Privatunis : Edel – und gut

Die European Business School will ihr Image verändern.

Die EBS, so scheint es, ist auch nicht mehr das, was sie einmal war. Auf dem Parkplatz oberhalb von Schloss Reichartshausen, dem Sitz der Betriebswirtschaftlichen Fakultät der Privatuniversität im hessischen Rheingau, sieht man keinen einzigen Porsche. Dabei hieß es doch immer, die Elitestudenten der European Business School (EBS) würden stets mit dem von Papa finanzierten Sportwagen zur Vorlesung düsen.

Ein Vorfall aus jüngster Zeit schien die Vorurteile über die »EBSler« wieder einmal zu bestätigen. Beim jährlichen Bootcamp, einer Art Aufnahmeritual, das fortgeschrittene Semester für Neuankömmlinge organisieren, kam es zu Alkoholexzessen. Die Polizei musste in den Rheingauer Weinbergen zehn Schnapsleichen aufsammeln und zur Ausnüchterung ins Krankenhaus bringen. Sogar ein Hubschrauber wurde angefordert. Lokale und überregionale Zeitungen berichteten ausführlich über das »Saufgelage an der Edel-Uni«. Die Hochschulleitung griff durch und verhängte ein absolutes Alkoholverbot auf dem Campus. Und Felix Derkum, Studentensprecher der EBS, gibt sich zerknirscht. »Natürlich war das unnötig. Aber wir sind eben keine Übermenschen und machen auch mal Fehler. Aber wir lernen auch daraus.«

Uni-Präsident Christopher Jahns war nicht begeistert von dem Vorfall, weil er seine Bemühungen konterkarierte, die EBS in ein neues Licht zu rücken. Ihn nervt der Ruf der EBS als Tummelplatz der Reichen und Privilegierten. Die Studentenstruktur, so Jahns, habe sich stark verändert unter seiner Leitung. Fast ein Viertel aller Studierenden bekäme das Studium mittlerweile durch Dritte finanziert. »Dafür lauf ich mir bei Sponsoren den Hintern ab.« Viel mehr Freiplätze hätten US-Elite-Unis auch nicht zu bieten. Dass Kinder aus begüterten Haushalten hierzulande bessere Bildungschancen hätten und deshalb meist besser auf den harten Auswahlprozess an der EBS vorbereitet seien, »das können wir leider auch nicht ändern«, sagt Jahns. Auch Studentensprecher Felix Derkum betont, dass ein Studium an der EBS nicht nur der Oberschicht vorbehalten sei. »Viele Kommilitonen entscheiden sich bewusst dafür, in ihre eigene Ausbildung zu investieren.«

Die EBS wurde 1971 in Offenbach gegründet und gilt als erste Managerschmiede nach angelsächsischem Vorbild in Deutschland. Die Hürden des Aufnahmeverfahrens und das Arbeitspensum während des überwiegend englischsprachigen Studiums waren von Anfang an sehr hoch. Vorreiter war die EBS auch in puncto Internationalität, lange bevor Globalisierung zum gesellschaftlichen Modethema wurde. Für all die Mühen und Kosten (ein BWL-Bachelor- und Master-Studium schlägt derzeit für neun Semester mit 54.000 Euro zu Buche) konnten und können die Absolventen damit rechnen, einmal zur Managerelite zu zählen.

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Kommentare

36 Kommentare Seite 1 von 6 Kommentieren

Elite, dass ich nicht lache...

ich unterhielt mich erst kürzlich mit jemandem, der sich diese "Uni" mal angeschaut hat. Studenplan:nahezu nur BWL, etwas VWL.
Dann die Frage "Habt ich auch Mathe, Statistik oder sowas". Als Antwort bekam er ein herablassendes Lächeln und die Aussage, man würde hier "praxisorientiert" ausgebildet...

