TSG Hoffenheim Hopp und Ex

Kinoreif: Der neueste Dreh im Hoffenheimer Fußballmärchen.

Hoffenheims Gönner: Dietmar Hopp

Hoffenheims Gönner: Dietmar Hopp

Eine bessere Werbung hätten sich Frank Marten Pfeiffer und Rouven Rech nicht wünschen können: In dieser Woche kommt ihr Film Das Leben ist kein Heimspiel in die Kinos, eine Langzeitdokumentation über den beispiellosen Aufstieg des Fußballvereins TSG 1899 Hoffenheim. Und gerade jetzt reden wieder alle über den badischen Dorfverein, weil er seine seltsame Geschichte um ein weiteres sonderbares Kapitel verlängert hat: Der Mäzen des Vereins, der Softwaremilliardär Dietmar Hopp, hat über Weihnachten hinter dem Rücken des Trainers Ralf Rangnick den besten Spieler an Bayern München verkauft und damit auch gleich den Übungsleiter aus dem Job gerempelt, der den Club in nur vier Jahren aus der Regionalliga auf Platz eins der Bundesliga geführt hatte. Was bedeutet das nun wieder?

Hoffenheim war immer mehr als nur ein Fall für die Sportseiten, weil am Beispiel der TSG grundsätzliche Fragen der Fußballkultur und -ökonomie diskutiert wurden, seit Hopp 1990 begann, seinen Heimatverein finanziell zu unterstützen. Schießt Geld Tore? Kann ein Verein ohne Fans erfolgreich sein? Gibt es ihn vielleicht doch, den selbstlosen Kapitalisten? Einen dreistelligen Millionenbetrag stellte Hopp über die Jahre zur Verfügung, davon wurden ein neues Stadion und eine einzigartige Nachwuchskaderschmiede gebaut sowie eine Spitzenmannschaft zusammengestellt. Am Mäzen und seinem Geld scheiden sich die Geister: Der Retortenklub zeigt, dass Erfolg im Fußball durchaus käuflich ist, zugleich ist er aber der sympathische Dorfverein, der die Etablierten in den Großstädten München, Hamburg, Dortmund das Fürchten lehrt. Mit seinem neuesten Schachzug enttäuscht Hopp nun beide Lager: Indem er ohne Not seinen besten Mann verscherbelt, signalisiert er, dass er sich doch nicht um jeden Preis nach oben kaufen will. Zugleich präsentiert sich der vermeintlich selbstlose Förderer seines Heimatvereins als rücksichtsloser Kapitalist, der für ein fettes Geschäft – der verkaufte Spieler, Luiz Gustavo, ist heute 15-mal so viel wert wie vor zwei Jahren – einen langjährigen Weggefährten düpiert.

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Hopp selbst hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass Fußball für ihn zwar ein besonderes, aber eben auch nur ein Geschäftsfeld ist. Er sah sich stets als Investor, der seine Einlagen zurückgezahlt haben will, nicht als selbstlosen Mäzen. Schon bei seinen ersten Einkaufstouren auf dem Spielermarkt spekulierte er auf Wertzuwächse: »Im Übrigen waren es auch betriebswirtschaftliche Überlegungen, diese Spieler zu verpflichten, weil sie Chancen auf hohe Transfer-Erlöse bieten.« Nun war zum zweiten Mal in dieser Saison Zahltag; bereits im August hatte er den Brasilianer Carlos Eduardo für 20 Millionen Euro nach Russland verkauft.

Doch der Fall »Hoppenheim« ist noch mehr als die endgültige Stunde der Desillusion für Fußballromantiker. Er stellt das Selbstverständnis des deutschen Profifußballs infrage. Bislang sorgt die sogenannte 50 + 1-Regel in der Satzung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dafür, dass kein Investor gegenüber dem »Mutterverein« die Stimmenmehrheit haben darf und sich ins operative Geschäft einmischt. So soll der Deutschen Lieblingssport vor Geschäftemacherei geschützt und die Chancengleichheit der Vereine einigermaßen gewahrt werden. Dietmar Hopp hat diese Regelung von Anfang an unterlaufen: In der TSG Hoffenheim Fußball-Spielbetriebs GmbH hat er zwar nur 49 Prozent Stimmanteile, stellt aber 96 Prozent des Kapitals; seine Millionengaben werden als »atypisch stille Beteiligung« oder Darlehen in den Bilanzen aufgeführt. Sein unverhüllter weihnachtlicher Deal hat nun offenbart, was längst alle wissen: Der Verein ist er. Das ist aber verboten. Zeit also für einen neuen Film, einen Wirtschaftskrimi, gipfelnd in einem Duell: Dietmar contra DFB.

 
Leser-Kommentare
    • joG
    • 05.01.2011 um 10:52 Uhr

    ....und Profis auch in der Olympiade laufen dürfen. Wenn sie besser sind? Warum nicht?

