Neujahrsrede Worauf ich hoffe
Wenn Gott gerecht ist, muss er unseren Untergang zulassen. Um diese Welt zu retten, müssen die Jungen alles anders machen als die Alten. Eine Neujahrsrede von Christoph Hein
"Meine sehr verehrten Damen und gewissermaßen sehr verehrten Herren. Mir wurde der Vorschlag gemacht, ich solle hier für wohltätige Zwecke einen populären Vortrag halten. Nun gut. Wenn’s ein Vortrag sein soll, dann eben ein Vortrag. Ich bin kein Professor und weit davon entfernt, einen wissenschaftlichen Grad zu besitzen, aber nichtsdestoweniger arbeite ich nun schon dreißig Jahre lang unaufhörlich, ja zum Schaden meiner eigenen Gesundheit. Ich denke nach, und manchmal schreibe ich sogar, stellen Sie sich das vor."
Mit diesen Worten beginnt Anton Tschechows Einakter Über die Schädlichkeit des Tabaks . Ich wähle den alten Tschechow für meine heutige Ansprache, weil ich annehme, dass Sie mit derlei rechnen: Ein älterer Herr hält eine Neujahrsrede an die Jüngeren – was haben Sie da anderes zu erwarten, als sogenannte gute Ratschläge, peinigend und nervtötend?
wurde 1944 als Sohn eines Pfarrers geboren und wuchs in Sachsen auf. Nach dem Philosophiestudium ging er an die Berliner Volksbühne und avancierte mit Stücken wie Cromwell zu einem der kritischen jungen Intellektuellen der DDR. Seinen gesamtdeutschen Durchbruch hatte er 1985 mit der Novelle Der fremde Freund. Seither kommentiert er als einer der meistgelesenen deutschen Schriftsteller der Gegenwart nicht nur die Geschicke dieses Landes, sondern interessiert sich als politischer Publizist auch für die Zukunft der Menschheit. Zum Erbe seiner Pfarrhauskindheit zählt sicher auch der illusionslose Blick auf den Zustand der Welt. Zuletzt erschienen Frau Paula Trousseau (Suhrkamp) und Das goldene Vlies (Faber & Faber)
Ja, die älteren Herrschaften versuchen unentwegt, Sie zu belehren. Und wenn Sie vor Jahren noch von der unendlichen Weisheit und Allmacht Ihrer Eltern und Lehrer überzeugt waren, so haben sich doch in den letzten Jahren einige Zweifel eingeschlichen, und Sie ziehen es zunehmend vor, sich auf Ihre eigene Generation zu orientieren und lieber mit den Altersgenossen über die Welt zu diskutieren, anstatt sich weiterhin die fertigen und unveränderbaren Ansichten der ergrauten Vorfahren anzuhören.
Die Stunden mit den älteren Herrschaften werden notgedrungen erduldet, und Sie hören nur mit halbem Ohr hin, zumal in beiden Ohren die headphones Ihres MP3-Players stecken, eines Gerätes, dessen Handhabung Sie Ihrem Vater schon mehrfach und immer wieder vergeblich erklärt haben. Doch falls Sie es nicht schon längst wussten, so darf ich Sie auf einen Parallelismus verweisen: Uns, den Älteren, geht es mit Ihnen ebenso.
Eigentlich sind wir zutiefst davon überzeugt, dass Ihre Generation wenig taugt, dass Sie nicht zu schätzen wissen, was Sie von uns ererben werden, dass Sie verspielen, vergeuden, verludern, was wir hart erarbeiteten. Und vor allem: dass Sie unsere Werte nicht zu schätzen wissen.
Das alles ist nichts Neues unter der Sonne: Die Generationen stehen sich seit Generationen missbilligend gegenüber. Ich muss Ihnen gestehen, ich spreche voller Beklemmung zu Ihnen, mit Scheu. Denn was kann ich Ihnen sagen, was Sie nicht schon längst wissen? Und von dem, was Sie vielleicht nicht wissen, was davon interessiert Sie?
Nichts, vermute ich. Sie lesen diesen Aufsatz ja nur, weil es die Tradition der Neujahrsreden gibt. Ich vermute, wenn schon ein älterer Herr zu Ihnen sprechen soll, dann würden Sie doch Mick Jagger vorziehen. Und jetzt haben Sie eigentlich auch keine Zeit. Das Studium wartet, oder Sie wollen Karriere machen. In den nächsten Jahren werden Sie an so etwas Rührseligem wie einer Neujahrsansprache kein Interesse haben.
