Interview mit Jean Ziegler "Ich bin ein weißer Neger"Seite 6/6

ZEIT : Macht Ihnen ein solches Beispiel Hoffnung?

Ziegler : Auch wenn es diesmal gut ausging, die multilaterale Diplomatie ist am Ende. Total zusammengebrochen.

ZEIT: Wie meinen Sie das?

Ziegler : Anfang unseres Jahrtausends trafen sich 147 Staatschefs in New York, um ein Inventar der größten Tragödien zu erstellen, von denen die Welt heimgesucht wird: Hunger, Analphabetismus, verseuchtes Wasser, Kindersterblichkeit, HIV. Eigentlich eine Sternstunde der Vereinten Nationen, denn diese Probleme können ja nur gemeinsam gelöst werden. Man stellte also einen buchhalterisch klaren Fahrplan für die nächsten 15 Jahre auf, die sogenannten Millennium-Goals, aber was ist seitdem passiert? Nichts!

ZEIT : Warum geht nichts voran?

Ziegler: Wie oft habe ich mich das gefragt, wenn sich in all diesen Nachtsitzungen die Diplomaten gegenübersaßen, Arm und Reich, unfähig zum Minimalkonsens. Einmal ging es um eine Resolution für Darfur, Blauhelmtruppen, die einen humanitären Korridor zum Tschad einrichten sollten. Da ergriff die Koordinatorin der asiatischen Gruppe das Wort und sagte: Kommt nicht infrage! Die Dame heißt Sarala Fernando, eine hochintelligente Frau aus Sri Lanka. In einer Sitzungspause nahm ich sie beiseite, aber sie sagte nur: »Hast du gesehen, wer den Entwurf verfasst hat? Die Engländer. Du weißt, was sie uns angetan haben.« Die alten Kolonialherren. Deshalb war sie dagegen. Deshalb geht das Massaker weiter. Verstehen Sie? Da ist ein tiefer Hass, der sich aus dem verwundeten Gedächtnis dieser Völker ableitet und politisches Bewusstsein wird.

ZEIT : Was bedeutet das?

Ziegler: Dass der Westen seinen Kredit verspielt hat. Der Süden glaubt ihm nicht mehr. Der Süden weiß, dass er entwaffnet werden soll. Dass die Ausbeuter jetzt nicht mehr im Kolonialherrenanzug in die Tropen jetten, sondern in Nadelstreifen, und er begehrt dagegen auf.

ZEIT: In Ihrem aktuellen Buch Der Hass auf den Westen schildern Sie ein bezeichnendes Aufeinandertreffen von Abdelasis Bouteflika, dem Präsidenten von Algerien, und Nicolas Sarkozy.

Ziegler: Die beiden trafen sich im Dezember 2007 in Algier, um Lieferverträge für Erdgas zu unterzeichnen. Alles lag fertig auf dem Tisch, als sich Bouteflika plötzlich erhebt und sagt: »Ich will eine Entschuldigung für Setif.« In der Stadt Setif waren 1945 zigtausend Algerier abgeschlachtet worden, weil sie aufbegehrten gegen die französischen Kolonialherren. Daraufhin sagt Sarkozy den unglaublichen Satz: »Ich bin nicht der Nostalgie wegen gekommen.« So steht es im Protokoll. Doch Bouteflika insistierte: »La mémoire avant les affaires.« Das Gedächtnis vor den Geschäften. Die Verträge wurden nicht unterschrieben, bis heute nicht.

ZEIT : Allerdings haben langjährige Machthaber wie Bouteflika oft selbst Blut an den Händen.

Ziegler: Darüber kann man reden. Aber alles, was er verlangt, ist zunächst einmal ein Anerkennen dessen, was geschehen ist. Ich denke, es ist wie in zwischenmenschlichen Beziehungen. Einer muss sagen: Tut mir leid, die Kolonialmassaker, die Sklaverei, und an diesem Punkt kann dann ein Dialog beginnen. Erst dann kann der Westen mit dem Finger auf den Süden zeigen.

ZEIT: Was gibt Ihnen Hoffnung, wenn alles stillzustehen scheint?

