen geworden.

Leser-Kommentare
  1. und Erinnerung, an all unsere Verantwortung unabhaengig von Geschichte oder Herkunft... Leider haben sich schon zu viele von diesem Grundkonsens entfernt...

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    • joG
    • 21.12.2010 um 15:00 Uhr

    ....als ehrlich und sehr, sehr traurig. Wissen tut man das alles doch schon lange und das Bekannte erschrickt nicht mehr. Es ist wahr, wir wollen nicht hören, dass die Menschen hier gefährlich xenophob sind. Sagt man das, so wird man nieder geschrien, wie kürzlich hier im Forum. Aber erschrecken darf der bekannte Inhalt nicht. Oder ist es erschreckend, dass ein glaubwürdiger Jude so etwas sagt?

    In der Tat!
    Und zwar von denjenigen, die den Rechtsstaat immer weiter aushöhlen. Würde man die bestehenden Gesetzte zum Schutz des Staates und unserer Demokratie konsequent anwenden und bei Bedarf maßvoll ergänzen, hätten wir die oben angesprochenen Probleme in weit geringerem Maße - in ganz Europa. Konkret meine ich die konsequente Verfolgung und harte Bestrafung von Straftaten, die die oben beschriebenen Verhaltensweisen ja meist darstellen, auch und gerade mit antisemitischem Hintergrund. Falls die arabischen Sender, die in Europa empfangen werden können antisemitische Inhalte und/oder zur Abschaffung von Demokratie und Rechtsstaat aufrufen muß deren Empfang verhindert werden, auch im Internet. Falls Imame in den Moscheen solche Aussagen machen, gehören sie ebenfalls angeklagt und verurteilt, wenn möglich ausgewießen. Die Liste ließe sich fortsetzten.
    Stattdessen wird unter dem Deckmantel einer falschverstandenen Toleranz das Verhalten, das diese Jugendlichen an den Tag legen, noch gefördert. Durch mildeste Urteile bei Gericht, durch eine verständnisvolle Presse, auch und gerade in dieser ZEITung, durch überbordende staatliche Fürsorge usw.
    Zu Schluß werden dann alle zum Opfer. Demokratie, Rechtsstaat, unser Wohlstand, die Juden, die Christen, wir alle. Nicht zuletzt die oben beschriebenen Jugendlichen, denen durch die bewußte Förderung ihrer Verwarlosung jede Chance auf ein selbstbestimmtes Leben in selbsterarbeitetem Wohlstand verwehrt wird.

    • joG
    • 21.12.2010 um 15:00 Uhr

    ....als ehrlich und sehr, sehr traurig. Wissen tut man das alles doch schon lange und das Bekannte erschrickt nicht mehr. Es ist wahr, wir wollen nicht hören, dass die Menschen hier gefährlich xenophob sind. Sagt man das, so wird man nieder geschrien, wie kürzlich hier im Forum. Aber erschrecken darf der bekannte Inhalt nicht. Oder ist es erschreckend, dass ein glaubwürdiger Jude so etwas sagt?

    In der Tat!
    Und zwar von denjenigen, die den Rechtsstaat immer weiter aushöhlen. Würde man die bestehenden Gesetzte zum Schutz des Staates und unserer Demokratie konsequent anwenden und bei Bedarf maßvoll ergänzen, hätten wir die oben angesprochenen Probleme in weit geringerem Maße - in ganz Europa. Konkret meine ich die konsequente Verfolgung und harte Bestrafung von Straftaten, die die oben beschriebenen Verhaltensweisen ja meist darstellen, auch und gerade mit antisemitischem Hintergrund. Falls die arabischen Sender, die in Europa empfangen werden können antisemitische Inhalte und/oder zur Abschaffung von Demokratie und Rechtsstaat aufrufen muß deren Empfang verhindert werden, auch im Internet. Falls Imame in den Moscheen solche Aussagen machen, gehören sie ebenfalls angeklagt und verurteilt, wenn möglich ausgewießen. Die Liste ließe sich fortsetzten.
    Stattdessen wird unter dem Deckmantel einer falschverstandenen Toleranz das Verhalten, das diese Jugendlichen an den Tag legen, noch gefördert. Durch mildeste Urteile bei Gericht, durch eine verständnisvolle Presse, auch und gerade in dieser ZEITung, durch überbordende staatliche Fürsorge usw.
    Zu Schluß werden dann alle zum Opfer. Demokratie, Rechtsstaat, unser Wohlstand, die Juden, die Christen, wir alle. Nicht zuletzt die oben beschriebenen Jugendlichen, denen durch die bewußte Förderung ihrer Verwarlosung jede Chance auf ein selbstbestimmtes Leben in selbsterarbeitetem Wohlstand verwehrt wird.

