Emscher im Ruhrgebiet: Die Flussbereinigung
Die Emscher im Ruhrgebiet ist eine Kloake. Jetzt wird sie umgebaut.
»In Westfalen gilt das gesprochene Wort«, sagt Sascha Mader und stapft in Schwimmanzug und Badeschlappen durch den Schnee einen kleinen Abhang hinunter. Dann steigt er in die eiskalte Emscher. Vor einem Jahr hatte der Bezirksbürgermeister von Dortmund-Aplerbeck darauf gewettet, dass die Bauarbeiten zur Renaturierung des Flusslaufs nicht wie geplant abgeschlossen würden. Doch jetzt ist alles schon vier Wochen früher fertig. Mader muss sein Versprechen einlösen. Neben ihm posieren Oberbürgermeister Ullrich Sierau im Wasser und Jochen Stemplewski, Vorstandsvorsitzender der Emschergenossenschaft, Deutschlands größten Abwasserentsorgers. Beide tragen Gummistiefel. Ein paar Fotografen lassen ihre Kameras klicken.
Bis 2020 soll aus der größten Kloake Europas, einer 80 Kilometer langen Abwasserrinne, wieder ein Fluss werden – die »blaue Emscher«. 4,4 Milliarden Euro kostet das. Zur Einweihung der ersten 1250 Meter steht der Bezirksbürgermeister nun barfuß im Wasser.

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Gefährlich ist das nicht. In Dortmund-Aplerbeck, gut zwei Kilometer von der Quelle in Holzwickede entfernt, ist die Emscher einen guten Meter breit und keine 30 Zentimeter tief – ein klares Bächlein, das sich jetzt wieder durch den alten Dorfkern windet. An der Mündung bei Dinslaken schießen pro Sekunde 16 Kubikmeter Wasser in den Rhein. Denn unterwegs mündet die Kanalisation für 2,3 Millionen Menschen in den Fluss, dazu kommt noch einmal die gleiche Menge Abwasser aus Industriebetrieben. Um den schlimmsten Dreck aus dem Rhein herauszuhalten, passiert das gesamte Emscherwasser kurz vor der Mündung ein Klärwerk, bei der Inbetriebnahme vor 35 Jahren war es das größte Europas.
Das Bächlein, das in Aplerbeck nach Dortmund hineinplätschert, verlässt die Stadt auf der anderen Seite als giftig-braune Brühe, eingezwängt in einen offenen Betontrog, begrenzt durch schnurgerade Deiche. In der Strömung treiben Klopapierfetzen. Die steilen Ufer sind eingezäunt, Schilder warnen vor der Lebensgefahr, die beim Abrutschen in die Kloake droht.
Schon vor über 200 Jahren wurden die ersten Flussauen der Emscher durch Begradigungen trockengelegt. Mit dem Boom von Bergbau und Industrie Anfang des 19. Jahrhunderts musste der Fluss immer mehr Abwasser aufnehmen, nach starken Regenfällen bildeten sich stinkende Seen; Typhus, Cholera und Ruhr breiteten sich aus. So konnte es nicht weitergehen. 1899 taten sich Unternehmen und Kommunen zur Emschergenossenschaft zusammen, die den Fluss verkürzten und in ein steinernes Korsett zwängten, um den Abfluss zu beschleunigen.
Das Abwasser soll unter die Erde, das Regenwasser in den Fluss
Technisch funktioniert der Missbrauch der Emscher als »offenes Schmutzwassersystem« bis heute reibungslos. Ökologisch ist er ein Desaster und ab 2015 nach der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie sogar illegal. 1991 entschied sich die Genossenschaft für den großen Umbau: Die Kloake wird in gewaltige unterirdische Rohre verbannt, die ins Klärwerk Emschermündung führen. Der Fluss führt dann nur noch Regenwasser.
Sieben Jahre Bauzeit sind einkalkuliert. 35.000 Kanalrohrsegmente aus Stahlbeton müssen durch den Untergrund gepresst werden. Zusätzlich entstehen 150 Wartungsschächte und 3 große Pumpwerke. 12 Städte und Landkreise sind tangiert, bis zu 260 Baustellen müssen im dicht besiedelten Ruhrgebiet parallel betrieben werden.
