Theologie Der Hofnarr der Kirche
Göttliches Wunder oder Unfug? Der Theologe Andreas Resch erforscht für den Vatikan rätselhafte Phänomene aller Art.
Er wandelte Wasser in Wein, heilte Aussätzige, erweckte Tote zum Leben und stieg schließlich selbst aus seinem kühlen Grab ins Himmelreich auf. Mirakel allesamt, mit denen Jesus aus Nazareth eine Weltreligion begründeten sollte. Am 24. Dezember feiern Christen auf der ganzen Welt die Geburt dieses Wundertäters.
Doch nicht nur Gottes Sohn verantwortete – zumindest der Heiligen Schrift zufolge – eine erkleckliche Zahl an Mysterien. Übersinnliches und rätselhafte Phänomene prägen bis heute die Geschichte der katholischen Kirche. Ganz selbstverständlich gehören Spontanheilungen, Marienerscheinungen oder Madonnenstatuen, die Blut weinen, zum fixen Arsenal jener Wunderindustrie, die auf der ganzen Welt Hunderttausende Pilger in Bewegung setzt, um an Wallfahrtsorten Zeugen des göttlichen Wirkens sein zu können. Doch was ist tatsächlich ein Wunder? Ein unerklärliches, von der Wissenschaft nicht beleg- oder widerlegbares Phänomen? Und was bloß Scharlatanerie oder gar ein Lausbubenstreich? Das Göttliche von irdischem Unfug zu scheiden – das ist die Mission von Andreas Resch.
Der 76-jährige Pater ist Spezialist für alles, was über weltliche Sphären hinausreicht. Grenzerfahrungen sind sein Metier. Ob Stigmata, Erscheinungen oder Prophezeiungen – wenn die katholische Lehre mit ihrem Latein am Ende ist, fängt seine Arbeit erst an. Zeit seines Lebens beschäftigt sich der Südtiroler mit Wundern, seziert sie mit dem kühlen Blick des Forschers, der verstehen will, was eigentlich nicht zu verstehen ist. Mystik als Lebensinhalt und Forschungsobjekt. 30 Jahre lang lehrte der Pater des Redemptoristenordens an der päpstlichen Lateranuniversität in Rom Klinische Psychologie und Parapsychologie. Er war der erste Professor an einer vatikanischen Hochschule, der Wunder systematisch erforschte.
Seit zehn Jahren ist Resch Vorstand des Instituts für Grenzgebiete der Wissenschaft in Innsbruck. Versteckt, hinter der Herz-Jesu Kirche im Stadtteil Wilten, liegt der Flachbau, in dem der Pater seinen Forschungen nachgeht. Wie ein netter Gemeindepfarrer wirkt der Mann mit dem streng nach hinten gekämmten schlohweißen Haar. Auch sein Arbeitszimmer ist keine verrätselte Wunderkammer, sondern erinnert an eine gemütliche Studierstube. Neben einem alten Kassettenabspielgerät stapeln sich Mitschnitte des Programms von Radio Maria. An den Wänden stehen vollgestopfte Bücherregale, dazwischen hängen Bilder von Tierkreiszeichen, ein Kruzifix und ein Foto von ihm mit Papst Benedikt XVI., auf dem er ihm ein Buch mit seinen neuesten Forschungsergebnissen zu den Stigmata der Seherin von Myrna überreicht.
Marienbotschaften, Stigmata und Heilungen – das ist Reschs Metier
Vor knapp 20 Jahren quoll der Syrerin zum ersten Mal Öl aus den Händen. Später erhielt die junge Frau Botschaften der Jungfrau Maria. In unregelmäßigen Abständen wiederholen sich seitdem diese Phänomene. Für Resch ist der Spuk eines der außergewöhnlichsten Mysterien der vergangenen hundert Jahre. Erklären, wissenschaftlich begründen konnte er die Ereignisse nicht. Es gelang ihm jedoch der Nachweis, dass die Botschaften kein Ergebnis von Autosuggestion oder Psychosen sind. Was das für die katholische Lehre bedeutet, ob der Seherin gar ein göttliches Wunder zuteil wurde – darüber will Resch nicht richten. Diese heikle Entscheidung müssen die Glaubenswächter im Vatikan treffen.