Den Leuten wird schwerpunktmäßig eingeimpft, wie toll sie auch seien. Und das BWL ein Haufen auswendig lernen ist und folglich arbeitsaufwändig, sollte auch nicht neu sein...
Wozu will man jemand derartigen einsetzen? Er hat keine Ahnung von Mathe und Stasi => wird kein besonders guter Finanzer, für die Industrie ist er Mangels jedweder Technik und Info-Kenntnisse pauschal unbrauchbar.
Es zwingt sich der Schluss auf, dass vor oder während dieses Studiums Vitamin B aufgebaut/vorhanden sein muss, dass die Sache dann regelt.

"Hippokratischer Eid für Manager"?!

Dank für diesen informativen und ausgewogenen Bericht aus und über diese Kaderschmiede des Kapitalismus namens EBS, der ja auch die Kritiker an ihrer staatlichen Subventionierung gebührend erwähnt hat.

Auch wenn man sich angesichts meiner sozialistischen Grundeinstellung (s. weghorn1) darüber verwundern sollte, dass ich Eliteförderung prinzipiell begrüße, so habe ich doch dafür eine - wie ich denke - plausible Begründung: nicht nur "die SPD", so Franz Müntefering, sondern wir alle "brauchen Männer und Frauen, die führen können!"

Die politische Frage lautet allerdings "Führung" WOZU, zu welchem Zweck, mit welchem Ziel - und da dürfte es doch nicht nur zwischen mir und Müntefering, sondern auch zwischen mir und Herrn Jahn sehr diskussionswürdige Differenzen geben...?

Was ich z. B. als diskussionswürdig ansehe, das ist dieser "hippokratische Eid" für Persönlichkeiten, deren berufliche Zukunft/Karriere bislang jedenfalls davon abhing, dass sie dem ökonomischen "Gesetz von der fallenden Tendenz der Profitrate" betriebswirtschaftlich entgegenarbeiten und daraus sogar noch einen Nutzen herausschlagen sollen, und zwar vor allem im Bankenwesen, das in Deutschland momentan 5 % der Gewinne verbucht, das in England vor der Finanzkrise aber 15% des "erwirtschafteten" Profits an wenige Superreiche verteilt hat, die es ihrerseits nicht produktiv investiert, sondern auch nur spekulativ "angelegt" haben, was (mit) zur "Bankenkrise" führte...!

Von welcher "Ehre" also ist hier die Rede?!

eliteuni?

Elitär ist die EBS - jedenfalls in akademischer Hinsicht - wohl kaum. Ich persönlich bin ein Verfechter von Privatunis, allerdings welchen die ihren Massstäben gerecht werden. Der als "hart" propagandierte Eintrittstest ist im Vergelich zu denen anderer Privatunis vergleichsweise einfach (es werde 200 im Endeffekt aufgenommen, und die Besten lehnen oft ab um auf unis wie Mannheim oder WHU zu gehen), und auch in der Forschung hat die EBS einen mittelmässigen Ruf.

Man muss sich nur mal die Stipendiatenquote der EBS und z.B. der Bucerius Law School oder der WHU gegenüberstellen:
Studienstiftung des Deutschen Volkes (mithin die härtesten Auswahlkriterien):
EBS: ca. 1,2 %
WHU: ca. 8,7 %
Bucerius Law School: ca. 11 %

Quelle: Studienstiftung des deutschen Volkes

Auch im Bereich Partnerunis (besonders in den USA) liegt die EBS nur im Mittelfeld. Auch verpasste sie die EQUIS-Akkreditierung mehrmals, welche sozusagen die internationale "Elite" der Business Schools auszeichnet.

Elite sieht für mich jedenfalls anders aus...

PS: Andere Privatunis, wie die wesentlich renommiertere Bucerius Law School, lehnen den Begriff "Eliteuni" ab. Die EBS und Herr Jahns erwähnen ihn sooft sie können ("Die EBS Universität für Wirtschaft und Recht i. Gr. bildet die international orientierte Wissens- und Verantwortungselite der Zukunft aus."Quelle: Website der EBS)