Und wie soll der unterirdische Kanal gewartet werden? »Menschen können wir nicht hineinschicken«, sagt Technik-Chef Heiko Althoff, dafür ist der Abstand von bis zu 1,2 Kilometern zwischen den Wartungsschächten zu groß, maximal 150 Meter dürfen sich Mitarbeiter vom nächsten Fluchtweg entfernen. »Uns war schnell klar, dass wir ein automatisches Wartungssystem brauchen«, erinnert sich Althoff. Doch weltweit gab es so etwas für Rohre von bis zu 2,80 Metern Innendurchmesser nicht. Das Magdeburger Fraunhofer-Institut für Fabrikbetrieb und -automatisierung bekam den Auftrag, Wartungsgeräte für den laufenden Betrieb zu entwickeln. »Ein einziger Roboter wäre mit all den notwendigen Aufgaben überfordert«, sagt Projektleiter Norbert Elkmann, »deshalb haben wir drei verschiedene Prototypen gebaut.«






Warum hat man nicht einfach einen Deckel auf die Kloake gelegt, da und nur da wo sie stört? Welche Unterhaltskosten kommen nun auf die nächsten Generationen zu?
.... die Emscher trotz Schmutzwasser ein Fluss ist, der bei Regen, Schneeschmelze...... ganz schön voll werden kann. Da kannst du genau so wenig einen Deckel draufmachen wie auf den Rhein:-).
.
Die Abwassermenge ist vorhersehbar (Trennkanalisation vorausgesetzt), das kann und muss auch ab 2015 ins Rohr. Der Rest, Oberflächenwasser usw. kann nur offen ablaufen. Sonst saufen hier ganze Stadtteile ab.
.
Die Emscher hat keine Kleinstadt entwässert sondern das ganze Ruhrgebiet. also Abwasser von ca. 8Mio Menschen plus der Industrie und Oberflächenwasser von einigen 100 km/2. Das Rohr durch das diese Menge fließen kann muss erst noch erfunden werden :-)
.
Erst denken dann meckern :-))
Gruss
Sikasuu
Ich kann mich Sikasuu nur anschließen. Deckel drauf geht nicht. Allerdings wird im Artikel tatsächlich versäumt zu erklären, worin der für viele anscheinend "offensichtliche" Nutzen des Projektes besteht.
.... die Emscher trotz Schmutzwasser ein Fluss ist, der bei Regen, Schneeschmelze...... ganz schön voll werden kann. Da kannst du genau so wenig einen Deckel draufmachen wie auf den Rhein:-).
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Die Abwassermenge ist vorhersehbar (Trennkanalisation vorausgesetzt), das kann und muss auch ab 2015 ins Rohr. Der Rest, Oberflächenwasser usw. kann nur offen ablaufen. Sonst saufen hier ganze Stadtteile ab.
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Die Emscher hat keine Kleinstadt entwässert sondern das ganze Ruhrgebiet. also Abwasser von ca. 8Mio Menschen plus der Industrie und Oberflächenwasser von einigen 100 km/2. Das Rohr durch das diese Menge fließen kann muss erst noch erfunden werden :-)
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Erst denken dann meckern :-))
Gruss
Sikasuu
Ich kann mich Sikasuu nur anschließen. Deckel drauf geht nicht. Allerdings wird im Artikel tatsächlich versäumt zu erklären, worin der für viele anscheinend "offensichtliche" Nutzen des Projektes besteht.
.... die Emscher trotz Schmutzwasser ein Fluss ist, der bei Regen, Schneeschmelze...... ganz schön voll werden kann. Da kannst du genau so wenig einen Deckel draufmachen wie auf den Rhein:-).
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Die Abwassermenge ist vorhersehbar (Trennkanalisation vorausgesetzt), das kann und muss auch ab 2015 ins Rohr. Der Rest, Oberflächenwasser usw. kann nur offen ablaufen. Sonst saufen hier ganze Stadtteile ab.
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Die Emscher hat keine Kleinstadt entwässert sondern das ganze Ruhrgebiet. also Abwasser von ca. 8Mio Menschen plus der Industrie und Oberflächenwasser von einigen 100 km/2. Das Rohr durch das diese Menge fließen kann muss erst noch erfunden werden :-)
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Erst denken dann meckern :-))
Gruss
Sikasuu
Ich kann mich Sikasuu nur anschließen. Deckel drauf geht nicht. Allerdings wird im Artikel tatsächlich versäumt zu erklären, worin der für viele anscheinend "offensichtliche" Nutzen des Projektes besteht.
findest du auf mehreren Ebenen.
a. Verrohrte Führung der Abwässer und Trennkanalisation belasten weniger den Lebensraum Ruhrgebiet. Außerdem lässt sich die dadurch leichter kalkulierbare Abwassermenge einfacher reinigen/klären.
