Interview zur Flugsicherheit »Will man mit dem Terror fertig werden oder nicht?«

Der Sicherheitsexperte Pini Shif über Kontrollen an Israels Flughäfen und die deutsche Diskussion um das »Profiling« von Passagieren

Luftsicherheitsbeauftragte kontrollieren am Flughafen in München die Fluggäste

Luftsicherheitsbeauftragte kontrollieren am Flughafen in München die Fluggäste

DIE ZEIT: Christoph Blume, der designierte Präsident des Deutschen Flughafenverbands, hat viel Widerspruch ausgelöst, als er vorschlug, sich am israelischen Modell zu orientieren und Flugpassagiere in Risikogruppen einzuteilen. Vom »Profiling« will man in Deutschland nichts hören.

Pini Shif: Der Mann ist ja nicht der Einzige. Hunderte Sicherheitsverantwortliche aus aller Welt kommen, um sich unser Kontrollsystem anzusehen. Israel hat seit den siebziger Jahren viel Erfahrung in der Flugsicherheit. Es gibt kaum ein Land, das sich nicht für unser Modell interessiert hätte.

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ZEIT: Können Sie das Profiling genauer erläutern?

Shif: Profiling bedeutet, dass man nicht bei allen Fluggästen gleich große Anstrengungen unternehmen muss. Kinder, Eltern mit Baby oder ein betagtes Ehepaar fallen in eine andere Kategorie als allein reisende Erwachsene. Gründlich kontrolliert wird nur, wer bestimmten Kriterien entspricht. Dazu gehören viele Komponenten, auch Informationen des Nachrichtendienstes. So lässt sich ein reibungsloser Service aufrechterhalten, weil nicht alle gleich lange warten müssen. In den USA etwa werden alle Reisende bei der Kontrolle als potenzielle Verdächtige behandelt, ohne Unterschied. Das kostet ganz schön viel Zeit.

ZEIT: In Deutschland hält man mit dem Grundgesetz dagegen: Alle Menschen sind gleich.

Shif: Wenn Millionen Autos auf der Straße fahren, hält die Polizei auch nur einige Fahrer an, um ihre Papiere zu kontrollieren. Ist das Diskriminierung?

ZEIT: Der Zentralrat der Muslime in Deutschland sieht die Gefahr der Stigmatisierung.

Pini Shif
Pini Shif

Der 63-Jährige war viele Jahre lang Sicherheitschef am Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv.

Shif: Es geht darum, ob eine Regierung mit dem Terror fertigwerden will oder nicht. Al-Qaida verübt Attentate auf der ganzen Welt, und die Mitglieder von al-Qaida sind nun mal Muslime. Warum sollte man das nicht sagen dürfen?

ZEIT: Als wie effektiv hat sich das Profiling denn bisher erwiesen?

Shif: Warum fühlen sich die Passagiere bei der israelischen Linie El Al so sicher? Weil sie wissen, dass jeder Fluggast gründlich gecheckt worden ist. Dazu eine Geschichte: 1986 gab es am Londoner Flughafen Heathrow eine schwangere junge Frau aus Irland, die auf einen El-Al-Flieger mit 300 Passagieren nach Tel Aviv gebucht war. Nach einigen banalen Fragen, warum sie nach Israel reise, ob sie dort Verwandte habe, ob man sie abholen werde, bekam der Sicherheitsverantwortliche Zweifel. Schließlich entdeckte man in ihrem Gepäck – das zuvor von der englischen Security untersucht worden war – eine Zehn-Kilo-Bombe, hineingeschmuggelt von ihrem jordanischen Verlobten. Sie wusste davon nichts, aber ihre Antworten waren irgendwie nicht einleuchtend.

ZEIT: Kann denn das oft sehr junge Personal am Flughafen entscheiden, was einleuchtend ist?

Leser-Kommentare
  1. Mir reicht es. Ehrlich. Dieses Drama, was sich an den Flughäfen abspielt geht auf keine Kuhhaut - zumindest nicht auf Dauer.
    So werden wir mit dem Terror nie fertig.

