Religion und Wissenschaft Physik aus der Gottesperspektive

Stephen Hawking verkauft Wissenschaft als Religionsersatz. Das hat ihn weltberühmt gemacht. Seine Fachkollegen denken längst weiter.

Physiker lassen sich – etwas grob – in zwei Kategorien unterteilen: in Patchworker und Designer. Erstere suchen Antwort auf die Frage: Wie funktioniert die Welt im Detail? Letztere wollen die Frage beantworten: Wie funktioniert die Welt im Ganzen? Die einen bedienen sich ziemlich ungeniert verschiedener theoretischer Einzelteile, aus denen sie ihre Erklärungen zusammenflicken und im Experiment testen. Die andern geben sich erst mit einer umfassenden Formel zufrieden, die alles bisher Erklärte in sich vereint.

Stephen Hawking, der berühmte Cambridger Astrophysiker, gehört zweifellos in die Kategorie der Designer. Er ist bisher der letzte Nachfolger einer großen Ahnenreihe von Physikern, die über Einstein, Heisenberg, Dirac, Boltzmann, Maxwell bis zu Newton zurückreicht. Sie sind Ideen-Architekten, geniale Verallgemeinerer, Blickveränderer. Im Flickenteppich disparater Phänomene sehen sie ein zugrunde liegendes Muster.

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James Clerk Maxwell erkannte zum Beispiel, dass Magnetismus und Elektrizität »im Prinzip« Manifestationen ein und derselben physikalischen Realität sind, des elektromagnetischen Feldes, und ihm verdanken wir eine der elegantesten Theorien der Physik. Im 20. Jahrhundert schritten die Vereinigungen voran: von Materie und Licht in der Speziellen Relativitätstheorie, von Licht und Wärme in der Quantenhypothese des Lichts (aus der sich die Quantentheorie entwickelte), von Schwerkraft und Geometrie der Raumzeit in der Allgemeinen Relativitätstheorie.

An der Vereinigung von Gravitation und Quantenphysik wird hart gearbeitet. Und damit lockt die Sicht aus der »Gottesperspektive«, die alle bisher bekannten Grundkräfte des Kosmos unter das Design einer einzigen, »letzten« Theorie bringen könnte. Hatte Hawking 2004 einer solchen Theorie noch abgeschworen, scheinen ihm nun neue Entwicklungen wie die Superstringtheorie oder »M-Theorie« die Hoffnung wieder aufgefrischt zu haben. Deshalb will er in seinem Buch Der große Entwurf endlich doch noch den Weltanfang erklären.

Der Pop-Physiker Stephen Hawking

Für viele gilt er als größter Physiker der Gegenwart. Dabei beruht Stephen Hawkings Bekanntheit weniger auf seinen wissenschaftlichen Theorien als vielmehr auf seinen populären Bucherfolgen.

Eine kurze Geschichte der Zeit wurde 1988 zum weltweiten Bestseller. Die New Yorker Metropolitan Opera will den Stoff nun sogar auf die Bühne bringen.

Auch sein neues Werk, Der große Entwurf, ist ein Erfolg. Wie viel darin allerdings von Hawking selbst stammt, ist fraglich: Als Co-Autor wurde Leonard Mlodinow verpflichtet, ein sprachgewandter Physiker, der schon Drehbücher für Star Trek schrieb.

Jede Kultur hat ihre Kosmogonie. Primitive Kulturen erzählen Mythen, reifere Kulturen verwenden die Philosophie, ganz erwachsene Kulturen pflegen die Wissenschaft. Philosophie überwindet Mythologie, und Wissenschaft überwindet Philosophie. Das ist Hawkings schlicht gestricktes Fortschrittsmuster. Wie nun erklärt er die Weltentstehung? Das Kernkonzept der modernen Kosmogonie stammt aus der Quantenphysik: nämlich die Vorstellung, dass sich physikalische Elementarteilchen spontan aus dem Vakuum erzeugen lassen.