Ziegler: Ich halte es mit Victor Hugo: Ich hasse alle Kirchen, ich liebe die Menschen, ich glaube an Gott. Alle Verbrechen geschehen unter offenem Himmel. Es wird einen Aufstand des Gewissens geben. Ich beobachte das Entstehen einer neuen, planetarischen Zivilgesellschaft. Egal ob es um diese Proteste bei G-8-Gipfeln geht, um Atommülltransporte oder wie bei euch um diesen Stuttgarter Bahnhof: Es gibt wieder Leute, die nicht mehr nur tun, was man ihnen diktiert, die ihre Freiheit umsetzen in Widerstand.

ZEIT : Gibt es ein Ziel, das diese Menschen eint?

Ziegler : Sie wissen, was sie nicht wollen, und niemand kann voraussehen, was daraus entsteht. Was sie aus ihrer Freiheit machen, ist das große Mysterium der Geschichte. Kennen Sie diesen Vers von Whitman: He awoke at dawn and went into the rising sun...limping. Er erwachte am frühen Morgen und ging der aufgehenden Sonne entgegen... hinkend.

ZEIT: Darauf gründen Sie Ihre Hoffnung?

Ziegler : Als Revolutionär muss ich das Gras wachsen hören.

 
Leser-Kommentare
  1. Es schmerzt wahrhaftig, das Wort "Neger" in einer Überschrift der Zeit wiederzufinden. Das hätte nicht sein müssen. Auch wenn, und das ist Zeugnis genug für Herrn Ziegler, diese Ausruf einem Zitat entspringt, liegt es doch in der Verantwortung der Interview führenden Journalisten diesen Fauxpas nicht noch unausweichlich zu plakatieren.

    Es ist ein sehr gelungener Artikel mit und über Jean Ziegler, er birgt so manche interessante Kleinigkeit, die sich mir als begeisterter Leser seiner Werke so bisher nicht eröffneten. Jedoch muss ich kritisch anmerken, dass Ziegler sich rassifizierten Argumentationsmustern bedient, was v.a. im Zitat in der Überschrift deutlich wird.
    Wie kann ein Aktivist seiner Klasse, dem viele vernichtende Zusammenhänge unseres fehlerhaften Systems bekannt sind, sich dieses verachtenswerten Wortes bedienen. Er bringt es doch auf den Punkt, wenn er von seiner priviliegierten Situation als weißer Europäer spricht, wieso beweist er dann mit der Benutzung des Wortes Neger so wenig Klarsicht, dass genau diese Rassifizierung ein Grund und Übel der wirtschaftlichen Schieflage unserer Welt ist?

    Ein Trauerspiel in der Überschrift, mit interessantem Beiwerk und poetischem Abklang, dieser Artikel birgt so einiges in sich. weilmeldung

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    Mit dem Wort "Neger" verbindet man heute einen verarmten, auf irgendeiner Plantage, ob in den Südstaaten der USA oder auf den Baumwollfelder in Burkina Faso, ausgebeuteten Schwarzen. "Neger" ist weder eine Charakterisierung, noch eine Beschimpfung oder sonst eine vulgäte Bezeichnung; "Neger", wie Jean Ziegler es verwendet, ist Synonym für eben jene ausgebeutete und diskriminierte Klasse (weniger Rasse). Und dass sich Jean Ziegler als ein weißer Neger bezeichnet, ist Zeichen für seine Solidariät mit dieser Klasse.

    Eine besseres Wort hätte dieser Mensch, den ich schätze wie kaum einen anderen, für seine Person nicht finden können. Ohne mich auf eine Stufe mit Ziegler erheben zu wollen, würde auch ich mich als einen weißen Neger bezeichnen.

    ...der hat Neger gesagt.

    http://www.youtube.com/wa...

    Pffff,...Kleingeister und professionell Empörte.