  2. Ein sehr interessanter Artikel. Dankeschön dafür.
    Der Inhalt läßt mich als Leser verstört zurück. Sollte es im Nachbarland tatsächlich derartige Zustände geben?

    Ich kann es nicht beurteilen, doch wenn es so stimmen sollte, wie der Autor es schildert, so stellt dies für mich einen weiteren traurigen Beweis dafür dar, wie wenig gebildet die menschliche Seele an vielen Orten auf der Welt doch ist.

    Junge Menschen, die sich Institutionen anschliessen, um dadurch eine Scheinidentität zu bekommen, sind grundsätzlich schon keine gute Sache. Doch wenn diese Institution dann auch noch Hass auf andere, fremde Menschen schüren, dann empfinde ich dies als wirklich bitter.

    Einen Ansatz zur Lösung stellt sicher, wie im Text angeschnitten, die Sanktionierung durch die Gesellschaft dar. Massive Reaktionen auf Veranstaltungen aus dem rechten Milieu sind in Deutschland ja oft anzutreffen.

    Den längeren Weg stellt die schon angesprochene Seelenbildung der hier angesprochenen jungen Muslime dar. Doch ob die niederländische Gesellschaft die Einsicht und auch die Kraft besitzt, hier zu wirken, vermag ich nicht zu sagen. Für Deutschland wäre ich bei dieser Art der Lösung jedenfalls mehr als skeptisch....

  3. Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit sachlichen und konstruktiven Argumenten an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/ag

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    • McLove
    • 21.12.2010 um 16:07 Uhr

    oder habe ich sie jetzt "missverstanden"?

    • McLove
    • 21.12.2010 um 16:07 Uhr

    oder habe ich sie jetzt "missverstanden"?

  4. Nicht die Juden haben keine Zukunft mehr in den Niederlanden. Es ist vielmehr dafür zu sorgen, dass antisemitische Umtriebe junger Muslime keinen Platz mehr finden. In Extremis geht das bis hin zur Ausweisung einzelner oder ganzer Familien. Wenn einer Sippe die Rückführung droht, dann werden die Familienoberhäupter ihre Sprösslinge sicher schnell Mores lehren

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    ...nur leider können sie einen Niederländer nicht aus den Niederlanden ausweisen. Vielleicht machen Sie sich mal Gedanken, die etwas über diesen eindimensionalen "Ausweisen" Horizont hinausgehen.

    Sie wollen also Antisemitismus wirklich mit Sippenhaft und Deportation bekämpfen? Herzlichen Glückwunsch zu dieser geistigen Meisterleistung.

    Ihr Zitat:
    "Wenn einer Sippe die Rückführung droht, dann werden die Familienoberhäupter ihre Sprösslinge sicher schnell Mores lehren"

    Ihr Vorschlag löst aber das Problem nicht, sondern verschiebt es weiter in die Zukunft. Die "Sprösslinge" werden angehalten sich ruhig zu verhalten bis sich eine bessere Gelegenheit anbietet, wenn z.B. der Polizeichef ein Verwandter ist oder ähnl. .
    Es muss mehr auf Aufkrärung gesetzt werden. Das alleine hilft aber auch nichts wenn parallel in der Muttersprache Hetze über Satellit gesendet wird.

    Na ja, Staatsbürgerschaft aberkennen wäre eine gute Methode.
    Jede Nation hat das Recht sich zu wehren. Darüber sollte man in Deutschland auch allmählich nachdenken.

    ...nur leider können sie einen Niederländer nicht aus den Niederlanden ausweisen. Vielleicht machen Sie sich mal Gedanken, die etwas über diesen eindimensionalen "Ausweisen" Horizont hinausgehen.

    Sie wollen also Antisemitismus wirklich mit Sippenhaft und Deportation bekämpfen? Herzlichen Glückwunsch zu dieser geistigen Meisterleistung.