.
b. Führung des Oberflächenwasser oberirdisch ermöglicht wieder Auenflächen mit all ihren ökologischen Vorteilen und, da eine recht große versiegelte Stadtfäche über die Emscher in den Rhein entwässert wird, lassen sich in diese Führung auch Rückstau-/Rückhalteräume einplanen, die bei Hochwasser den Rhein wesendlich entlasten können.
.
Die Emscher entwässert von Unna (im Westen) bis Duisburg (in Osten den gesamten Großraum Ruhr. Über mikroklimatische Einflüsse von Bauchen und kleinen Flußauen in einet Stadtlandschafft will ich hier gar nicht reden.
.
Die Vorteile für die Grubenwasserhaltung, Bergsenkungsflächen usw. will ich hier auch nicht ansprechen sonst wird es ein mehrteiliger Beitrag.
.
Das mal als Stichworte zum Nutzen
Gruss
Sikasuu
findest du auf mehreren Ebenen.
a. Verrohrte Führung der Abwässer und Trennkanalisation belasten weniger den Lebensraum Ruhrgebiet. Außerdem lässt sich die dadurch leichter kalkulierbare Abwassermenge einfacher reinigen/klären.
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b. Führung des Oberflächenwasser oberirdisch ermöglicht wieder Auenflächen mit all ihren ökologischen Vorteilen und, da eine recht große versiegelte Stadtfäche über die Emscher in den Rhein entwässert wird, lassen sich in diese Führung auch Rückstau-/Rückhalteräume einplanen, die bei Hochwasser den Rhein wesendlich entlasten können.
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Die Emscher entwässert von Unna (im Westen) bis Duisburg (in Osten den gesamten Großraum Ruhr. Über mikroklimatische Einflüsse von Bauchen und kleinen Flußauen in einet Stadtlandschafft will ich hier gar nicht reden.
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Die Vorteile für die Grubenwasserhaltung, Bergsenkungsflächen usw. will ich hier auch nicht ansprechen sonst wird es ein mehrteiliger Beitrag.
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Das mal als Stichworte zum Nutzen
Gruss
Sikasuu
Über die Frage, worin der Sinn bestehen kann, eine offene Kloake zu renaturieren, kann ich als Ruhrpottbewohnerin nur allenfalls mit dem Kopf schütteln.
Es ist ja nicht nur die Emscher, sondern es gibt hier viele kleine Naturbäche, die allesamt zu Kloaken umfunktioniert wurden, diese ziehen sich nicht nur durch Industriegebiete, sondern an Wohnsiedlungen vorbei, durch Schrebergartenkolonien und sogar Landschaftsschutzgebiete. Im Zuge der Emschersanierung werden diese kleinen Bächlein ebenfalls renaturiert.
Stellen sie sich einmal vor, die Isar, wäre im Zuge der Industrialisierung zu einer Kloake Umgewandelt worden, oder die Havel oder die Inn oder oder oder..... würde man da auch den Sinn der Renaturierung fragen? Der Nutzen dürfte doch wohl jedem vernünftig denkenden Menschen erschließen, nun ja, zumindest besteht im Pott darüber Konsens, das reicht uns ;).
»Der Nutzen ist für jedermann nachvollziehbar«, sagt er, »so sind Großprojekte auch in Deutschland machbar.«
Wie wahr - der Nutzen muss für jeden nachvollziehbar sein - und genau darum gab es den Protest bei Stuttgart 21 - und kaum/wenig Protest bei der Emscher.
Allerdings muss man hier anmerken dass das Renaturieren der Emscher auch kein "kapitalistischer Gewinn" ist - sofern man die Abwasserkosten nicht massivst erhöht bringt es keinen finanziellen Gewinn - dafür aber mehr Lebensqualität in das Ruhrgebiet.
Und was bringt dem gemeinen Bürger mehr - ein Bankenturm oder ein sauberer Park? Ein unterirdischer Bahnhof oder saubere Flüsse?
Im Artikel gewinnt man fast den Eindruck, dass größere Flüsse geringer belastet sind als solche kleineren "Kloaken", zwar mögen dort noch Fische schwimmen, doch als naturnah würde ich diese auch nicht bezeichnen.
Es sind sicherlich nicht nur kleine Bächlein, die renaturierungsbedürfitg sind.
Immerhin ist es ein Anfang, deutlich zu machen, dass mehr als CO2 gibt.
findest du auf mehreren Ebenen.
a. Verrohrte Führung der Abwässer und Trennkanalisation belasten weniger den Lebensraum Ruhrgebiet. Außerdem lässt sich die dadurch leichter kalkulierbare Abwassermenge einfacher reinigen/klären.
