EnergieEntwarnung im Kinderzimmer

Die Angst vor dem Quecksilber aus Energiesparlampen ist übertrieben. von 

Energiesparlampe Glühbirne Energie Licht

Energiesparlampen in der Herstellung  |  © Johannes Simon/Getty Images

Die 100-Watt-Glühbirnen sind längst aus den Regalen verschwunden. Im September 2011 sollen die 60-Watt-Birnen folgen, und ein Jahr später ist auch Schluss mit 40 Watt aus dem Glühfaden. Endgültig beschlossen und besiegelt wurde das EU-weite Glühbirnenverbot im April 2009. Jahrelange Debatten waren vorausgegangen, alle Argumente waren ausgetauscht, und die Freunde der Glühbirne hatten die Abstimmungen deutlich verloren. Doch es ist wie bei der Rechtschreibreform: Noch lange nach dem Beschluss lässt sich mit alten Argumenten neue Publicity erzielen.

»Ich werde alles tun, um das Glühbirnenverbot in der EU doch noch zu kippen«, verkündete Herbert Reul (CDU), der Vorsitzende des Industrieausschusses im EU-Parlament, drei Tage vor Weihnachten in der Welt und füllte damit die nachrichtenarme Zeit. Die EU-Kommission solle ihre »vom Klimaschutzwahn getriebene Symbolpolitik« beenden und statt des Glühlampenverbots ein Verbot der Energiesparlampen in Betracht ziehen. Seine FDP-Kollegin Silvana Koch-Mehrin witterte die Chance auf öffentliche Wahrnehmung und sekundierte: »Solange davon auszugehen ist, dass Energiesparlampen zu erheblichen Gesundheitsschäden führen können, muss die EU das Glühlampenverbot zumindest für Privathaushalte aussetzen.«

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Reul und Koch-Mehrin bezogen sich auf eine Untersuchung des Umweltbundesamtes (UBA) , die drei Wochen zuvor veröffentlicht, jedoch wenig beachtet worden war. Schließlich hatte sie lediglich bestätigt, was seit Jahren bekannt ist: Zerbricht eine Energiesparlampe, tritt das darin enthaltene Quecksilber aus. Allerdings ist die Menge äußerst gering: Maximal fünf Milligramm sind derzeit zulässig, ab 2013 nur noch die Hälfte. Einige Lampenmodelle enthalten bereits deutlich weniger als zwei Milligramm Quecksilber. In einem klassischen Fieberthermometer, wie es noch heute in vielen Medizinschränkchen zu finden ist, steckt die 500-fache Menge. Über Todesfälle durch die Zerstörung von Fieberthermometern ist nichts bekannt.

Wenn eine Energiesparlampe im eingeschalteten (und nicht im ausgeschalteten) Zustand zerbricht, breitet sich das Quecksilber schneller in der Raumluft aus, denn dann befindet sich das giftige Metall bereits im gasförmigen Zustand. Auch das ist allerdings seit Jahren bekannt. Deutsche Hersteller hatten in Prüfkammertests direkt nach dem Zerbrechen einer eingeschalteten Lampe Belastungen von bis zu 500 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Diesen Wert hat das UBA unter realistischeren Bedingungen überprüft – und deutlich nach unten korrigiert, auf maximal 7 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Als gesundheitlich unbedenklich gilt in Deutschland eine dauerhafte Innenraumbelastung von maximal 0,35 Mikrogramm. Der im Versuch gemessene Wert lag zwar 20-mal so hoch, allerdings nur in den ersten Minuten nach dem Zerbrechen der Lampe. Werden die Scherben entfernt und wird der Raum gut gelüftet, sinkt die Belastung schnell wieder ab. Trotzdem empfiehlt das UBA für Kinderzimmer, Schulen, Sporthallen und Kindergärten den Einsatz bruchsicherer Energiesparlampen. Sie sind durch eine zusätzliche Glas- oder Silikonhülle gegen ein Austreten des Quecksilbers geschützt.

Für eine Kehrtwende der EU-Gesetzgebung sieht das UBA keinen Anlass. »Die Ergebnisse der Quecksilbertests rechtfertigen die Forderungen nach einem Aussetzen des Glühlampenverbots überhaupt nicht«, sagt UBA-Präsident Jochen Flasbarth. »Bei richtigem Lüften stellen Energiesparlampen keine besondere Gesundheitsgefährdung dar.« Die gleiche Botschaft kam von dem für Energiefragen zuständigen EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU). Seine Sprecherin sah »keinen Handlungsbedarf«.