Denn der Quantenphysik zufolge ist das Vakuum nicht einfach leer, sondern angefüllt mit Energiefluktuationen, die sich nur im Mittel zu null addieren. In Experimenten im Teilchenbeschleuniger ist diese Vorstellung durchaus erprobt. Warum sollte man sie also nicht zumindest als Gedankenexperiment auf das Urlabor des frühen Universums anwenden? Und so kommt Hawking zu der Ansicht: »Da es ein Gesetz wie das der Gravitation gibt, kann und wird sich das Universum (...) aus dem Nichts erzeugen. Spontane Erzeugung ist der Grund, warum es das Universum gibt, warum es uns gibt. Es ist nicht nötig, Gott als den ersten Beweger zu bemühen, der das Licht entzündet und das Universum in Gang gesetzt hat.«

Wenn die Entstehung des Universums ein physikalischer Vorgang ist, dann brauchen wir physikalische Gesetze. Das ist so weit einleuchtend. Aber ein physikalisches Gesetz beschreibt und erklärt nur ein Ereignis, es erzeugt es nicht, auch nicht in den ersten Millionstelsekunden der Welt. Selbst eine Theorie »von allem« erklärt vielleicht alles, aber sie erzeugt nichts. Betrachten wir eine Analogie aus dem Fußball. Wir können die Flugbahn des Balles bei einem Freistoß ziemlich gut beschreiben, indem wir sie aus den Gesetzen der Mechanik und den Anfangsbedingungen – Schusswinkel, Kraft des tretenden Beins und so weiter – berechnen. Aber selbstverständlich »erzeugen« nicht die Gesetze die Bewegung, sondern die Fußballspieler. Es wäre absurd, zu sagen: Da es Bewegungsgesetze gibt, benötigen wir nicht noch so etwas wie den Fußballspieler als Beweger.

Beim Universum ist das etwas anders: Es entsteht in einem physikalischen Prozess, aus einer »spontanen Fluktuation« des Urvakuums. Dazu ist kein Akteur nötig. In diesem Punkt hat Hawking sicher recht. Aber wenn er nun das Universum sich selbst »erzeugen« lässt, also der Gravitation gewissermaßen eine Schöpferrolle überträgt, personifiziert er insgeheim die Gesetze der Physik. Anders gesagt, er erzählt uns einen Mythos in der Sprache der Physik. Daran wäre an sich nichts auszusetzen, verbände Hawking damit nicht den Anspruch, die Wissenschaft habe die Mythologie überwunden.

Wissenschaft ist und bleibt eine zentrale Autorität moderner Gesellschaften. Das Problem, das in der Gestalt von Autoren wie Hawking aufbricht, liegt darin, dass sie diese Autorität in deren eigenem Namen unterminieren. Nicht nur, dass Hawking sich mit seinen theologischen Eskapaden zum Teil lächerlich macht; er bringt über seine Person hinaus eine ganze Disziplin, ein über dreihundertjähriges Ethos in Verruf – das wissenschaftliche Ethos, das 1663 in einem Entwurf der Statuten der Royal Society so formuliert wurde: »Gegenstand und Ziel (...) ist es, die Kenntnisse von natürlichen Dingen, von allen nützlichen Künsten, Produktionsweisen, mechanischen Praktiken, Maschinen und Erfindungen durch Experimente zu verbessern – ohne sich in Theologie, Metaphysik, Moral, Politik (...) einzumischen.«

Leser-Kommentare
  1. Sehr geehrter Herr Kaeser,
    vielen Dank für Ihren hervorragenden Artikel. Er öffnet die Augen für die Gefahren der Pop Science gleichermaßen wie die Gefahren des Dogmatischen im interdisziplinären Diskurs. Einzig Ihre unterschwellige Forderung, sich von der Idee der Weltformel zu verabschieden, kann ich nicht als allgemeingültig sehen; sind doch verrückte und große Ideen wie diese, wie Sie richtig schrieben, Motor und Brennstoff der modernen Wissenschaft, auch im Sinne der immer noch gültigen Definition der Royal Society. Ich interessiere mich nach diesem Artikel sehr für die Inhalte Ihres Buchs "Pop Science" und werde dieses wohl bald anschaffen.
    Freundliche Grüße aus Hamburg!
    R. Braun

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    • sHR00m
    • 26.01.2011 um 17:10 Uhr

    schleichwerbung anyone?