Das Übersinnliche, Unwägbare, fesselte den Bauernsohn, der in der Nähe von Bozen aufwuchs, schon früh. »Mit sieben Jahren kam ich als Hirte auf einen Hof und musste das Vieh auf der Weide hüten. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Tiere meine Gefühlsschwankungen wahrnehmen«, erinnert sich der Pater. Fortan sollten ihn Phänomene jenseits des Erklärbaren nicht mehr loslassen.
Nach der Matura begann Resch ein Studium der Theologie in Graz und trat in den Redemptoristenorden ein. Im Klosterkeller wagte sich der Student mit einem Kommilitonen zum ersten Mal an übersinnliche Experimente. »Wir haben uns etwa gegenseitig zu hypnotisieren versucht. Viel herausgekommen ist dabei aber nicht«, erzählt Resch und schmunzelt – was ihn nicht daran hinderte, seine Feldforschungen weiter zu systematisieren. Konsequent setzte er sich mit parapsychologischen Phänomenen auseinander und ließ sich in Innsbruck zum Psychoanalytiker ausbilden.
Anfang der sechziger Jahre, in einer Zeit, in der noch immer eherne Dogmen den Vatikan beherrschten, machte sich der junge Pater daran, die Grauzone zwischen Psychologie und Religion zu erforschen: »Ich wollte die religiösen Aussagen auch wissenschaftlich untermauert sehen, daran mangelte es damals.« Doch sein Ansatz, die Bibel mit den Theorien Sigmund Freuds zusammenzuführen, stieß bei der Amtskirche auf wenig Verständnis. Für manche waren Reschs Theorien gar Häresie.
- Datum 26.12.2010 - 08:37 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 23.12.2010 Nr. 52
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> Obwohl jedes Jahr knapp eine Million Gläubige nach
> Bosnien pilgern, erkennt der Vatikan die Erscheinungen
> nicht an.
Es könnten jedes Jahr 3 Pilger kommen oder täglich 3 Millionen Pilger kommen oder es könnte auch völlig vor der Öffentlichkeit verborgen bleiben.
Das ist für die Anerkennung eines solchen Phänomens völlig unerheblich.
Noch einmal ganz langsam zum Mitschreiben:
So lange die "Erscheinungen" noch andauern, kann und wird eine Anerkennung durch die Kirche nicht erfolgen.
Erst nach Ende der "Erscheinungen" und nach erfolgter sehr sorgfältiger Prüfung wird eine Einordnung in eine der folgenden Kategorien:
* constat de supernaturalite - Es steht fest, dass es sich um Übernatürliches handelt.
* constat de non supernaturalite - Es steht fest, dass es sich um nichts Übernatürliches handelt.
* non constat de supernaturalite - Es steht nicht fest, ob es sich um Übernatürliches handelt.
vorgenommen.
Die Zuständigkeit, dies zu beurteilen liegt beim Ortsbischof und nicht beim Vatikan, sie kann aber an den Vatikan übertragen werden.
Und selbst wenn die Marienerscheinungen von Međugorje kirchlich anerkannt werden sollten, so kann dennoch kein Katholik gezwungen werden daran zu glauben. Eine Privatoffenbarung, auch wenn sie kirchlich anerkannt ist, ist und bleibt, wie der Name schon sagt, privat.
Christen feiern nicht am 24. sondern am 25.12. die Menschwerdung Gottes. Hohe kirchliche Feiertage beginnen nur bereits am Vorabend mit der ersten Vesper, so daß sich in einigen Regionen eingebürgert hat, bereits am Heiligabend zu bescheren. Die Christmette soll aber in der Regel nicht vor Mitternacht gefeiert werden.