    Ihr Zitat:
    "Wenn einer Sippe die Rückführung droht, dann werden die Familienoberhäupter ihre Sprösslinge sicher schnell Mores lehren"

    Ihr Vorschlag löst aber das Problem nicht, sondern verschiebt es weiter in die Zukunft. Die "Sprösslinge" werden angehalten sich ruhig zu verhalten bis sich eine bessere Gelegenheit anbietet, wenn z.B. der Polizeichef ein Verwandter ist oder ähnl. .
    Es muss mehr auf Aufkrärung gesetzt werden. Das alleine hilft aber auch nichts wenn parallel in der Muttersprache Hetze über Satellit gesendet wird.

    Na ja, Staatsbürgerschaft aberkennen wäre eine gute Methode.
    Jede Nation hat das Recht sich zu wehren. Darüber sollte man in Deutschland auch allmählich nachdenken.

  5. dieses in Deutschland gängige Mantra wird "die neuen Antisemiten ... junge niederländische Muslime, Kinder marokkanischer Immigranten" nun so ganz und gar nicht beeindrucken.

    Es ist nun mal ein Fakt, dass Araber/Muslime und Juden im Nahen Osten erhebliche Konflikte haben, da muss man doch gar nicht den historischen europäischen Antisemitismus berufen, um den Transport dieser Konflikte in diverse Gastländer nachvollziehen zu können.

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    Er engagiert sich als niederländischer Jude für die Belange der israelischen Rechts- Partei Likud (oder Likoed, wie es in NL heißt) mit ihrer araberfeindlichen, jüdisch-suprematistischen Ideologie.
    Dann dürfte er sich eigentlich nicht wundern, dass niederländische Muslime sich für die Belange der von Israel unterdrückten und ihrer Rechte sowie ihres Landes beraubten arabischsprachigen Bevölkerung Palästinas engagieren. Dabei empfinden beide Seiten völlig zu Recht die Unterstützer der Feinde ihrer Brüder/Freunde ebenfalls als Feinde. So weit, so logisch.
    Natürlich entschuldigt dies nicht willkürliche Übergriffe auf irgendwelche Personen, die man für Juden hält.
    Aber genauso wie Unterstützer von Hamas in Europa mit (staatlichen) Sanktionen rechnen müssen, müssen dies auch Unterstützer der israelischen Unrechtspolitik und großenteils die Wohnbevölkerung treffender, tausendfach tödlicher militärischer Strafaktionen Israels. Das ist der Preis, den man als Aktivist für jeweils eine Seite im Mittlerer Osten zu zahlen bereit sein muss.

    Reallast schreibt: "Es ist nun mal ein Fakt, dass Araber/Muslime und Juden im Nahen Osten erhebliche Konflikte haben, da muss man doch gar nicht den historischen europäischen Antisemitismus berufen, um den Transport dieser Konflikte in diverse Gastländer nachvollziehen zu können."

    Diese einseitige Ableitung der Judenfeindlichkeit von Muslimen, die in Europa leben, vom Israel-Konflikt ist leider typisch. In Wirklichkeit speist sich der islamische Judenhass wie auch der deutsche zum großen Teil aus der Rolle der Juden als Modernisierer. So heißt es bei Sayyid Qutb, einem berühmten islamistischen Ideologen:

    "Hinter der Doktrin des atheistischen Materialismus steckte ein Jude; hinter der Doktrin der animalistischen Sexualität steckte ein Jude und hinter der Zerstörung der Familie und der Erschütterung der geheiligten Beziehungen in der Gesellschaft steckte ebenfalls ein Jude."

    Mit dem Juden, der hinter der „animalistischen Sexualität“ steckt, ist Sigmund Freud gemeint, dessen Bücher von europäischen Antisemiten bekanntlich verbrannt wurden.

    Deshalb wären viele marokkanische Jugendliche in den Niederlanden auch ohne Israel-Konflikt antisemitisch.

