Eine distanzierte Perspektive ist wichtig
Wie Peter Graf etwa. Nach einem Informatikstudium und anschließender Promotion hatte er 1996 zunächst begonnen, beim Softwareunternehmen SAP im Bereich Marketing zu arbeiten. »Ich war nie zufrieden mit dem Status quo, sondern habe versucht, die Dinge zu verändern. Das ging beim Marketing gut, es hat eine Zeit lang Spaß gemacht«, sagt Graf. Dann aber reichte es ihm plötzlich nicht mehr. Er gründete für SAP eine Tochterfirma, die andere Unternehmen im Bereich Nachhaltigkeit beraten sollte. Es lief ein paar Monate lang gut – bis die damalige Internetblase platzte und die kleine Firma mit der Pleitewelle unterging.
Stattdessen sollte er nun eine entsprechende Abteilung bei SAP aufbauen. »Das Umfeld hier hatte immer schon gepasst, und dann bekam ich diese spannende Aufgabe. SAP hat weltweit mehr als 50000 Mitarbeiter, da lässt sich viel bewirken«, sagt Graf, der den Bereich Nachhaltigkeit bei dem Softwareunternehmen auch heute noch leitet. In seiner Position muss er häufig unbequem sein: »Ich trete an die Unternehmensbereiche und das mittlere Management heran und muss häufig erst einmal Überzeugungsarbeit leisten, damit ich ihre Unterstützung gewinne«, sagt Graf. Dabei kommt ihm die Erfahrung im Marketing zugute. Das Unternehmen drucke im Jahr einen Berg Papier, der so hoch sei wie der Mount Everest, es gebe also viel zu tun, sagt er. Solche Bilder seien wirkungsvoll. Und den Blick von außen auf sein Unternehmen habe er sich auch bis heute bewahrt. Jungen Mitarbeitern legt er immer wieder nahe, es ihm gleichzutun und die distanzierte Perspektive nicht zu verlieren. »Nur so lässt sich entdecken, was schiefläuft«, sagt Graf zu den neuen Kollegen, und dann erzählt er häufig die Geschichte von den zwei Fröschen: Der eine Frosch sitzt in einem Kessel mit Wasser, das langsam erhitzt wird; als er es bemerkt, ist es zu spät zum Herausspringen – er wird gekocht. Der andere Frosch wird in den schon warmen Kessel geworfen und springt, erschrocken über das heiße Wasser, wieder hinaus. Visualisieren – der Informatiker Graf weiß längst, wie Marketing funktioniert.
»Für manche Persönlichkeiten ist es sinnvoll, in fremde Felder zu gehen«, sagt Personalberater Wolfgang Häfner. Es werde aber auch für die Unternehmen immer häufiger notwendig, selbst bei Positionen in engen Fachbereichen das Anforderungsprofil breiter zu halten – weil Spezialisten fehlen. Es scheint paradox: Die zunehmende Spezialisierung am Arbeitsmarkt macht es immer schwieriger, passende Mitarbeiter zu finden – und wird womöglich dazu führen, dass Quereinsteiger und Querdenker künftig mehr gefragt sind. Und selbst wenn das für die Unternehmen manchmal mehr Aufwand bedeutet, lohnt es sich häufig: Durch das Kohlendioxid-Programm von Peter Graf etwa hat SAP rund 90 Millionen Euro eingespart.
Wie sein Kollege Häfner geht auch Personalberater Schönemann davon aus, dass der Bedarf für Querdenker steigen wird. »Sie bringen frischen Wind in die meisten Abteilungen und stoßen Entwicklungen an«, sagt er. Besonders in schnelllebigen Branchen seien solche Entwicklungen für Unternehmen überlebenswichtig geworden, um gegenüber den weltweiten Mitbewerbern nicht an Boden zu verlieren. Doch abgesehen von Unternehmensberatungen oder Firmen wie Google und Apple, die von Innovationen leben, suchen nur wenige Personalabteilungen ausdrücklich nach Querdenkern. In den meisten Fällen wird wohl der Zufall entscheiden, ob ein Querdenker in ein Unternehmen kommt – und ob er sich dort entfalten kann.