    • sHR00m
    • 26.01.2011 um 17:10 Uhr

    schleichwerbung anyone?

  2. Dieser Artikel schwingt auf sehr befremdliche Art zwischen einer vernuenftigen, kritischen Haltung gegenueber Hawkings Auftritten als "groesster Physiker" und einem beliebten Abziehbild vom theoretischen Physiker, der nichts ausserhalb seines direkten Forschungsthemas hinterfragt.

    "Die Wissenschaft täte gut daran, sich kritisch mit ihren spezifischen Erklärungsweisen, zumal mit Fundamentalismen im eigenen Lager zu beschäftigen, zu denen das Projekt »letzte Theorie« gehört."

    Woher kommt die Auffassung, dass wir das nicht tun? Das Thema mag nicht bis in die populaerwissenschaftliche Literatur gedrungen sein, aber es gibt eine Vielzahl von intelligenten Aufsaetzen zur Wissenschaftstheorie.
    Die werden vermutlich gerne uebersehen, weil sie so schlecht zum Hollywoodbild vom engstirnigen Physiker passen.

    "Es klingt durchaus paradox: Man weiß um die fundamentalen Zusammenhänge der Materie, aber man ist nicht in der Lage, daraus die Eigenschaften alltäglicher und weniger alltäglicher Stoffe herzuleiten. "

    Na, was fuer eine Neuheit! Die statistische Physik ist nun ca. 150 Jahre alt und seither ein aktives Forschungsgebiet. Man muss sich schon sehr anstrengen, um das nicht zu bemerken.

    Viele Gruesse von einer theoretischen Physikerin, die sich immer wieder darueber wundert, dass die Oeffentlichkeit so viel Freude daran hat, uns so wenig zuzutrauen.

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    • joG
    • 04.01.2011 um 16:36 Uhr

    ....wissenschaftlicher Erkenntnisse ist, dass sie in der Öffentlichkeit von einzelnen aber sichtbaren Wissenschaftlern als absolute Aussagen zur Metaphysik dargestellt eine falsche Weltanschauung vermitteln. So lässt sich aus der Evolutionstheorie, anders als bspw Dawkins immer wieder beteuert, kein Schluss auf die Existenz eines Gottes ableiten. Dies mag zwar unbedeutend scheinen, führt aber zu einer unangebrachten Sicherheit in der Verurteilung konventioneller Moralbegriffe und einer Überhöhung der theoretischen Kraft säkularer Aussagen. Dies sieht man in diesem Forum sehr oft, wo religiöse Menschen als zurückgeblieben oder irrational dargestellt werden, um eigene Positionen zu befördern.

    • joG
    • 04.01.2011 um 16:36 Uhr

    ....wissenschaftlicher Erkenntnisse ist, dass sie in der Öffentlichkeit von einzelnen aber sichtbaren Wissenschaftlern als absolute Aussagen zur Metaphysik dargestellt eine falsche Weltanschauung vermitteln. So lässt sich aus der Evolutionstheorie, anders als bspw Dawkins immer wieder beteuert, kein Schluss auf die Existenz eines Gottes ableiten. Dies mag zwar unbedeutend scheinen, führt aber zu einer unangebrachten Sicherheit in der Verurteilung konventioneller Moralbegriffe und einer Überhöhung der theoretischen Kraft säkularer Aussagen. Dies sieht man in diesem Forum sehr oft, wo religiöse Menschen als zurückgeblieben oder irrational dargestellt werden, um eigene Positionen zu befördern.

    • Pangea
    • 04.01.2011 um 12:04 Uhr

    Ob man die Entstehung des Universums nun auf eine Formel oder eine nie wirklich ergründbare Komplexität verschiedener Faktoren rückführen kann, ist - zumindest heute noch - diskutabel.
    Aber ich verwehre mich davor, theistische Forscher mit seriösen (Natur)Wissenschaftlern auf eine Ebene zu bringen - und damit jegliche Diskussion mindestens in einem Unentschieden enden zu lassen. Mir ist kein Fall bekannt, da Theismus jemals langfristig überzeugend der wahren Wissenschaft überlegen war.
    Und die Erde ist doch eine Kugel.

