Zahlungsverkehr IBAN, die Schreckliche

Die neuen Kontonummern sind lang, aber ein preiswertes Gehirntraining.

Von 2013 an soll es europaweit einheitliche Kontonummern geben, fordert die Europäische Union. Die International Bank Account Numbers – kurz IBAN genannt – sollen grenzüberschreitende Überweisungen erleichtern, aber fortan auch für nationale Geldtransfers gelten. Bisherige, meist 7-stellige Kontonummern werden durch 22-stellige ersetzt. Beispielsweise so: DE30300500000004061313, die beiden Buchstaben vorn stehen dabei für Deutschland.

Als die Pläne in der vergangenen Woche bekannt wurden, ging prompt ein Aufschrei durchs Land: Wer soll sich das merken? Früher war alles besser! Nun, besser waren die Kontonummern früher nicht, bloß kürzer. Dafür aber weniger sicher: Ein Zahlendreher auf dem Überweisungsformular, und sofern das Konto existierte, war das Geld weg. Die IBAN enthält eine Prüfziffer, die aus den übrigen Zahlen berechnet wird. Bei Zahlendrehern verweigert das System fortan die Überweisung.

Anzeige

Zugegeben: Vielleicht hätten es ein paar Ziffern weniger auch getan. Gleichwohl ist das Gejammer wegen der angeblich gefährlichen Unübersichtlichkeit der neuen Kontonummern (»IBAN, die Schreckliche«) übertrieben. Als 1993 die fünfstelligen Postleitzahlen eingeführt wurde, blieb das befürchtete Chaos aus. Auch die Einführung des Euro brachte neue Zahlen, ließ das Land aber nicht in Anarchie versinken. Und schließlich können sich die Deutschen zusätzlich zur Festnetznummer ja auch die fürs Handy merken – ganz abgesehen von allerlei Log-in-Daten und Passwörtern für Onlineshops und Soziale Netzwerke. Es gibt also gute Gründe, der Ankunft von IBAN der Schrecklichen mit Gelassenheit entgegenzusehen.

Wenn man darüber hinaus bedenkt, dass Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging zu den beliebtesten Videospielen gehört, scheinen Zigtausende Gehirne im Land noch immer nicht ausgelastet zu sein. Gut, dass es mit IBAN bald eine weitere und zudem deutlich preiswertere Trainingsalternative gibt.

 
Leser-Kommentare
  1. Gleich welweit einheitliche Kontonummern! Das wäre ein kleiner Merkschritt für den Kunden, aber ein gewaltiger für die Welt...

    :> Nee nich wirklich toll, hoffentlich müssen alle Befürworter nur recht häufig 22-stellige Kontonummern mit der Hand auf irgendwelche (natürlich zu kurz geratene) Formulare schreiben.

    • dapeda
    • 27.12.2010 um 7:11 Uhr

    Seit Jahren müssen BIC und IBAN im innereuropäischen Zahlungsverkehr verwendet werden. Eigentlich sollte sich jeder, der sein Konto öfter nutzt, mittlerweile daran gewöhnt haben. Zudem das doch heute keiner mehr händisch in ein Formular einträgt.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Ingres
    • 27.12.2010 um 12:08 Uhr

    Da irren Sie aber! Wenn ich einem Bekannten in Moers oder Oberhausen aus Orléans einen Betrag überweisen will und keinen Internetzugang habe, muss ich fein säuberlich ein Formular ausfüllen. Und da ja Otto Normalverbraucher nicht jeden Tag seine Banknummern benötigt, und noch weniger oft diese IBAN, muss er sich diese auch nicht unbedingt merken.

    • Ingres
    • 27.12.2010 um 12:08 Uhr

    Da irren Sie aber! Wenn ich einem Bekannten in Moers oder Oberhausen aus Orléans einen Betrag überweisen will und keinen Internetzugang habe, muss ich fein säuberlich ein Formular ausfüllen. Und da ja Otto Normalverbraucher nicht jeden Tag seine Banknummern benötigt, und noch weniger oft diese IBAN, muss er sich diese auch nicht unbedingt merken.

  2. dass in der neuen IBAN eine Prüfsumme eingebaut ist hat man garantiert keinen Grund zu klagen.
    Die Banken haben schon länger keine Pflicht den Empfängernamen mit der Kontonummer abzugleichen.
    Zahlendreher können jetzt fatal werden, mit der neuen IBAN dann eben hoffentlich nicht mehr.
    Es bleibt zu hoffen, dass Behörden wie der Rentendienst der Post "geschult" wird nicht einfach irgendwelche Eigeninitiative zu ergreifen im "Erfinden" einer IBAN Nummer wie es mir im September passierte.
    Und nein, Nummer zu merken ist weder schwerer noch leichter gemacht. Nur was man häufig benutzt merkt man sich, alles andere wäre unnützer Ballast...