Vielen Dank für Ihr Kommentar... Wenn man einen Artikel schreibt, sollte man schon einen gewissen Bezug zum Kontext haben, oder zumindest ein Basiswissen aufgebaut...
Habe mich auf diesen Artikel gefreut, aber das Lesen nach dem von Ihnen auch zitierten Satz eingestellt.
Traurig auch.. ihr Kommentar ist vom 22. nun ist der 26. und es wurde noch nicht korrigiert.
Vielen Dank für Ihr Kommentar... Wenn man einen Artikel schreibt, sollte man schon einen gewissen Bezug zum Kontext haben, oder zumindest ein Basiswissen aufgebaut...
Habe mich auf diesen Artikel gefreut, aber das Lesen nach dem von Ihnen auch zitierten Satz eingestellt.
Traurig auch.. ihr Kommentar ist vom 22. nun ist der 26. und es wurde noch nicht korrigiert.
wenn er jemals ein Wunder finden würde.
Denn das ist eine Beleidung gegenüber allen die ernsthaft wissenschaftlich arbeiten. Theologen sind keine Forscher sondern nur Schaumschläger die versuchen ihre Märchen gesellschaftskompatibel zu halten.
so, Theologen sind keine Wissenschaftler? und welche Wissenschafts-Inquisition befindet über diese Frage? Sie?
noch eine Anmerkung zum Artikel: lehrt oder forscht Bischof Klaus Küng wirklich in Tübingen? oder ist hier vielleicht eher Hans Küng gemeint...? (kann mich aber auch irren)
so, Theologen sind keine Wissenschaftler? und welche Wissenschafts-Inquisition befindet über diese Frage? Sie?
noch eine Anmerkung zum Artikel: lehrt oder forscht Bischof Klaus Küng wirklich in Tübingen? oder ist hier vielleicht eher Hans Küng gemeint...? (kann mich aber auch irren)
Bei den meisten Krebsarten wurden sogenannte Spontanheilungen im Verhältnis (1:100.000) eins zu einhunderttausend bis (1:150.000) eins zu einhundertfünfzigtausend festgestellt.
Die Wissenschaft hat inzwischen die Mechanismen dieser Spontanheilungen erfasst und erforscht und kann sie erklären.
Die in Lourdes und an anderen "Wundersamen" Stellen stattgefundenen "Heilungen" korrespondieren mit diesem natürlichen Verhältnissen, sind also nichts außergewöhnliches.
Darüber hätte es sich gelohnt einen Artikel zu schreiben.
Die Stigmata kann man ebenfalls erklären. Ich kann dies sogar bei mir selbst auf den Handrücken erklären.
Ich habe seit mehr als 15 Jahren CLL (Chronisch-Lymphatische-Leukämie) mit bisher drei Therapien (teilweise über einen Zeitraum von zehn Monate.)
Auf dem Handrücken beider Hände gibt es jeweils ein Mal unterhalb der Haut von etwa 1,0 cm Durchmesser.
Die Farben changieren von dunkelrot-violett bis braun-rot. Auch die Größe verändert sich bis zu 1,5 cm Durchmesser.
Die Abgrenzungen sind mitunter scharf, auch manchmal gleitend.
Jeden Monat wird mein Blut untersucht. Inzwischen kann ich an Hand dieser Male meinem Hämatologen mit ziemlicher Genauigkeit den Wert meiner Trombozyten voraussagen.
Große Male (1,5), stark abgegrenzt und sehr farbig: dann liegt der Wert bei etwa 60.000/ml.
Kleine Male (1 cm), diffuse Abgrenzung, schwach farbig:
mehr als 150.000 Trombozyten je ml.
Also eine ganz normale Erklärung und nichts wundersames
Gruß an Florian Gasser
hthswa
Die Zeit hat unter "Woran glauben" sich dem Thema Religion schon gewidmet (siehe auch die Leserkommentare dort).
Dieser Artikel hier in der ZEIT ist überflüssig. Oder will die ZEIT zur deutschen Ausgabe des "Observatore Romano" mutieren?