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    Eigentlich war der Theismus der wirklichen Wissenschaft über Jahrhunderte dank der Schutzherrschaft der Kirche überlegen, richtige wisschenschaftler wurden verbrannt oder so wie Galilee gefoltert, damit sie ihre Aussagen wiederrufen.

    Ansonsten guter Artikel. Gerade die Suprstringtheorie ist doch schon einnigermaßen absurd, sie erklärt die Welt, so lange diese aus 10 oder 26 Dimensionen besteht...

    Eigentlich war der Theismus der wirklichen Wissenschaft über Jahrhunderte dank der Schutzherrschaft der Kirche überlegen, richtige wisschenschaftler wurden verbrannt oder so wie Galilee gefoltert, damit sie ihre Aussagen wiederrufen.

    Ansonsten guter Artikel. Gerade die Suprstringtheorie ist doch schon einnigermaßen absurd, sie erklärt die Welt, so lange diese aus 10 oder 26 Dimensionen besteht...

    • minhen
    • 04.01.2011 um 12:13 Uhr

    Der Artikel könnte zu Recht an gute Wissenschaft mahnen, verkommt aber stellenweise schlichtweg zu einem dumpfen Pamphlet. Insbesondere ist der eigentliche Aufhänger, wonach die "Weltformel" angeblich religiös, mystisch und unwissenschaftlich sei, fragwürdig. So ist es kein spirituelles Bedürfnis, dass zur Suche nach einer solchen Formel führt, sondern einfache Tatsachen: die Relativitätstheorie und die Quantenmechanik sind zwei außerordentlich gut überprüfte Theorien - und beide sind unvereinbar miteinander. Daher liegt die Vermutung auf der Hand, dass beide Sonderfälle, Aspekte einer "größeren" Theorie sind. Genau so, wie die newtonsche, klassische Mechanik ein Sonderfall der Relativitätstheorie ist. Das ist normale, wissenschaftliche Arbeit. Es ist auch falsch zu behaupten, dass Theorien wie die Stringtheorie grundsätzlich unüberprüfbar seien. Angesichts dessen, dass Astronomen in letzter Zeit verstärkt Indizien für die Existenz dunkler Materie gefunden haben, wird auch die Falschheit der Aufzählung des religiös-mystischen in der modernen Wissenschaft klar. In diesem Sinne kann man im Grunde sagen: Setzen, sechs.

    14 Leser-Empfehlungen
  3. Mein Problem: Ich könnte jeden einzelnen Abschnitt auseinanderpflücken, doch dazu reicht der mir gebotene Platz nicht. Darum ganz kurz:
    Als Einstein die Relativitätstheorie entwickelte (vom Autor übrigens als elegant beschrieben), wurde die Welt mit Hilfe von Ähtertheorien erklärt. Aus einem komplizierten Flickenteppich wurde eine geniale, schöne, "einfache" Theorie (die für die Menschen damals gar nicht so einfach zu verstehen war). Gleiches gilt für die Maxwellschen Gleichungen und die Theorie der Quantenmechnik.
    Auch jetzt stehen wir vor einem Flickenteppich, wie Dunkle Materie (bei der sich jetzt schon abzuzeichnen scheint, dass sie womöglich ein Trugschluss ist), Quanten-Loops, Strings etc. Alles kaum noch zu überschauen - eben genau wie die einzelnen Theorien zu Einsteins Zeiten. Das geniale bei Einstein war es, nichts wirklich Neues zu entdecken, sondern eine einzige, in sich schlüssige Theorie daraus zu entwickeln (gleiches gilt für Maxwell und Schrödinger). Es ist gar nicht einzusehen, warum das derzeit undenkbare irgendwann gedacht wird.
    Und zur Pop-Science: Ja natürlich, Wissenschaft darf ja nicht populär sein, wo kämen wir denn dahin, wenn der gemeine Mensch auf der Straße sich Gedanken über schwarze Löcher und Ereignishorizonte machen würde? Das sollte schließlich nur eine kleinen Gemeinde hochgelehrter Eliten dürfen - man muss sich ja vom gemeinen Plebs abheben können.