    Er engagiert sich als niederländischer Jude für die Belange der israelischen Rechts- Partei Likud (oder Likoed, wie es in NL heißt) mit ihrer araberfeindlichen, jüdisch-suprematistischen Ideologie.
    Dann dürfte er sich eigentlich nicht wundern, dass niederländische Muslime sich für die Belange der von Israel unterdrückten und ihrer Rechte sowie ihres Landes beraubten arabischsprachigen Bevölkerung Palästinas engagieren. Dabei empfinden beide Seiten völlig zu Recht die Unterstützer der Feinde ihrer Brüder/Freunde ebenfalls als Feinde. So weit, so logisch.
    Natürlich entschuldigt dies nicht willkürliche Übergriffe auf irgendwelche Personen, die man für Juden hält.
    Aber genauso wie Unterstützer von Hamas in Europa mit (staatlichen) Sanktionen rechnen müssen, müssen dies auch Unterstützer der israelischen Unrechtspolitik und großenteils die Wohnbevölkerung treffender, tausendfach tödlicher militärischer Strafaktionen Israels. Das ist der Preis, den man als Aktivist für jeweils eine Seite im Mittlerer Osten zu zahlen bereit sein muss.

    Reallast schreibt: "Es ist nun mal ein Fakt, dass Araber/Muslime und Juden im Nahen Osten erhebliche Konflikte haben, da muss man doch gar nicht den historischen europäischen Antisemitismus berufen, um den Transport dieser Konflikte in diverse Gastländer nachvollziehen zu können."

    Diese einseitige Ableitung der Judenfeindlichkeit von Muslimen, die in Europa leben, vom Israel-Konflikt ist leider typisch. In Wirklichkeit speist sich der islamische Judenhass wie auch der deutsche zum großen Teil aus der Rolle der Juden als Modernisierer. So heißt es bei Sayyid Qutb, einem berühmten islamistischen Ideologen:

    "Hinter der Doktrin des atheistischen Materialismus steckte ein Jude; hinter der Doktrin der animalistischen Sexualität steckte ein Jude und hinter der Zerstörung der Familie und der Erschütterung der geheiligten Beziehungen in der Gesellschaft steckte ebenfalls ein Jude."

    Mit dem Juden, der hinter der „animalistischen Sexualität“ steckt, ist Sigmund Freud gemeint, dessen Bücher von europäischen Antisemiten bekanntlich verbrannt wurden.

    Deshalb wären viele marokkanische Jugendliche in den Niederlanden auch ohne Israel-Konflikt antisemitisch.

    • joG
    • 21.12.2010 um 15:00 Uhr

    ....als ehrlich und sehr, sehr traurig. Wissen tut man das alles doch schon lange und das Bekannte erschrickt nicht mehr. Es ist wahr, wir wollen nicht hören, dass die Menschen hier gefährlich xenophob sind. Sagt man das, so wird man nieder geschrien, wie kürzlich hier im Forum. Aber erschrecken darf der bekannte Inhalt nicht. Oder ist es erschreckend, dass ein glaubwürdiger Jude so etwas sagt?

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    • th
    • 21.12.2010 um 16:26 Uhr

    Also "Hass auf die Fremden"?
    Oder nicht doch vielmehr "Hass von den Fremden"?

    Die niederländischen Juden sind keine "Fremden", sondern (zum Teil seit Jahrhunderten) Einheimische. Die jungen Araber wiederum ... aber lassen wir die Diskussion um Worte.

    Der Hass von Einwandererkindern aus Nordafrika auf die in NL einheimischen Juden ist durch nichts (auch nicht durch israelische Siedlungs- und Besatzungspolitik) gerechtfertigt - genausowenig wie der Hass deutscher Rechtsextremisten auf Einwanderer, Dunkelhäutige usw. berechtigt wäre.

    Das Dumme ist nur, dass wir uns ein Pappmodell der Gesellschaft gebaut haben, wo die Bewohner in potentielle "Täter-" und potentielle "Opfer-"Gruppen eingeteilt werden, ohne genauer hinzusehen - anstatt zu beobachten, was wirklich geschieht - und dass bei uns reflexhaftes Geschrei einsetzt, wenn jemand den "Komment" verletzt.

    Fazit: Keine Rede von "Xenophobie", wohl aber von "Rassismus" bzw. "Antisemitismus" seitens der benachteiligten Einwandererkinder. Aber das festzustellen, wird natürlich sofort als "Islamophobie" bzw. "Xenophobie" gebranntmarkt werden ...

    De Winter darf sowas in der ZEIT schreiben, Henryk M. Broder dürfte es womöglich auch, Wilders oder Sarrazin nicht. So ist die gesellschaftliche Konvention. Und die ist im Zweifelsfall wichtiger, als die Tatsachen (welche vielleicht auch von de Winter etwas übertrieben dargestellt werden - das weiss ich nicht).