    Jetzt sind es Nacktskanner. Gut, was machen wir, wenn der nächste Terrorist sich den Sprengstoff in den Darm steckt? Müssen dann alle Fluggäste sich einer Darmspiegelung unterziehen?
    Wie weit will man so ein Spiel, welches man auf Dauer doch nur verlieren kann, mitspielen?
    Was, wenn Terroristen dann auf Kinos, Einkaufszentren, Züge etc. ausweichen, müssen wir uns dann jeden Tag mehrfach total untersuchen lassen? Wie soll das aussehen?

    Wie wäre es, wenn wir aus dem Spiel aussteigen und uns auf die bisher so gute Arbeit der Geheimdienste und Polizei verlassen (haben ja eine Menge im Vorfeld aufgedeckt, so dass es nicht geknallt hat)? Was, wenn wir nach einem Terroranschlag unsere Toten betrauern, die Verwandten bestmöglich trösten und ihnen helfen, aber trotzdem unser Leben einfach fortsetzen, so dass der Terror keine Wirkung zeigt?

    Alles keine einfachen Fragen, auf die ich keine Patentlösung anzubieten habe. Aber eins ist mir klar: Mit immer weiter aufgerüsteten Überwachungswahn werden wir den Kampf verlieren, weil wir dann genau das machen, was die Terroristen erreichen wollen: Unsere freiheitliche Gesellschaft abschaffen.

  2. Ich finde Profiling ok, wenn es die Sicherheitsüberprüfungen einfacher und besser macht.

    Richtig besiegen kann man den Terror aber erst, wenn man auch die ideologischen/religiösen Grundlagen besiegt - doch solange das nicht politisch korrekt zu sein scheint, müssen wir halt mit solchen Problemchen leben.

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    Profiling klingt gut, vorallem für die meisten, denn man darf hoffen, dass die Mehrheit weniger kontrolliert wird.
    Für jeden Reisenden, der aber aus welchen Gründen auch immer in eine Gefährdungsgruppe fällt, sieht die Sache ganz anders aus. Konnte man bisher noch offen nicht ständig als Sicherheitsrisiko eingestuft zu werden, ist man nun IMMER dran.
    Man darf schliesslich davon ausgehen, dass annähernd gleich Kriterien zumindest für die europäischen Fluggesellschaften/Länder gelten würden. Da die Kriterin aber geheim gehalten werden, hat man auch keine Chance Mißverständnisse, Fehler in den Datenbanken und dgl. aufzuklären. Es trifft nun zwar nicht mehr alle, wen es aber trifft, der geht besser gleich "nackt" zum Flughafen.

    Profiling klingt gut, vorallem für die meisten, denn man darf hoffen, dass die Mehrheit weniger kontrolliert wird.
    Für jeden Reisenden, der aber aus welchen Gründen auch immer in eine Gefährdungsgruppe fällt, sieht die Sache ganz anders aus. Konnte man bisher noch offen nicht ständig als Sicherheitsrisiko eingestuft zu werden, ist man nun IMMER dran.
    Man darf schliesslich davon ausgehen, dass annähernd gleich Kriterien zumindest für die europäischen Fluggesellschaften/Länder gelten würden. Da die Kriterin aber geheim gehalten werden, hat man auch keine Chance Mißverständnisse, Fehler in den Datenbanken und dgl. aufzuklären. Es trifft nun zwar nicht mehr alle, wen es aber trifft, der geht besser gleich "nackt" zum Flughafen.

    • dxb
    • 19.01.2011 um 11:27 Uhr

    Entfernt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

    • chamsi
    • 19.01.2011 um 11:28 Uhr

    ist berüchtigt für seine willkürlichen, arroganten, teilweise extremen Befragungs- und körperlichen
    Untersuchungsmethoden.
    An Herrn Shif : Mit dem Terror fertig werden, heißt
    seine Ursachen bekämpfen !!!
    Nicht völlig unbeteiligte Reisende demütigen.

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    wenn man Ihre Kommentare ab und zu liest, dann hat es schon einen Grund, warum Sie gründlich befragt werden sollten!

