Umweltaktivisten am Rande des Klimagipfels in Cancún © Ronaldo Schemidt/AFP/Getty Images

In Sachen Klimaschutz bescherte uns 2010 eine gute Nachricht und mehrere schlechte. Die gute: Nach dem diplomatischen Desaster von Kopenhagen reden die Repräsentanten von fast 200 Nation wieder miteinander über den Schutz der Erdatmosphäre. Der Verhandlungsprozess unter dem Dach der Vereinten Nationen, nach dem Klimagipfel im Jahr 2009 von vielen schon als untauglich abgeschrieben, ist in Cancún gerettet worden. Zum Glück, denn es gibt dazu keine vernünftige Alternative.

Die schlechten Nachrichten: Entgegen den Verheißungen, die vor Kurzem noch für Schlagzeilen sorgten, macht die Erderwärmung keine Pause. 2010 wird sogar als eines der wärmsten Jahre in die Annalen der Meteorologen eingehen. Auch der im Jahr 2009 durch die Weltwirtschaftskrise bedingte Abwärtstrend bei den Emissionen ist passé. Sogar in Deutschland, dessen Regierende sich zur Avantgarde der Klimaschützer zählen, sind die Emissionen wieder gestiegen, selbst wenn der Effekt des ungewöhnlich kalten Winters herausgerechnet wird. Schließlich rechtfertigen die Beschlüsse der Klimakonferenz von Cancún nicht die Hoffnung, die Menschheit sei dem großen Ziel ein Stück näher, den Anstieg der globalen Temperatur auf zwei Grad zu begrenzen. Die stehenden Ovationen der Offiziellen und vieler Umweltschützer, die längst Teil des jährlichen Klimazirkus geworden sind, werden den Übereinkünften von Cancún nicht gerecht.

Dass trotz der versöhnlichen bis euphorischen Töne in den letzten Stunden der Cancún-Versammlung wirksamer Klimaschutz nicht wahrscheinlicher geworden ist – das wird zwar gerne verdrängt, ist aber von den Märkten für Emissionsrechte genau so quittiert worden. Diese blieben von der sechzehnten Weltklimakonferenz vollkommen unbeeindruckt; der Preis der EU-Emissionszertifikate setzte seinen Abwärtstrend einfach fort. Warum auch nicht? Schließlich haben sich die Unterhändler in Mexiko auf nichts einigen können, was den Ausstoß von Treibhausgasen begrenzen würde und ihn deshalb teurer machen könnte.

Sie haben sogar dafür gesorgt, dass die Rechnung, die wegen wieder einmal vertagten Klimaschutzes auf die Menschheit zukommt, nun deutlich höher ausfallen wird. Laut Internationaler Energie Agentur (IEA) kostet mittlerweile jedes Jahr Zaudern und Zögern beim Klimaschutz eine Billion Dollar; im vergangenen Jahr war es laut IEA erst halb so viel. Der Grund für die Kostenexplosion: Ohne Kurswechsel in der Klimapolitik und ohne die dadurch ausgelösten Preissignale werden weltweit weiterhin Fabriken, Kraftwerke, Häuser und alle möglichen anderen Infrastrukturen gebaut, die vor Ablauf ihrer regulären Lebensdauer verschrottet werden müssen – jedenfalls dann, wenn irgendwann doch Ernst gemacht werden sollte mit dem Kampf gegen die Erderwärmung. In Cancún konnte davon (noch) nicht die Rede sein, weshalb die Diplomaten de facto ihr Scherflein zur Kapitalvernichtung beigetragen haben.