    Werte(r) weilmeldung,

    es ist nun wirklich albern, im gegebenen Kontext sich wegen dem Wort "Neger" pc zu echauffieren. Wenn überhaupt jemand den Begriff benutzen darf, dann ja wohl Ziegler. Im übrigen ist "Neger" auch nicht verwerflicher als "Schwarzer", "Dunkelhäutiger", "Schwarzafrikaner" oder dergleichen. Es sind von einem äußerlichen Merkmal (hier der Pigmentierung der Haut) abgeleitete Zuordnungen zu einer Gruppe von Menschen, und so gesehen ist auch "Asiate", "Indianer", "Pygmäe", "Latino" und dergleichen mindestens ebenso rassistisch. Und konsequent noch etwas weiter gedacht ist dann auch "Franzose", "Japaner" oder "Argentinier" pi. Ich hätte nichts dagegen - und eigentlich müsste man genau da ansetzen. Mit einsam abstrakten Entrüstungen über den Begriff "Neger" gewinnen wir hingegen gar nichts. Seine Verbannung aus dem Sprachgebrauch ist nichts weiter als ein Bröselchen Valium für das schlechte Stellvertreter-Gewissen der Nachkommen der Kolonialisten und Sklavenhalter.

    "Neger" ist im übrigen heute kein Schimpfwort, wenn es denn je eines war (im Gegensatz zum "Nigger"). Wenn dies aber das Kriterium sein sollte, dürfte man heute noch viel weniger das Wort "Jude" in den Mund nehmen.

    Bitte schweifen Sie nicht vom Thema ab und diskutieren Sie konkret zum Artikelinhalt. Danke. Die Redaktion/er

    Haben Sie sich schon einmal überlegt, dass die Leute, die das böse "N-word", wie es die Amerikaner nennen, ansprechen soll, sich dadurch gar nicht verunglimpft fühlen könnten?
    Weil sie u.U. den Kontext begreifen, auf den Jean Ziegler hier abzielt. Eine (schwarz-)humorige Sichtweise auf jahrzentealte Vorurteile, wie Neger sind arm, Neger sind dumm, Neger sind die Unterschicht usw. . So wie sie ja behandelt wurden und von unverbesserlichen Rassisten immer noch behandelt werden.
    So wie Jean Ziegler von den Mächtigen auch, die über ihm stehen, mehr Geld und mehr Einfluss haben und ihn mit Füßen treten.
    Verstehen Sie? SCHWARZhumorig halt :)

    Da ich jetzt ja quasi jemanden direkt "zur Hand" hab, stell ich die Frage einfach mal geradeheraus: Warum fühlen Sie sich genötigt, sich für jemand bzw. eine Gruppe von Leuten stellvertretend schämen zu müssen?

    Sie sollten die vermeintliche Verunglimpfung im Kontext betrachten:
    "Ein Freund von mir hat mal gesagt: Der Ziegler ist ein weißer Neger. Das stimmt: Ich bin ein weißer Neger"

    Bei einigen Argumentationsmustern der übrigen Kommentatoren spiegelt sich genau das wieder, was ich versuchte im ersten Kommentar deutlich zu machen:
    Die rassifizierte Verwendung des Wortes "Negers" suggeriert eine Ungleichbehandlung, ja Degradierung, einer künstlich geschaffenen "Gruppe", die fälschlicherweise nicht durch regionale, geographische oder kulturelle Aspekte benannt wird, sondern durch ihre Hautfarbe. Genau hier ist der Unterschied zu Bezeichnungen wie Europäer, Spanier, Slowake etc.
    steigt nicht in (hoffentlich) allen von uns ein ungutes Gefühl auf, wenn der Gegenüber uns nach arischen Kriterien überprüft? Das wollen wir doch auch nicht!

    Erschütternd waren auch Aussagen wie "wenn einer dieses Wort benutzen darf dann Ziegler". Niemand, kein Mensch darf und sollte von diesem Wort Gebrauch machen.
    "Es zeigt seine Solidarität mit den Afrikanern". Auch dieses Zitat ist sehr aussagekräftig für die Ungleichbehandlung und rassifizierte Denkweise vieler von uns. Wer berechtigt wen hierzu und woher entsteht eine Ungleichstellung, die den "Weißen" zur Solidarität mit dem Schwarzen befähigt? Und wieso ist die Bezeichnung "Weißer Neger" eine solidarische Aussage?