    Wieso sollte der "Mutterclub" 51% der Stimmrechte haben müssen? Das sei "romantisch"? "Fußballromantik"? Also ich weiß nicht.

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    >>Wieso sollte der "Mutterclub" 51% der Stimmrechte haben müssen?

    Weil das eine sehr elegante Methode ist, Verhältnisse wie in anderen Ländern zu verhindern, in denen die einzige Konstante die immerwährende Langeweile ist, weil sowieso nur 2-3 Vereine eine echte Chance haben, Titel zu erringen, und in denen Traditionsvereine wie Liverpool (letztes Jahr beinahe daran kaputt gegangen) das volle finanzielle Risiko für die Kapriolen ihrer Besitzer Hicks und Gillet tragen.

    Vielleicht gäbe es bessere Kontrollmechanismen als 50+1, dass zu beurteilen fehlt mir die Expertise, aber bis jemand eine vorschlägt, behalte ich lieber diese Regel, die bisher recht zuverlässig verhindert, dass sich Leute in die Vereine einkaufen, denen der Sport eigentlich völlig egal ist.

    >>Wieso sollte der "Mutterclub" 51% der Stimmrechte haben müssen?

    Weil das eine sehr elegante Methode ist, Verhältnisse wie in anderen Ländern zu verhindern, in denen die einzige Konstante die immerwährende Langeweile ist, weil sowieso nur 2-3 Vereine eine echte Chance haben, Titel zu erringen, und in denen Traditionsvereine wie Liverpool (letztes Jahr beinahe daran kaputt gegangen) das volle finanzielle Risiko für die Kapriolen ihrer Besitzer Hicks und Gillet tragen.

    Vielleicht gäbe es bessere Kontrollmechanismen als 50+1, dass zu beurteilen fehlt mir die Expertise, aber bis jemand eine vorschlägt, behalte ich lieber diese Regel, die bisher recht zuverlässig verhindert, dass sich Leute in die Vereine einkaufen, denen der Sport eigentlich völlig egal ist.

  1. ich verstehe diesen Artikel nicht. Es ist doch absolut nichts Neues, dass Geldgeber im Fussball bei allem, was den Verein betrifft, ihre Finger im Spiel haben. Seit dem Hoffennheim in der 2ten Bundesliga war, und man sich anschaute, wieviel Hopp in den Verein steckte, war ganz klar zu sehen, wer oder was der Verein ist. Hopp haz in der gesamten Region sehr viel mit seinem Geld getan (Ich bin dort aufgewachsen). Er hat aber nie einen Zweifel daran gelassen, dass er sein Geld zum Fenster rauswirft bzw. verschenkt. Und zum lieben Herrn Rangnick: Jeder mittelklassige Trainer hätte den TSG mit diesem team in die 1. Bundesliga gehievt. Ich ertrage diese Rangnick Hymnen nicht mehr. Der Mann ist ein durchschnittlicher Trainer. Mehr nicht.

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    • btmmuc
    • 05.01.2011 um 10:53 Uhr

    Lieber Kommentor, haben Sie es sich nicht ein wenig zu einfach gemacht ? Es darf ja wohl darüber nachgedacht werden ob Gustavo wirklich der beste Hoffenheimer Spieler ist und hat sich ein Ralf Rangnick nicht längst selber überholt ?? Nach dem komentenhaften Aufstieg folgte doch ein eher ernüchternes Mittelmaß, ohne neue Impulse vom Trainer, so auch in der bisherigen Saison. War der Trainer nicht eigentlich überfällig ?? Kann ein Club wie Hoffenheim nur vom Wohlwollen der Herr Hoff abhängig sein ? Das kann der DFB doch auch nicht gewollt haben. Muss nicht auch dieser Verein, wie viele Clubs im Mittelfeld der Liga, auch durch günstige Ein- und Verkäufe junger Spieler
    zusätzlich Einkünfte generieren ?? Grade der Mix von Mäzenatentum, Spielerausbildng und -verkäufe, TV und
    Zuschauereinnahmen bringt doch die gewünschte Unbhängigkeit
    der Vereine von reichen Käufern.

    • weholi
    • 05.01.2011 um 11:19 Uhr

    Sofern Sie Kritik äußern möchten, machen Sie dies bitte konstruktiv und sachlich. Danke, die Redaktion/fk.

    Der Profifussball keine romantische Spielwiese? Hopp kein selbstloser Dörfler? Die Erde keine Scheibe?
    In welcher Zeit leben Sie, lieber ZEIT-Autor?

