Aufklärer Montesquieus große Deutschlandreise
1728 macht der französische Gelehrte Montesquieu eine längere Reise ins Nachbarland. Szenen einer Entdeckungsfahrt, die hierzulande bis heute unbekannt geblieben ist.

Schriftsteller, Philosoph und Aufklärer: Montesquieu
Wer immer über das Wesen des heutigen Staats spricht und schreibt, muss ihn zitieren, den Charles-Louis de Secondat, Baron de Montesquieu, geboren 1689 auf einem Schloss bei Bordeaux, gestorben 1755 in Paris. Denn dieser Richter und Rechtsphilosoph verfasste Schriften zur politischen Kultur der Moderne, die unser Verständnis von liberaler Rechtsstaatlichkeit bis heute prägen.
Vor allem sein Buch über Wesen und Geist der Gesetze, De l’Esprit des Lois, das er 1748 in zwei Bänden publizierte, wurde zum Grundgesetz aller modernen Grundgesetze. Noch zu Montesquieus Lebzeiten in die wichtigsten europäischen Sprachen übersetzt, gehört die darin entwickelte Lehre von der Gewaltenteilung zu den Prinzipien des freiheitlichen Rechtsstaates. Wir alle lernen es heute schon in der Schule: dass die vollziehende Staatsgewalt, die Gesetzgebung und das Gerichtswesen – also Exekutive, Legislative und Judikative – ihren Aufgaben unabhängig voneinander nachkommen müssen, um sich gegenseitig kontrollieren zu können. »Um den Missbrauch von Macht zu verhindern, muss die Macht der Macht Schranken setzen.«
Montesquieu entwickelte seine Gedanken auf langen Reisen durch Frankreich und Europa, wo er Anschauungsunterricht zur Vielfalt der Lebensformen und Verfassungsordnungen seiner Zeit erteilt bekam. So studierte er die von ihm gepriesenen Mechanismen der Gewaltenteilung erstmals während eines Aufenthaltes in England. Hier erließen seit der Glorreichen Revolution von 1688 die gewählten Repräsentanten der Bürger gemeinsam mit dem König und den obersten Lords im Parlament von Westminster die Gesetze. Allerdings entsprach der Zustand der dritten Gewalt, der englischen Justiz, noch keineswegs dem von Montesquieu angestrebten Ideal.
Die Deutschen ähneln Elefanten. Auf den ersten Blick wirken sie grob und wild, doch sobald man sie gestreichelt hat und ihnen schmeichelt, werden sie sanftmütig. Dann braucht man nur noch die Hand auf ihren Rüssel zu legen, und sie lassen einen willig auf ihren Rücken klettern
Montesquieu
Seine Reisen sind von allen Kennern seines Lebenswerks dokumentiert worden. Umso erstaunlicher ist es, dass die längste seiner politisch-philosophischen Exkursionen bislang nicht die gleiche Aufmerksamkeit gefunden hat: seine Reise nach Deutschland, ins Heilige Römische Reich Deutscher Nation.
Obgleich Montesquieu sehr detaillierte Notizen und Briefe über seine Erlebnisse jenseits des Rheins verfasste, sind diese noch gar nicht ausgewertet worden. 1894 wurden die meisten Reiseberichte aus seinem handschriftlichen Nachlass zwar in Bordeaux zum Druck befördert, doch steht eine vollständige, historisch-kritische Edition dieses Materials noch aus. Wunderlich genug: Selbst eine deutsche Übersetzung der Reisenotizen fehlt.
Das ist ein echtes Manko, denn wer sich in den Text der Voyage en Allemagne vertieft, stellt verblüfft fest, dass der aufmerksame Tourist aus Frankreich darin nicht nur ein außerordentlich lebendiges Bild der Deutschen, ihrer Kultur und der schönen Landschaften und Städte zwischen Alpen und Nordsee zeichnet. Sondern er beschreibt hier auch die einzigartige Verfassungstradition des Reiches als eine für andere Nationen vorbildliche Staatsordnung. Montesquieu entdeckt den Föderalismus, und er preist diese Bundesstaatlichkeit fortan als einen zukunftsweisenden Bestandteil des konstitutionellen Erbes von Europa.