    Ich kritisiere die "Zeit" aufs Schärfste, dieses Zitat als Überschrift verwendet zu haben, bin jedoch dankbar für die Herauskristallisierung der manifestierten Ignoranz in der Lesergemeinde, die mir hier überaus sichtbar wurde.

    "dieses verachtenswerten Wortes bedienen."
    Worte sind nicht verachtenswert sondern Menschen.

    Ich lebe im Ausland und werde als Gringo bezeichnet.
    Also auch eine Bezeichnung die weder mit meiner Herkunft noch Leistung zu tun hat, sondern nur meine Hautfarbe bezeichnet, schliesslich bin ich kein amerikanischer Eroberer....

    Gringo ist nur dann eine Beleidigung wenn die Aussage als solche gedacht ist. Ansonsten ist es einfach ein Wort. Vermutlich wird es denen die Neger genannt werden genauso gehen. Der Ton macht die Musik !! und bei einem "Plattenspieler" Ziegler steht die Tonart fest.

    ich glaube, sie haben den sinn dieser formulierung nicht richtig verstanden. sie ist schon mit bedacht so gewählt - und das diskriminierende ist gerade die absicht ...

    "Neger" schlagartig ausgeschaltet.
    Denn es ist ja nicht der "dunkelhäutige Bewohner tropischer Breitengrade beiderseits des Äquators" gemeint, sondern genau jener unterdrückte, rassistisch verachtete und benachteiligte Mensch, den die Rassisten als "Neger" bezeichnen.
    Und wie soll man zu dem ein "weißes Pendant" bezeichnen???
    Drehen Sie Ihre Erregung ab, und denken sie noch einmal nach....

    Ziegler benutzt das Wort ja nicht um die als "Neger" bezeichneten herabzuwürdigen, sondern - ganz im Gegenteil - um auf die noch immer tatsächlich stattfindende Herabwürdigung dieser Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe/Herkunft deutlich hinzuweisen. Diese Bezeichnung hat ja Ursachen - welche schandhafterweise noch immer nicht abgeschafft sind!

    Er verleiht damit seinem Unbehagen mit diesen Zuständen Ausdruck und verbrüdert sich gleichzeitig mit diesen unterdrückten Menschen. Großartig!

    Ihre unreflektierte Reflexreaktion ist allenfalls lächerlich - falls man sich nicht an der Stelle für Sie fremdschämt.

    Das Wort ist so unschuldig wie jedes Wort, das Menschen je ersonnen haben in jeder Sprache dieser Welt.
    Nicht das Wort ist verachtenswert, sondern dessen Gebrauch. Und so wie ein Afroamerikaner alles Recht der Welt hat, seinen "Brother" Nigger zu nennen und der so Angesprochene darüber lacht, weil es eine Ironisierung darstellt und man sich genau damit über den weißen Rassismus erhebt - genauso gibt es neben dem "verachtenswerten" Gebrauch auch einen ehrbaren. Gerade indem man diskriminierende Wörter den Diskriminanten entreißt, nimmt man ihnen die Macht der Diskriminierung. Wer die Wörter hat, hat die Köpfe: das gilt aber in beide Richtungen.
    Klar, wenn man das unbefangen liest, mag man sich wundern. Aber wie immer, es kommt auf den Kontext an.

    Mit dem Wort "Neger" verbindet man heute einen verarmten, auf irgendeiner Plantage, ob in den Südstaaten der USA oder auf den Baumwollfelder in Burkina Faso, ausgebeuteten Schwarzen. "Neger" ist weder eine Charakterisierung, noch eine Beschimpfung oder sonst eine vulgäte Bezeichnung; "Neger", wie Jean Ziegler es verwendet, ist Synonym für eben jene ausgebeutete und diskriminierte Klasse (weniger Rasse). Und dass sich Jean Ziegler als ein weißer Neger bezeichnet, ist Zeichen für seine Solidariät mit dieser Klasse.

    Eine besseres Wort hätte dieser Mensch, den ich schätze wie kaum einen anderen, für seine Person nicht finden können. Ohne mich auf eine Stufe mit Ziegler erheben zu wollen, würde auch ich mich als einen weißen Neger bezeichnen.