Aber vielleicht in fünf Jahrzehnten. Dann werden Sie älter sein, als ich es heute bin. Und wenn ich dann auch nicht mehr unter Ihnen sein kann, bin ich an Ihrem Leben durchaus interessiert.
Was werden Sie anders machen als die Generationen vor Ihnen? Ich hoffe doch, dass Sie eine Zuversicht auf Erneuerung, auf grundsätzliche Reformen haben. Denn in so gutem Zustand übergeben wir Ihnen die Welt nicht, dass Sie diese fraglos weiterführen dürften. Oder werden auch Sie all Ihre Kraft aufwenden, um die Schönheit und den Reichtum dieser Welt in möglichst viel Papiergeld zu verwandeln? In ein Paket von Wertpapieren, das durch einen Börsencrash, eine Finanzkrise, im Handumdrehen zu einem Müllhaufen wird? Dieser Müll ist das Monument eines verfehlten Lebens, ein Memento vergeudeter Hoffnungen.
- Datum 01.01.2011 - 12:57 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 30.12.2010 Nr. 01
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Freud sprach vom Todes- bzw. Destruktionstrieb und vom Widerstand des Menschen, sich seiner Destruktivität bewusst zu werden:
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Der Mensch lebt seine Destruktivität zum größten Teil unbewusst aus und versteckt sie teilweise (vor sich und anderen) hinter hehren Zielen. Wenn unsere Gesellschaft eine Zukunft haben will, muss sie sich ihre (wahnsinnige) Pathologie bewusst machen und gegenüber sich selbst ehrlich werden.
Freud sprach vom Todes- bzw. Destruktionstrieb und vom Widerstand des Menschen, sich seiner Destruktivität bewusst zu werden:
Denn die Kindlein, sie hören es nicht gerne, wenn die angeborene Neigung des Menschen zum ‚Bösen’, zur Aggression, Destruktion und damit auch zur Grausamkeit erwähnt wird.
Der Mensch lebt seine Destruktivität zum größten Teil unbewusst aus und versteckt sie teilweise (vor sich und anderen) hinter hehren Zielen. Wenn unsere Gesellschaft eine Zukunft haben will, muss sie sich ihre (wahnsinnige) Pathologie bewusst machen und gegenüber sich selbst ehrlich werden.
(In meinem ersten Post ist leider das Zitat von Freud verschwunden)
[...] Da gehören sie hin. Seit dem Bestehen der Menschheit wird von Apokalypsen geschwafelt. Alleine in meinem relativ kleinen Lebenszeitraum wäre die Welt schon mehrfach untergegangen, wegen Waldsterben, wegen BSE, wegen Vogelgrippe, wegen Ozonlöcher, wegen Ozon, jetzt halt wegen CO2. Spinnen Sie einfach im Grab weiter. Bezahlen Sie aber die Zeche auch selber. Ich habe keinen Bock mehr, für jeden apokalyptischen Mist Ablässe zu zahlen. Zu was hat man mich inzwischen alles genötigt. Diese blöden Windräder über Stromrechnungen zu bezahlen. PKW musste ich verkaufen, weil es gesünder sei, neue Autos zu bauen als die alten aufzubreuchen. Der Bau Eigenheimen geht unter 200.000,00 EUR gar nicht mehr, dafür gibt`s dazu Schimmel und Allergien. Wie bescheuert muss man sein, sich vor dem Karren der Industrie packen zu lassen und zu glauben, man habe wegen eines Mantras irgendein Recht der Welt die Welt zu gängeln. Achso, nehmen Sie die Mantras gleich mit. Die nächsten werden schon gedichtet. Eine Apokalypse ging es noch nie, denn daran wird verdient und damit werden Paläste gebaut.
Gekürzt. Bitte diskutieren Sie sachlich zum Artikelthema. Danke. Die Redaktion/wg
unserer Häuschen steht unsichtbar der Glaubenssatz:
nach mir die Sintflut.
wie wahr!
da steht: An meiner Rechts- und Moralauffassung soll die Welt genesen.
