Die großen Schlachten in der Bildungspolitik sind vorerst geschlagen. Wenn es im Jahr 2011 an den Schulen und Hochschulen dennoch Ärger geben wird, dann weil die Organisation nicht klappt. Vor allem die Universitäten müssen sich einem nie da gewesenen Studentenansturm stellen.

Bildung ist in Deutschland Ländersache. Doch obwohl im kommenden Jahr gleich sieben Landtagswahlen anstehen, wird es keinen großen Streit um die Schulpolitik geben. Denn spätestens seit dem Volksentscheid in Hamburg im vergangenen Juli ist den Politikern aller Parteien klar, dass Veränderungen der Schulstruktur mit der Brechstange von den Wählern nicht goutiert werden. Die inzwischen geplatzte schwarz-grüne Koalition an der Elbe wollte (zulasten der weiterführenden Schulen) die Grundschulzeit von vier auf sechs Jahre verlängern – und erlitt beim Volksentscheid eine krachende Niederlage.

Mehr und mehr setzt sich bei den Schulpolitikern die Erkenntnis durch, dass es bei der Veränderung der Schulstruktur auf Kompromiss und Konsens ankommt. Nicht dem dreigliedrigen Schulsystem (Hauptschule, Realschule und Gymnasium) gehört die Zukunft und nicht der Gesamtschule. Sondern dem sogenannten Zweisäulenmodell: Das Gymnasium besteht weiter, die anderen Schularten werden zu einer einzigen zusammengefasst, an der begabte Kinder auch das Abitur erlangen können.

Vielerorts erzwingt zudem kein ideologischer Streit, sondern schlicht die Demografie eine Vereinfachung der Schulstruktur – wo es nur noch wenige Kinder gibt, ist es nicht möglich, ein mehrgliedriges Schulsystem aufrechtzuerhalten. Auch in anderen Feldern besteht Einigkeit unter den Parteien: wenn es etwa um Bildungsstandards und zentrale Prüfungen, die Verkürzung der Gymnasialzeit oder Bildungsangebote schon im Kindergarten geht.

Die Ruhe in der Schulpolitik verspricht auch den Schulen mehr Ruhe. Aber nicht überall. Reibungen sind dort zu erwarten, wo Schulen zusammengelegt werden. Und kleine Aufstände der Eltern bei jeder Grundschule, die aus Mangel an Schülern geschlossen wird.

Mehr Unruhe wird es an den Hochschulen geben. Zwar sind auch hier die umstrittenen Reformen (Exzellenzförderung bei der Forschung, Umstellung von Diplom- und Magisterstudiengängen auf Bachelor- und Masterstudiengänge) nicht mehr umzukehren, werden Übertreibungen (zu viele Prüfungen, vollgestopfte Studienpläne) zurückgenommen. Doch es ist kaum wahrscheinlich, dass die Universitäten und Fachhochschulen den größten Studentenansturm aller Zeiten locker in den Griff bekommen werden.

Schon im Jahr 2010 übertraf die Zahl von 442.600 Studienanfängern alle Erwartungen. Im Jahr 2011 dürften es noch deutlich mehr werden. Allein die Abschaffung der Wehrpflicht könnte rund 50.000 männliche Studienanfänger zusätzlich bescheren. Und in Niedersachsen und Bayern streben außerdem die doppelten Abiturjahrgänge an die Hochschulen.