    ...der hat Neger gesagt.

    http://www.youtube.com/wa...

    Pffff,...Kleingeister und professionell Empörte.

    Werte(r) weilmeldung,

    es ist nun wirklich albern, im gegebenen Kontext sich wegen dem Wort "Neger" pc zu echauffieren. Wenn überhaupt jemand den Begriff benutzen darf, dann ja wohl Ziegler. Im übrigen ist "Neger" auch nicht verwerflicher als "Schwarzer", "Dunkelhäutiger", "Schwarzafrikaner" oder dergleichen. Es sind von einem äußerlichen Merkmal (hier der Pigmentierung der Haut) abgeleitete Zuordnungen zu einer Gruppe von Menschen, und so gesehen ist auch "Asiate", "Indianer", "Pygmäe", "Latino" und dergleichen mindestens ebenso rassistisch. Und konsequent noch etwas weiter gedacht ist dann auch "Franzose", "Japaner" oder "Argentinier" pi. Ich hätte nichts dagegen - und eigentlich müsste man genau da ansetzen. Mit einsam abstrakten Entrüstungen über den Begriff "Neger" gewinnen wir hingegen gar nichts. Seine Verbannung aus dem Sprachgebrauch ist nichts weiter als ein Bröselchen Valium für das schlechte Stellvertreter-Gewissen der Nachkommen der Kolonialisten und Sklavenhalter.

    "Neger" ist im übrigen heute kein Schimpfwort, wenn es denn je eines war (im Gegensatz zum "Nigger"). Wenn dies aber das Kriterium sein sollte, dürfte man heute noch viel weniger das Wort "Jude" in den Mund nehmen.

    Bitte schweifen Sie nicht vom Thema ab und diskutieren Sie konkret zum Artikelinhalt. Danke. Die Redaktion/er

    Haben Sie sich schon einmal überlegt, dass die Leute, die das böse "N-word", wie es die Amerikaner nennen, ansprechen soll, sich dadurch gar nicht verunglimpft fühlen könnten?
    Weil sie u.U. den Kontext begreifen, auf den Jean Ziegler hier abzielt. Eine (schwarz-)humorige Sichtweise auf jahrzentealte Vorurteile, wie Neger sind arm, Neger sind dumm, Neger sind die Unterschicht usw. . So wie sie ja behandelt wurden und von unverbesserlichen Rassisten immer noch behandelt werden.
    So wie Jean Ziegler von den Mächtigen auch, die über ihm stehen, mehr Geld und mehr Einfluss haben und ihn mit Füßen treten.
    Verstehen Sie? SCHWARZhumorig halt :)

    Da ich jetzt ja quasi jemanden direkt "zur Hand" hab, stell ich die Frage einfach mal geradeheraus: Warum fühlen Sie sich genötigt, sich für jemand bzw. eine Gruppe von Leuten stellvertretend schämen zu müssen?

    Sie sollten die vermeintliche Verunglimpfung im Kontext betrachten:
    "Ein Freund von mir hat mal gesagt: Der Ziegler ist ein weißer Neger. Das stimmt: Ich bin ein weißer Neger"

    Bei einigen Argumentationsmustern der übrigen Kommentatoren spiegelt sich genau das wieder, was ich versuchte im ersten Kommentar deutlich zu machen:
    Die rassifizierte Verwendung des Wortes "Negers" suggeriert eine Ungleichbehandlung, ja Degradierung, einer künstlich geschaffenen "Gruppe", die fälschlicherweise nicht durch regionale, geographische oder kulturelle Aspekte benannt wird, sondern durch ihre Hautfarbe. Genau hier ist der Unterschied zu Bezeichnungen wie Europäer, Spanier, Slowake etc.
    steigt nicht in (hoffentlich) allen von uns ein ungutes Gefühl auf, wenn der Gegenüber uns nach arischen Kriterien überprüft? Das wollen wir doch auch nicht!

