AutotestOber-Oberklasse

Thomas E. Schmidt fährt den Bentley Mulsanne. von Thomas E. Schmidt

Der Bentley Mulsanne

Der Bentley Mulsanne  |  © Bentley

Vor einiger Zeit hatte ich das Vergnügen, mit einem nicht unvermögenden Schotten in den Highlands auf dessen Schloss zu Abend zu essen. Endlos zog sich die Auffahrt hin, bevölkert von erstaunlich zutraulichen Rebhühnern, der Regen rieselte, und der anthrazitfarbene Himmel tauchte die Szenerie in ein träumerisches Licht. Im Schlosshof stand verloren ein englischer Mittelklassewagen herum – und nicht der neue Bentley. Genau dies wäre die richtige Kulisse für den Bentley Mulsanne gewesen, dachte ich. Der Mulsanne hätte der Würde und der Tradition des Ortes entsprochen, der Wucht des Anwesens und den Körpermaßen seines Besitzers.

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Der Mulsanne ist das Nachfolgemodell des legendären Bentley Azure, dieses gewaltigen Auto-Recken aus der Epoche freier vierspuriger Avenuen. Das neue Ober-Oberklasse-Modell von Bentley ist zwar auch ziemlich groß, doch hat es genau den Antrieb, die Straßenlage und Wendigkeit, die nötig sind, um es sicher und mit Freuden durch die heutige Welt zu manövrieren. Bentley sagt, Chauffeure kämen ein wenig aus der Mode und die Halter dieser Fahrzeuge fänden mehr und mehr Spaß daran, ihre Autos selbst zu fahren. So viel Anpassung an den Zeitgeist kann man durchgehen lassen. Von den meisten kundigen Automagazinen hat der Mulsanne eine Eins plus erhalten. Er ist einfach außerordentlich und so elegant, wie es bei einer solchen Schwere und bei diesem Ausmaß möglich ist. Ich selbst habe den Wagen bei Sonne, Regen, Wind und Schnee gefahren, alles an einem Tag, und keine Witterung zwang mich, meinen Stil zu ändern.

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An dem Abend in Schottland erzählte mein Gastgeber vom Untergang der schottischen Banken in der Finanzkrise. Die Niederlage von Bonnie Prince Charlie 1746 bei Culloden sei natürlich schmerzlicher gewesen, aber für das Land finanziell weniger desaströs. Er erzählte auch vom unstillbaren Renovierungshunger seines Hauses: »Jeden Sommer, wenn ich aus London komme, habe ich ein flaues Gefühl. Ich mache die Tür auf und bin wieder 150.000 Pfund ärmer.« Nein, einen Bentley habe er noch nie besessen. Aber einmal sei er in einem gefahren, vor Jahren, als er noch als Investmentbanker in Singapur arbeitete. Der Wagen war knallrot und der einheimische Fahrer so dick, dass der Schotte – auch nicht dünn – beim Zusteigen Angst hatte, das Auto würde bersten. Manchmal muss es XXL sein. Gut, dass es jetzt den Mulsanne gibt. Der hält.

Thomas E. Schmidt ist Kulturkorrespondent der ZEIT

Technische Daten

Motorbauart: 8-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 377 kW (512 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 5,3 s
Höchstgeschwindigkeit: 296 km/h
CO2-Emission: 393 g/km
Durchschnittsverbrauch: 16,9 Liter
Basispreis: 289.170 Euro

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Leserkommentare
    • SK3891
    • 06. Januar 2011 9:57 Uhr

    Das ist dem Autor immer noch so zittrig am ganzen Körper vermutlich der unterschiedlichen Witterungen wegen, die er an einem Tag zu spüren bekam, dass er es nicht einmal schafft, über die außerordentlichen Platzverhältnisse des Autos hinaus zu beschreiben, was dieses Fahrzeug so faszinierendes an sich hat und offenbar beim Basispreis noch das Komma verrutschen lässt. Dank der dürftigen Informationen über den Bentley, weiß ich jetzt nicht einmal, in welche Richtung und um wie viele Stellen das Komma eigentlich gerade gerrückt gehört.