Die alten Argumente für die Sparlampe gelten schließlich unverändert. Für die gleiche Lichtmenge verbrauchen sie nur ein Fünftel des Stroms. Wegen ihrer wesentlich längeren Haltbarkeit schneiden sie auch beim Energieaufwand für Herstellung und Entsorgung sowie bei anderen Umweltauswirkungen deutlich besser ab. Das gilt sogar für die Quecksilberbelastung. Klassische Glühbirnen enthalten das giftige Metall zwar nicht direkt, setzen es aber mit der Stromerzeugung in Kohlekraftwerken indirekt frei. Die Folge: Wegen ihres hohen Stromverbrauchs belasten Glühbirnen die Umwelt bei gleicher Lichtausbeute mit fast doppelt so viel Quecksilber wie Energiesparlampen.

Leserkommentare
  1. 1. ~ 1336

    Es war ja klar, dass jetzt die Lobby aktiv wird und die Untersuchungsergebnisse relativiert werden. Diese Ergebnisse sind ohnehin schon lange bekannt und rechtfertigen meiner Meinung nach den Widerstand gegen diesen EU-Zwang. Natürlich muss man dafür ein Zerbrechen im eingeschalteten Zustand untersuchen. Allein dass hier ein Vergleich mit Quecksilber-Thermometern hergestellt wird, die seit Jahrzehnten nicht mehr hergestellt werden (übrigens, weil das Hg so gefährlich schien) und bei denen das Quecksilber (überwiegend) flüssig ist, zeigt die Intention solcher Botschaften auf.

    Mir machen die Dinger höllisch Angst, auch weil ich eine Bekannte hatte, die nur durch eine Zahnfüllung jahrelang einer winzigen Dosis Quecksilber ausgesetzt war und durch vielfaches Leiden viele Jahre ihres Lebens verlor. Lüften nützt da wenig, denn zwar sinkt die Luftkonzentration rasch, doch bis dahin hat sich überall das Quecksilber auf Möbeln und Textilien abgesetzt und verunreinigt dann über lange Zeit die Luft. Auch ist dieser Versuchsaufbau lächerlich, denn wenn Kinder eine solche Lampe zerbrechen, dann ist die Gefahr größer, während gleichzeitig ein erwachsenes Eingreifen fern sein könnte.

    Zur Bilanzierung muss ich sagen: Ja, alles schön und es wäre auch gut, wenn die angegebenen Lebenszeiten stimmen. Meine erste Energiesparlampe wollte nach einem Tag Einsatz schon nicht mehr. Und kein Rücknahmesystem mit zu veranlassen, ist politisch grobe Fahrlässigkeit, zeigt also nur, was die Lobby wollte.

  2. "Resch rät, nur Lampen mit der Energieklasse A, mit über 10.000 Stunden Lebensdauer, über 20.000 Schaltzyklen und weniger als zwei Milligramm Quecksilber zu kaufen."

    A steht überall drauf - gibt es überhaupt andere? Lebenszeit oder Schaltzyklen werden zwar versprochen, aber wer garantiert es, wer weiß es überhaupt schon? Und was, wenn ich anderes in zwei Jahren feststelle? Dagegen findet sich zum Hg-Gehalt auf den Verpackungen kein Hinweis, also ist der Rat für den Mülleimer.

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    • ASasse
    • 02. Januar 2011 11:07 Uhr

    Die Lebensdauerangaben auf Energiesparlampen sagen im Prinzip nur aus, wie lange diese durchschnittlich funktionieren sollen. Da dies dem Verbraucher nicht verständlich erklärt wird, sollten wir Verbraucher uns darauf berufen, dass die Lebensdauer einzuhalten ist.

    Ich schreibe mir auf jede Lampe das Datum der Anschaffung und hebe den Kassenzettel auf. Bei den wenigen, die innerhalb der ersten 2 Jahre kaputt gingen erhielt ich problemlos mit Hinweis auf die gesetzliche Gewährleistung ( http://de.wikipedia.org/w...üterkauf ) mein Geld zurück, oder eben eine neue vergleichbare Energiesparlampe. Ich muss aber feststellen, dass die meisten deutlich länger halten. Je mehr Kunden auf die Einhaltung der Lebensdauer bestehen, desto mehr investieren die Hersteller in gute Qualität.

    • FZ
    • 03. Januar 2011 13:45 Uhr

    schreibt's auf seine drauf. Auf 0,1 mg genau.

    Vorausgesetzt, man kann's glauben. Ich will hier wirklich niemandem was unterstellen, aber die Funzeln machen mich misstrauisch, sei's Marke oder Discount.

    (Und letztlich ist auch der Schwedenmöbler auf die Angaben seines Lohnproduzenten angewiesen...)