    Erschütternd waren auch Aussagen wie "wenn einer dieses Wort benutzen darf dann Ziegler". Niemand, kein Mensch darf und sollte von diesem Wort Gebrauch machen.
    "Es zeigt seine Solidarität mit den Afrikanern". Auch dieses Zitat ist sehr aussagekräftig für die Ungleichbehandlung und rassifizierte Denkweise vieler von uns. Wer berechtigt wen hierzu und woher entsteht eine Ungleichstellung, die den "Weißen" zur Solidarität mit dem Schwarzen befähigt? Und wieso ist die Bezeichnung "Weißer Neger" eine solidarische Aussage?

    Ich kritisiere die "Zeit" aufs Schärfste, dieses Zitat als Überschrift verwendet zu haben, bin jedoch dankbar für die Herauskristallisierung der manifestierten Ignoranz in der Lesergemeinde, die mir hier überaus sichtbar wurde.

    "dieses verachtenswerten Wortes bedienen."
    Worte sind nicht verachtenswert sondern Menschen.

    Ich lebe im Ausland und werde als Gringo bezeichnet.
    Also auch eine Bezeichnung die weder mit meiner Herkunft noch Leistung zu tun hat, sondern nur meine Hautfarbe bezeichnet, schliesslich bin ich kein amerikanischer Eroberer....

    Gringo ist nur dann eine Beleidigung wenn die Aussage als solche gedacht ist. Ansonsten ist es einfach ein Wort. Vermutlich wird es denen die Neger genannt werden genauso gehen. Der Ton macht die Musik !! und bei einem "Plattenspieler" Ziegler steht die Tonart fest.

    ich glaube, sie haben den sinn dieser formulierung nicht richtig verstanden. sie ist schon mit bedacht so gewählt - und das diskriminierende ist gerade die absicht ...

    "Neger" schlagartig ausgeschaltet.
    Denn es ist ja nicht der "dunkelhäutige Bewohner tropischer Breitengrade beiderseits des Äquators" gemeint, sondern genau jener unterdrückte, rassistisch verachtete und benachteiligte Mensch, den die Rassisten als "Neger" bezeichnen.
    Und wie soll man zu dem ein "weißes Pendant" bezeichnen???
    Drehen Sie Ihre Erregung ab, und denken sie noch einmal nach....

    Ziegler benutzt das Wort ja nicht um die als "Neger" bezeichneten herabzuwürdigen, sondern - ganz im Gegenteil - um auf die noch immer tatsächlich stattfindende Herabwürdigung dieser Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe/Herkunft deutlich hinzuweisen. Diese Bezeichnung hat ja Ursachen - welche schandhafterweise noch immer nicht abgeschafft sind!

    Er verleiht damit seinem Unbehagen mit diesen Zuständen Ausdruck und verbrüdert sich gleichzeitig mit diesen unterdrückten Menschen. Großartig!

    Ihre unreflektierte Reflexreaktion ist allenfalls lächerlich - falls man sich nicht an der Stelle für Sie fremdschämt.

    Das Wort ist so unschuldig wie jedes Wort, das Menschen je ersonnen haben in jeder Sprache dieser Welt.
    Nicht das Wort ist verachtenswert, sondern dessen Gebrauch. Und so wie ein Afroamerikaner alles Recht der Welt hat, seinen "Brother" Nigger zu nennen und der so Angesprochene darüber lacht, weil es eine Ironisierung darstellt und man sich genau damit über den weißen Rassismus erhebt - genauso gibt es neben dem "verachtenswerten" Gebrauch auch einen ehrbaren. Gerade indem man diskriminierende Wörter den Diskriminanten entreißt, nimmt man ihnen die Macht der Diskriminierung. Wer die Wörter hat, hat die Köpfe: das gilt aber in beide Richtungen.
    Klar, wenn man das unbefangen liest, mag man sich wundern. Aber wie immer, es kommt auf den Kontext an.