    Jeder hat das Recht auf Bildung und Wissen, auch ohne kompliziertes Studium!

    20 Leser-Empfehlungen
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    wenn damit die Pflicht einhergeht, es verantwortungsvoll zu nutzen. Die Populärkultur geht darüber oft hinweg, und eine zunehmende Zahl an Teilnehmern am wissenschaftlichen Diskurs passt sich dem an. Hierob wäre soviel zu sagen, mindestens, wie es vielleicht zur genauen Analyse des obigen Artikels. Wo der Autor allerdings auf jeden Fall recht hat, ist, dass er an Hawking eine Tendenz festmacht die unter vielen Naturwissenschaftlern vorhanden ist, nämlich Agentschaft, ja, bis hin zur Intentionalität zuzuschreiben, wo keine hingehört. Das Universum und das (Epi-)Genom, etc., etc., sind aber eben keine mit Intentionalität ausgestatteten Agenten, sowie Begriffe wie "Emergenz" nur reifizierte Residualkategorien sind die man, wie leider zu oft geschieht, nicht so mir nichts dir nichts ontologisieren und naturalisieren kann; die von solchen Redeweisen ausgehenden Einlässe, gehen aber schnell in die populäre Rezeption von Wissenschaft in derlei Art ein, dass eben wissenschaftliche Ergebnisse bevorzugt behandelt werden, die in sochen Redeweisen abgefasst sind. In Rückwirkung beeinflussen diese Denkweisen, etwa von jenen, die über Forschungsgelder entscheiden. Das ist mit unter gefährlich für gute Wissenschaft und vernünftige Anwendung des Wissens, und manchmal auch für Menschen (siehe die Geschichte der Entstehung der Eugenik aus der Hygiene).

    Zu Einsteins Wissenschaftsverständnis, s. K. 206.
    http://www.zeit.de/2011/0...

    wenn damit die Pflicht einhergeht, es verantwortungsvoll zu nutzen. Die Populärkultur geht darüber oft hinweg, und eine zunehmende Zahl an Teilnehmern am wissenschaftlichen Diskurs passt sich dem an. Hierob wäre soviel zu sagen, mindestens, wie es vielleicht zur genauen Analyse des obigen Artikels. Wo der Autor allerdings auf jeden Fall recht hat, ist, dass er an Hawking eine Tendenz festmacht die unter vielen Naturwissenschaftlern vorhanden ist, nämlich Agentschaft, ja, bis hin zur Intentionalität zuzuschreiben, wo keine hingehört. Das Universum und das (Epi-)Genom, etc., etc., sind aber eben keine mit Intentionalität ausgestatteten Agenten, sowie Begriffe wie "Emergenz" nur reifizierte Residualkategorien sind die man, wie leider zu oft geschieht, nicht so mir nichts dir nichts ontologisieren und naturalisieren kann; die von solchen Redeweisen ausgehenden Einlässe, gehen aber schnell in die populäre Rezeption von Wissenschaft in derlei Art ein, dass eben wissenschaftliche Ergebnisse bevorzugt behandelt werden, die in sochen Redeweisen abgefasst sind. In Rückwirkung beeinflussen diese Denkweisen, etwa von jenen, die über Forschungsgelder entscheiden. Das ist mit unter gefährlich für gute Wissenschaft und vernünftige Anwendung des Wissens, und manchmal auch für Menschen (siehe die Geschichte der Entstehung der Eugenik aus der Hygiene).

    Zu Einsteins Wissenschaftsverständnis, s. K. 206.
    http://www.zeit.de/2011/0...

  4. "(..)ein theistischer Forscher stellt Thesen auf, die der wissenschaftlichen Lehre widersprechen(..)"