Wissen Sie warum ? Ganz einfach: Heute baut das normale Volk kein Haus mehr. Es sind die besser Verdienenden und die wählen bekanntlich grün. Es sind gerade diese Leute, die überhaupt Zeit und Sinn haben, in immer neuen apokalyptischen Phantasien zu schwelgen. Der Familienvater mit zwei Kindern und einem statistischen Durchschnittseinkommen von 2.500,00 brutto ist weder der Hausbauer noch derjenige, der Zeit und Muße hat, sich damit zu beschäftigen, wie er andere gängeln kann. Nur: Ein überdurchschnittliches Gehalt bürgt nicht für persönliche und intellektuelle Qualitäten. So erklärt sich, dass sich diese Bevölkerungskreise vor die Industrie spannen lassen und es nicht wahrhaben wollen. Was haben denn Verschrottungsprämien, Windräder, pp. für Ökobilanzen ? Wie rechtfertigt dieser Wahnsinn diese hohen Kosten ?
unserer Häuschen steht unsichtbar der Glaubenssatz:
nach mir die Sintflut.
wie wahr!
da steht: An meiner Rechts- und Moralauffassung soll die Welt genesen.
Wissen Sie warum ? Ganz einfach: Heute baut das normale Volk kein Haus mehr. Es sind die besser Verdienenden und die wählen bekanntlich grün. Es sind gerade diese Leute, die überhaupt Zeit und Sinn haben, in immer neuen apokalyptischen Phantasien zu schwelgen. Der Familienvater mit zwei Kindern und einem statistischen Durchschnittseinkommen von 2.500,00 brutto ist weder der Hausbauer noch derjenige, der Zeit und Muße hat, sich damit zu beschäftigen, wie er andere gängeln kann. Nur: Ein überdurchschnittliches Gehalt bürgt nicht für persönliche und intellektuelle Qualitäten. So erklärt sich, dass sich diese Bevölkerungskreise vor die Industrie spannen lassen und es nicht wahrhaben wollen. Was haben denn Verschrottungsprämien, Windräder, pp. für Ökobilanzen ? Wie rechtfertigt dieser Wahnsinn diese hohen Kosten ?
Ja, das alles ist wahr. Aber die Menschheit hat leider schon immer mehr Intelligenz (und auch Geld) dafür verwendet, wie sie sich umbringen und vernichten kann, als darauf ihr Überleben zu sichern. Wie gut könnte es um uns bestellt sein, wenn wir all die vernichteten geistigen und materiellen Ressourcen für die Bekämpfung von Hunger, Krankheiten und für die Erhaltung der Natur ausgegeben hätten. Anstatt das Leben auf der Welt für alle so angenehm wie möglich zu machen - wäre das das Paradies? - trachtet jeder einzelne nur nach seinem persönlichen Vorteil und somit auch jede Gesellschaft nach dem ihren und jeder Staat nach dem seinen. Die wenigen Menschen, die sich anders verhalten, betrachten wir als Spinner, bestenfalls verlachen wir sie als hoffnungslose Idealisten oder wir nehmen ihre Meinung zwar zur Kenntnis, beachten sie aber nicht; im schlimmsten Fall werden sie verfolgt, weggesperrt, hingerichtet. Wird die kommende Generation daran etwas ändern oder ist unser wahres Erbe nicht genau dieses egoistische, habgierige Verhalten?
es ist wichtiger das Kapital zu schützen als das Klima
Dem Artikel ist nichts mehr hinzuzufügen.
unserer Häuschen steht unsichtbar der Glaubenssatz:
nach mir die Sintflut.
wie wahr!
Lamento, Lamento, Lamento
"I would rather be ashes than dust! I would rather that my spark should burn out in a brilliant blaze than it should be stifled by dry-rot. I would rather be a superb meteor, every atom of me in magnificent glow, than a sleepy and permanent planet. The proper function of man is to live, not to exist. I shall not waste my days in trying to prolong them. I shall use my time." Jack London
Ich denke der Hauptgrund wieso nicht auf die Alten gehört wird, ist dass sie sich nicht in einer Position befinden oder sich in eine Position begeben wo sie was zu sagen hätten.
Es ist einfach unglaubwürdig, den Jungen zu sagen.. nun ja ich habe mein ganzes Leben Karriere gemacht, Gelder angehäuft, aber ihr sollt nun brav euch für andere Menschen aufopfern.
Da die Welt sich gewandelt hat, müssen sich die Jungen heute mehr anstrengen und mehr schaffen, um ein normales Leben führen zu können und sind zu beschäftigt auf solche Ratschläge zu hören.
Die Alten haben kein Recht, ihnen das abzusprechen.