Am Anfang des Weges zu dieser bedeutsamen Entdeckung steht eine holprige Kutschfahrt. Kaum hat Montesquieu zu Beginn des Monats April 1728 den Rhein überquert, da erleidet sein Wagen unweit von Karlsruhe einen Achsbruch. Wie so viele Deutschlandreisende dieser Zeit verflucht er den schlechten Zustand der Straßen im Reich. In seinem mit großer Akribie geführten Reisejournal schimpft er, der Unfall sei »une catastrophe«. Gerade hat er noch in einem Brief an die Pariser Freundin Anne de Courcelles, Marquise de Lambert, großspurig angekündigt, das gesamte Reich bereisen zu wollen. Diesen Plan muss er nun notgedrungen abändern.
Nach der Reparatur seines ramponierten Gefährts ermahnt er den Kutscher, die Reise nun nur noch im vorsichtigen Trott fortzusetzen, um kein weiteres Malheur zu provozieren. Das verlangsamt das anvisierte Reisetempo erheblich. Schweren Herzens verzichtet er auf den Besuch Hamburgs. Eine Tour in die nördlichste Region des Reiches würde ihn unter den neuen Umständen mehr Zeit kosten, als ihm für die Rundreise insgesamt zur Verfügung steht.
- Datum 19.01.2011 - 07:06 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.12.2010 Nr. 01
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'Ob indes auch aus Europa einmal eine echte Bundesrepublik werden wird, wie Montesquieu es sich nach seinem Abschied aus dem Reich in einem Brief an Stain ausdrücklich wünschte, bleibt abzuwarten.'
Es waere eine Suende ungeheuerlichen Ausmasses, wenn wir Herrn Montequieu diesen Wunsch nicht erfuellen wuerden. Montesquieu koennte posthum der erste Ehrenbuerger der Bundesrepublik Europa werden.
"Vor allem sein Buch über das er 1748 in zwei Bänden publizierte, wurde zum Grundgesetz aller modernen Grundgesetze. "
...es ist ja eventuell nur etwas für am morgen, aber sein Buch über das was? Wenn mich mein Erinnerungsvermögen nicht trübt (vgl. früher Morgen) sicher "L'esprit des lois", nur so oder so ist der Satz verbesserungswürdig.
Liebe/r Ferenc_I,
danke für Ihren Hinweis.
Es lag ein technisches Problem vor. Der Text wurde an der entsprechenden Stelle nicht angezeigt.
Richtig heißt es:
"Vor allem sein Buch über Wesen und Geist der Gesetze, De l’Esprit des Lois, das er 1748 in zwei Bänden publizierte, wurde zum Grundgesetz aller modernen Grundgesetze."
Die Werke waren ursprünglich verlinkt auf Google Books:
http://books.google.de/bo...
Beste Grüße
Ihre Wissensredaktion
Liebe/r Ferenc_I,
danke für Ihren Hinweis.
Es lag ein technisches Problem vor. Der Text wurde an der entsprechenden Stelle nicht angezeigt.
Richtig heißt es:
"Vor allem sein Buch über Wesen und Geist der Gesetze, De l’Esprit des Lois, das er 1748 in zwei Bänden publizierte, wurde zum Grundgesetz aller modernen Grundgesetze."
Die Werke waren ursprünglich verlinkt auf Google Books:
http://books.google.de/bo...
Beste Grüße
Ihre Wissensredaktion
Die Hansestadt Hamburg und die ZEIT vergeben ein Stipendium an einen Historiker, der Montesquieus Deutschlandreise zweisprachig zur Veröffentlichung vorbereitet.
Die Zeitgenossen hatten für die Endphase des Heiligen Römischen Reiches weitaus weniger übrig. Nicht einmal Oberhäupter dieses Bundes aus dem Hause Habsburg nahmen das Reich im 18. Jahrhundert noch ernst. Die diversen Territorien des Reichs waren für jede Manipulation äußerer Mächte offen Die Geschichte und vor allem die Länge des 30 jährigen Kriegs der vor allem in der zweiten Phase eine Geschichte auswärtiger Interventionen war, zeigte das nur zu deutlich. Eine wirkliche nationale Einigung wurde durch dieses überlebte mittelalterlich feudale Staatsgebilde wirkungsvoll verhindert was zur Folge hatte, daß Deutschland bei der Verteilung der Welt unter die europäischen Kolonialmächte zu spät kam und aus Frustration über dieses zu spät kommen die Katastrophe des 20zigsten Jahrhunderts initierte. Davon abgesehen, der gelobte Rechtstaat des Montesquieu war historisch gesehen ein Kampfmittel der französischen Aristokratie ihre Positionen gegenüber dem absoluten Herrscher zu behaupten.
jedes Praxisdetail!