  2. Merkwürdig: Manche sind für Herrn Ziegler "Halunken", aber der Präsident von Burkina Faso wird von ihm so sanft behandelt, nichtmal das Wort "Folter" kommt da über seine Lippen! Woher nimmt Herr Ziegler die Gewissheit, dass er den Präsidenten nicht umstimmen kann?
    .
    Andererseits: Über die Menschen des Südens, die gerade die Kolonialzeit hinter sich gelassen haben, sagt er: "Was sie aus ihrer Freiheit machen, ist das große Mysterium der Geschichte"
    Wahrhaftig, das ist ein Mysterium! Das Morden ist seither weitergegangen, in unvorstellbarem Ausmaß! Woher nimmt Herr Ziegler die Hoffnung, das da noch was Gutes nachkommt?
    .
    Noch so ein "neoliberaler" Gedanke: Wer in Herrn Zieglers Stellung nicht mit dem Schweizer Bankensystem knutschen will, der muss wohl mit Herrn Gaddhafi knutschen!

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    "Andererseits: Über die Menschen des Südens, die gerade die Kolonialzeit hinter sich gelassen haben, sagt er: "Was sie aus ihrer Freiheit machen, ist das große Mysterium der Geschichte" schreiben sie.

    Im Absatz direkt davor geht es doch nicht um Afrika Sondern sehr konkret um die Proteste bei "G-8-Gipfeln geht, um Atommülltransporte oder wie bei euch um diesen Stuttgarter Bahnhof". Auch die Frage bezog sich darauf.

    "Andererseits: Über die Menschen des Südens, die gerade die Kolonialzeit hinter sich gelassen haben, sagt er: "Was sie aus ihrer Freiheit machen, ist das große Mysterium der Geschichte" schreiben sie.

    Im Absatz direkt davor geht es doch nicht um Afrika Sondern sehr konkret um die Proteste bei "G-8-Gipfeln geht, um Atommülltransporte oder wie bei euch um diesen Stuttgarter Bahnhof". Auch die Frage bezog sich darauf.

  3. ...der hat Neger gesagt.

    http://www.youtube.com/wa...

    Pffff,...Kleingeister und professionell Empörte.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Der Zins hat uns verdorben.

    http://www.youtube.com/wa...

    Der Zins hat uns verdorben.

    http://www.youtube.com/wa...

  4. Ein glaubwürdiger, ehrlicher und selbstkritischer Artikel, da Jean Ziegler, wenn auch indirekt, das Scheitern westlicher Weltbeglückungsideen einräumt.

  5. denn Sie verstehen den Aphorismus im gebrauchten Bild "weißer Neger" des Interviewten nicht.

    Es gibt auch einen Aphorismus von eben jenem zitierten Karl Kraus: "Parlamentarismus ist die Kasernierung der politischen Prostitutuion"

    Verehrter oder verehrte weilmeldung, Sie sind vielleicht jetzt auch versucht, gegen die Wortverwendung von Parlament, Kaserne und Prostitution einzuschreiten.

    Na dann denken Sie doch mal nach: Was könnte uns der Interviewte wohl gesagt haben wollen mit seinem Bild vom "weißen Neger"?

    Ich will und werde es Ihnen nicht erklären.

    • neo1
    • 03.01.2011 um 19:45 Uhr

    [...]

    Entfernt. Bitte achten Sie auf einen angemessenen Diskussionston. Danke. Die Redaktion/er

    Eine Leser-Empfehlung
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    antworte dem Erstkommentator doch mit souveräner Gelassenheit und lass' doch bitte die Agressivitäten aus. Du könntest es mit gekonnter Polemik versuchen, wie wär's ?

    • neo1
    • 03.01.2011 um 20:41 Uhr

    Die Zeitredakteure können garnix dafür: Denen ein herz- und hirnliches Dankeschön für dieses Interview.
    Und ich antworte nicht aggressiv sondern zärtlich: Alles eine Frage der Perspektive.
    "Aggressivitäten" sind anders, nachzulesen im Interview.
    Und was "gekonnte Streiterei" anbelangt, bin ich um jeden Tip in diesen kakophon "entworteten" Zeiten dankbar.
    Wobei bspw. der Nachkommentator, der Ziegler als "Links" und dessen Standpunkte u.a. als "völlig unsinniges Westen/Süden Geschwafel" (hä?) erkennt, der hat's wirklich drauf: Analytisch, politisch und sexuell!

