Er ist ein Phänomen, und seine Fans sind es auch, vermutlich die treuesten überhaupt – so wie Blocky, mein Lieblingsnachbar in Berlin: Der präsentiert das nahezu komplette Œuvre im stabilen Hochregal. Und es stört ihn gar nicht, wenn manches Werk fünf- oder zehnfach da steht. Von ihm kann man halt nie genug bekommen, da sind Blocky & Co. sich einig und horten sämtliche Spuren des Meisters. Der liefert seinen Fans aber nicht nur zuverlässig Trockenfutter, sondern gibt sich Mühe, das globale Auditorium zwischendurch leibhaftig zu beehren. Dabei pilgert er recht gern durch die Provinz; mag sein, das erinnert ihn an seine Kindheit. Doch wohin auch immer es ihn zieht – die Gemeinde pilgert freudig mit.

So ist und bleibt er, in Würde ergraut, eine der ungewöhnlichsten Erscheinungen, die das Business hervorgebracht hat. Und eine der haltbarsten, seine Anfänge liegen ein halbes Jahrhundert zurück. Damals pendelte er noch unentschieden zwischen mehreren Talenten, liebäugelte angeblich gar mit der Militärakademie, dann mit den Wissenschaften, auch die Malerei lag ihm. Schließlich landete er in New York und benannte sein Ziel: "Ich wollte so sein wie die, deren Augen sagten: Ich weiß etwas, was du nicht weißt."

Zwei, drei Geniestreiche später hatte er, der "die Worte aus der Luft fischt" (O-Ton) es geschafft: Er war ein Star – mit knapp 25. Doch solch ein Aufstieg kann böse enden, ein Schicksal, das manche seiner Zeitgenossen parallel ereilte. Er hingegen wurde Familienvater auf dem Land. Blieb einfach verschwunden, zum Unmut der Fans. Ein extrem Hartnäckiger soll sogar seinen Hausmüll durchsucht haben, um zu erfahren, ob das Idol überhaupt noch lebt.

Als er wieder auftauchte, hatte sich die Welt ziemlich verändert und er sich auch. Von nun an gefiel es ihm, allerlei Rollen zu testen, mal Clown, mal Poet, mal Prophet – als wüsste er selber nie genau, wohin die Reise gehen soll. So war er irgendwie da und irgendwie auch nicht, erfand sich neu, erfand sich anders. Und dann, eines Tages, klappte endlich das Comeback. Fast ein kleines Wunder – zwei Jahre zuvor wäre er fast invalid geworden, als er sich bei einem Unfall eine Hand zerfetzte. "Ich war ein ausgebranntes Wrack", bekannte er im Rückblick. Doch nun war er auferstanden, die Hände, den Kopf, die tänzelnden Beine im Einsatz.

Im letzten Jahr hat er übrigens kundgetan, dass er Weihnachten mag. Nachbar Blocky hat das eher unspektakuläre Werk ins Regal gestellt und holt es dieser Tage sicher wieder raus. Der Meister selbst wird das vielleicht auch tun, wenn er mit fünf Kindern aus zwei Ehen und allen Enkeln in Frieden zusammensitzt und die Bibel liest. "Eigentlich haben sich die Zeiten seit Moses nicht geändert. Die Gefühle ändern sich nicht", sagte er mal. Na denn: Frohes Fest! Wo das Familientreffen stattfindet, weiß freilich keiner – den aktuellen Wohnort hält er streng geheim. Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 51:
Sie hat die moderne Champagnerproduktion begründet und ist das Gesicht dieses Nobelgetränks geworden: Barbe-Nicole Ponsardin-Clicquot (1777 bis 1866), die berühmte "Veuve Clicquot". Die Tochter eines Textilindustriellen aus Reims übernahm nach dem Tod ihres Mannes Francois Clicquot 1805 seine kleine Champagnerfirma. Sie führte das berühmte gelbe Etikett ein, betrieb – vor allem mit dem Mannheimer Ludwig (Louis) Bohne – eine aggressive Marktstrategie, erfand mit ihrem Kellermeister Anton Müller das Rütteln schräg gestellter Flaschen, um die Resthefe im Flaschenhals zu sammeln. Aus dem Ruin ihrer Bank rettete sie 1825 ihr Nachfolger Eduard Werler (Werlé) aus Wetzlar. 1841 zog sie sich offiziell zurück; von ihrer Bauwut zeugt das Château de Boursault