    • th
    • 21.12.2010 um 16:26 Uhr

    Also "Hass auf die Fremden"?
    Oder nicht doch vielmehr "Hass von den Fremden"?

    Die niederländischen Juden sind keine "Fremden", sondern (zum Teil seit Jahrhunderten) Einheimische. Die jungen Araber wiederum ... aber lassen wir die Diskussion um Worte.

    Der Hass von Einwandererkindern aus Nordafrika auf die in NL einheimischen Juden ist durch nichts (auch nicht durch israelische Siedlungs- und Besatzungspolitik) gerechtfertigt - genausowenig wie der Hass deutscher Rechtsextremisten auf Einwanderer, Dunkelhäutige usw. berechtigt wäre.

    Das Dumme ist nur, dass wir uns ein Pappmodell der Gesellschaft gebaut haben, wo die Bewohner in potentielle "Täter-" und potentielle "Opfer-"Gruppen eingeteilt werden, ohne genauer hinzusehen - anstatt zu beobachten, was wirklich geschieht - und dass bei uns reflexhaftes Geschrei einsetzt, wenn jemand den "Komment" verletzt.

    Fazit: Keine Rede von "Xenophobie", wohl aber von "Rassismus" bzw. "Antisemitismus" seitens der benachteiligten Einwandererkinder. Aber das festzustellen, wird natürlich sofort als "Islamophobie" bzw. "Xenophobie" gebranntmarkt werden ...

    De Winter darf sowas in der ZEIT schreiben, Henryk M. Broder dürfte es womöglich auch, Wilders oder Sarrazin nicht. So ist die gesellschaftliche Konvention. Und die ist im Zweifelsfall wichtiger, als die Tatsachen (welche vielleicht auch von de Winter etwas übertrieben dargestellt werden - das weiss ich nicht).

  6. als christ stehe den juden näher als den muslimen. das hat nichts mit nazideutschland zu tun. ich habe keinem juden etwas getan. aber die zukunft liegt in meiner verantwortung. dazu muss ich die vergangenheit begreifen. aber eben nicht durch die handschuhe der ideologie sondern auf blanker haut der tatsache.

    ich erinnere mich an die tränen einer holländerin, die verstört darüber war, dass ein politiker in holland ermordet wurde. mit dem politiker war sie nicht einverstanden. die trauer galt dem menschen, der wegen seiner einstellung in ihrem holland ermordet wurde. das hat mich damals tief bewegt. mit tiefer trauer muss ich zugeben, dass ich eine solche reaktion in meinem land nicht erwarte. hier wird verbal nachgetreten, ausgeschlachtet, verharmlost und relativiert. diese frau gibt mir die hoffnung, dass es um das jüdische leben in den nederlanden nicht so schlimm bestellt ist wie hier geschildert wird. ich kenne die stimmung in holland nicht, aber ich kenne die stimmung in D. hier wird sie kippen, wenn es zu anschlägen kommt. hier wird schon lange erwartet, dass die muslime ganz klar und unmissverständlich äussern, in welcher ecke sie stehen. sie leben in meinem freien land und können sich auch so frei bewegen. es ist also nicht zuviel verlangt.

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    (ich)den juden näher als den muslimen....." Wieso das denn?
    Judentum und Islam gruenden sich auf den alten Bund mit Abraham, also auf das ALte Testament. Jesus ist fuer den Islam einer der wichtigsten Propheten. Fazit: Juden und Muslime sind uns Christen also GLEICH NAH ....Wir beten alle denselben Gott an. Deshalb verstehe ich auch die Auesserung fuehrender Politiker Deutschlands nicht, wir haetten eine christlich=juedische Kultur in Deutschland. Das stimmt kulturhistorisch einfach nicht und wirkt ausgrenzend.
    Ihre Ueberschrift: "Die Angst sitzt tief", kann ich gut nachempfinden, Herr Leon de Winter. Angst haben wir alle..leider allzuberechtigt. Vielleicht sollten Sie sich als Autor mal in Belgien oder Paris umsehen, wo es juedische Ghettos gibt, die "man" als Nichtjude lieber nicht betreten sollte, also NO=GO=AREAS. In Paris wurden meine Bekannte und ich von drei Juedinnen auf die Metrogleise beschubst, weil wir deutsch sprachen. Beaengstigend, oder.........Jede Medaille hat immer zwei Seiten, doch Hass kann nicht die Anwort sein...das weiss ich als glaeubiger Christ nur allzugut.