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b. Führung des Oberflächenwasser oberirdisch ermöglicht wieder Auenflächen mit all ihren ökologischen Vorteilen und, da eine recht große versiegelte Stadtfäche über die Emscher in den Rhein entwässert wird, lassen sich in diese Führung auch Rückstau-/Rückhalteräume einplanen, die bei Hochwasser den Rhein wesendlich entlasten können.
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Die Emscher entwässert von Unna (im Westen) bis Duisburg (in Osten den gesamten Großraum Ruhr. Über mikroklimatische Einflüsse von Bauchen und kleinen Flußauen in einet Stadtlandschafft will ich hier gar nicht reden.
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Die Vorteile für die Grubenwasserhaltung, Bergsenkungsflächen usw. will ich hier auch nicht ansprechen sonst wird es ein mehrteiliger Beitrag.
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Das mal als Stichworte zum Nutzen
Gruss
Sikasuu
Da bin ich aber sehr verblüfft darüber, dass es in der BRD überhaupt so etwas gibt.
Ich war immer der Meinung, dass alles bestens sauber und gepflegt ist und die Stinkstellen nur in Bitterfeld zu finden sind.
Gut, dass nun langsam mal etwas ans Tageslicht kommt, dass es in der BRD auch schwarze Flecken auf der angeblichen weißen Weste zu sehen sind. Das Ruhrgebiet war ja hinsichtlich seines immensen Drecks schon aus dem Weltraum zu sehen.
Bitte achten Sie auf einen angemessenen Diskussionston. Danke. Die Redaktion/er
Ca. um 1900 war hier klar, das Ruhrgebiet geplant entwässert werden musste. Durch den Bergbau war eine klassische unterirdische Abwasserführung nicht möglich. Es wurde entschieden, die Emscher im Norden als Abwasserfluss und die Ruhr im Süden als Trinkwasserfluss zu nutzen. Zur damaligen Zeit ein modernes und überlegtes Konzept!
.
Bis 1970/80 war eine Änderung dieses Konzeptes durch läufenden Bergbau nicht möglich. Es wurden an der Emscher Zwischenklärwerke gebaut, aber in Grundsatz blieb die Emscher Abwasserkanal.
.
Erst ab ca 1990 wird von der Quelle und den Nebenflüssen/ -bächen aus Stückweise renaturiert.
.
Die Flußrenaturierung ist relativ weit fortgeschritten (weil ziemlich einfach) Hauptproblem wird der flächendeckende Umbau der städtischen Kanalnetze in Trennkanalistation werden. Das wird noch einige Jahrzehnte daueren.
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Vergleich das vom Aufwand mit der Renaturierung der Braunkohletagebaue am Niederrhein und im Osten. Hier im "Pott" kommt erschwerend dazu, das die Arbeit in einem dicht besiedelten Raum stattfunden muss. Du kannst davon ausgehen, das 30-50 Jahre bis zum endgültigen Abschluss vergehen werden.
.
Gruss
Sikasuu
Ca. um 1900 war hier klar, das Ruhrgebiet geplant entwässert werden musste. Durch den Bergbau war eine klassische unterirdische Abwasserführung nicht möglich. Es wurde entschieden, die Emscher im Norden als Abwasserfluss und die Ruhr im Süden als Trinkwasserfluss zu nutzen. Zur damaligen Zeit ein modernes und überlegtes Konzept!
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Bis 1970/80 war eine Änderung dieses Konzeptes durch läufenden Bergbau nicht möglich. Es wurden an der Emscher Zwischenklärwerke gebaut, aber in Grundsatz blieb die Emscher Abwasserkanal.
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Erst ab ca 1990 wird von der Quelle und den Nebenflüssen/ -bächen aus Stückweise renaturiert.
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Die Flußrenaturierung ist relativ weit fortgeschritten (weil ziemlich einfach) Hauptproblem wird der flächendeckende Umbau der städtischen Kanalnetze in Trennkanalistation werden. Das wird noch einige Jahrzehnte daueren.
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Vergleich das vom Aufwand mit der Renaturierung der Braunkohletagebaue am Niederrhein und im Osten. Hier im "Pott" kommt erschwerend dazu, das die Arbeit in einem dicht besiedelten Raum stattfunden muss. Du kannst davon ausgehen, das 30-50 Jahre bis zum endgültigen Abschluss vergehen werden.
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Gruss
Sikasuu
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