GenindustrieWem gehört der Brokkoli?

Nahrungsmittelkonzerne liefern sich einen Wettstreit um das Patentieren von Gemüse, Obst und sogar Tieren. von 

Wenn ein Ei oder ein Hühnerbein verzehrt wird, will der amerikanische Konzern Monsanto künftig daran mitverdienen. Die Forscher des amerikanischen Saatgut- und Technologiemultis haben ein Hühnerfutter entwickelt, das besonders viele ungesättigte Fettsäuren enthält und gewiss seine Freunde bei Hühnerhaltern finden wird. Allerdings will sich Monsanto so weitgehende Rechte an diesem Futter sichern, dass Umweltschützer aufgeschreckt sind.

Ein jüngst hinterlegter internationaler Patentantrag des Konzerns fordert Eigentumsrechte für das Herstellungsverfahren, um die neue Entwicklung vor Nachahmern zu schützen. Aber daraus leitet Monsanto zugleich Ansprüche auf das Futter selbst und auf jedwedes Geflügel ab, das mit dem gentechnisch veränderten Sojaprodukt gemästet wurde. Auch auf das Fleisch von Hähnchen und Puten, weiß oder dunkel, wenn es eine bestimmte Konzentration der Omega-3-Fettsäuren enthält. Sogar auf die Eier.

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Würde Monsanto das genehmigt, dann müssten Tierzüchter und Lebensmittelfirmen künftig nicht nur Lizenzgebühren für das technische Verfahren zur Herstellung des Futters bezahlen. Monsanto könnte auch Forderungen erheben, wenn Kunden eines der Folgeprodukte für ihre Arbeit nutzen wollten. Die Kosten solcher »Monopolansprüche« trügen am Ende die Verbraucher, warnt Greenpeace-Berater Christoph Then. Von politischen und ethischen Bedenken ganz abgesehen.

Es ist ein Reizwort: Patente auf Leben. Seit vielen Jahren erhitzt es die Gemüter. Im Augenblick gewinnt es neue Brisanz.

Der Boom der weltweiten Nahrungsmittelmärkte, die hohe Zahl von über 925 Millionen Hungernden , die Risiken des Klimawandels für die Landwirtschaft und der wachsende Bedarf an Energiepflanzen – all das hat das Interesse an hochgezüchtetem oder gentechnisch verändertem Saatgut erhöht. Die Unternehmen und Forschungsbetriebe liefern sich ein Wettrennen darum, wer als Erster die neuen Methoden zum Patentamt tragen kann. Kritiker fürchten: Große, mächtige Konzerne reißen sich die Eigentumsansprüche auf Pflanzen und Tiere unter den Nagel, werden noch mächtiger und treiben Bauern und Verbraucher in neue Abhängigkeiten.

Längst geht es bei diesen Patentansprüchen nicht mehr nur um die Gentechnik . Trickreich dehnen die Konzerne ihre Ansprüche auf neue Felder aus. Die Züchtung beispielsweise gilt in Europa eigentlich nicht als Erfindung und ist deswegen auch kein Fall für das Patentamt. Sie wird als ein natürlicher Vorgang behandelt, und Forscher dürfen ungehindert auf biologisches Material zugreifen. Nur ausnahmsweise können doch Patente erteilt werden: wenn das Verfahren nicht »im Wesentlichen biologisch« ist. Doch was heißt das?

Smart breeding und andere neue Methoden lassen konventionelle Züchtung und patentierfähige Biotechnologie zunehmend miteinander verschmelzen. Deshalb gehen viele Unternehmen seit einigen Jahren dazu über, beim Europäischen Patentamt (EPA) auch konventionelle Züchtungen anzumelden, die einfach mit einem technischen Schritt garniert wurden.

Leserkommentare
  1. "Längst geht es bei diesen Patentansprüchen nicht mehr nur um die Gentechnik."

    Nein, von anfang an ging es bei der gentechnischen Veränderung von Nutzpflanzen um Kontrolle der Nahrungsmittelproduktion und um die Macht über das Essen der Bevölkerung. Die Gentechnikgegner haben von vorneherein meist übersehen, dass hier die eigentliche Gefahr liegt. Wenn es eine Firma schafft, den Großteil der Samen für eine Grundnahrungsmittelproduktion wie z.B Soja zu liefern und wenn diese Samen gentechnisch verändert sind, so dass die daraus wachsensen Pflanzen nur sterile Samen produzieren, dann kann diese Firma über die Art und Menge der uns zur Verfügung stehenden Nahrung bestimmen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Nieder mit diesem Konzern

    Das geht ja mal gar nicht!!

  2. 2. Hunger

    Zitat: "... die hohe Zahl von über 925 Millionen Hungernden ..."

    Dass so viele Menschen auf der Welt hungern müssen, ist vor allem ein politisches Problem und hat nur wenig mit den Erträgen der Landwirtschaft zu tun. Das beste Beispiel dafür ist Simbabwe, das einst eines der reichsten Länder Afrikas war und nun, einen Diktator namens Mugabe später, eines der ärmsten Länder auf dem Kontinent ist.

    Gentechnisch veränderte Nahrung wird an solchen Problemen nicht viel ändern können. Manche Experten behaupten sogar, dass durch die Patentansprüche der Hunger in der dritten Welt steigen könnte.

    Dennoch muss ich sagen, dass der Artikel vergleichsweise objektiv und informationsreich ist und deutlich weniger dämliche Propaganda enthält als Artikel zum Thema in vielen anderen Zeitungen.

  3. Kampf FÜR Artenvielfalt GEGEN Biopatente und Genmanipuliertes Saatgut in Monopolistenhänden:

    Gutes Beispiel: „Navdanya“
    http://de.wikipedia.org/w...

  4. Für die ausufernden Ansprüche von Unternehmen wie Monsanto oder Bayer Crop Science gibt es es eine einfache und prägnante Antwort:

    Es reicht!

  5. Die Bestrebungen der großen Lebensmittelkonzerne sind an Perversion inzwischen kaum zu überbieten. Wenn die Regierungen diesen lebens- und menschenverachtenden Machenschften nicht rechtzeitig Einhalt gebieten, lauert hier meiner Meinung nach eine Gefahr, die alle Armeen und Terrorgruppen zusammengenommen in den Schatten stellt.

  6. Nieder mit diesem Konzern

    Das geht ja mal gar nicht!!

  7. Kernprogramm der Piratenpartei. Und: Wir sind nicht die Grünen, das ist nicht verhandelbar.

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