Ein weiterer Grund, dass man nicht auf Alte hört ist, dass sie viel zu pessimistisch sind. Ich hab noch keinen Senior gesehen, der sagt, im Lauf der Jahrzente wurde vieles besser und bestimmt werden auch in Zukunft viele Probleme gelöst. Dabei bin ich durchaus dankbar, nicht vor 150 Jahren geboren zu sein und meine komplette Jugend ohne Freizeit in einem Kohlebergwerk verbracht haben zu müssen.
Statt destruktiv vom Weltuntergang zu reden, würde es helfen auf Grunde des wohl durchaus reich vorhandenen Erfahrungsschatzes Lösungsansätze für die durchaus vielfältigen Probleme vorzuschlagen. Dankeschön.
Ich zähle zu den Senioren, aber alt bin ich nicht. Und wenn ich etwas zu sagen habe, dann rede ich auch. Dann geht es darum, den Jüngeren etwas von den eigenen Erfahrungen zu vermitteln. Und dann mag ich es geradezu wenn von jüngerer Seite Widerspruch aufkommt. Ihren Beitrag, sehr geehrter hamsterbacke82, hat mir wirklich gut gefallen. In jungen Jahren haben wir selber ja nicht alles kritiklos übernommen. Von daher sehe ich für die nächste Generation eine gute Zukunft voraus.
Aber etwas macht mir doch große Sorgen. Das sind die enormen Staatsschulden, die wir euch hinterlassen. Damit hinterlassen wir euch kein wohl bestelltes Haus. Und vieles liegt in eurer Hand besser zu machen. Als da sind: der leichtfertige Umgang mit Krieg, die Banken quasi unter Naturschutz zu stellen, die Hinterlassenschaften der Atomenergie und und und.
Nehmt eure Zukunft schon jetzt in die Hand. In diesem Sinne wünsche ich ein glückliches, erfolgreiches Jahr 2011.
"Statt destruktiv vom Weltuntergang zu reden, würde es helfen auf Grunde des wohl durchaus reich vorhandenen Erfahrungsschatzes Lösungsansätze für die durchaus vielfältigen Probleme vorzuschlagen. Dankeschön."
Sie haben es doch selbst beantwortet : weil die Jungen nicht auf die Alten hören.
Kinder sind durch Worte nicht erziehbar, sondern lernen durch das Leben, welches die Eltern ihnen zeigen.
Und wenn ihr mit dem Raubbau so weitermacht, wie wir euch das vorgelebt haben, dann geht zwar nicht die Welt unter, aber sie wird garantiert immer weniger schön.
Haben wir Euch nicht das kritische und selbständige Denken gelehrt? Mehr können wir Euch nicht helfen.
Viele Grüße von einer alten Frau
Ich zähle zu den Senioren, aber alt bin ich nicht. Und wenn ich etwas zu sagen habe, dann rede ich auch. Dann geht es darum, den Jüngeren etwas von den eigenen Erfahrungen zu vermitteln. Und dann mag ich es geradezu wenn von jüngerer Seite Widerspruch aufkommt. Ihren Beitrag, sehr geehrter hamsterbacke82, hat mir wirklich gut gefallen. In jungen Jahren haben wir selber ja nicht alles kritiklos übernommen. Von daher sehe ich für die nächste Generation eine gute Zukunft voraus.
Aber etwas macht mir doch große Sorgen. Das sind die enormen Staatsschulden, die wir euch hinterlassen. Damit hinterlassen wir euch kein wohl bestelltes Haus. Und vieles liegt in eurer Hand besser zu machen. Als da sind: der leichtfertige Umgang mit Krieg, die Banken quasi unter Naturschutz zu stellen, die Hinterlassenschaften der Atomenergie und und und.
Nehmt eure Zukunft schon jetzt in die Hand. In diesem Sinne wünsche ich ein glückliches, erfolgreiches Jahr 2011.
"Statt destruktiv vom Weltuntergang zu reden, würde es helfen auf Grunde des wohl durchaus reich vorhandenen Erfahrungsschatzes Lösungsansätze für die durchaus vielfältigen Probleme vorzuschlagen. Dankeschön."
Sie haben es doch selbst beantwortet : weil die Jungen nicht auf die Alten hören.
Kinder sind durch Worte nicht erziehbar, sondern lernen durch das Leben, welches die Eltern ihnen zeigen.
Und wenn ihr mit dem Raubbau so weitermacht, wie wir euch das vorgelebt haben, dann geht zwar nicht die Welt unter, aber sie wird garantiert immer weniger schön.
Haben wir Euch nicht das kritische und selbständige Denken gelehrt? Mehr können wir Euch nicht helfen.
Viele Grüße von einer alten Frau
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