Es gibt also Wunder die sind Unfug und Wunder die sind göttlich. Der Denkansatz ist genau so beeindruckend wie der Satz: "Der Schee fällt vom Himmel, aber manchmal liegt er auch unten." Ein wirkliches, göttliches, privates Wunder ist auch in diesem Fall gegeben, wenn der örtliche Bischhof oder Rom...
Alles klar? Alles!
Ein unerschütterlicher Glaube an eine Möglichkeit der Heilung kann gerade bei schweren Krankheiten zu bisher nicht wissenschaftlich erklärbaren Heilungen führen und der Placebo-Effekt könnte uns die Augen öffnen für Kräfte und Wirkungsfelder, die sich unserer verstandlichen Welt verschließen, weil diese einfach zu klein und zu eng geraten ist, um der ganzen Wirklichkeit jemals gerecht werden zu können.
Der Glaube kann uns empfänglich machen für Energien und Lösungswege, die wir uns nicht ausdenken können, weil wir die dazu notwendigen Informationen nicht abrufen und bisher nicht verstandlich erreichen können.
Diese "Wunder" können wir als Bestätigung sehen, für das Unbekannte offen zu bleiben. Es hat sich bisher immer gelohnt, was wir an den großen Entdeckungen eindrücklich immer wieder bestätigt bekommen. Wo Wissenschaft mit Achtung vor dem Unbekannten und den großen Werten verfolgt wird, hat sie hier schon manchen Schleier lüften können.
Das Einzige, was wir wirklich beweisen können, ist, dass wir nicht klug genug sind, um alles zu verstehen.
Da helfen auch die eloquentesten Debatten nicht weiter.
für irgendwelche „Energien“ und Lösungswege, oder lässt einen für das Unbekannte offen. Der Glaube ist die Abkehr von aller Neugier, von allem Wissenwollen und Wissenkönnen. Er ist die Negation des Denkens schlechthin.
Die Wissenschaft hat bisher alle Schleier gelüftet, indem die vom Glauben vorgeschrieben Antworten angezweifelt, hinterfragt und an Hand von Experimenten vorbehaltlos überprüft wurde. So wie sich die Planetenbewegung, Krankheitserreger oder die Welt der Quantenmechanik nicht dem Verstehen entzogen haben, so verschließt sich auch der Placebo-Effekt nicht sich der verständlichen Welt, das ist nur ein Frage des genauen Hinsehens und Verstehens der biochemischen Vorgänge im Körper. Aus dem was die Wissenschaft – noch - nicht versteht folgt nicht, dass es Gott gibt, oder dass etwas geglaubt werden muss. Daraus folgt nur, dass wir bisher etwas noch nicht verstehen.
Im Glauben wird nicht gewusst oder verstanden, sondern nur behauptet. Da helfen auch die eloquentesten Debatten nicht weiter.
für irgendwelche „Energien“ und Lösungswege, oder lässt einen für das Unbekannte offen. Der Glaube ist die Abkehr von aller Neugier, von allem Wissenwollen und Wissenkönnen. Er ist die Negation des Denkens schlechthin.
Die Wissenschaft hat bisher alle Schleier gelüftet, indem die vom Glauben vorgeschrieben Antworten angezweifelt, hinterfragt und an Hand von Experimenten vorbehaltlos überprüft wurde. So wie sich die Planetenbewegung, Krankheitserreger oder die Welt der Quantenmechanik nicht dem Verstehen entzogen haben, so verschließt sich auch der Placebo-Effekt nicht sich der verständlichen Welt, das ist nur ein Frage des genauen Hinsehens und Verstehens der biochemischen Vorgänge im Körper. Aus dem was die Wissenschaft – noch - nicht versteht folgt nicht, dass es Gott gibt, oder dass etwas geglaubt werden muss. Daraus folgt nur, dass wir bisher etwas noch nicht verstehen.
Im Glauben wird nicht gewusst oder verstanden, sondern nur behauptet. Da helfen auch die eloquentesten Debatten nicht weiter.
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