    Die Leute, die Probleme mit der Sicherheitsbefragung haben, sind jene, die ohnehin eine Aversion gegen Israel haben. Jeder, der eine natürliches Sicherheitsbedürfnis hat, der freut sich über eine gründliche Kontrolle.
    Es wird ja niemand gezwungen nach Israel zu fliegen, sollen doch die Kritiker der Maßnahmen über Jordanien einreisen.

    wenn man Ihre Kommentare ab und zu liest, dann hat es schon einen Grund, warum Sie gründlich befragt werden sollten!

    Die Leute, die Probleme mit der Sicherheitsbefragung haben, sind jene, die ohnehin eine Aversion gegen Israel haben. Jeder, der eine natürliches Sicherheitsbedürfnis hat, der freut sich über eine gründliche Kontrolle.
    Es wird ja niemand gezwungen nach Israel zu fliegen, sollen doch die Kritiker der Maßnahmen über Jordanien einreisen.

    • Uli_1
    • 19.01.2011 um 11:56 Uhr

    Die Terroristen sind nun einmal Muslime und deshalb ist es doch wohl durchaus gerechtfertigt diese Personengruppe genauer unter die Lupe zu nehmen. [...]

    Gekürzt. Bitte argumentieren Sie differenziert und verzichten Sie auf Polemik. Danke. Die Redaktion/wg

  3. Ich persönlich halte Profiling für sinnvoll und als ergänzendes Mittel durchaus notwendig.

    [...]

    Gruß,

    Joe

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf überzogene Polemik. Die Redaktion/cs

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    nachdem Sie von Bankstern um ihre gesamten Altersersparnisse gebracht wurden und nun befürchten im erodierenden Gesundheitssystem als ewige Leichen wundgelegen an Apparaten hinzuvegetieren den gang großen "Bang" als Abgang von dieser Welt vorziehen könnten, um dem kaputten System noch mal richtig den Stinkefinger zu zeigen?

    "Es ist doch leider offensichtlich, von wem tendenziell mehr Gefahr ausgeht."

    Es ist offensichtlicher denn je. Die Gefahr geht aus von Leuten, die das Verhalten einzelner stigmatisieren zur Brandmarkung vieler. Früher nannte man das "Sippenhaft". Sie wird eminent, wenn solche auch noch die (Macht) Mittel besitzen, diese Ausgrenzung in Gesetze zu verpacken. Sie hat sich spätestens dann schon bei uns verselbständigt, wenn einem "Verhör" das Wort geredet wird, daß anlasslos persönliche Gründe für was auch immer hinterfragen darf, um daraus Maßnahmen zu generieren, die die Intimsphäre offen legen soll. Ganz zu schweigen davon, daß Kontrollen diese persönlichen Grenzen teilweise schon "routinemäßig" überschreiten.
    Wer kontrolliert eigentlich die Befrager?
    Wird die Einreise verweigert, wenn ich denen nicht sage, warum ich ins Land will? Letztlich abstrus wird das Ganze, wenn dies auch noch vorgaukeln soll, daß damit für die Gesellschaft ein (Sicherheits) Gewinn verbunden sei. Als Rechtfertigung wird dann immer der eine Fall aus dem Hut gezaubert.

    Das Einreden von Angst funktioniert anscheinend nicht nur in der Versicherungsbranche hervorragend. Da zahlt man permanent auch seine Beiträge, um im Bedarfsfall durch einen "Gutachter" (welch ein Wort) zu erfahren, daß dieser Schaden nicht gedeckt ist.

    nachdem Sie von Bankstern um ihre gesamten Altersersparnisse gebracht wurden und nun befürchten im erodierenden Gesundheitssystem als ewige Leichen wundgelegen an Apparaten hinzuvegetieren den gang großen "Bang" als Abgang von dieser Welt vorziehen könnten, um dem kaputten System noch mal richtig den Stinkefinger zu zeigen?

    "Es ist doch leider offensichtlich, von wem tendenziell mehr Gefahr ausgeht."