    Bitte kehren Sie zum eigentlichen Artikelthema zurueck. Danke. Die Redaktion/er

    Als ich mir den ersten Satz Deines Kommentars durchgelesen habe, war ich echt überrascht. Nicht, weil Dein Kommentar zutreffend ist und starke Argumente beinhhaltet, nein, weil Du im Prinzip, auch wenn unbewusst, das ausgeschrieben hast, was in den meisten europäischen (natürlich auch amerikanische / australische und alle Länder, die aus europäischen Ethnien enstammen) Köpfen unterbewusst wie ein nicht entfernbares Geschwür seit Jahrhunderten festsitzt: "als christ stehe den juden näher als den muslimen."

    Nun frage ich mich, wie man von Grund auf, objektiv über ein Problem berichten will, wenn die Meinung seit Generationen hinweg bereits voreingenommen ist. Der Islam wird von Grund auf als eine weit entfernte Welt betrachtet, der Judentum als die "Mutter" des Christentums. Nur wer hat sich schonmal die Frage gestellt, ob die Juden das Ganze ebenso sehen? Die Antwort darauf wäre nämlich schlicht und einfach "Nein". Der Judentum sieht sich NIEMANDEN zugehörig bzw. näher - eine total intollerante Haltung findet sich hier viel mehr alá "wir sind die einzig wahre Religion". Diesbezüglich verweis ich simplerweise auf den zionistischen "Staat Israel", der sich nur durch Gewalt am Leben hält, die wiederum durch totalitäre Intoleranz resultiert.

    Als Psychologe, im Bereich der kognitiven Psychologie tätig, kann ich nur sagen, dass jeder Mensch gleiche kognitive Aktivitäten aufweisen kann. Nur wenn permanent unterschwellige Feindseeligkeit verspührt wird (an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Päpste der Vergangenheit sowie ihre sehr menschlichen Aktionen, die Kreuzzüge an erster Stelle, die wohl auf ewige Zeit einiges mehr verändert haben, als so manch einer glaubt - und da spielt es überhaupt gar keine Rolle ob und wie stark jemand religiös ist: Mentalität und Kultur bleibt wie sie nunmal historisch geprägt wird), dann ist es auch gar kein Wunder, dass mit Wut im Bauch geantwortet wird. Nur ist an dieser Stelle zu beachten, dass nicht die "Muslime", oder unter welchem Decknamen man die Menschen aus "der anderen Welt" bezeichnet, sich vom Westen abgrenzen sondern der Westen von ihnen. Wie das? Durch vorprogrammierte, hintertückische, feindseelige Hetzkampagnen und gemeingefährliche Propaganda [...] eine ganz alte Art der Feindlichkeit gegenüber anderen ethnischen Gruppen; mit einem einzigen Unterschied: Durch Medien findet sich hier eine neue Art und Weise diese Feindlichkeit auszuleben, zu erweitern und gezielt einzusetzen. Erbärmlich.

    Gekuerzt. Bitte richten Sie Ihre Kritik an communitz@zeit.de. Danke. Die Redaktion/er

    (ich)den juden näher als den muslimen....." Wieso das denn?
    Judentum und Islam gruenden sich auf den alten Bund mit Abraham, also auf das ALte Testament. Jesus ist fuer den Islam einer der wichtigsten Propheten. Fazit: Juden und Muslime sind uns Christen also GLEICH NAH ....Wir beten alle denselben Gott an. Deshalb verstehe ich auch die Auesserung fuehrender Politiker Deutschlands nicht, wir haetten eine christlich=juedische Kultur in Deutschland. Das stimmt kulturhistorisch einfach nicht und wirkt ausgrenzend.
    Ihre Ueberschrift: "Die Angst sitzt tief", kann ich gut nachempfinden, Herr Leon de Winter. Angst haben wir alle..leider allzuberechtigt. Vielleicht sollten Sie sich als Autor mal in Belgien oder Paris umsehen, wo es juedische Ghettos gibt, die "man" als Nichtjude lieber nicht betreten sollte, also NO=GO=AREAS. In Paris wurden meine Bekannte und ich von drei Juedinnen auf die Metrogleise beschubst, weil wir deutsch sprachen. Beaengstigend, oder.........Jede Medaille hat immer zwei Seiten, doch Hass kann nicht die Anwort sein...das weiss ich als glaeubiger Christ nur allzugut.