    Eine Leserempfehlung
  1. Der Artikel sagt wohl wirklich kaum etwas aus über das Auto, offensichtlich ist nur, dass der Punkt im Preis nicht ganz glaubwürdig ist. Es ist wohl nicht einmal eine Probefahrt, sondern eher eine Whiskytour durch Schottland gewesen.

    • unloco
    • 06. Januar 2011 10:26 Uhr

    Um ehrlich zu sein:
    Manchmal, wenn das Zeilenhonorar mich lockte und insbesondere wenn ich von einer Sachlage keinen Schimmer hatte, schrieb ich ähnlich nebulöse Nichtigkeiten.

    Hier in der Zeit will ich sowas nicht lesen!
    Und was das Foto angeht: uhhh. Besser ein stimmungsvolles und zum Text passendes eigenes Foto als ein steriles Agenturfoto.
    [...]
    Anm: Bitte verzichten Sie auf die Veröffentlichung von Werbung. Danke. Die Redaktion/km

  2. Redaktion

    Vielen Dank für Ihren Hinweis. Wir haben den Punkt richtig gesetzt - die Zahl stimmte von Beginn an.

    Mit besten Grüßen
    Matthias Breitinger

  3. Seit Wochen lese ich die Kommentare unter den Auto-Geschichten in der Zeit.

    Glaubt mir, Leute, Ihr werden die "Zeit" nicht ändern, schon gar nicht, wenn es um solche Kleinigkeiten geht.

    Dieses humorlose Gemecker ist echt eintönig.

    Man könnte höchstens vorschlagen, statt "Autotest" was anderes drüberzuschreiben, zum Beispiel "Autogeschichtchen". Aber wenn uns die Zeit diese Geschichtchen unbedingt als "Test" verkaufen möchte, lasst sie doch.

    Eine Leserempfehlung
  4. Fühlt man sich als Autotester der "Zeit" berufen, die ach so banalen "üblichen" Eindrücke und Fakten eines getesten Fahrzeugs unterschlagen zu dürfen? Da diejenigen, welche solcher Krimskrams interessiert, ja sowieso mit der "AMS" besser bedient wären?

    In jedem Fall ist dies ein recht ärgerlicher Text, wobei ich, abseits aller Kritik an pomösen, dafür inhaltsarmen Stil, darauf hinweisen will, daß das Vorgängermodell des Mulsanne auf den schönen Namen Arnage hörte. Der Azure war die verwandte Cabriolet-Variante.

    Allzu viele Texte der bürgerlichen Motorpresse, die dem Mulsanne eine "Eins plus" bescheinigen, sind mir übrigens nicht unter die Augen gekommen. Vielmehr erschien das Fahrzeug vielen Kritikern als Enttäuschung, angesichts des großen Aufwands, den Bentley/VAG bei der Entwicklung betrieben hatte.

  5. Gut, ich begreife die Problematik einen Artikel über ein Auto zu schreiben. Typischerweise hat es Räder und mindestens einen Motor. Man kommt damit von A nach B. Das können alle Autos, und dummerweise kann kein Auto mehr als dies.

  6. Danke für ihren Hinweis, dass es sich hierbei um einen autotest der Zeit handelt. Die Überschrift habe ich wirklich überlesen, darüber musste ich mich gerade köstlich amüsieren. Sie haben recht die Zeit sollte für solche auslandsberichtserstattungen lieber den Titel "autogeschichten"wählen oder "meine Erfahrungen auf vier rädern"
    Aber liebe Zeit Redaktion ich freue mich in Zukunft weiterhin über eure interessanten "autotests" und die Kommentatoren die sich daran anstossen.
    Die Kommentare mit dem Komma und das der Preis nicht richtig geschrieben ist,waren auch Spitze. Es ist ganz normal, dass nach einer tausender Stelle ein Punkt gesetzt wird zur besseren Lesbarkeit. (Im rechnungswesen gang und gebe) oder dachtet ihr die Zeit könne den enormen Preis nicht richtig auf oder abrunden. Aber über meine kommasetzung laesst sich auch streiten ;)

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  • Serie Autotest
  • Schlagworte Bentley | Finanzkrise | Auto | Epoche | Fahrzeug | Mode
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