    • dacapo
    • 04. Januar 2011 22:45 Uhr

    .......Queckseílberlampen. Wir nahmen für den Verkauf (Solaranlagen) allerdings nur die Lampen von OSRAM, Dulux als "Warmlicht".
    Die Hälfte der Lampen funktionieren im Privathaus installierten DULUX-Lampen. Die andere Hälfte wurden "ausser Kraft gesetzt" durch Spielerei der Kleinen Kindern, die Spass daran finden, an und aus zu schalten.
    Bevor mal eine Leuchte zerbricht, machen sie schlapp. Wenn ich von unserem Privathaushalt ausgehe, so kann ich mich nicht erinnern, dass mal eine so zerstört wurde, dass das Glas kaputt ging.
    Wenn man den Artikel genau liest, wird ja auch die minimale Menge dargestellt, die dabei "ausbricht". Alles Gerede von schweren Quecksilberschäden ist sozusagen "Quatsch mit Sauce".

  3. @Wahrsprecher, von welchen Lobbyisten sprechen Sie? Wie wäre es mit denen, die verzweifelt versuchen, an einer antiquierten, energieverschwendenden Technik festzuhalten? Man kann hinter jeden Versuch, egal von welcher Seite, eine Verschwörung wittern, wenn man nur will.

    Aber zur Sache. Die Energiesparlampe mag nicht perfekt sein, aber das ist kein Grund, nicht an ihr festzuhalten. Vielmehr muss es das Ziel sein, sie perfekt zu machen. Und wenn man weiß dass sie Quecksilber enthält, sollte man eben weiterforschen, bis man eine Energiesparlampe hat, die quecksilberfrei ist. Das geschieht leider nur, wenn man den Druck erhöht. Wenn man gummiseilartig an der Glühbirne festhalten würde mit der freiwilligen Selbstverpflichtung, doch bitte irgendwann mal perfekte Energiesparlampen zu erfinden, würde sich wahrscheinlich in hundert Jahren nichts ändern. Das haben freiwillige Selbstverpflichtungen nämlich so an sich. Es passiert nichts. Verschont mich also mit angeblich kaltem Licht (auch das lässt sich perfektionieren), angeblich tödlichen Quecksilberdosen und forscht nach der perfekten Energiesparlampe. Auf den Mond haben wir es ja schließlich auch geschafft.

    Ein Gutes hat es. Seit dem schrittweisen Verbot der Glühbirne weiß ich, dass man Energiesparlampen nicht in den Hausmüll werfen darf. Musste ich auch noch nicht. Meine halten seit Jahren, eine davon ist inzwischen über 14 Jahre alt. Man müsste mal ausrechnen, wieviel Geld ich damit schon gespart habe.

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    Dankbarkeit über diesen Artikel kann nur dahingehend empfunden werden, als das diese Darlegung etwa der von keiner Sachkenntnis getrübten Erwiderung des Herrn Schu zur Feinstaubbelastung entspricht.
    Da die Red mich aufgefordert hatte Kritik fachlich zu begründen, will ich dem gerne nachkommen.

    1. Vergleichbarkeit der Messbedingungen

    Kriterien bleiben unklar da im Text nicht ausgeführt oder auf U-Berichte selbst verwiesen. Bergündung für die "realistischeren Kriterien" fehlt!

    2. Argumentation mit Konzentrationen ohne Darlegung der Systemgleichgwichte ist mit Blick auf die mögliche Ortsdosis ein grober Fehler.

    3. Es wird nicht deutlich, ob es sich bei der Hg-Belastung um eine Gasphasen- oder Partikelkontamination handelt; das ist für die Persistenzbeurteilung und den mögl. kumulativen Effekt von Hg unabdingbar.

    4. Der Artikel scheint mit einer gehörigen Portion Naivität verfasst, wenn hier "Grenzwertkonzentrationen" als Argument dienen sollen.
    Denn es werden beispielsweise auch absehbare synergistische Effekte mit ebenfalls freigesetztem hochhalogenierten Flammschutzmitteln garnicht betrachtet. Selbst inerte Partikel können dabei zum Problem werden!

    Kurz der UBA-Bericht weist einige Attribute eines in seinen gewählten Versuchsbedingungen absehbar schlüssigen Gefälligkeitsgutachtens auf; der Artikel von Herrn Asendorpf allerdings auch.

    Angesichts des bedeutsamen Themas mehr als bedauerlich.

    MfG Karl Müller

  4. die Sparlampe inkl. Rücknahme nicht sicherer gemacht werden, bevor sie die Glühlampe ersetzen sollte? Hätte man vor dem Aktionismus nachdenken sollen, statt danach abzuwiegeln?

    "Über Todesfälle durch die Zerstörung von Fieberthermometern ist nichts bekannt."
    Schlechter Witz: Quecksilber tötet nicht mal eben, es vergiftet, macht krank und tötet, wenn überhaupt, langsam.