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • dapeda
    • 27.12.2010 um 9:01 Uhr

    BIC und IBAN stehen seit Jahren auf den Kontoauszügen und sind zumindest in Österreich seit 2007 im innereuropäischen Zahlungsverkehr ausschließlich zu verwenden. Ist das in D so anders?

    • dapeda
    • 27.12.2010 um 9:01 Uhr

    BIC und IBAN stehen seit Jahren auf den Kontoauszügen und sind zumindest in Österreich seit 2007 im innereuropäischen Zahlungsverkehr ausschließlich zu verwenden. Ist das in D so anders?

  3. mal auch in anderen Sachen so einig wär.
    Ein Beispiel sind Verkehrsregeln und Verkehrsrecht.
    Ich schicke kein Geld ins Ausland ,wohl fahre ich aber in dieses.

  4. Verehrte ZEIT,
    wenn Sie auch die systematische Zusammensetzung der IBAN erläutert hätten, über das Kürzel DE hinaus, wäre vieleicht klarer geworden, wie man sich die IBAN recht einfach und ohne "Gehirnjogging" merken kann:
    DE Länderkennzeichen für Deutschland
    pp zweistellige Prüfziffer
    bbbbbbbb die 8-stellige deutsche Bankleitzahl
    kkkkkkkkkk die 10-stellige Kontonummer
    BLZ und Kontonummer sind bereits im Kopf, DE kann man sich denken, neu ist nur die Prüfziffer.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • dapeda
    • 27.12.2010 um 8:59 Uhr

    in anderen Ländern ist die IBAN im Prinzip gleich, in der Stellenzahl anders aufgebaut:
    DEpp bbbb bbbb kkkk kkkk kk
    ATpp bbbb bkkk kkkk kkkk
    CHpp bbbb bkkk kkkk kkkk k

    http://de.wikipedia.org/w...

    • dapeda
    • 27.12.2010 um 8:59 Uhr

    in anderen Ländern ist die IBAN im Prinzip gleich, in der Stellenzahl anders aufgebaut:
    DEpp bbbb bbbb kkkk kkkk kk
    ATpp bbbb bkkk kkkk kkkk
    CHpp bbbb bkkk kkkk kkkk k

    http://de.wikipedia.org/w...

  5. Der Artikel schreibt leider nicht, dass die IBAN im wesentlichen aus der alten Kontonummer und der Bankleitzahl besteht:

    DEpp bbbb bbbb kkkk kkkk kk

    Dabei bedeutet:

    DE Länderkennzeichen für Deutschland
    pp zweistellige Prüfziffer
    bbbbbbbb die 8-stellige deutsche Bankleitzahl
    kkkkkkkkkk die 10-stellige Kontonummer

    Merken muss man sich also lediglich die Prüfziffer.

    • mwo
    • 27.12.2010 um 8:55 Uhr

    ... bis heute wird die BLZ üblicherweise im Format xxx xxx xx angegeben. Damit ist die 8-stellige Zahl leicht visuell zu erfassen. Bei der Eingabe am Terminal wird darauf leider keine Rücksicht genommen. Diesen Fehler bräuchte man jetzt nicht wiederholen. Einfach Eingabefelder für DE /pp / bbb-bbb-bb / und kkkk kkkk kk kreieren. Ich wette der Computer kann die Strings zusammenfügen und anhand der Prüfziffer pp kontrollieren.

    Also los, husch husch ein Expertenteam einberufen. Dann kann vielleicht schon 2014 von der Eingabe einer 22-stelligen Kombination auf die Eingabe von überschaubaren Blöcken gewechselt werden ... falls sich nicht herausstellt, dass der lukrative Posten Rückbuchungsgebühren schon fest eingeplant ist.

    • dapeda
    • 27.12.2010 um 8:59 Uhr

    in anderen Ländern ist die IBAN im Prinzip gleich, in der Stellenzahl anders aufgebaut:
    DEpp bbbb bbbb kkkk kkkk kk
    ATpp bbbb bkkk kkkk kkkk
    CHpp bbbb bkkk kkkk kkkk k

    http://de.wikipedia.org/w...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service