    Es ist offensichtlicher denn je. Die Gefahr geht aus von Leuten, die das Verhalten einzelner stigmatisieren zur Brandmarkung vieler. Früher nannte man das "Sippenhaft". Sie wird eminent, wenn solche auch noch die (Macht) Mittel besitzen, diese Ausgrenzung in Gesetze zu verpacken. Sie hat sich spätestens dann schon bei uns verselbständigt, wenn einem "Verhör" das Wort geredet wird, daß anlasslos persönliche Gründe für was auch immer hinterfragen darf, um daraus Maßnahmen zu generieren, die die Intimsphäre offen legen soll. Ganz zu schweigen davon, daß Kontrollen diese persönlichen Grenzen teilweise schon "routinemäßig" überschreiten.
    Wer kontrolliert eigentlich die Befrager?
    Wird die Einreise verweigert, wenn ich denen nicht sage, warum ich ins Land will? Letztlich abstrus wird das Ganze, wenn dies auch noch vorgaukeln soll, daß damit für die Gesellschaft ein (Sicherheits) Gewinn verbunden sei. Als Rechtfertigung wird dann immer der eine Fall aus dem Hut gezaubert.

    Das Einreden von Angst funktioniert anscheinend nicht nur in der Versicherungsbranche hervorragend. Da zahlt man permanent auch seine Beiträge, um im Bedarfsfall durch einen "Gutachter" (welch ein Wort) zu erfahren, daß dieser Schaden nicht gedeckt ist.

  4. ... sollte man überhaupt keine israelischen Methoden im Umgang mit Menschen übernehmen.

    [...]

    Da stehen mir die USA näher. Alle werden gleich kontrolliert. Und ob das dann schneller oder langsamer geht ist doch nur eine Frage der Ausstattung und der Personaldichte.

    Teile entfernt. Bitte argumentieren Sie differenziert und verzichten Sie auf Polemik. Danke. Die Redaktion/wg

    Eine Leser-Empfehlung
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    Sie verlieren sich (mal wieder) in Ihrem Hass auf Israel. Auch sind ca. 90% Ihres Beitrages nicht Artikelbezogen. Sie bekommen aber trotzdem eine Antwort: Ein Land, welches von feindlichgesinnten Staaten umgeben ist, fast täglich von Terroranschlägen (Raketen- und Mörserbeschuss) erschüttert wird und welchem mehrfach mit der totalen Ausrottung seiner Einwohner gedroht wurde (Gott sei dank sind alle bisherigen Versuche in die Hose gegangen), muss seine Einwohner schützen. Dies ist eine der obersten Pflichten eines jeden Staates. Ich lebe in Israel und fliege daher recht oft "hin und her" trotzdem stören mich die Sicherheitskontrollen nicht! Wer damit ein Problem kann es ja vermeiden nach Israel zufliegen!

    Trotzdem: halte ich die Übertragung von diesem System auf Europa für nicht machbar.

    Sie verlieren sich (mal wieder) in Ihrem Hass auf Israel. Auch sind ca. 90% Ihres Beitrages nicht Artikelbezogen. Sie bekommen aber trotzdem eine Antwort: Ein Land, welches von feindlichgesinnten Staaten umgeben ist, fast täglich von Terroranschlägen (Raketen- und Mörserbeschuss) erschüttert wird und welchem mehrfach mit der totalen Ausrottung seiner Einwohner gedroht wurde (Gott sei dank sind alle bisherigen Versuche in die Hose gegangen), muss seine Einwohner schützen. Dies ist eine der obersten Pflichten eines jeden Staates. Ich lebe in Israel und fliege daher recht oft "hin und her" trotzdem stören mich die Sicherheitskontrollen nicht! Wer damit ein Problem kann es ja vermeiden nach Israel zufliegen!

    Trotzdem: halte ich die Übertragung von diesem System auf Europa für nicht machbar.

  5. ein qualifiziertes profiling kann problem,los nach geltendem Gefahrenabwehrrecht durchgeführt werden.

    Wenn eine Zielgruppe einen Schwepunkt bei bestimmten Ethnien bildet, so ist das nur ein Aspekt von vielen. rätselhaft bleibt, warum es so schwer ist solche Sachverhalte offen zu diskutieren?

    Sinnvoller als nicht, oder nur schlecht, funktionierende Nacktscanner ist das allemal.

    MfG Karl Müller

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