Deutschland war rechtsaatlich immer moderner als Frankreich bis 1792, dann hat F aufgeholt, aber nicht unbedingt überholt, wie deutsche Krämerseelen immer behaupten.
Ich wollte herausarbeiten, daß die Gewaltenteilung im Motesquieuschen Sinne ein Kampfmittel der Aristokratie gegen die Zentralisierungspolitik der französischen Könige und zur Bewahrung der aristokratischen Privilegien auf Kosten des "Dritten Standes" waren. Bezeichnenderweise stand das in Frankreich entstehende Bürgertum in diesem Konflikt auf der Seite des Königs. Bezeichnenderweise hatte die französische Revolution mit den Montesquieuschen Theorien wenig im Sinne. Bezeichnenderweise liebt die "Zeit" diese Theorien.
Montesquieus Rechtstaat als Kampfmittel der französichen Aristrokatie?
Ich fände es nicht anrüchig, wenn es so wäre! Demokratische Prinzipien, die wir aus hellenistischer und römischer Tradition übernommen haben, waren ursprünglich auch nicht für das ganze Volk resp. Bevölkerung gedacht. Sie wurden innerhalb einer Elite entwickelt und/oder erstritten und auf diese angewendet. Trotzdem baut unser Staatswesen darauf auf und bietet Recht, Freiheit und Demokratie für alle.
jedes Praxisdetail!
Deutschland war rechtsaatlich immer moderner als Frankreich bis 1792, dann hat F aufgeholt, aber nicht unbedingt überholt, wie deutsche Krämerseelen immer behaupten.
Ich wollte herausarbeiten, daß die Gewaltenteilung im Motesquieuschen Sinne ein Kampfmittel der Aristokratie gegen die Zentralisierungspolitik der französischen Könige und zur Bewahrung der aristokratischen Privilegien auf Kosten des "Dritten Standes" waren. Bezeichnenderweise stand das in Frankreich entstehende Bürgertum in diesem Konflikt auf der Seite des Königs. Bezeichnenderweise hatte die französische Revolution mit den Montesquieuschen Theorien wenig im Sinne. Bezeichnenderweise liebt die "Zeit" diese Theorien.
Montesquieus Rechtstaat als Kampfmittel der französichen Aristrokatie?
Ich fände es nicht anrüchig, wenn es so wäre! Demokratische Prinzipien, die wir aus hellenistischer und römischer Tradition übernommen haben, waren ursprünglich auch nicht für das ganze Volk resp. Bevölkerung gedacht. Sie wurden innerhalb einer Elite entwickelt und/oder erstritten und auf diese angewendet. Trotzdem baut unser Staatswesen darauf auf und bietet Recht, Freiheit und Demokratie für alle.
Liebe/r Ferenc_I,
danke für Ihren Hinweis.
Es lag ein technisches Problem vor. Der Text wurde an der entsprechenden Stelle nicht angezeigt.
Richtig heißt es:
"Vor allem sein Buch über Wesen und Geist der Gesetze, De l’Esprit des Lois, das er 1748 in zwei Bänden publizierte, wurde zum Grundgesetz aller modernen Grundgesetze."
Die Werke waren ursprünglich verlinkt auf Google Books:
http://books.google.de/bo...
Beste Grüße
Ihre Wissensredaktion
Wenigstens zur nächsten Quadrinale könnte Rubens&Co doch
mal zurückgeholt werden.Da begriffe vielleicht auch der letzte Düsseldorfer,wieso und woher und überhaupt:Kunst
usw.etc. pp .in Düeßldorf.Warum überhaupt.Helau
dass sich die drei gewalten nicht kontrolieren und regulieren, ist einer der wichtigsten punkte für das scheitern der demokratie in entwicklungsländern.
müßten auch die Mitglieder genossenschaftlich denken und fühlen, d.h. germanische- rechtlich denken und nicht auf einen zentralen Körper bezogen, wie im keltisch- magischen Frankreich.
Da viele Länder in der EU romanisch, andere slavisch geprägt sind, ist diese andere Mentalität des geselligen Kompromisses dort eben nicht gewachsen und wird auch nicht so einfach entstehen!
Die USA waren eine Neugründung aus
primär rechts- germanisch geprägten Ländern,
erstmal Angelsachsen und dann auch viele Leute Deutschland, sodaß darüber eine FÖDERALE Republik ohne weiteres möglich war.
Auch England war im frühen Mittelalter (vor den Normannen 1066 )ähnlich föderal wie Deutschland!
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