- Datum 08.01.2011 - 19:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 5.1.2011 Nr. 02
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Ja, es besteht Bedarf an Querdenkern, allerdings braucht es dafür auch eine offene, tolerante Kultur im Unternehmen. Den Querdenker ecken auch mal an. Aus eigener Erfahrung kann ich nur sagen, ich habe nach einigen negativen Erfahrungen bei meinem jetzigen Arbeitgeber Glück, daß dort eine Innovationskultur gefordert und gefördert wird.. Ohne das gerät man schnell in Konflikt mit den Kollegen, die den eigenen Tellerrand nur von Ferne betrachten und schon gar nicht überschreiten. Das Denken im Muster des "Das haben wir schon immer so gemacht" ist leider noch viel zu weit verbreitet und Nonkonformisten sind zwar angeblich erwünscht, werden aber im betrieblichen Alltag dann doch eher von den konservativen Kräften so lange normalisiert, bis ihnen das Querdenken ausgetrieben, oder sie aus dem Unternehmen gemobbt wurden.
Bleibt zu hoffen, dass sich hinter den "Parabeln" eine Menge relevante Erfahrung und Wissen verbirgt.
Sonst leben die Herren gar nicht nachhaltig (auf Kosten anderer Querdenkenden)...
Der Artikel hätte mir besser gefallen, wenn er den Idealismus der Personen in den Vordergrund gestellt hätte. So ist es ein Bericht aus der Wirtschaft, der eine Produktivitätssteigerung durch Querdenken fördern will.
Querdenken bedeutet für mich wesentlich mehr als die Fähigkeit in seinem Job kreativ zu arbeiten.
Diese ganzen B*llshit-Jobs wie Marketingmanager, etc. mögen sinnvoll im Wettbewerb sein. Der Markt, das Wachstum, die Endlösung. Frauenquoten, Sozialarbeiter, Genderstreamer, Wellfare-Karneval. Alles fantastisch - aber irgendwann wird man auf die völlig verqueelte Idee kommen, dass der materielle Wohlstand das Ergebnis von Arbeit ist. Die Arbeit der kleinen Leute, die die gefälligst für lau arbeiten müssen. All die Handwerker, Krankenschwestern, Bäcker und Monteure die keine "Karriere" gemacht haben.
Wie in einem manischen Wahn reden die Führungseliten von Buzzwörtern wie Ökologie, Effizienz und Nachhaltigkeit. Aber wer hat mal die ganz große Sicht und erkennt, dass vieles einfach nur wegkonsumiert wird wie Luftblasen. Wo ist der wirklich große Fortschritt, dass es durchaus möglich ist, die Gesellschaft zu verbessern. Vielleicht brauchen wir ja gar nicht jedes Jahre ein neues iPhone. Vielleicht ist es gar nicht nötig 50 Stunden zu schuften, um am Feierabend auf die Arbeitslosen zu pöbeln. Vielleicht braucht man ja auch keine mondpreisige Mietwohnung in München, sondern erschafft Besitz-Bauwerke mit der Wohnqualität wie in München?
Ich bin der Überzeugung, mit 100 Handwerken schafft man mehr als mit 20 Managern, 50 Beamten, 29 Journalisten und einem Handlanger.
bringt nur dann etwas, wenn man in der Lage ist (oder zumindest erfolgreich den Eindruck dazu vermitteln kann), eine Alternative zu jenen Konventionen zu finden, aus denen man ausbricht. Diese gäbe es nicht, wenn sie nicht die wichtige Funktion einer Hilfestellung für viele Menschen einnähmen. Verlässt man sie schlicht, weil man mit ihnen nicht klarkommt und ohne eine Portion kritische Selbsteinschätzung, beißt man als Idealist (welch treffendes Foto!) schnell ins Gras.
"Filmwissenschaftlerin, die Chemieprodukte vermarktet" - sowas wird für gewöhnlich nicht spannend gefunden, sondenr macht Arbeitgebern Angst. In Deutschland gilt immer noch "Schuster bleib bei deinen Leisten". Quereinsteiger gelten als Sonderlinge und Käuze. "Exot" nannte mich neulich eine Personalerin. Nun ja, exotischerweise habe ich eine Naturwissenschaft studiert und arbeite heute im Marketing. Dass solche Karrieren außerhalb der Kreativwirtschaft (Agenturszene) funktionieren, wäre mir neu. Personaler setzen auf den, der eien "passende" Ausbildung hat, nicht auf "querdenkende" Exoten! Völlioges Märchen, was der Artikel hier verbreiten will.
