Die Komikerin und Autorin Cordula Stratmann © Boris Breuer

Weihnachten war ein Reinfall. Der Baum hässlich, die Gans verbrannt, die Stimmung giftig, in der Kirche gab es nur noch Stehplätze. Von den Geschenken gar nicht zu reden. Alle sind frustriert. Bis auf den, der die Sache mit schnoddrigem Humor sieht: Wieso Reinfall? Opa hat’s überlebt, obwohl es zwischendrin wirklich schlecht für ihn aussah.

Schnoddrigkeit ist die Philosophie des Achselzuckens, und sie ist absturzgefährdet. Der Grat, der sie von der Geschmacklosigkeit trennt, ist schmal, an ihm erweist sich das Können eines Komödianten. Witze können viele machen, gute Witze über Opas Verfassung nur wenige. Wenn Oliver Pocher schnoddert, kriecht man unter den Tisch vor Fremdscham, bei Hape Kerkeling ist man in sicheren Händen. Unter den deutschen Komödiantinnen ist Cordula Stratmann die Schnodderqueen.

Cordula Stratmann wurde 1963 in Düsseldorf geboren, sie studierte Sozialarbeit und betätigte sich in diesem Beruf bis 1996, kennt vom Leben also ein bisschen mehr als das, was innerhalb von Fernsehstudios zu erfahren ist. Mit Comedy begann Cordula Stratmann 1990, sie hat eine beachtliche Karriere gemacht, eine Reihe von Preisen erhalten, dass sie irgendwann Bücher schreiben und auf der Bestsellerliste aufschlagen würde, war zu erwarten. Ein Drittel der Bestsellerlistenautoren stammt ja inzwischen aus dem Fernsehen und verlängert den dort erworbenen Bekanntheitsgrad zum Erfolg in der Gutenberg-Galaxis.

Ich schreibe, aber lesen müssen Sie selbst, so klingt ein typischer Stratmann-Buchtitel, erschienen 2003. In Stratmanns aktuellem Romanbestseller Sie da oben, er da unten geht es um Sabine, deutsche Durchschnittsfrau im Durchschnittsalter. Dieser Typus ist ganz allgemein der Favorit der deutschen Unterhaltungsliteratur. Nichts scheint in diesem Land die Gemüter so zu erheitern wie das Leben von Frauen um die vierzig; warum auch immer. Nun ist es mit Sabine allerdings so, dass nicht von ihrem Leben erzählt wird, sondern von ihrem Nachleben. Sabine hat, wenn der Roman beginnt, gerade das Zeitliche gesegnet. Schuld daran ist Dieter, Sabines Ehemann. Er hat Sabine im Flur der eigenen Wohnung erwürgt. Der Anlass ist nicht ganz klar. Wahrscheinlich gehört Dieter zu den Männern, die zu lange zu viel kompensieren, bis es plötzlich knallt, wie es ja auch an Weihnachten gern vorkommt.

Sabines Erwürgung durch Dieter ist allerdings nur der Ausgangspunkt der Geschichte, die nun konsequent aus postumer Perspektive entwickelt wird. Ort der Erzählung ist nämlich das Jenseits, vulgo der Himmel, und was Sabine dort erwartet, ist keineswegs schlechter, langweiliger oder enttäuschender als das Diesseits. Michael Jackson ist da und das Finanzamt nicht. Die Landschaft ist paradiesisch – was man vom Himmel auch erwarten darf –, und während Dieter sich auf Erden mit Schuldgefühlen herumschlägt und mit Sabines Nachfolgerin Bettina, erlebt Sabine im Himmel eine spannende Begegnung nach der anderen. Mit Jesus beispielsweise, der einiges über seine Beziehung zu Maria und Josef erzählt. Die Beziehung war schlechter, als man seit zwei Jahrtausenden annimmt.

Fantasie hat Cordula Stratmann wirklich jede Menge. Und einen Unterhaltungsroman über das Leben nach dem Tod, der nicht geschmacklos ist, muss man erst mal hinbekommen. Wahre Schnoddrigkeit erweist sich erst an den letzten Dingen.