    Bitte kehren Sie zum eigentlichen Artikelthema zurueck. Danke. Die Redaktion/er

    Als ich mir den ersten Satz Deines Kommentars durchgelesen habe, war ich echt überrascht. Nicht, weil Dein Kommentar zutreffend ist und starke Argumente beinhhaltet, nein, weil Du im Prinzip, auch wenn unbewusst, das ausgeschrieben hast, was in den meisten europäischen (natürlich auch amerikanische / australische und alle Länder, die aus europäischen Ethnien enstammen) Köpfen unterbewusst wie ein nicht entfernbares Geschwür seit Jahrhunderten festsitzt: "als christ stehe den juden näher als den muslimen."

    Nun frage ich mich, wie man von Grund auf, objektiv über ein Problem berichten will, wenn die Meinung seit Generationen hinweg bereits voreingenommen ist. Der Islam wird von Grund auf als eine weit entfernte Welt betrachtet, der Judentum als die "Mutter" des Christentums. Nur wer hat sich schonmal die Frage gestellt, ob die Juden das Ganze ebenso sehen? Die Antwort darauf wäre nämlich schlicht und einfach "Nein". Der Judentum sieht sich NIEMANDEN zugehörig bzw. näher - eine total intollerante Haltung findet sich hier viel mehr alá "wir sind die einzig wahre Religion". Diesbezüglich verweis ich simplerweise auf den zionistischen "Staat Israel", der sich nur durch Gewalt am Leben hält, die wiederum durch totalitäre Intoleranz resultiert.

    Als Psychologe, im Bereich der kognitiven Psychologie tätig, kann ich nur sagen, dass jeder Mensch gleiche kognitive Aktivitäten aufweisen kann. Nur wenn permanent unterschwellige Feindseeligkeit verspührt wird (an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Päpste der Vergangenheit sowie ihre sehr menschlichen Aktionen, die Kreuzzüge an erster Stelle, die wohl auf ewige Zeit einiges mehr verändert haben, als so manch einer glaubt - und da spielt es überhaupt gar keine Rolle ob und wie stark jemand religiös ist: Mentalität und Kultur bleibt wie sie nunmal historisch geprägt wird), dann ist es auch gar kein Wunder, dass mit Wut im Bauch geantwortet wird. Nur ist an dieser Stelle zu beachten, dass nicht die "Muslime", oder unter welchem Decknamen man die Menschen aus "der anderen Welt" bezeichnet, sich vom Westen abgrenzen sondern der Westen von ihnen. Wie das? Durch vorprogrammierte, hintertückische, feindseelige Hetzkampagnen und gemeingefährliche Propaganda [...] eine ganz alte Art der Feindlichkeit gegenüber anderen ethnischen Gruppen; mit einem einzigen Unterschied: Durch Medien findet sich hier eine neue Art und Weise diese Feindlichkeit auszuleben, zu erweitern und gezielt einzusetzen. Erbärmlich.

    Gekuerzt. Bitte richten Sie Ihre Kritik an communitz@zeit.de. Danke. Die Redaktion/er

  7. Der Islam sollte von Rechtsstaaten als totalitäre Ideologie verfolgt werden. Nur weil sie unter dem Adelstitel der „Religion“ auftritt, geniesst der Islam Narrenfreiheit: Gestern ein Ehrenmord, heute die Burka, morgen wieder Zwangsheirat und außerhalb Europas verfolgte, gefolterte, gesteinigte Frauen. Jeden Tag in den Nachrichten was neues.

    Bitte bemühen Sie sich um eine differenzierte Argumentation. Danke. Die Redaktion/wg

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    Da sie eine Religion und deren Angehörigen "verfolgen" wollen, stehen sie doch geistig mit den Antisemiten auf einer Stufe. Worüber regen sie sich nochmal auf?

    durch Kreuzzüge und Hexenverfolgung wurde die Christianisierung erzwungen. Bitte um Beachtung

    Da sie eine Religion und deren Angehörigen "verfolgen" wollen, stehen sie doch geistig mit den Antisemiten auf einer Stufe. Worüber regen sie sich nochmal auf?

    durch Kreuzzüge und Hexenverfolgung wurde die Christianisierung erzwungen. Bitte um Beachtung

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