Immerhin wird der Vorteil von Querdenkern dargestellt. Auch wird darauf eingegangen, daß es im Moment nicht weit verbreitet ist, Querdenker zu fördern. (Der Chef sucht sich selbst in klein, weil einfacher, ein Querdenker muss zunächststärker eingearbeitet werden.) Zum Ende des Artikels wird darauf eingegangen, daß es aufwendiger ist Querdenker in bestehende Strukturen einzubinden. Auch das ist richtig.
Alles in allem wird das Thema in dem Artikel kurz und knapp aber durchaus stimmig dargestellt.
Gegen diese Widerstände kämpft ein Querdenker an, das sollte ihm auch bewusst sein. Es ist sehr schwierig die Hürde Personlreferent bei einer Jobsuche zu überwinden, wenn die Personaler nach Schema F suchen, folglich Suchkriterien haben und eingehende Bewerungen daraufhin abgleichen. Da gibt es nun mal nur eine Übereinstimmung oder eben nicht.
Es ist für beide Seiten nicht einfach, quer an Sachen heranzugehen. Der Querdenker weiß das und sucht quer nach Argumente, um zum Ziel zu kommen.
BTW. Irgendwie ist mein Beitrag hier ganz schön quer, oder?
Immerhin wird der Vorteil von Querdenkern dargestellt. Auch wird darauf eingegangen, daß es im Moment nicht weit verbreitet ist, Querdenker zu fördern. (Der Chef sucht sich selbst in klein, weil einfacher, ein Querdenker muss zunächststärker eingearbeitet werden.) Zum Ende des Artikels wird darauf eingegangen, daß es aufwendiger ist Querdenker in bestehende Strukturen einzubinden. Auch das ist richtig.
Alles in allem wird das Thema in dem Artikel kurz und knapp aber durchaus stimmig dargestellt.
Gegen diese Widerstände kämpft ein Querdenker an, das sollte ihm auch bewusst sein. Es ist sehr schwierig die Hürde Personlreferent bei einer Jobsuche zu überwinden, wenn die Personaler nach Schema F suchen, folglich Suchkriterien haben und eingehende Bewerungen daraufhin abgleichen. Da gibt es nun mal nur eine Übereinstimmung oder eben nicht.
Es ist für beide Seiten nicht einfach, quer an Sachen heranzugehen. Der Querdenker weiß das und sucht quer nach Argumente, um zum Ziel zu kommen.
BTW. Irgendwie ist mein Beitrag hier ganz schön quer, oder?
Immerhin wird der Vorteil von Querdenkern dargestellt. Auch wird darauf eingegangen, daß es im Moment nicht weit verbreitet ist, Querdenker zu fördern. (Der Chef sucht sich selbst in klein, weil einfacher, ein Querdenker muss zunächststärker eingearbeitet werden.) Zum Ende des Artikels wird darauf eingegangen, daß es aufwendiger ist Querdenker in bestehende Strukturen einzubinden. Auch das ist richtig.
Alles in allem wird das Thema in dem Artikel kurz und knapp aber durchaus stimmig dargestellt.
Gegen diese Widerstände kämpft ein Querdenker an, das sollte ihm auch bewusst sein. Es ist sehr schwierig die Hürde Personlreferent bei einer Jobsuche zu überwinden, wenn die Personaler nach Schema F suchen, folglich Suchkriterien haben und eingehende Bewerungen daraufhin abgleichen. Da gibt es nun mal nur eine Übereinstimmung oder eben nicht.
Es ist für beide Seiten nicht einfach, quer an Sachen heranzugehen. Der Querdenker weiß das und sucht quer nach Argumente, um zum Ziel zu kommen.
BTW. Irgendwie ist mein Beitrag hier ganz schön quer, oder?
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Querdenker in den meisten größeren Unternehmen wenig bis gar nicht geschätzt werden. Abweichungen im Lebenslauf, in der Denkstruktur und in der Arbeitsweise werden in der Regel nicht gefördert bzw. argwöhnisch betrachtet. Als Ironie des Ganzen äußern sich im Artikel auch noch Personalberater bzw. Personaler positiv über Querdenker, d.h. die Personen die nicht gestreamlinete Lebensläufe in der Regel als Erstes aussortieren!
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