Hätte es dieses Buch schon zu lesen gegeben, bevor die Debatte um die Verlängerung der Laufzeiten für deutsche Atomreaktoren aufkam, wären die Deutschen vom Ausgang des Streits weniger überrascht worden. Der Autor des Buches, der Rechtsanwalt Peter Becker, beschreibt außergewöhnlich klar, woher die Macht und der Einfluss der Energiekonzerne kommen.

Becker beobachtet diese Unternehmen und die hiesige Energiepolitik seit vielen Jahren. Er führt Prozesse, nimmt an politischen Debatten teil und entwickelt mit seinen Partnern das deutsche Energierecht fort.

Nun hat er zusammengetragen und aufgeschrieben, was er in den vergangenen Jahrzehnten gesehen, gelernt und an Dokumenten zugesteckt bekommen hat. Das ist eine Menge. Besonders erhellend ist gleich zu Anfang ein historisches Kapitel über die Entstehung von RWE. Sicher, Historiker aus dem Ruhrgebiet werden die Vorgeschichte bereits kennen und viele in der Energiebranche auch, aber allen anderen sei dieser Abschnitt zur Lektüre empfohlen.

Darin steht, wie der Industrielle Hugo Stinnes vor gut hundert Jahren einen Abnehmer für den ganzen Dampf suchte, den seine Schwerindustrie erzeugte, und wie Stinnes gleichzeitig erkannte, welche unternehmerische Chance in der gerade entstehenden Stromwirtschaft steckte.

In diesen Jahren wuchs auch das Geflecht, das den heutigen RWE-Konzern gleichermaßen stützt und fesselt: Stinnes beteiligte sich an dem jungen Unternehmen RWE und holte dann Dutzende von Kommunen mit in den Aktionärskreis, während er dafür im Gegenzug das Recht erhielt, exklusiv die Stromleitungen von RWE über ihr Gemeindegebiet zu ziehen. So entstanden Gebietsmonopole, so ergab sich das Interesse der Kommunen am Wohlergehen von RWE, so kam es zum politischen Schutzschirm, der bis heute existiert.

Diese Nähe erklärt umgekehrt die Abhängigkeit der Politik vom Erfolg von RWE. Die Konzessionsabgabe, die Energiekonzerne an Gemeinden zahlen, über deren Gebiet die Stromleitungen laufen, stellt vielerorts die größte, stabile Einnahmequelle von Städten und Gemeinden dar.

Von diesen Anfängen aus entwickelt Becker die Geschichte der deutschen Energie- und Stromwirtschaft sowie der zugehörigen Politik. Er beschreibt die Zeit der offenen Absprachen und der heimlichen Kartelle. Und er belegt mit einer großen Menge von Dokumenten, wie eng das Miteinander von Politik und Wirtschaft bis heute ist.