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    Eigentlich könnte der Klub auch "TSG Hopp" heißen. Wer zahlt, schafft an. Es wäre ja noch schöner, wenn ein stümperhafter Manager (z,B. Meier, der bei Köln rausgeflogen ist) das Kapital des H. Hopp vernichten würde.
    Und Rangnick wird wieder etwas anderesb finden. Vielleicht beim HSV, deren Trainer Veh ja auch auf der Kippe steht.
    Fußball ist leider ein reines Schaugeschäft geworden. Solange die Fans sich mit diesen Kapital-AG-Klubs einverstanden erklären, die bereits über 50% ausländische Spieler in ihren Reihen haben, ist nichts dagegen zu sagen. In meinen Augen ist es teilweise moderner Sklavenhandel, aber gut bezahlt.

    Eigentlich könnte der Klub auch "TSG Hopp" heißen. Wer zahlt, schafft an. Es wäre ja noch schöner, wenn ein stümperhafter Manager (z,B. Meier, der bei Köln rausgeflogen ist) das Kapital des H. Hopp vernichten würde.
    Und Rangnick wird wieder etwas anderesb finden. Vielleicht beim HSV, deren Trainer Veh ja auch auf der Kippe steht.
    Fußball ist leider ein reines Schaugeschäft geworden. Solange die Fans sich mit diesen Kapital-AG-Klubs einverstanden erklären, die bereits über 50% ausländische Spieler in ihren Reihen haben, ist nichts dagegen zu sagen. In meinen Augen ist es teilweise moderner Sklavenhandel, aber gut bezahlt.

  2. Eigentlich könnte der Klub auch "TSG Hopp" heißen. Wer zahlt, schafft an. Es wäre ja noch schöner, wenn ein stümperhafter Manager (z,B. Meier, der bei Köln rausgeflogen ist) das Kapital des H. Hopp vernichten würde.
    Und Rangnick wird wieder etwas anderesb finden. Vielleicht beim HSV, deren Trainer Veh ja auch auf der Kippe steht.
    Fußball ist leider ein reines Schaugeschäft geworden. Solange die Fans sich mit diesen Kapital-AG-Klubs einverstanden erklären, die bereits über 50% ausländische Spieler in ihren Reihen haben, ist nichts dagegen zu sagen. In meinen Augen ist es teilweise moderner Sklavenhandel, aber gut bezahlt.

    Antwort auf "Überraschung!"
  3. Die Entlassung von Rangnick ist eine mMn sehr sinnvolle Entscheidung. Rangnick möchte einen absoluten Spitzenclub trainieren mit dem er Chancen hat sich dauerhaft auf internationaler Bühne zu präsentieren. Das war aber sicher nie das primäre Ziel von Hopp. Zumal es Rangnick auch nicht geschafft hat sein Ziel, mit Hoffenheim international zu spielen, zu verwirklichen. Von daher kann ich Hopp sehr gut verstehen, dass er dem überambitionierten Rangnick den Laufpass gegeben hat. Der kann ja dann demnächst die Millionen von VW verpulvern.

    • geron2
    • 05.01.2011 um 12:24 Uhr

    ...völlig normal, verständlich und seriös, wenn Herr Hopp von vornherein sagt, dass er eben auch etwas von seinen Investitionen zurückbekommen will, oder? Was heißt denn, er ist kein selbstloser Mäzen? Er hat riskant viel Geld angelegt, um seine Heimat sportlich zu stärken, und ohne kurzfristig oder auch langfristig erwarten zu können, dass er sein Geld wieder zurückbekommt. Wäre es denn seriös und sinnvoll zu sagen, hier habt ihr mein Geld, macht, was ihr wollt? Das Konzept von Herrn Hopp ist doch offenbar auf Nachhaltigkeit angelegt - der Verein soll sich selber finanziell tragen, und die Infrastruktur (Nachwuchszentrum etc.) zeugt doch davon, dass eben nicht kurzfristiger sportlicher Erfolg gesucht wird, sondern eine Etablierung auf der Basis solider Entwicklung. Dass er sich laut Artikel nicht "um jeden Preis nach oben kaufen will", ist doch der solide Unterschied zu Modellen, wie sie z.B. von Herrn Magath repräsentiert werden, die mir aber moralisch völlig Probleme machen. Auch Herr Rangnick mit seinem meist nur unverhohlen verdeckten übertriebenen Ehrgeiz scheint den kurzfristigen Erfolg zu wollen, was mir bedeutend unsympathischer ist. Insofern kann ich die Bewertungsschlagseite des Artikels überhaupt nicht nachvollziehen.

    • MiBo34
    • 05.01.2011 um 12:57 Uhr

    Ja, es ist Winter.
    Ja, alle möglichen Vereine sind im Trainingslager.
    Ja, spektakuläre Wechsel reichen nicht.

    Aber: Muss denn immer soviel über diesen Verein geschrieben werden, interessiert das Dorf aber doch nicht den Rest -
    wenn schon kritisch dann umfassend (Bayer, VW..).

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