    Wann soll das denn geschehen sein. Bitte um Aufklärung. Oder soll es hier lediglich um Banalitäten wie die Gottesexistenz, jungfräuliche Empfängnis und Ähnliches gehen? Diese mit wissenschaftlichen Thesen, die zum Beispiel denn biblischen Geschichten widersprechen, auf eine Stufe zu heben, wäre doch ein kleiner intellektueller Affront ;-)

    Ein unwissender Ignorant

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    ... zumindest hinsichtlich des Theismus und der Bibel.

    Die Bibel will die Welt deuten, nicht erklären. Das ist ein Unterschied!

    Wird die Naturwissenschaft mit der Weltformel um die Ecke kommen, wird der Theologe also antworten: "Danke schön, kommen wir nun zumm Wesentlichen..."

    Ich empfehle Ihnen auch die Kantsche "Kritik der reinen Vernunft" zur Lektüre. Insbesondere die Passagen über die Voraussetzungen der Möglichkeit menschlicher Erkenntnis. Könnte Ihnen vielleicht vom hohen Ross herunterhelfen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Joe

    ... zumindest hinsichtlich des Theismus und der Bibel.

    Die Bibel will die Welt deuten, nicht erklären. Das ist ein Unterschied!

    Wird die Naturwissenschaft mit der Weltformel um die Ecke kommen, wird der Theologe also antworten: "Danke schön, kommen wir nun zumm Wesentlichen..."

    Ich empfehle Ihnen auch die Kantsche "Kritik der reinen Vernunft" zur Lektüre. Insbesondere die Passagen über die Voraussetzungen der Möglichkeit menschlicher Erkenntnis. Könnte Ihnen vielleicht vom hohen Ross herunterhelfen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    Joe

  5. Aus dem Artikel lese ich den berechtigten Vorwurf heraus daß Wissenschaftler sich unberechtigt zu theologischen Aussagen "hinreißen" lassen.

    Ist es aber nicht vielmehr andersherum - daß nämlich Wissenschaftler, insbesondere Physiker immer und immer wieder mit theologischen Fragen bedrängt werden, die sie aus Freundlichkeit und Respekt dann gutgemeint zu beantworten versuchen ?

    Der Artikel erscheint mir letztlich als guter Beleg hierfür.

    Ich denke es ist durchaus verzeihlich, wenn Physiker ihren Kindern auf die Frage nach der Zahnfee auch mal ein hübsches Märchen erzählen.

  6. wenn damit die Pflicht einhergeht, es verantwortungsvoll zu nutzen. Die Populärkultur geht darüber oft hinweg, und eine zunehmende Zahl an Teilnehmern am wissenschaftlichen Diskurs passt sich dem an. Hierob wäre soviel zu sagen, mindestens, wie es vielleicht zur genauen Analyse des obigen Artikels. Wo der Autor allerdings auf jeden Fall recht hat, ist, dass er an Hawking eine Tendenz festmacht die unter vielen Naturwissenschaftlern vorhanden ist, nämlich Agentschaft, ja, bis hin zur Intentionalität zuzuschreiben, wo keine hingehört. Das Universum und das (Epi-)Genom, etc., etc., sind aber eben keine mit Intentionalität ausgestatteten Agenten, sowie Begriffe wie "Emergenz" nur reifizierte Residualkategorien sind die man, wie leider zu oft geschieht, nicht so mir nichts dir nichts ontologisieren und naturalisieren kann; die von solchen Redeweisen ausgehenden Einlässe, gehen aber schnell in die populäre Rezeption von Wissenschaft in derlei Art ein, dass eben wissenschaftliche Ergebnisse bevorzugt behandelt werden, die in sochen Redeweisen abgefasst sind. In Rückwirkung beeinflussen diese Denkweisen, etwa von jenen, die über Forschungsgelder entscheiden. Das ist mit unter gefährlich für gute Wissenschaft und vernünftige Anwendung des Wissens, und manchmal auch für Menschen (siehe die Geschichte der Entstehung der Eugenik aus der Hygiene).

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