    • neo1
    • 03.01.2011 um 21:01 Uhr

    Und sowieso protestiere ich hiermit gegen die zeitungarische Zensur!

    antworte dem Erstkommentator doch mit souveräner Gelassenheit und lass' doch bitte die Agressivitäten aus. Du könntest es mit gekonnter Polemik versuchen, wie wär's ?

    • neo1
    • 03.01.2011 um 20:41 Uhr

    Die Zeitredakteure können garnix dafür: Denen ein herz- und hirnliches Dankeschön für dieses Interview.
    Und ich antworte nicht aggressiv sondern zärtlich: Alles eine Frage der Perspektive.
    "Aggressivitäten" sind anders, nachzulesen im Interview.
    Und was "gekonnte Streiterei" anbelangt, bin ich um jeden Tip in diesen kakophon "entworteten" Zeiten dankbar.
    Wobei bspw. der Nachkommentator, der Ziegler als "Links" und dessen Standpunkte u.a. als "völlig unsinniges Westen/Süden Geschwafel" (hä?) erkennt, der hat's wirklich drauf: Analytisch, politisch und sexuell!

    • neo1
    • 03.01.2011 um 21:01 Uhr

    Und sowieso protestiere ich hiermit gegen die zeitungarische Zensur!

    • asx
    • 03.01.2011 um 19:50 Uhr

    dass Ziegler Links ist, aber gegen den Mann ist Lenin ja fast ein Konservativer;)
    Manche seiner Feststellungen mögen richtig sein, allerdings ist dieses Westen/Süden Geschwafel völliger Unsinn. Die Araber haben Afrika mit größter Freunde ausgebeutet, so wie es jede Hochkultur mit ihren unterentwickelten Nachbarn gemacht hat.
    Der Westen hat diese gängige Praxis, die ich zum Wesen des Menschen rechne, nur perfektioniert...

    Eine Leser-Empfehlung
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    "Seht nur! Die Araber haben Afrika auch ausgebeutet! Die haben sogar angefangen! Wir machen doch nur nach, was die..! Wir sind eben nur besser! Wir brauchen uns nicht zu verstecken oder zu schämen! Die anderen haben doch angefangen!"

    Sie werden mir den Sarkasmus sicher nachsehen, aber finden Sie Ihre Argumentationslinie nicht ein klein wenig erbärmlich?

    Und weil Ziegler den Finger in die Wunde legt und die Dinge beim Namen nennt ist er Ihrer Ansicht nach linksextrem? Das scheint mir doch arg konstruiert. Wir könnten es nämlich auch so sehen, dass der heutige Konservativismus, die sog. "Politik der Mitte", deutlich rechtslastig ist. Aber darüber kann man sich an anderer Stelle streiten.

    niemals von sich behauptet, sie brächten die Menschenrechte nach Afrika.
    Und Ziegler ist - genauso wie SIE - der Meinung, daß diese gängige Praxis "zum Wesen des Menschen" gehört.
    Also sind SIE auch ein zweiter Lenin?

    "Seht nur! Die Araber haben Afrika auch ausgebeutet! Die haben sogar angefangen! Wir machen doch nur nach, was die..! Wir sind eben nur besser! Wir brauchen uns nicht zu verstecken oder zu schämen! Die anderen haben doch angefangen!"

    Sie werden mir den Sarkasmus sicher nachsehen, aber finden Sie Ihre Argumentationslinie nicht ein klein wenig erbärmlich?

    Und weil Ziegler den Finger in die Wunde legt und die Dinge beim Namen nennt ist er Ihrer Ansicht nach linksextrem? Das scheint mir doch arg konstruiert. Wir könnten es nämlich auch so sehen, dass der heutige Konservativismus, die sog. "Politik der Mitte", deutlich rechtslastig ist. Aber darüber kann man sich an anderer Stelle streiten.

    niemals von sich behauptet, sie brächten die Menschenrechte nach Afrika.
    Und Ziegler ist - genauso wie SIE - der Meinung, daß diese gängige Praxis "zum Wesen des Menschen" gehört.
    Also sind SIE auch ein zweiter Lenin?

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