  5. Dankbarkeit über diesen Artikel kann nur dahingehend empfunden werden, als das diese Darlegung etwa der von keiner Sachkenntnis getrübten Erwiderung des Herrn Schu zur Feinstaubbelastung entspricht.
    Da die Red mich aufgefordert hatte Kritik fachlich zu begründen, will ich dem gerne nachkommen.

    1. Vergleichbarkeit der Messbedingungen

    Kriterien bleiben unklar da im Text nicht ausgeführt oder auf U-Berichte selbst verwiesen. Bergündung für die "realistischeren Kriterien" fehlt!

    2. Argumentation mit Konzentrationen ohne Darlegung der Systemgleichgwichte ist mit Blick auf die mögliche Ortsdosis ein grober Fehler.

    3. Es wird nicht deutlich, ob es sich bei der Hg-Belastung um eine Gasphasen- oder Partikelkontamination handelt; das ist für die Persistenzbeurteilung und den mögl. kumulativen Effekt von Hg unabdingbar.

    4. Der Artikel scheint mit einer gehörigen Portion Naivität verfasst, wenn hier "Grenzwertkonzentrationen" als Argument dienen sollen.
    Denn es werden beispielsweise auch absehbare synergistische Effekte mit ebenfalls freigesetztem hochhalogenierten Flammschutzmitteln garnicht betrachtet. Selbst inerte Partikel können dabei zum Problem werden!

    Kurz der UBA-Bericht weist einige Attribute eines in seinen gewählten Versuchsbedingungen absehbar schlüssigen Gefälligkeitsgutachtens auf; der Artikel von Herrn Asendorpf allerdings auch.

    Angesichts des bedeutsamen Themas mehr als bedauerlich.

    MfG Karl Müller

    • kkr
    • 02. Januar 2011 10:16 Uhr

    ansonsten wandern die doch zu 95% in den Hausmüll. Diese Lücke muss unbedingt geschlossen werden, dass die verkaufenden Unternehmen auch wieder die Lampe zurücknehmen muss.

  6. > .... Klassische Glühbirnen enthalten das giftige Metall zwar nicht direkt, setzen es aber mit der Stromerzeugung in Kohlekraftwerken indirekt frei. <

    Das ist doch mal eine fundierte wissenschaftliche Erkenntnis, nur von der falschen Seite argumentiert. Die Kohlekraftwerke sind das Problem. Was aber "indirekt frei" bedeuten soll entzieht sich meinem naturwissenschaftlichen Verständnis.

    Was soll dieser Unsinn. Das Verbot von Glühbirnen kann doch nicht im Zusammenhang mit Kohlekraftwerken (diese sollten verboten werden) argumentiert werden.

    Was in diesem Artikel mal wieder fehlt sind die besseren Alternativen zu den "Sparlampen" ... nämlich LED (1,4 Watt entspricht etwa 40-Watt Glühbirne, Haltbarkeit 25.000 Stunden) und Halogen (20 Watt entspricht etwa 60 Watt Glühbirne, Haltbarkeit 12.000 Stunden).

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    Halogenlampen verbrauchen deutlich mehr als 1/3 der Energie einer herkömmlichen Glühlampe, schließlich ist die Halogenlampe nur eine Glühlampe mit etwas höherer Temperatur. Wer keine Energiesparlampen mag (es handelt sich dabei übrigens um das längst eingebürgerte und seit 50 Jahren akzeptierte Prinzip der trivial sogenannten Neonlampe) sollte sich mit den LED-Lampen anfreunden, die sind, wenn man Abstriche an der Lichtqualität tolerieren kann und will (sie weisen kein kontinuierliches Spektrum auf) der letzte Schrei.

    • ASasse
    • 02. Januar 2011 11:07 Uhr

    Die Lebensdauerangaben auf Energiesparlampen sagen im Prinzip nur aus, wie lange diese durchschnittlich funktionieren sollen. Da dies dem Verbraucher nicht verständlich erklärt wird, sollten wir Verbraucher uns darauf berufen, dass die Lebensdauer einzuhalten ist.

    Ich schreibe mir auf jede Lampe das Datum der Anschaffung und hebe den Kassenzettel auf. Bei den wenigen, die innerhalb der ersten 2 Jahre kaputt gingen erhielt ich problemlos mit Hinweis auf die gesetzliche Gewährleistung ( http://de.wikipedia.org/w...üterkauf ) mein Geld zurück, oder eben eine neue vergleichbare Energiesparlampe. Ich muss aber feststellen, dass die meisten deutlich länger halten. Je mehr Kunden auf die Einhaltung der Lebensdauer bestehen, desto mehr investieren die Hersteller in gute Qualität.

    Antwort auf "Ergänzend"

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