Der Katholik hat, ob er es weiß oder nicht, die heilige Pflicht, sonntags zur Messe zu gehen, nicht nur im Advent. Martin Luther hat diese Pflicht für seine Leute abgeschafft, weil er fand, man solle vor allem im Leben und nicht in der Kirche ein guter Christ sein. ( Um die Karte zu vergrößern, klicken Sie bitte hier )

So kommt es, dass bis heute Katholiken ungefähr drei- bis viermal so oft zum Gottesdienst gehen wie Protestanten. Bis zum 17. Jahrhundert verlotterte die Frömmigkeit der Lutheraner dermaßen, dass Pietisten und Erwecker die Leute wieder in die Gotteshäuser trieben.

Alle Deutschlandkarten des ZEITmagazins im Überblick

Das gelang vor allem dort, wo charismatische Menschen den Pietismus vertraten – in Württemberg, aber auch in Sachsen, dort war ein gewisser Nikolaus Ludwig von Zinzendorf populär. Im Osten hat später die DDR Stimmung gegen die Kirche gemacht – auch ein Grund für den größeren Anteil der Kirchgänger.

Denn es blieb nur Kirchenmitglied, wer wirklich überzeugt war, man nennt das den Effekt des »heiligen Rests«. Die Werte für die größeren Städte legen nahe: Der größte Feind der Frömmigkeit ist eh nicht der Sozialismus, sondern die Urbanität.